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DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level!

Ein Podcast zu medizinischen Themen für junge Ärzte und Studierende mit den Basics aber auch mit Tips für den alltäglichen Dienst in der Klinik oder Praxis.

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    Legionellose

    🦠 Erreger & ÜbertragungLegionellose wird meist durch Legionella pneumophila verursacht, ein gramnegatives, obligat aerobes, fakultativ intrazelluläres Stäbchenbakterium.Wichtige Punkte:• „Nasskeim“: Vermehrung v. a. in Warm- und Kondenswasser• Typische Quellen: Duschen, Hotels, Krankenhäuser, Pflegeheime, Klimaanlagen, Kühlwerke, Whirlpools• Wachstum besonders bei 20 bis 50 Grad Celsius• Abtötung typischerweise bei 60 bis 70 Grad Celsius• Übertragung durch Inhalation kontaminierter Aerosole, nicht typischerweise durch Trinken• Keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung → in der Regel keine spezielle Isolierung nötig👥 RisikogruppenBesonders gefährdet:• ältere Menschen• Raucherinnen und Raucher• chronisch Kranke• immunsupprimierte Patientinnen und Patienten🌡️ Klinische FormenPontiac-Fieber• leichte Verlaufsform ohne Pneumonie• Inkubationszeit meist 1 bis 3 Tage• grippeähnlich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit• oft klinisch kaum von viralem Infekt zu unterscheidenLegionärskrankheit• schwere Form mit atypischer Pneumonie• Inkubationszeit meist 2 bis 10 Tage• häufig: Fieber, reduzierter Allgemeinzustand, trockener Husten• wichtige extrapulmonale Hinweise: Diarrhö, Hyponatriämie, Verwirrtheit• Hyponatriämie oft im Rahmen eines SIADH🔎 Wann an Legionellen denken?Besonders bei:• atypischer Pneumonie• trockenem Husten und hohem Fieber• Diarrhö und/oder Hyponatriämie• älteren oder immunsupprimierten Patientinnen und Patienten• Exposition zu Wasseranlagen, Hotelaufenthalt, Pflegeeinrichtung, Krankenhaus🧪 DiagnostikIm Alltag zentral:• Legionellen-Antigen im Urin: schnell, praktisch, früh anfordern• PCR aus Sputum: direkter Erregernachweis• Kultur aus Sputum: Ergebnis meist nach 4 bis 7 Tagen, wichtig für Sicherung und Epidemiologie• Serologie: für die Akutsituation meist wenig hilfreichPraxis-Tipp:• wenn möglich Proben vor Antibiotikagabe abnehmen• Therapie bei relevantem Verdacht dennoch nicht verzögern💊 TherapieJede Legionellen-Pneumonie sollte früh antibiotisch behandelt werden.Erste Wahl:• Levofloxacin 500 Milligramm 1-mal täglich• bei schweren Verläufen teils 500 Milligramm 2-mal täglich• Nierenfunktion beachten, ggf. Dosisanpassung• oft initial intravenös, später oralAlternativen:• Clarithromycin 500 Milligramm 2-mal täglich• auch Azithromycin ist möglichTherapiedauer:• meist 5 bis 10 Tage• bei Immunsuppression bis zu 21 TageWichtige Nebenwirkungs- und Interaktionspunkte:• Levofloxacin: QT-Zeit-Verlängerung, Tendinopathien, ZNS-Nebenwirkungen• Clarithromycin: QT-Zeit-Verlängerung, relevante ArzneimittelinteraktionenMerksatz:• Bei atypischer Pneumonie Legionellen immer mit abdecken.🏥 Supportive TherapieJe nach Schweregrad:• Sauerstoff bei Hypoxämie• Flüssigkeitstherapie mit Bedacht• Kreislaufstabilisierung• Fiebersenkung• intensivmedizinische Überwachung bei schwerem Verlauf• Hyponatriämie klinisch ernst nehmen🚿 Prävention & HygieneBei kontaminierten Wasserstellen:• Nutzung sofort stoppen• nur Wasser ohne erhöhte Legionellenkonzentration verwenden• thermische oder chemische Desinfektion• thermische Desinfektion: gesamtes Leitungssystem für mindestens 3 Minuten auf mehr als 71 Grad Celsius• endständige Filter in Risikobereichen möglich📋 Meldepflicht• Erregernachweis ist namentlich meldepflichtig• bei Verdacht oder Nachweis früh Hygieneteam und ggf. Gesundheitsamt einbeziehen🧠 Take-home-MessageLegionellen mitdenken bei:Wasserexposition + atypischer Pneumonie + trockenem Husten + Diarrhö + HyponatriämieKurzformel:Wasser – Aerosol – atypische Pneumonie – Diarrhö – Hyponatriämie – Urin-Antigen – Levofloxacin

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    Ambulant erworbene Pneumonie (CAP)

    📌 Definition und AbgrenzungCAP = Infektion des Lungenparenchyms, außerhalb des Krankenhauses erworben, auch in Pflegeeinrichtungen möglich.Wichtige Abgrenzung:• nosokomiale Pneumonie• Pneumonie bei schwerer ImmunsuppressionDiese Unterscheidung beeinflusst Erregerspektrum und kalkulierte Therapie entscheidend.🦠 Erreger und PathophysiologieHäufigster Mechanismus: Mikroaspiration in die tiefen Atemwege.Typische Erreger:• Streptococcus pneumoniae• Haemophilus influenzae• Staphylococcus aureus• Enterobakterien• atypische Erreger: Mycoplasma, Chlamydophila, Legionellen, Coxiella• respiratorische Viren: Influenza, RSV u. a.👥 RisikofaktorenBesonders gefährdet:• ältere Menschen• multimorbide oder funktionell eingeschränkte Personen• Menschen mit geschwächten pulmonalen SchutzmechanismenWichtige Risikofaktoren:• Rauchen, Alkohol, Mangelernährung• schlechte Mundhygiene• COPD, Asthma, zystische Fibrose• Herz-, Nieren-, Lebererkrankungen, Diabetes• neurologische Erkrankungen, Dysphagie, Bewusstseinsstörungen• PPI, Antipsychotika, Glukokortikoide• unzureichender Impfschutz⚠️ Multiresistente ErregerBei klassischer CAP insgesamt selten.Risikofaktoren:• kürzlicher Krankenhausaufenthalt• Dialyse• Pflegeheim• kürzliche Antibiotikatherapie• chronische Lungenerkrankung• Immunsuppression• bekannte Besiedlung/Infektion mit MREWichtig: nicht reflexhaft zu breit therapieren – Antibiotic Stewardship beachten.🩺 Klinik und DiagnostikTypische Symptome:• Husten• Fieber• Dyspnoe• Thoraxschmerz• Allgemeinsymptome, Schwäche, VerwirrtheitBei älteren Menschen oft atypisch:• Delir, Sturz, reduzierte Nahrungsaufnahme, LeistungsabfallDiagnosesicherung:Klinik plus neues Infiltrat in der Thoraxbildgebung, meist Röntgen-Thorax.Differenzialdiagnosen:• kardiales Lungenödem• Lungenembolie• interstitielle Lungenerkrankung• Malignom• alveoläre Hämorrhagie• Atelektase🧪 Basis- und ErregerdiagnostikBei stationären/schweren Verläufen:• Blutbild, CRP, PCT• Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte• BGA bei respiratorischer Beeinträchtigung• Lactat bei Sepsisverdacht⏱️ Antibiotika nicht unnötig verzögern:• stationär möglichst innerhalb von 8 Stunden• bei Sepsis/septischem Schock innerhalb von 1 Stunde📊 SchweregradeinschätzungCRB-65:• C: Confusion• R: Atemfrequenz ≥ 30/min• B: RR systolisch < 90 oder diastolisch ≤ 60 mmHg• 65: Alter ≥ 65 JahreAber: Score ersetzt nie den klinischen Gesamteindruck.Auch Hypoxämie, Pleuraerguss, instabile Komorbiditäten oder soziale Faktoren können stationäre Aufnahme erfordern.💊 TherapieGrundprinzipien:• frühzeitige empirische Antibiotikatherapie• später Deeskalation nach Erregernachweis• früh an Oralisierung denkenTypische Dauer:• leichte/mittelschwere CAP: meist 5 Tage• schwere CAP: meist 7 Tage• immer mindestens 2 Tage über klinische Stabilisierung hinausLeichte CAP:• Amoxicillin als LeitsubstanzAlternativen je nach Situation:• Doxycyclin• Clarithromycin• AzithromycinMittelschwere CAP:• Ampicillin/Sulbactam i.v.• Amoxicillin/Clavulansäure i.v.• Cefuroxim, Ceftriaxon, Cefotaxim• ggf. Makrolid bei Verdacht auf atypische ErregerSchwere CAP:• z. B. Piperacillin/Tazobactam + Makrolid• oder Ceftriaxon + Makrolid🫁 Supportive MaßnahmenWesentlich sind auch:• Sauerstofftherapie• Flüssigkeit mit Augenmaß• Sepsistherapie nach Standard• Antipyrese, Analgesie• Thromboseprophylaxe• frühe Mobilisation• Atemtherapie• adäquate ErnährungBei fehlender Besserung prüfen:• stimmt die Diagnose?• richtige Substanz, Dosis, Applikation?• Pleuraerguss/Empyem?• neuer Erreger?• unerkannte Immunsuppression?• nicht-infektiöse Mimics?🎯 Take-home-Messages• CAP = Klinik plus neues Infiltrat• CRB-65 hilft, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung• die ersten 72 Stunden sind entscheidend• Antibiotikatherapie früh starten• Therapiedauer meist 5 bzw. 7 Tage• bei Nichtansprechen zuerst Diagnose und Komplikationen hinterfragen

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    Pneumonie

    📌 Kernaussagen• Pneumonie = akute Infektion des Lungenparenchyms• Diagnose gesichert erst durch neues Infiltrat in der Bildgebung• Zentrale Einteilung: CAP, HAP oder Pneumonie bei schwerer Immunsuppression• Gerade ältere Menschen zeigen oft atypische Symptome• Frühe Schweregradeinschätzung und rascher Therapiebeginn sind entscheidend🧭 Klinische Einteilung• CAP: ambulant erworben bei immunkompetenten Personen• HAP: im Krankenhaus erworben• Immunsuppression: breiter denken, auch opportunistische Erreger wie Pilze, Pneumocystis jirovecii, CMV oder MykobakterienWarum wichtig?Diese Einteilung bestimmt Erregerspektrum und kalkulierte antimikrobielle Therapie.🦠 Ursachen und RisikofaktorenHäufige Erreger:• Bakterien• VirenSeltener:• Pilze• ParasitenWichtige Risikofaktoren:• hohes Alter• Multimorbidität• COPD, Rauchen• Dysphagie, neurologische Erkrankungen• Sedierung, Aspiration• Immunsuppression😷 KlinikTypische Symptome:• Husten, oft mit Auswurf• Dyspnoe• Fieber• pleuritische Thoraxschmerzen• AbgeschlagenheitBei älteren Menschen oft unspezifisch:• Delir• Sturz• Schwäche• Appetitlosigkeit• funktioneller Abbau• DiarrhöMerke: Tachypnoe ist ein wichtiges Frühzeichen, besonders im hohen Alter.🔎 DiagnostikKlinischer Verdacht:• Anamnese + Untersuchung• konsequente Vitalparameter: RR, HF, AF, Temperatur, SpO₂, mentaler StatusDiagnosesicherung:• Röntgen-Thorax als Standard• Sonografie hilfreich bei Pleuraerguss, Empyem, Verlauf• CT nur bei unklarem Befund, Komplikationen oder wichtiger DifferenzialdiagnoseWichtig:Radiologische Muster helfen, beweisen aber keinen Erreger.🧪 Mikrobiologie und LaborGezielt statt routinemäßig breit:• Blutkulturen vor Antibiotikagabe, wenn möglich• Sputum/respiratorische Proben für Gramfärbung, Kultur, Antibiogramm• PCR auf virale oder schwer anzüchtbare Erreger• Urin-Antigentests z. B. Legionellen, PneumokokkenBasislabor:• Blutbild• CRP• Nierenwerte, Elektrolyte• ggf. Leberwerte, Laktat• Blutgasanalyse bei Dyspnoe, Hypoxämie, schwerem Verlauf⚠️ DifferenzialdiagnosenImmer mitdenken:• kardiales Lungenödem• COPD-Exazerbation• Lungenembolie• interstitielle Lungenerkrankung• Lungenkarzinom💊 TherapieGrundprinzipien:• früh Schweregrad einschätzen• kalkulierte antimikrobielle Therapie starten• nach Erregernachweis fokussieren/deeskalieren• bei Sepsis oder Schock keine unnötige VerzögerungSupportive Maßnahmen:• Sauerstoff bei Hypoxämie• Flüssigkeit mit Augenmaß• Analgesie/Antipyrese• Frühmobilisierung• ggf. NIV, High-Flow oder invasive Beatmung• Thromboseprophylaxe bei stationären immobilen Patient:innen⏱ VerlaufskontrolleRe-Evaluation nach 48–72 Stunden:• Besserung von Dyspnoe, Sauerstoffbedarf, Fieber?• Kreislauf stabil?• Labortrend passend?Wenn kein Ansprechen:• Diagnose prüfen• Resistenz/falscher Erreger?• Pleuraerguss, Empyem, Abszess?• Obstruktion, Tumor, Embolie, Ödem als Alternative?🚨 Komplikationen• respiratorische Insuffizienz• Sepsis, septischer Schock• Pleuraerguss, Pleuraempyem• Lungenabszess• ARDS• Delir, Nierenversagen, kardiale Komplikationen🛡 Prävention• Impfungen: Pneumokokken, Influenza, RSV je nach Zielgruppe• Rauchstopp• gute Mundhygiene• Dysphagie erkennen und behandeln• Aspirationsprophylaxe• Medikamente regelmäßig kritisch prüfen🧠 Merkschema für den Alltag1. Ist es wirklich eine Pneumonie?2. Wie krank ist der Mensch vor mir?3. CAP, HAP oder Immunsuppression?4. Welche Proben brauche ich jetzt?5. Welche kalkulierte Therapie passt?6. Wann prüfe ich das Ansprechen?

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    SARS-CoV-2 & COVID-19

    🌍 BasicsCOVID-19 = ErkrankungSARS-CoV-2 = Erreger- Behülltes RNA-Virus aus der Familie der Coronaviren- Gegen Standardhygiene und Händedesinfektion gut empfindlich- Relevanz weiter hoch, v. a. für vulnerable Gruppen⚠️ Wer ist besonders gefährdet?Erhöhtes Risiko für schwere Verläufe bei:- höherem Alter, besonders ab etwa 60 Jahren- Immunsuppression, Organtransplantation- aktiver Chemotherapie- multiplen Komorbiditäten- chronischen Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenerkrankungen- Adipositas, Diabetes mellitus💨 Übertragung und InfektiositätHauptübertragung über respiratorische Partikel:- Tröpfchen- AerosoleBesonders riskant:- Intubation- NIV- Bronchoskopie- Absaugen der AtemwegeWichtig:- Ansteckung schon vor Symptombeginn möglich- höchste Infektiosität meist 1–2 Tage um Symptombeginn- bei Immunsuppression oder schwerem Verlauf länger infektiös🧬 Pathophysiologie- Spike-Protein bindet an ACE2, Eintritt u. a. über TMPRSS2- Frühphase: virale Replikation → antivirale Therapie relevant- Spätphase bei schweren Verläufen: Hyperinflammation, endotheliale Dysfunktion, Gerinnungsaktivierung → immunmodulatorische Therapie relevantMerksatz:Früh antiviral, später antiinflammatorisch/immunmodulatorisch.🩺 KlinikHäufige Symptome:- Fieber- Husten, Schnupfen, Halsschmerzen- Kopf- und Gliederschmerzen- Fatigue- Anosmie/Dysgeusie- Dyspnoe- gastrointestinale BeschwerdenWarnzeichen für schweren Verlauf:- Atemfrequenz > 25–30/min- SpO2 < 92 % unter Raumluft- neu aufgetretene Luftnot- Hypotonie- Vigilanzminderung- rasche VerschlechterungPraxispunkt:Früh Pulsoxymetrie durchführen – auch bei zunächst unauffälligem Eindruck.🔬 DiagnostikGoldstandard:- PCR für AkutdiagnostikAntigentest:- schnell verfügbar- aber weniger sensitivWichtige Fallstricke:- negativer Antigentest schließt Infektion nicht sicher aus- negativer Rachenabstrich schließt bei Pneumonie/ARDS COVID-19 nicht aus- bei spätem Verlauf ggf. Material aus den unteren Atemwegen untersuchenZusätzlich bei schwerem Verlauf:- Blutbild, CRP, Nieren- und Leberwerte- Gerinnung, D-Dimere- Blutgasanalyse- ggf. Troponin- Bildgebung: Röntgen, CT, Lungensonografie💊 TherapieFrühe Phase, Hochrisikopatienten:- Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid)- Alternative: RemdesivirGanz wichtig:Ohne Interaktionscheck kein Paxlovid.Ritonavir verursacht zahlreiche relevante Arzneimittelinteraktionen.Milder Verlauf ohne Risikofaktoren:- symptomatische Therapie- keine routinemäßigen Antibiotika- keine systemischen Glukokortikoide ohne HypoxämieBei Sauerstoffbedarf:- Dexamethason 6 mg 1x täglich für bis zu 10 TageBei schwerem inflammatorischem Verlauf:- zusätzlich Tocilizumab erwägenWeitere Bausteine:- Sauerstofftherapie, High-Flow, NIV, ggf. Intubation- Bauchlagerung auch bei wachen Patientinnen und Patienten sinnvoll- stationär Thromboseprophylaxe mitdenken🧑‍🤝‍🧑 Besondere GruppenBesondere Aufmerksamkeit bei:- Schwangeren- immunsupprimierten Patientinnen und Patienten- transplantierten Personen- Kindern und jungen Erwachsenen trotz meist milderer Verläufe🛡️ PräventionWichtigste Präventionsmaßnahme:- Impfung schützt v. a. vor schwerem Verlauf, Hospitalisierung und TodZusätzlich relevant:- Masken- Lüftung- Händedesinfektion- Isolationsmaßnahmen im klinischen Setting🧠 Long-COVID / Post-COVIDMögliche Beschwerden über Wochen bis Monate:- Fatigue- Belastungsintoleranz- Dyspnoe- Husten- Konzentrationsstörungen- Schlafstörungen- Thoraxschmerz- Palpitationen- Geruchs-/Geschmacksstörungen- psychische SymptomePraxis:- ernst nehmen- organische Differenzialdiagnosen aktiv ausschließen- symptomorientierte, interdisziplinäre Nachsorge✅ 5 Take-home-Points- Früh Sauerstoffsättigung messen- Risikopatienten sofort erkennen- Antivirale Therapie früh prüfen- Dexamethason nur bei Sauerstoffbedarf- Long-COVID mitdenken und Beschwerden ernst nehmen

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    Influenz im Klinik- und Praxisalltag

    📌 Warum relevant?Influenza ist keine „Erkältung“, sondern eine potenziell schwere systemische Viruserkrankung. Entscheidend sind:- frühes Erkennen- Komplikationen rechtzeitig erfassen- antivirale Therapie nicht verpassen🔍 Influenza vs. grippaler InfektTypisch für Influenza:- plötzlicher Beginn innerhalb weniger Stunden- hohes Fieber, Schüttelfrost- starkes Krankheitsgefühl- Kopf- und Gliederschmerzen- trockener Husten, HalsschmerzenMerke: „Morgens noch fit, nachmittags komplett krank“ spricht in der Saison stark für Influenza.🧬 Erreger und Virologie- Meist Influenza A, außerdem Influenza B- Influenza A verursacht die meisten Epidemien- Orthomyxoviren = segmentierte RNA-Viren- Subtypen bei Influenza A nach Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N), z. B. H1N1, H3N2🌍 Epidemiologie und Übertragung- Saison in Mitteleuropa meist Oktober bis März/April- Übertragung v. a. durch Tröpfchen, zusätzlich Schmierinfektion- infektiös ab ca. 24 Stunden vor Symptombeginn bis 4–5 Tage danach- Kinder sind wichtige Überträger🫁 Pathophysiologie- Virus befällt das respiratorische Flimmerepithel- Schädigung der mukoziliären Clearance- starke Immunantwort mit systemischer Symptomatik- bakterielle Superinfektionen werden begünstigt🤒 Klinik- Inkubationszeit: wenige Stunden bis 2 Tage- Krankheitsdauer meist 5–7 Tage- Erschöpfung oft länger anhaltendTypische Symptome:- abruptes hohes Fieber- Myalgien, Cephalgien- trockener Husten- massives Krankheitsgefühl- teils Schweißausbrüche, selten GI-Symptome🧪 DiagnostikKlinik in der Saison oft richtungsweisend.Erregernachweis besonders sinnvoll bei:- schweren Verläufen- Risikopatienten- stationärer Aufnahme- Ausbruchssituationen- therapeutischer KonsequenzGoldstandard:- Influenza-RT-PCR aus Nasen- oder Rachenabstrich- Nasenabstrich meist sensitiverSchnelltests:- hohe Spezifität- geringere Sensitivität- negativer Test schließt Influenza nicht sicher aus🩸 LaborhinweisBei unkomplizierter Influenza oft:- Leukozyten normal- CRP nur leicht erhöht oder normalAlarmzeichen für bakterielle Superinfektion:- deutlich erhöhte Entzündungswerte- produktiver Husten- eitriges Sputum- erneuter Fieberanstieg nach kurzer Besserung💊 TherapieUnkomplizierte Verläufe:- Flüssigkeit- Schonung- Antipyrese/Analgesie- ggf. Antitussivum bei trockenem ReizhustenAntiviral:- Neuraminidasehemmer: Oseltamivir, Zanamivir- wirksam gegen Influenza A und B- idealer Beginn innerhalb von 48 StundenOseltamivir:- Standard bei Erwachsenen: 75 mg 2× täglich für 5 Tage- Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz- häufig Übelkeit/ErbrechenZanamivir:- inhalativ- Vorsicht bei Asthma/COPD wegen Bronchospasmusrisiko🏥 Schwere Verläufe und KomplikationenMögliche Komplikationen:- primäre Influenza-Pneumonie- sekundäre bakterielle Pneumonie- Exazerbation von Asthma/COPD- Myokarditis, Enzephalitis, Myositis/Rhabdomyolyse- Otitis bei KindernTypische bakterielle Erreger:- Pneumokokken- Staphylococcus aureus- Haemophilus influenzae🛡️ Hygiene und IsolationStationär:- Isolation meist 7 Tage ab Symptombeginn- Händedesinfektion essenziell- Schutzkittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz, ggf. Schutzbrille💉 PräventionWichtigste Maßnahme:- jährliche Impfung im HerbstBesonders empfohlen für:- Menschen > 60 Jahre- Schwangere- chronisch Kranke- Immunsupprimierte- Bewohner von Pflegeeinrichtungen- medizinisches PersonalZusätzlich möglich:- antivirale Prophylaxe, z. B. Oseltamivir 75 mg 1× täglich nach Exposition🧠 Take-home-Messages- Influenza beginnt abrupt und macht oft ein ausgeprägt schweres Krankheitsgefühl.- Normale oder nur leicht erhöhte Entzündungswerte passen gut zu unkomplizierter Influenza.- Hohe Entzündungswerte oder eitriges Sputum sprechen eher für Superinfektion.- Antivirale Therapie: früh beginnen, ideal < 48 Stunden.- Impfung bleibt die wichtigste Präventionsmaßnahme.

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    Akute Bronchitis

    📌 Definition und BedeutungAkute Bronchitis ist eine akute Infektion der unteren Atemwege, vor allem der mittleren und größeren Bronchien. In der Regel ist sie viral bedingt, selbstlimitierend und benötigt bei unkompliziertem Verlauf kein Antibiotikum.🦠 ErregerMeist viral, besonders häufig Rhinoviren.Seltener bakteriell, zum Beispiel:• Mycoplasma pneumoniae• Chlamydia pneumoniae• Bordetella pertussis🤧 Typische KlinikLeitsymptom ist Husten:• zunächst oft trocken• später häufig produktiv mit zähem, eher spärlichem AuswurfBegleitend oft:• Schnupfen, Halsschmerzen• Kopf- und Gliederschmerzen• leichtes Fieber• retrosternale oder hustenassoziierte ThoraxschmerzenBei Bronchialobstruktion zusätzlich:• exspiratorisches Giemen• Pfeifen• verlängerte Exspiration• Brustenge🩺 DiagnoseDie Diagnose ist meist klinisch durch Anamnese und körperliche Untersuchung.Typische Auskultation:• verschärftes Atemgeräusch• seitengleiche grob- bis mittelblasige RasselgeräuscheDas spricht eher gegen eine unkomplizierte Bronchitis und eher für Pneumonie:• einseitig lokalisierte Befunde• feinblasige Rasselgeräusche basal• fokale Klopfschalldämpfung• bronchiales Atmen🚩 Wann weiter abklären?Weiterführende Diagnostik bei:• Dyspnoe• Zyanose• hohem Fieber• reduziertem Allgemeinzustand• persistierender oder progredienter Symptomatik• höherem Alter, Gebrechlichkeit, Immunsuppression• relevanten Vorerkrankungen wie COPD, Asthma, HerzinsuffizienzSinnvoll je nach Situation:• Pulsoxymetrie• Blutgasanalyse• Labor• Röntgen-Thorax• PCR oder Abstrich bei Pertussis-, Influenza- oder COVID-Verdacht mit Konsequenz🔍 Wichtige Differenzialdiagnosen• Bronchopneumonie• COPD-Exazerbation• Asthma-Exazerbation• PertussisPertussis mitdenken bei:• lang anhaltendem Husten• stakkatoartigen Hustenattacken• inspiratorischem Ziehen• Erbrechen nach Hustenanfällen💊 TherapieIm Vordergrund steht die symptomatische Behandlung:• ausreichend trinken• körperliche Schonung• bei Bedarf Paracetamol oder Ibuprofen• kurzfristig abschwellendes Nasenspray bei verlegter NasenatmungSalbutamol nur bei tatsächlicher Bronchialobstruktion, nicht routinemäßig.Antitussiva nur zurückhaltend:• wenn überhaupt, nur nachts• nur bei quälendem trockenem ReizhustenMukolytika und Expektoranzien sind nicht Standard bei unkomplizierter akuter Bronchitis.🚫 AntibiotikaKernaussage: Keine Antibiotika bei unkomplizierter akuter Bronchitis.Antibiotika nur bei:• dringendem Verdacht auf bakterielle Genese• bakterieller Sekundärinfektion• Pertussisverdacht oder -nachweisWenn Antibiotika erwogen werden, immer prüfen:Ist es wirklich noch Bronchitis oder eher schon Pneumonie?📣 Patientengespräch und VerlaufWichtig für die Aufklärung:• Der Allgemeinzustand bessert sich oft nach zwei bis fünf Tagen.• Der Husten kann mehrere Wochen anhalten.• Längerer Husten allein ist kein Beweis für bakterielle Komplikation.Sicherheitsnetz mitgeben:erneute Vorstellung bei• zunehmender Luftnot• hohem oder anhaltendem Fieber• Thoraxschmerzen• Hämoptysen• Verwirrtheit• deutlicher Schwäche• fehlender Besserung✅ Take-home-Messages• Akute Bronchitis ist meist viral.• Die Diagnose ist in der Regel klinisch.• Keine Routine für Labor, Röntgen oder Antibiotika.• Symptomatische Therapie reicht meist aus.• Warnzeichen und vulnerable Patientengruppen konsequent erkennen.

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    Atemwegsinfektion in der Praxis: häufig, meist viral, meist selbstlimitierend

    🦠 Epidemiologie & Ätiologie• Besonders häufig in der kalten Jahreszeit• Kinder: bis zu 8 Infekte/Jahr, Erwachsene: etwa 2–4/Jahr• Meist viral: Rhinoviren, RSV, Coronaviren, Parainfluenzaviren, Adenoviren• Übertragung über Tröpfchen- und Schmierinfektion• Prävention: Händehygiene, Abstand, ggf. Masken⏱️ Typischer Verlauf• Inkubationszeit meist 1–7 Tage• Symptomdauer oft etwa 1 Woche• Husten kann länger persistieren, ohne komplizierten Verlauf• Typische Symptome: Halsschmerzen, Rhinitis, Husten, Heiserkeit, ggf. Ohrenschmerzen• Unkompliziert meist ohne deutlich reduzierten Allgemeinzustand🩺 Diagnostisches VorgehenAnamnese und körperliche Untersuchung reichen meist aus.Wichtige Anamnese:• Beginn, Dauer, Verlauf• Fieber, Hustencharakter, Dyspnoe• bisherige Selbstmedikation• Vorerkrankungen und Risikofaktoren• Infektionen im UmfeldFokussierte Untersuchung:• Gesamteindruck und Allgemeinzustand• Temperatur, ggf. Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung• Racheninspektion• zervikale Lymphknoten• Lungenauskultation• ggf. Sinus-Perkussion und Otoskopie⚠️ Warnzeichen• deutlich reduzierter Allgemeinzustand• hohes oder anhaltendes Fieber• Dyspnoe, Tachypnoe• auffälliger Auskultationsbefund• starker produktiver Husten• Brustschmerzen, Verwirrtheit, Trinkunfähigkeit• Verdacht auf Peritonsillarabszess:starke einseitige Halsschmerzen, kloßige Sprache, Trismus, Speichelfluss, asymmetrischer Oropharynx🧠 Wichtige Differenzialdiagnosen• Influenza: plötzlicher Beginn, hohes Fieber, Myalgien, starkes Krankheitsgefühl• COVID-19: unspezifisch möglich, Dyspnoe als Warnsignal, ggf. Anosmie/Dysgeusie• Akute Bronchitis• Pneumonie• COPD-Exazerbation• Pertussis• Sinusitis• Tonsillitis / Streptokokken-Angina• infektiöse Mononukleose• allergische Rhinitis🔬 Wann ist Zusatzdiagnostik sinnvoll?Nicht routinemäßig, sondern bei:• schwerem oder protrahiertem Verlauf• Verdacht auf bakterielle Genese• spezifischer Verdachtsdiagnose• RisikogruppenMögliche Diagnostik:• Abstriche / Schnelltests bei Influenza, COVID-19, RSV, Streptokokken, Pertussis• CRP, ggf. Procalcitonin• Röntgen-Thorax bei Pneumonieverdacht💊 TherapieIm Vordergrund stehen:• Aufklärung und Beruhigung• körperliche Schonung• Rauchverzicht• ausreichende Flüssigkeitszufuhr• Inhalation mit Kochsalz, Nasendusche, Luftbefeuchtung• symptomatische Medikation:Ibuprofen, Paracetamol, kurzfristig abschwellendes NasensprayWichtig:• Xylometazolin nur kurzzeitig, idealerweise max. 5–7 Tage• Honig nicht im 1. Lebensjahr• Hustenmittel: Evidenz begrenzt• ätherische Öle bei Kindern und hyperreagiblen Atemwegen mit Vorsicht🚫 Antibiotika• Bei unkomplizierten oberen Atemwegsinfektionen in aller Regel nicht indiziert• Kein Nutzen bei viraler Genese• Risiken: Nebenwirkungen, Resistenzentwicklung, falsche Erwartungshaltung• Delayed Prescribing kann in Einzelfällen sinnvoll sein📌 Merksätze für die Praxis• Die meisten akuten Atemwegsinfektionen sind viral• Anamnese + fokussierte Untersuchung reichen meistens aus• Warnzeichen konsequent suchen• Antibiotika nicht reflexhaft verordnen• Symptomlinderung, Aufklärung und Sicherheitsnetz sind zentral🔁 Wiedervorstellung empfohlen beiAtemnot, hohem oder anhaltendem Fieber, Verschlechterung des Allgemeinzustands, Brustschmerzen, zunehmendem produktivem Husten, Verwirrtheit, Trinkunfähigkeit oder Abszesszeichen.

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    Lungenfunktionsuntersuchung

    🫁 Lungenfunktionsuntersuchung: der klinische Fahrplan📌 Worum geht es?Die Lungenfunktionsdiagnostik beantwortet 3 Kernfragen:• Ventilation: Wird die Lunge normal belüftet?• Mechanik: Gibt es Obstruktion, erhöhten Widerstand oder verminderte Dehnbarkeit?• Diffusion: Funktioniert der Gasaustausch über die alveolokapilläre Membran?🔍 Die wichtigsten Verfahren• Spirometrie: Standard, schnell, günstig, stark mitarbeitsabhängig• Ganzkörperplethysmografie: misst zusätzliche Volumina und Atemwegswiderstand• Diffusionsmessung (DLCO): beurteilt den Gasaustausch⚠️ Vor jeder InterpretationErst die Qualität prüfen:• maximale Inspiration?• ausreichend forciert und lange ausgeatmet?• Husten in der ersten Sekunde?• dichter Mundschluss?• gute Mitarbeit?📏 Wichtige Lungenvolumina• TLC: totale Lungenkapazität nach maximaler Einatmung• VC: mobilisierbares Volumen zwischen max. Ein- und Ausatmung• RV: Residualvolumen nach maximaler Ausatmung• FRC: funktionelle Residualkapazität = RV + exspiratorisches ReservevolumenMerke:• Restriktion = Lunge insgesamt kleiner → TLC erniedrigt• Obstruktion = erschwerte Ausatmung, Luftfalle → RV/FRC oft erhöht🌬️ Spirometrie: die Schlüsselwerte• FEV1: forciertes exspiratorisches Volumen in 1 Sekunde• FVC: forcierte Vitalkapazität• Tiffeneau-Index = FEV1/FVC• PEF: Peak Expiratory Flow• MEF-Werte: Hinweis auf kleine Atemwege, aber variablerWichtigster Wert bei Obstruktion:• erniedrigter Tiffeneau-Index = spricht für Obstruktion🧭 Praktische Befundinterpretation1. Technik verwertbar?2. Tiffeneau-Index erniedrigt?3. Vitalkapazität erniedrigt?4. Wie stark ist FEV1 reduziert?5. Passen Kurvenform und Klinik zusammen?🚫 Obstruktion vs. RestriktionObstruktion:• FEV1 erniedrigt• Tiffeneau-Index erniedrigt• VC normal oder erniedrigt• RV oft erhöht• TLC normal oder erhöht• typische konkave exspiratorische Fluss-Volumen-Kurve („scooping“)Restriktion:• VC erniedrigt• FEV1 normal oder erniedrigt• Tiffeneau-Index meist normal• TLC erniedrigt = Bestätigung• Spirometrie allein kann Restriktion nur vermutenAchtung:• niedrige FVC allein beweist keine Restriktion• Pseudorestriktion bei Air Trapping möglich🏠 GanzkörperplethysmografieMisst zusätzlich:• RV• TLC• FRC• intrathorakales Gasvolumen• AtemwegswiderstandBesonders hilfreich bei:• unklarer Spirometrie• Verdacht auf Emphysem• Bestätigung einer Restriktion• Nachweis von Air Trapping/Überblähung💊 ReversibilitätstestNach Bronchodilatation spricht für reversible Obstruktion:• FEV1-Anstieg um mindestens 200 ml• und mindestens 12 %Typisch für:• Asthma bronchialeWichtig:• negativer Test schließt Asthma nicht sicher aus• Medikamentenpause vor Test beachten🧪 Methacholin-ProvokationNachweis bronchialer Hyperreagibilität:• FEV1-Abfall ≥ 20 % spricht dafürAber:• potenziell riskant• nur mit klarer Indikation, Erfahrung und Notfallausrüstung🩸 DiffusionskapazitätDLCO beurteilt den Transfer von Gas aus den Alveolen ins Blut.Nützlich bei:• interstitiellen Lungenerkrankungen• Emphysem• unklarer Belastungsdyspnoe• unklarer HypoxämieInterpretation:• DLCO + KCO erniedrigt → echte Diffusionsstörung, z. B. Fibrose oder Emphysem• DLCO erniedrigt, KCO normal → eher verminderte Austauschfläche/VerteilungsstörungStörfaktoren:• Anämie• Rauchen/Nikotinkonsum🩺 Typische Muster• Asthma: variable, reversible Obstruktion• COPD: persistierende Obstruktion, oft Überblähung, ggf. DLCO erniedrigt• Lungenfibrose: Restriktion + erniedrigte DLCO• Emphysem: Obstruktion + Überblähung + erniedrigte DLCO✅ Kernbotschaften• Tiffeneau-Index ist der Schlüsselwert für Obstruktion• niedrige Vitalkapazität allein beweist keine Restriktion• Restriktion wird über erniedrigte TLC bestätigt• Obstruktion führt oft zu Air Trapping und erhöhtem RV• DLCO immer im klinischen Kontext interpretieren

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    Befundung eines Röntgen-Thorax

    🏥 Thema der FolgeRöntgen-Thorax im klinischen Alltag: häufige Indikationen, systematische Befundung und typische Fallstricke.🩺 Wann ist der Röntgen-Thorax wichtig?Typische Einsatzgebiete:• Verdacht auf Pneumonie• Verlaufskontrolle bei kardiopulmonaler Stauung / Herzinsuffizienz• präoperatives Screening• Kontrolle von Schläuchen, Kathetern und Drainagen🔑 Grundprinzip: Bild nie ohne KlinikEin Röntgenbild allein stellt fast nie die Diagnose.Wichtig ist die Zusammenschau aus:• Anamnese• körperlicher Untersuchung• klinischem Kontext• BildbefundEine Verschattung ist zunächst nur eine Verschattung – die Differenzialdiagnose ergibt sich erst mit der Klinik.📐 Technische BasicsWichtige Grundlagen:• PA-Aufnahme: Herzgröße realistischer• AP-Aufnahme: Herz erscheint oft artifiziell größer• dichtere Strukturen = heller = Verschattung• luftreiche Strukturen = dunkler = AufhellungSeitenzuordnung:• Bildbetrachtung wie Patient gegenüberstehend• immer Patientenseite benennen, nicht Bildseite🧭 Befundschema: erst Qualität, dann von außen nach innenMerkwort für die Qualitätsprüfung: SIRI• Patient: richtige Person, Datum, Voraufnahmen?• Strahlengang: PA oder AP?• Inklusion: alles drauf, inklusive Randwinkel?• Rotation: Claviculaköpfchen symmetrisch?• Inspiration: ausreichend tief eingeatmet?Zusätzlich prüfen:• Belichtung / Penetration• Artefakte wie Hautfalten, Haare, Knöpfe, Mamillen🫁 Wichtige BefundstationenVon außen nach innen:• Weichteile• Skelett• Zwerchfell• Oberbauch• Pleura• Atemwege• Lungenparenchym• Hilus• Mediastinum• Herz🧠 Nützliche KonzepteSilhouettenphänomen:• rechter Herzrand aufgehoben → Prozess im rechten Mittellappen• linke Zwerchfellkontur aufgehoben → eher linker UnterlappenPathologien immer beschreiben nach:• Lokalisation• Größe• Anzahl• fokal oder diffus• Aufhellung oder Verschattung• Begrenzung• Form• Muster: alveolär, interstitiell, homogen🩻 Fremdmaterial aktiv mitbefundenWorauf achten?• Magensonde: Spitze sicher im Magen• Endotrachealtubus: ca. 5 ± 2 cm oberhalb der Karina• ZVK: Spitze im unteren Drittel der V. cava superior / kavoatrialer Übergang• Thoraxdrainage: Seitenlöcher intrathorakal, Komplikationen mitprüfen• Schrittmacher / ICD: Lage der Sonden, Dislokation, Bruch⚠️ Typische Stolperfallen• flache Inspiration täuscht basale Verschattungen vor• Hautfalte simuliert Pneumothorax• Mamille simuliert Rundherd• AP-Aufnahme simuliert Kardiomegalie• Rotation verfälscht Hilus und Mediastinum• auffälliger Hauptbefund lenkt von Nebenbefunden ab💡 Klinisch relevante MusterPneumonie:• alveoläre, oft unscharfe Verschattung• evtl. BronchopneumogrammAtelektase:• Verschattung plus Volumenverlustzeichen• Verziehung von Fissuren, Hilus oder MediastinumLungenödem / Stauung:• vermehrte Gefäßzeichnung• kraniale Umverteilung• interstitielle oder alveoläre Ödemzeichen• Pleuraergüsse• evtl. vergrößerte Herzsilhouette📝 Take-home-Messages• Qualität zuerst• immer gleiches Schema• Befunde präzise beschreiben, nicht vorschnell diagnostizieren• Fremdmaterial nie vergessen• Röntgen-Thorax immer zusammen mit der Klinik interpretieren

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    Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse (BGA)

    🔎 Thema der FolgePulsoxymetrie und Blutgasanalyse (BGA) als Basiswerkzeuge in Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin:schnell messen, richtig einordnen, Fehler erkennen, klinisch handeln.🫁 Physiologische Grundlagen• Nur ca. 2 % des Sauerstoffs sind frei gelöst, ca. 98 % an Hämoglobin gebunden• Normale Sättigung bedeutet nicht automatisch normalen Sauerstoffgehalt• Sauerstofftransport hängt wesentlich auch vom Hämoglobin ab• CO₂ wird überwiegend als Bicarbonat transportiert und ist zentral für den Säure-Basen-HaushaltWichtige Merke:• SpO₂ / SaO₂ ≠ PaO₂• PaO₂ allein beschreibt nicht den gesamten O₂-Transport• Klinik immer zusammen mit Hb, Sättigung, pH und CO₂ bewerten📈 SauerstoffbindungskurveDie O₂-Bindungskurve ist S-förmig:• im oberen Bereich: große PaO₂-Änderungen → kleine Sättigungsänderungen• im steilen Bereich: kleine PaO₂-Abfälle → deutlicher SättigungsabfallVerschiebungen:• Linksverschiebung: höhere O₂-Affinität, schlechtere GewebeabgabeUrsachen: Alkalose, Hypokapnie, Hypothermie, CO-Hb, MetHb• Rechtsverschiebung: leichtere O₂-AbgabeUrsachen: Azidose, Hyperkapnie, Fieber⚠️ Sonderfall:Bei CO-Vergiftung kann das Pulsoxymeter scheinbar normale Werte anzeigen.📟 PulsoxymetrieStärken:• nicht invasiv• schnell verfügbar• kontinuierliches Monitoring von SpO₂ und PulsTypische Einsatzbereiche:• Dyspnoe• perioperatives Monitoring• COPD-Exazerbation• Sedierung / Opioidgabe• Notfall- und IntensivmedizinGrenzen und Fehlerquellen:• schlechte Perfusion, Schock, Hypothermie• Bewegungsartefakte, Tremor• Nagellack, Kunstnägel, Umgebungslicht• Dys-Hämoglobine• misst kein CO₂, keinen pH, kein Laktat, kein BicarbonatWichtiger Praxispunkt:Unter O₂-Gabe kann Hypoventilation mit CO₂-Anstieg trotz noch normaler SpO₂ übersehen werden.🎯 Zielwerte für Sauerstoff• Erwachsene meist: ca. 92–96 %• bei Hyperkapnierisiko, v. a. COPD: häufig 88–92 %Merke:Sauerstoff ist ein Medikament — gezielt geben, titrieren, kontrollieren.🩸 BlutgasanalyseFormen:• arteriell: Goldstandard für Oxygenierung und Ventilation• venös: gut für pH, HCO₃⁻, Laktat, metabolische Einschätzung• kapillär: begrenzt nützlich, für Oxygenierung weniger zuverlässigWichtiger Fehler:Venöse pO₂- und Sättigungswerte nie mit arteriellen Normwerten vergleichen.🧪 Präanalytik der BGAHäufige Fehlerquellen:• Luftblasen → pO₂ falsch hoch, pCO₂ falsch niedrig• verzögerte Analyse → pH und pO₂ sinken, pCO₂ und Laktat steigen• unzureichendes Mischen → Gerinnsel• Hämolyse möglichWenn Werte nicht plausibel sind: zuerst Präanalytik prüfen.🧭 Systematische BGA-InterpretationImmer in derselben Reihenfolge:1. pH2. pCO₂3. HCO₃⁻ / Base Excess4. Kompensation5. Oxygenierung6. Laktat, Elektrolyte, Glukose, HbTypische Muster:• respiratorische Azidose: pH ↓, pCO₂ ↑• respiratorische Alkalose: pH ↑, pCO₂ ↓• metabolische Azidose: HCO₃⁻ ↓, BE negativer• metabolische Alkalose: HCO₃⁻ ↑, BE ↑Gemischte Störungen sind häufig und werden nur durch systematisches Vorgehen erkannt.🚨 Klinische Kernpunkte• SpO₂ allein reicht nicht zur Beurteilung der Ventilation• bei Sedierung/Opioiden früh an Hyperkapnie denken• Laktat > 2 mmol/l relevant, ab 4 mmol/l besonders alarmierend• BGA immer im Kontext der aktuellen Sauerstoffgabe interpretieren• Hyperoxie vermeiden✅ Take-home-Messages• Pulsoxymetrie = schnell, nicht invasiv, gut fürs Monitoring, aber begrenzt• BGA = invasiver, dafür deutlich informationsreicher• Nie Einzelwerte isoliert bewerten• Immer Klinik + SpO₂ + pH + pCO₂ + HCO₃⁻ + Laktat + Hb zusammen denken• Besonders bei COPD mit Hyperkapnierisiko: Zielbereich oft 88–92 %

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    Thoraxschmerzen in der Praxis

    🚨 Akute Thoraxschmerzen: erst lebensbedrohlich denkenNicht übersehen werden dürfen vor allem:• akutes Koronarsyndrom / Herzinfarkt• Lungenarterienembolie• Aortendissektion• Pneumothorax, v. a. Spannungspneumothorax👀 Die erste Minute: klinischer ErsteindruckZuerst den Menschen beurteilen, nicht nur den Schmerz:• blass, kaltschweißig, unruhig, stark ängstlich?• Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose?• wach, orientiert, ansprechbar?• Kreislaufinstabilität, Synkope, Bewusstseinsstörung?📈 Wichtige Vitalparameter und Red FlagsSofort erheben:• Herzfrequenz• Blutdruck• Atemfrequenz• SpO2• Temperatur• BewusstseinszustandRed Flags:• Hypotonie oder massive Hypertonie• Tachykardie > 120/min oder ausgeprägte Bradykardie• neue Ruhedyspnoe, Tachypnoe• SpO2 < 90 %• Synkope / kürzliche BewusstlosigkeitSauerstoff gezielt bei Hypoxämie oder respiratorischer Insuffizienz, nicht reflexhaft.🗣️ Fokussierte AnamneseWichtige Fragen:• Beginn: plötzlich/perakut oder schleichend?• Dauer: > 20 Minuten?• Lokalisation: retrosternal, einseitig, punktförmig?• Ausstrahlung: Arm, Schulter, Hals, Unterkiefer, Rücken, Oberbauch?• Charakter: drückend, stechend, reißend, vernichtend?• Belastungsabhängig, atemabhängig, palpierbar?• Begleitsymptome: Dyspnoe, Übelkeit, Hämoptysen, Synkope, Fieber, neurologische Symptome?• Risikofaktoren: KHK, Hypertonie, Diabetes, Rauchen, TVT/LE, OP, Immobilisation, Tumor, Schwangerschaft/Wochenbett• Medikamente: Antikoagulanzien, ASS, NSAR, PDE-5-Hemmer🩺 Körperliche UntersuchungZielgerichtet, ohne Notfallversorgung zu verzögern:• Lunge: seitendifferente Atemgeräusche, Pneumothorax, Pleuraerguss• Herz: neues Geräusch, Perikardreiben, Arrhythmie• Thoraxwand: Druckschmerz, Costochondritis, Interkostalneuralgie• Beine: Ödeme, einseitige Schwellung• Aortendissektion: Pulse, Blutdruck an beiden Armen, neurologische DefiziteWichtig: reproduzierbarer Brustwandschmerz spricht eher für muskuloskelettal, schließt kardial aber nicht sicher aus.🫀 EKG und weitere AkutdiagnostikEin 12-Kanal-EKG gehört bei relevantem oder unklarem Thoraxschmerz früh dazu.Beachten:• ST-Hebungen / ST-Senkungen• T-Wellen-Veränderungen• neue Schenkelblöcke• RhythmusstörungenMerke: Ein unauffälliges EKG schließt einen Herzinfarkt nicht sicher aus. Je nach Verlauf sind Wiederholungen und hochsensitives Troponin nötig.🚑 Wann sofort Rettungsdienst?Im ambulanten Setting Notruf bei:• Red Flags• Verdacht auf ACS, LE, Aortendissektion, Spannungspneumothorax• auffälligem EKG• klinischer Instabilität• relevanter UnsicherheitPatienten nicht selbst fahren lassen und nicht allein schicken.💊 Akutmaßnahmen in der PraxisBis zum Eintreffen des Rettungsdienstes:• Ruhe, körperliche Entlastung• nicht allein lassen• Monitoring, wiederholte Vitalzeichen• venösen Zugang, wenn ohne Verzögerung möglichMedikamente:• ASS bei klinischem ACS-Verdacht und fehlender Kontraindikation• Nitroglycerin nur bei passender Situation und ausreichendem Blutdruck• keine Nitrate bei Hypotonie, Rechtsherzinfarkt-Verdacht, Aortenstenose, PDE-5-Hemmern• bei möglicher Aortendissektion antithrombotische Therapie nicht unkritisch geben⚠️ Häufige gefährliche Differenzialdiagnosen• ACS: drückend, retrosternal, Ausstrahlung, vegetative Symptome• LE: plötzliche Dyspnoe, Tachykardie, atemabhängiger Schmerz, ggf. Synkope• Aortendissektion: plötzlich, maximal, reißend, Rücken-/Bauch-Ausstrahlung• Pneumothorax: plötzlich, einseitig, stechend, Dyspnoe• Perimyokarditis/Myokarditis: stechend, lage- und atemabhängig, oft nach Infekt• Boerhaave-Syndrom: heftiger Schmerz nach Erbrechen🧭 Bei stabilen PatientenOhne Red Flags können helfen:• Marburger Herz-Score zur Abschätzung einer KHK• ambulante kardiologische Abklärung bei passender Konstellation• differenzialdiagnostisch auch an muskuloskelettale, gastroösophageale, pulmonale, biliäre, pankreatische oder psychische Ursachen denken

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    Akute Dyspnoe in der Praxis – sicher einschätzen, richtig handeln

    🚨 Akut neu aufgetretene Luftnot ist ein Notfall, bis gefährliche Ursachen ausgeschlossen sind. Entscheidend ist zuerst:Wie krank ist die Person gerade – und muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden?🩺 Red Flags in der PraxisSofort notfallmäßig handeln bei:• schlechter klinischer Eindruck• Ruhedyspnoe, Sprechdyspnoe• deutlicher Tachypnoe• Atemhilfsmuskulatur, erschöpfte Atmung• Stridor• Zyanose• Thoraxschmerz• Kreislaufinstabilität, Kaltschweißigkeit• auffälligem EKG• Verdacht auf ACS, Lungenembolie, Lungenödem, Pneumothorax, Anaphylaxie👉 Bei Unsicherheit lieber frühzeitig Rettungsdienst oder Notaufnahme.📋 Sofortmaßnahmen• Oberkörper hoch lagern• nicht allein lassen• Vitalparameter vollständig messen: Atemfrequenz, SpO2, Puls, Blutdruck, Temperatur• Monitoring und 12-Kanal-EKG• Sauerstoff titriert bei Hypoxämie oder klinischem Verdacht• fokussierte Untersuchung und kurze Basisanamnese parallelWichtig:Eine normale Sauerstoffsättigung schließt schwere Ursachen nicht aus.🔎 Wichtige Untersuchungspunkte• Atemfrequenz wirklich zählen• Bewusstseinslage, Sprechfähigkeit, Atemarbeit beurteilen• Herz- und Lungenauskultation• einseitig fehlendes Atemgeräusch → an Pneumothorax, Pleuraerguss, Atelektase denken• Beine auf TVT-Zeichen untersuchen• Orthopnoe und paroxysmale nächtliche Dyspnoe erfragen❗Gefährliche DifferenzialdiagnosenKardial:• akutes Koronarsyndrom• akute Herzinsuffizienz / kardiales Lungenödem• RhythmusstörungenPulmonal:• Asthma- oder COPD-Exazerbation• Pneumonie• Lungenembolie• Pneumothorax• AspirationWeitere:• Anaphylaxie / Angioödem• metabolische Azidose• Sepsis• Intoxikation• psychogene Hyperventilation erst als Ausschlussdiagnose💊 Akuttherapie: praxisrelevante BasicsBei obstruktiver Dyspnoe:• Salbutamol inhalativ oder vernebelt• bei schwerer Obstruktion zusätzlich Ipratropium• systemische Glukokortikoide frühzeitigBei COPD:• O2 kontrolliert titrieren• Ziel-SpO2 meist 88–92 % bei Hyperkapnie-RisikoBei kardialem Lungenödem:• Oberkörperhochlagerung• Sauerstoff bei Hypoxämie• Nitrate nur bei passender Konstellation und ohne Kontraindikationen• Furosemid nur bei klinischer Volumenüberladung, nicht reflexhaftBei Anaphylaxie:• Adrenalin i.m. ist die lebensrettende Ersttherapie• nicht durch Antihistaminika oder Steroide ersetzen🧠 Praktische Merksätze• Atemfrequenz ist oft der wichtigste Frühmarker.• Normale SpO2 beruhigt nicht sicher.• Bekannte COPD/Asthma erklärt nicht automatisch jede Dyspnoe.• „Psychisch“ ist eine Ausschlussdiagnose.• Instabile Patientinnen und Patienten nicht lange ambulant abklären.🗣️ Kommunikation ist Teil der Therapie• ruhig sprechen• kurze Fragen stellen• klare Anweisungen geben• Angst ernst nehmen• besser: „Wir bleiben bei Ihnen und kümmern uns jetzt sofort.“✅ Take-home-MessageAkute Dyspnoe in der Allgemeinmedizin bedeutet:rasch einschätzen, Red Flags erkennen, Vitalparameter + EKG früh erheben, gefährliche Ursachen aktiv mitdenken und bei Warnzeichen sofort notfallmäßig versorgen. Wenn unklar oder instabil: Rettungsdienst.

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    Husten in der Praxis - strukturiertes Vorgehen

    ⏱️ Zeitliche Einordnung• Akut: bis 3 Wochen• Subakut: > 3 bis 8 Wochen• Chronisch: > 8 WochenMerke: Husten über 8 Wochen gehört weiter abgeklärt.🚨 Red Flags zuerstWarnzeichen bei akutem/subakutem Husten:• Stridor• Dyspnoe, Tachypnoe• Tachykardie• neu erniedrigte Sauerstoffsättigung, Zyanose• Thoraxschmerz• Hämoptysen• schaumiger Auswurf• Rauch-/Reizstoffinhalation• frisches Thoraxtrauma• schwere Immunsuppression• ausgeprägte Gebrechlichkeit• B-Symptomatik: Fieber, Nachtschweiß, GewichtsverlustWichtige gefährliche Ursachen:• Pneumonie• Lungenembolie• Pneumothorax• kardiale Dekompensation/Lungenödem• Asthma-Anfall, COPD-Exazerbation• Aspiration🩺 Anamnese in der PraxisWichtige Fragen:• seit wann, plötzlich oder schleichend?• trocken oder produktiv?• tagsüber, nachts, morgens?• Auswurf: klar, zäh, eitrig, schaumig, blutig?• Auslöser: Belastung, Allergene, Beruf, Rauch, Jahreszeit?• Medikamente, v. a. ACE-Hemmer?• Begleitsymptome: Fieber, Schnupfen, Halsschmerz, Luftnot, Giemen, Orthopnoe• Vorerkrankungen: Asthma, COPD, Herzinsuffizienz, Malignom, Immunsuppression• Raucherstatus• Dysphagie/Aspirationsereignis, Reiseanamnese, ImpfstatusPraxispunkt: Gelb-grünes Sputum beweist keine bakterielle Infektion.🔎 Körperliche Untersuchung• Allgemeineindruck und Atemarbeit• Vitalparameter: Temperatur, Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, SpO2• Inspektion: asymmetrische Thoraxbewegung, Atemhilfsmuskulatur, Fassthorax• Perkussion: gedämpft bei Pneumonie/Lungenödem, hypersonor bei Asthma/Pneumothorax• Auskultation:• feuchte Rasselgeräusche → Pneumonie, Lungenödem• Giemen/Brummen → Asthma, COPD• Stridor → obere Atemwege/Aspiration• „stille Lunge“ = Alarmsignal• Herz, Halsvenen, Beinödeme mitbeurteilen• Rachen/Kopf-Hals untersuchen🦠 Häufige Ursachen• viraler Atemwegsinfekt / akute Bronchitis: häufigste Ursache, meist selbstlimitierend• postinfektiöser Husten: kann noch Tage bis Wochen anhalten• Pneumonie: Fieber, reduzierter AZ, Tachypnoe, fokale Befunde, SpO2-Abfall• Influenza / COVID-19• Pertussis: stakkatoartiger, oft nächtlicher Husten mit Würgen/Erbrechen• Asthma / cough variant asthma• COPD-Exazerbation• Herzinsuffizienz• Lungenembolie• Pneumothorax• Aspiration💊 Therapie: pragmatisch und leitliniennahGrundsatz: kausal behandeln, symptomatisch nur gezielt.Bei viralem Infekt/akuter Bronchitis:• Aufklärung und Sicherheitsnetz• Schonung, ausreichend trinken, Rauchverzicht• keine routinemäßigen Antibiotika bei Erwachsenen ohne Red FlagsSymptomatisch:• Expektoranzien nur bei zähem Schleim• z. B. Ambroxol, NAC, Bromhexin• Antitussiva nur bei trockenem Reizhusten, eher kurzfristig nachts• z. B. Dextromethorphan, Codein zurückhaltendWichtig: Expektoranzien und Hustenstiller nicht kombinieren.Bei obstruktiver Komponente:• Salbutamol inhalativ bei Bedarf• bei Asthma/COPD an inhalative bzw. antientzündliche Therapie denken🧠 Kernaussagen• Erst Red Flags, dann Feindiagnostik• Ohne Warnzeichen reichen Anamnese und Untersuchung meist aus• Akuter Husten ist meist viral• Antibiotika nicht reflexhaft verordnen• Husten + Luftnot/Thoraxschmerz/Hämoptysen = gefährliche Ursachen aktiv ausschließen• Husten > 8 Wochen ist chronisch und abklärungsbedürftig📌 Sicherheitsnetz für Patientinnen und PatientenWiedervorstellung bei:• zunehmender Luftnot• anhaltend hohem Fieber• blutigem Auswurf• starken Thoraxschmerzen• Verwirrtheit• deutlicher Verschlechterung• fehlender Besserung im erwartbaren Verlauf

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    Meningitisches Syndrom - Akutmanagment

    🚨 KernaussageKopfschmerzen plus Fieber ohne klaren anderen Infektfokus sind Meningitis, bis das Gegenteil bewiesen ist. Bei klinischem Verdacht immer zunächst wie bei bakterieller Meningitis handeln: schnell, strukturiert, ohne Therapieverzoegerung.👀 Klinik: woran denken?Klassische Trias:• Kopfschmerzen• Fieber• MeningismusWichtig:• Die Trias ist oft unvollstaendig• Meningismus kann bei Somnolenz oder Koma fehlen• Schon Kopfschmerzen plus Fieber muessen den Verdacht ausloesenZusaetzliche Warnzeichen:• Photophobie• Uebelkeit, Erbrechen• Bewusstseinsstoerung• fokal-neurologische Defizite• Hirnnervenausfaelle• epileptische Anfaelle• Hyponatriaemie• Sepsis bis septischer SchockBesonders alarmierend:• petechiale oder makulopapuloese Hautveraenderungen• Purpura fulminans• Verdacht auf Meningokokken oder Waterhouse-Friderichsen-Syndrom⚡ Akutmanagement: was sofort passieren mussAlles parallel organisieren, nicht nacheinander.Sofortmassnahmen:• cABCDE• Isolation und Hygienemassnahmen• Monitoring: EKG, Blutdruck, Sauerstoffsaettigung, Atmung, Temperatur• frueh ueberwachter Bereich oder Intensivstation🧪 Diagnostik vor Therapie? Nur wenn ohne VerzoegerungWichtig:• Blutkulturen vor Antibiotika, wenn moeglich• mindestens zwei Sets aus getrennten Punktionsstellen• Labor inklusive BGA, Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat, Nierenwerte, Leberwerte, Gerinnung💉 Initialtherapie beim ErwachsenenMerksatz: Blutkulturen – Dexamethason – Antibiotika – AciclovirTypisches Initialschema:• Dexamethason 10 Milligramm intravenoes• danach moeglichst etwa 10 Minuten spaeter:• Ceftriaxon 4 Gramm intravenoes oder• Cefotaxim 2 bis 4 Gramm intravenoes• plus Ampicillin 2 Gramm intravenoes• plus Aciclovir intravenoes, gewichts- und nierenfunktionsadaptiertWichtig:• Antibiotika nicht wegen Bildgebung, Gerinnung oder Liquorpunktion verzoegern• Aciclovir mitdenken bei moeglicher viraler Meningoenzephalitis, vor allem HSV🩺 Supportivtherapie• bedarfsgerechte Volumentherapie• Hypoglykaemie korrigieren• Analgesie, z. B. Metamizol oder Ibuprofen• Antipyrese bei Bedarf• engmaschige Kontrolle von Kreislauf, Diurese, Laktat, Elektrolyten und Nierenfunktion🖥️ Bildgebung und LiquorNach Therapiebeginn:• cCT Neurocranium• CT der Nasennebenhoehlen bei FokusfrageAchten auf:• Hirndruckzeichen• Hirnoedem, Blutung, Ventrikulitis• Sinusvenenthrombose• Sinusitis oder Mastoiditis als HerdLumbalpunktion:• so frueh wie moeglich, aber nicht vor Therapie, wenn Zeit verloren geht• nur bei ausreichender Gerinnung und ohne Hinweis auf gefaehrliche Hirndrucksituation• bei Hirndruckzeichen neurochirurgische RueckspracheLiquor-Basisdiagnostik:• Zellzahl, Zytologie• Glukose und Liquor-Serum-Glukosequotient• Laktat• Gesamtprotein• Grampraeparat• Kultur• PCR je nach Verdacht• Rueckstellprobe sichern🔬 Typische LiquormusterBakteriell:• trueb-eitrig• hohe Zellzahl, meist neutrophil• Protein erhoeht• Glukose erniedrigt• Laktat erhoehtViral:• meist klar• niedrigere Zellzahl, eher lymphozytaer• Glukose meist normal• Laktat oft nicht deutlich erhoeht🏥 Wichtige Folgeentscheidungen• HNO frueh einbinden bei Verdacht auf Sinusitis oder Mastoiditis• bei gramnegativen Diplokokken: an Meningokokken denken, Isolation fortfuehren, Meldepflicht, Postexpositionsprophylaxe fuer enge Kontakte• bei unklarem Verlauf interdisziplinaer denken: Neurologie, Infektiologie, Mikrobiologie, Virologie, Neurochirurgie, Intensivmedizin✅ Take-home-Messages• Denke bei Kopfschmerzen plus Fieber immer an Meningitis• Warte nicht auf den steifen Nacken• Therapie rettet Leben: nicht durch Diagnostik verzoegern• Blutkulturen zuerst, dann Dexamethason, dann Antibiotika plus Aciclovir• Bildgebung und Liquor sind wichtig, aber nachrangig gegenueber dem fruehen Therapiebeginn

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    Kopfschmerzen - Akutmanagment

    🚑 GrundprinzipKopfschmerzen brauchen fast immer beides:• Symptomkontrolle• diagnostische EinordnungZiel ist vor allem, sekundäre Kopfschmerzen früh zu erkennen, z. B.:• Subarachnoidalblutung• Meningitis/Enzephalitis• Dissektion• Glaukomanfall• Sinus-/Venenthrombose• intrakranielle Raumforderung🩺 Basismaßnahmen im NotfallErstversorgung nach cABCDE:• Vitalparameter inkl. Temperatur• ggf. Monitoring/EKG• i.v.-Zugang, Blutentnahme• bei Bedarf BlutgasanalyseSinnvolles Akutlabor:• Blutbild, CRP, PCT• Glukose, Elektrolyte• Kreatinin, Harnstoff, eGFR• Leberwerte, CK• Gerinnung, ggf. D-Dimere• Laktat💊 AkuttherapieAnalgesie ernst nehmen, aber neurologisch beurteilbar bleiben.Mögliche Optionen:• Ibuprofen 400–800 mg oral• Metamizol 500–1000 mg oral oder 1–2,5 g i.v.• Kombination von Nicht-Opioiden bei stärkeren Schmerzen• bei Bedarf Opioid, z. B. Oxycodon oral oder Piritramid i.v. titriertBei neuralgiformem Schmerz:• Carbamazepin• Pregabalin• in Ausnahmefällen Phenytoin i.v. unter Monitoring🗂️ Die 5 W der Kopfschmerzanamnese1. Wann und wie lange?• plötzlich oder schleichend?• erster Kopfschmerz dieser Art?• Attackenlänge?2. Wie stark?• Schmerzskala 0–10• Vernichtungskopfschmerz = Alarmzeichen3. Wo?• einseitig/beidseitig?• periorbital, temporal, okzipital, holozephal?• Hals-/Nackenausstrahlung?4. Wie?• dumpf, drückend, pulsierend, bohrend, elektrisierend?5. Welche Begleitumstände?• Übelkeit, Erbrechen, Photophobie, Phonophobie• Aura• Lageabhängigkeit• Fieber• Vorerkrankungen, Tumor, HIV, Immunsuppression• Antikoagulation, Hormone, Substanzkonsum• Schwangerschaft/Wochenbett• Thromboserisiko🔎 Fokussierte UntersuchungWichtig sind vor allem:• Bewusstsein/Kognition• Meningismus• Sprache/Sprechen• Gesichtsfeld, Visus• rotes oder hartes Auge• Pupillen/Okulomotorik• Horner-Syndrom• Fazialisfunktion, Sensibilität• Motorik, Reflexe, Koordination, GangMerke:Neues fokal-neurologisches Defizit = sekundäre Ursache, bis das Gegenteil bewiesen ist⚠️ Wichtige Red Flags• Donnerschlag- oder Vernichtungskopfschmerz• Fieber• Meningismus• Bewusstseinsstörung• neue Sehstörung• rotes/verhärtetes Auge• Hals-/Nackenschmerz• Lageabhängigkeit• epileptischer Anfall• Tumoranamnese• Immunsuppression/HIV• Schwangerschaft/Wochenbett• erhöhte Thromboseneigung• erstmaliger oder deutlich veränderter Kopfschmerz im höheren Alter🖥️ Bildgebung & LiquorFaustregeln:• je unklarer die Anamnese, desto eher Bildgebung• je älter bei Erstmanifestation, desto eher Bildgebung• je kränker der Gesamteindruck, desto eher BildgebungTypische Zuordnungen:• Subarachnoidalblutung, Bewusstseinsstörung, Schlaganfallzeichen: sofort CT + CT-A• Dissektion: dringlich MRT + MR-Angiografie• Sinus-/Hirnvenenthrombose: MRT + MR-Venografie oder CT-Venografie• erhöhter intrakranieller Druck/Raumforderung: sofort CT• bei Verdacht auf ZNS-Infektion: nach Bildgebung und Ausschluss von Kontraindikationen Liquorpunktion🌩️ Primäre Kopfschmerzen in der NotaufnahmeMigräneTypisch:• einseitig, pulsierend• 4–72 Stunden• Übelkeit, Erbrechen, Licht-/Lärmempfindlichkeit• ggf. AuraAkuttherapie:• ASS oder Metamizol• plus Antiemetikum, z. B. Metoclopramid• bei Bedarf Triptan• Status migraenosus: ggf. Prednisolon oder Dexamethason i.v.ClusterkopfschmerzTypisch:• streng einseitig, peri-/supraorbital• 15–180 Minuten• autonome Zeichen: Lakrimation, Rhinorrhö, konjunktivale Injektion• starke motorische UnruheAkuttherapie:• 100 % Sauerstoff, 12 l/min über Maske mit Reservoir• Sumatriptan s.c. oder Zolmitriptan intranasal• orale Standardanalgetika meist unzureichend📌 Take-home-Messages• Kopfschmerztherapie ist immer auch Ursachenabklärung.• Strukturiertes Vorgehen rettet Diagnosen.• Red Flags aktiv suchen.• Bei mehreren Warnhinweisen nach der gefährlichsten Ursache handeln.• Migräne und Clusterkopfschmerz gezielt und früh behandeln.

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    Akute Intoxikation - Akutmanagment

    🚨 GrundsatzJede akute Vergiftung – auch schon der begründete Verdacht – ist ein medizinischer Notfall.Kernreihenfolge:• Vitalfunktionen sichern• Exposition beenden• Informationen sammeln• Diagnostik + supportive Therapie einleiten• Antidot und Giftelimination prüfenWichtig:• früh Hilfe organisieren• Giftnotrufzentrale/Giftinformationszentrum kontaktieren• Eigenschutz beachten🩺 Akutanamnese: die wichtigsten FragenUnter Zeitdruck gezielt erheben:• Wer ist der Patient?• Wo ist der Patient?• Welche Substanz?• Welche Menge?• Wann war die Exposition?• Welcher Aufnahmeweg: oral, inhalativ, dermal, okulär, parenteral?• Welche Symptome bestehen?• Welche Vorerkrankungen/Risikofaktoren gibt es?• Was wurde bereits unternommen?Merke:• Fremdanamnese ist hilfreich, aber oft ungenau• Angaben immer mit Klinik, Vitalparametern, Labor und Verlauf abgleichenAchte besonders auf:• Vigilanzminderung und Aspirationsrisiko• Bradypnoe bei möglicher Opioidintoxikation• Hinweise auf Toxidrome• Pflaster, Tablettenreste, Gerüche, Injektionsspuren, kontaminierte Kleidung☣️ Exposition beenden• Giftquelle entfernen oder deaktivieren• Patient aus dem Gefahrenbereich bringen• kontaminierte Kleidung entfernen• bei Gefahrstofflagen: Selbstschutz zuerst, Spezialkräfte sichern die Lage📞 Giftnotruf früh einschaltenHilfreiche Angaben:• Alter, Gewicht• vermutete Substanz• Menge, Zeitpunkt• Symptome, Vitalparameter• bereits erfolgte Maßnahmen🔬 BasisdiagnostikUnverzichtbar:• Blutzucker• Blutgasanalyse• EKGZusätzlich je nach Lage:• Anionenlücke• osmolale Lücke• Blutalkohol• toxikologisches ScreeningWichtig:• Screening unterstützt, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung🧠 Toxidrome erkennenTypische Muster:• opioid: Miosis, Vigilanzminderung, Atemdepression• anticholinerg: Mydriasis, trockene Haut, Harnverhalt, Delir• cholinerg: Speichelfluss, Bronchorrhoe, Diarrhö, Bradykardie, Miosis• sympathomimetisch: Unruhe, Tachykardie, Hypertonie, Schwitzen, Mydriasis💉 Empirische Therapie bei Bewusstseinsstörung• Glukose 25 g i.v., wenn Hypoglykämie nicht ausgeschlossen• Thiamin frühzeitig bei Risikopatienten, oft 100–200 mg i.v.• Naloxon bei Atemdepression: 0,2–0,4 mg i.v., titriert nach Ventilation• Flumazenil nur sehr selektiv bei vermuteter reiner BenzodiazepinintoxikationWichtig bei Naloxon:• auf ausreichende Atmung titrieren, nicht auf volle Wachheit• Wirkdauer kürzer als viele Opioide → Überwachung nötig🧴 Expositionsweg: Haut und Augen• sofort großzügig mit Wasser oder NaCl spülen• Kleidung entfernen• vor Auskühlung schützen• Augen lang und kontinuierlich spülen• keine Neutralisation ätzender Substanzen🥤 Expositionsweg: IngestionAktivkohle:• oft 1 g/kg KG, bei Erwachsenen häufig 50 g• v. a. innerhalb 1–2 Stunden sinnvoll• nicht bei Aspirationsgefahr, Ileus, Blutung, Perforation, Krampfgefahr oder ungeeigneter SubstanzWichtig:• Erbrechen auslösen nicht empfohlen• Magenspülung nur in Ausnahmefällen und unter klaren Voraussetzungen• anterograde Darmspülung bei ausgewählten schweren Fällen🌬️ Expositionsweg: InhalationSofortmaßnahme:• hochdosiert SauerstoffZusätzlich je nach Situation:• frühe Intubation/Beatmung• Bronchospasmolytika• Natriumhydrogencarbonat-Inhalation in Einzelfällen• Hydroxocobalamin bei Zyanidverdacht/Rauchgasinhalation• hyperbare Sauerstofftherapie bei schwerer CO-Intoxikation erwägen🏥 Weiterbehandlung und Organisation• engmaschiges Monitoring• Sekundärfolgen behandeln: Azidose, Elektrolytstörungen, Krampfanfälle, Hypo-/Hyperthermie, hämodynamische Instabilität• ggf. intensivmedizinische Therapie• ggf. Hämodialyse• Transportziel nach Ressourcen wählen🧪 AsservierungFür toxikologische/forensische Diagnostik sichern:• Urin• Blut/Serum/Plasma• Erbrochenes oder Mageninhalt• bei Schwermetallen: Vollblut

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    Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag

    🚨 Thema der FolgeUmgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag – relevant in Notaufnahme, Station, Psychiatrie, Rettungsdienst, Hausarztpraxis und Intensivmedizin.🛡️ GrundprinzipienEigenschutz hat immer Priorität.Nie allein in potenziell gefährliche Situationen gehen.Früh Unterstützung holen: Team, Pflege, Sicherheitsdienst, ggf. Polizei.Immer so positionieren, dass ein Rückzug möglich bleibt.⚠️ Fremdaggressives Verhalten: wichtige UrsachenAggression ist ein Symptom, keine Diagnose.Mögliche Hintergründe:• Psychose, Manie, Persönlichkeitsstörung• Intoxikation, Entzug, Alkoholentzugsdelir• Delir, Demenz, hirnorganisches Psychosyndrom• Hypoglykämie, Hypoxie• Schädel-Hirn-Trauma, Enzephalitis, zerebrale Ischämie• Massive psychosoziale Krise🧩 Vorbereitung und TeamorganisationWenn möglich vorab:• Informationen zur Vorgeschichte einholen• gefährliche Gegenstände entfernen• Unbeteiligte aus der Situation bringen• Medikamente und Monitoring vorbereiten• Rollen im Team festlegen: spricht, beobachtet, dokumentiert, alarmiertEin Hauptansprechpartner ist meist am sinnvollsten.🗣️ DeeskalationDeeskalation ist eine zentrale Intervention.Wichtige Elemente:• ruhig, klar, respektvoll, selbstsicher auftreten• offene Körperhaltung, Hände sichtbar• Abstand halten, nicht bedrängen, nicht umzingeln• kurze, einfache, wiederholte Botschaften• aktiv zuhören, Gefühle benennen, Ich-Botschaften nutzen• Wahlmöglichkeiten anbieten, um Kontrolle zurückzugeben🩺 Diagnostik nicht vergessenBasisdiagnostik je nach Sicherheit der Situation:• Eigen- und Fremdanamnese• psychopathologischer Befund• internistische und neurologische Untersuchung• Vitalparameter• Blutzucker immer mitdenken• Labor, Drogenscreening, EKG bei Bedarf• bei spezieller Fragestellung: cCT, MRT, EEGBesonders wichtig: Bei älteren Menschen mit neuer Agitation immer zuerst an Delir denken.⚖️ Rechtliche AspekteEntscheidend ist die Einordnung in einen Krankheitskontext.• keine krankheitsbedingte Aggression: Polizei/Vollzugsbehörden• krankheitsbedingte somatische Ursache: ggf. rechtfertigender Notstand• krankheitsbedingte psychiatrische Ursache: Unterbringung nach Landesrecht prüfenFür Maßnahmen gegen den Willen der Person braucht es eine belastbare rechtliche Grundlage.⛓️ ZwangsmaßnahmenNur ultima ratio bei akuter Gefährdung.Mögliche Maßnahmen:• Festhalten• Isolation• FixierungGrundsätze:• so kurz wie möglich• ausreichend geschultes Personal• kontinuierliche Überwachung• Bauchlage vermeiden• lückenlose Dokumentation• Nachbesprechung mit Patient und Team💊 Medikamentöse KriseninterventionZiel: ausreichende Beruhigung für sichere Diagnostik, Therapie und Transport – nicht Bestrafung.Bevorzugt:• freiwillige orale oder inhalative Gabe vor i.m./i.v.• schnell wirksame, gut steuerbare SubstanzenWichtige Gruppen:• Antipsychotika: z. B. Haloperidol, Promethazin, Aripiprazol• Benzodiazepine: z. B. Lorazepam, Midazolam, DiazepamWichtige Cave:• Kombination Antipsychotikum + Benzodiazepin nur ausnahmsweise• bei oraler Antikoagulation keine i.m.-Injektion• nach i.v./i.m.-Sedierung engmaschiges Monitoring von Bewusstsein, Atmung, Kreislauf📋 Dokumentation und NachsorgeDokumentiert werden sollten:• konkretes beobachtbares Verhalten• Deeskalationsversuche• Alternativen• Diagnostik• Medikation, Wirkung, Nebenwirkungen• Monitoring• Begründung von ZwangsmaßnahmenNach dem Vorfall:• Nachbesprechung mit der betroffenen Person• Team-Debriefing• bei Übergriffen auf Personal: medizinische Versorgung, Meldung, betriebsärztliche/psychologische Unterstützung, ggf. Anzeige✅ Take-home-Messages• Geh nie allein hinein.• Deeskaliere ruhig, klar und mit Abstand.• Denke immer auch an somatische Ursachen.• Blutzucker und Vitalparameter nicht vergessen.• Zwangsmaßnahmen nur als letztes Mittel.• Gute Dokumentation schützt Patienten und Behandelnde.

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    Akute Psychose - Akutmanagment

    🎙️ Akute Psychose in der Praxis – sicher erkennen, ruhig handeln, strukturiert behandeln🧭 Warum das Thema wichtig istAkute Psychosen sind oft Notfälle – und nicht automatisch „nur psychiatrisch“.Immer mitdenken:• primär psychiatrische Ursachen• neurologische, metabolische, infektiöse, autoimmune Ursachen• Intoxikationen, Entzug, Medikamente, Drogen🚨 Erstkontakt: Sicherheit zuerstVor Betreten des Raums:• Infos einholen: Auslöser, Bedrohungen, Vorerkrankungen, Substanzen, Medikation, Waffenhinweise• gefährliche Gegenstände entfernen• Fluchtwege sichern• Unterstützung in Nähe haltenGrundsatz:So wenig Zwang wie möglich, so viel Freiwilligkeit wie möglich.🗣️ Gesprächsführung in der AkutsituationDeeskalierend wirken:• ruhig, langsam, klar sprechen• kurze Sätze, klare Struktur• nicht konfrontieren, nicht „Wahn korrigieren“• Leidensdruck validieren, ohne Inhalte zu bestätigenHilfreich:„Ich sehe, dass Sie sich bedroht fühlen, und möchte verstehen, was los ist.“🧠 Psychopathologie gezielt erfassenWichtig sind:• Wahn: Verfolgung, Bedrohung, Beziehungswahn• Halluzinationen, v. a. akustisch• Ich-Störungen: Gedankeneingebung, -entzug, Gedankenlautwerden• formale Denkstörungen: Gedankenabreißen, Inkohärenz, VorbeiredenMerke:Optische Halluzinationen sprechen eher für organische Ursache oder Intoxikation.👀 Beobachtung zähltViele Betroffene berichten Symptome nicht spontan.Achten auf:• Antwortlatenz• Blick- und Aufmerksamkeitsstörungen• Selbstgespräche• Lauschen in den Raum• misstrauisches Umschauen• bizarr wirkendes Verhalten⚠️ Gefährdung früh einschätzenFremdgefährdung:• Gewaltandrohung, frühere Gewalt• Verfolgungswahn, Bedrohungserleben• Waffen, Substanzkonsum, Impulskontrollstörung• fehlende KrankheitseinsichtEigengefährdung:• Suizidversuche, fehlendes Netz• imperative Stimmen• Hoffnungslosigkeit, Schuld, depressive Einengung• Belastungen, Non-Adhärenz, SubstanzkonsumImmer aktiv nach Suizidalität fragen – auch in der Psychose.🩺 Diagnostik: organisch mitdenkenBasis:• internistische und neurologische Untersuchung• Vitalparameter• EKG vor geplanter antipsychotischer Therapie• Labor: Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CRP, Glukose• Urin-DrogenscreeningJe nach Konstellation:• cMRT• EEG• Liquor• Infektionsdiagnostik, Autoimmun- und StoffwechselabklärungRed Flags für organische Ursachen:• Erstmanifestation im höheren Alter• fluktuierende Vigilanz• Fieber, Krampfanfälle• neurologische Defizite• optische Halluzinationen• enger zeitlicher Bezug zu Medikamenten, Drogen oder somatischer Erkrankung💊 AkuttherapieZiele:• Sicherheit• Angst- und Spannungsreduktion• Reizabschirmung• ursachengerechte BehandlungGrundsatz:Orale freiwillige Medikation bevorzugen.Häufige Optionen:• Olanzapin: gut bei Agitiertheit• Risperidon: gut oral bei kooperativen Patienten• Aripiprazol: eher weniger sedierend• Amisulprid, Ziprasidon: je nach Setting• Haloperidol: wirksam, aber EPS- und QT-Risiko beachten• Lorazepam: bei Anspannung, Agitation• Midazolam i.v.: rasch wirksam, nur mit MonitoringWichtige Sicherheitsregeln:• i.m. Olanzapin nicht zeitnah mit parenteralen Benzodiazepinen kombinieren• Benzodiazepine bei unklarer Intoxikation zurückhaltend einsetzen• QT-Verlängerung unter Antipsychotika beachten🏥 Weiterbehandlung planenJe nach Ursache und Gefährdung:• somatische Fachabteilung• offene psychiatrische Station• geschützte Unterbringung bei fehlender Absprachefähigkeit oder relevanter Eigen-/Fremdgefährdung📝 Praktische Take-aways• ruhig und wertschätzend bleiben• Reize reduzieren• Gefährdung wiederholt prüfen• Nebenwirkungen früh erkennen, z. B. Akathisie• sauber dokumentieren• immer auch an organische Ursachen denken✅ Die 3 Kernbotschaften1. Ruhig und strukturiert handeln2. Psychose nie vorschnell als rein psychiatrisch einordnen3. Eigen- und Fremdgefährdung früh und wiederholt beurteilen

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    Vigilanzminderung - Akutmanagment

    🧠 Vigilanzminderung in der NotaufnahmeVigilanzminderung bzw. Koma unklarer Ursache ist ein hochakuter interdisziplinärer Notfall. Entscheidend ist: schnell strukturieren, parallel handeln, Ursache finden und sofort behandelbare Auslöser nicht verpassen.🚨 Grundprinzipien• Koma unklarer Ursache ist keine rein neurologische Fragestellung• Hohe Sterblichkeit, oft mehrere Ursachen gleichzeitig• Ein gefundener Befund ist nicht automatisch die Ursache• Unauffällige Neurologie ist keine Entwarnung🧩 Pathophysiologische Einteilung1. Primäre Hirnfunktionsstörung mit akuter Läsion• Hirnstamm-/Thalamusläsion• Blutung, Ödem, Einklemmung• akute epileptogene Läsion• ZNS-Entzündung2. Primäre Hirnfunktionsstörung ohne akute Läsion• epileptischer Anfall / Status epilepticus ohne neue Läsion• Pseudokoma, akinetische Krise3. Sekundäre diffuse Hirnfunktionsstörung• kardio-respiratorisch• metabolisch / homöostatisch• septische Enzephalopathie• Intoxikation⏱️ Die ersten 15 MinutenVersorgung im cABCDE-Schema, idealerweise interdisziplinär und parallel.Wichtige Sofortmaßnahmen:• Intubationsbereitschaft sichern• O2-Gabe, Beatmung prüfen/optimieren• Monitoring: EKG, RR, SpO2, AF, Temperatur• 2 i.v.-Zugänge• vorsichtige balancierte Volumentherapie🧪 BasisdiagnostikFrüh und parallel:• Blutgasanalyse, wiederholt• Labor: Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat, Nieren- und Leberwerte, Gerinnung, Troponin, CK, TSH, Ethanol• Blutkulturen bei Infektverdacht vor Antibiotika, wenn ohne relevante Verzögerung• Rückstellproben für Toxikologie/Spiegel asservieren• 12-Kanal-EKG• Thoraxröntgen• Urinprobe / ggf. Blasenkatheter🗣️ FremdanamneseBesonders wichtig:• Beginn und Dynamik• Erstereignis oder bekannt?• Fieber, Luftnot, Schmerzen, Krampf, fokale Defizite, Trauma• Medikamente, Drogen, Notfallmedikation• Auffindesituation• Zeugen/Angehörige erreichbar?🔎 Klinisch-neurologische UntersuchungZiel: Schweregrad einschätzen, Hinweise auf fokale Läsion oder Status epilepticus finden.Wesentliche Punkte:• GCS, oft hilfreicher: FOUR-Score• Blickstellung, Pupillen, Lichtreaktion• Hirnstammreflexe• Motorische Reaktion auf Schmerz• Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen• Meningismus, Temperatur• auf konvulsive Anfälle/Status achten⚡ Sofort behandelbare UrsachenUnverzüglich erkennen und therapieren:• Status epilepticus → Benzodiazepin, dann Antiepileptikum• Meningitis/Enzephalitis → Blutkulturen, Dexamethason, kalkulierte Antiinfektiva• respiratorische Insuffizienz / Hyperkapnie → Atemweg und Beatmung• Hypoglykämie → i.v. Glukose, ggf. Thiamin bei Alkoholabusus• schwere Elektrolytstörungen, z. B. Hyponatriämie• Sepsis / septische Enzephalopathie• Opioid-Toxidrom → Naloxon titriert🩻 BildgebungInnerhalb der nächsten 15 Minuten ideal:• cCT• CT-Angiografie der supraaortalen GefäßeZiele:• Blutung, Ischämie, Ödem, Hirndruck• Gefäßverschluss, Dissektion• epileptogene strukturelle LäsionenWichtig:Ein unauffälliges CT beendet die Diagnostik nicht.🤝 Team-Time-outNach Erstversorgung und nach Bildgebung:• Befunde gemeinsam abgleichen• Vitalbedrohung?• Intubation nötig?• Sofort therapiepflichtige Ursache gefunden?• Passt der Befund wirklich zur Bewusstseinsstörung?🏥 Weiterführende Diagnostik auf IntensivstationBei unklarem Befund:• Lumbalpunktion frühzeitig, wenn möglich• EEG zum Ausschluss eines nicht-konvulsiven Status epilepticus• MRT bei weiter bestehendem Verdacht• toxikologische, metabolische, endokrinologische und infektiologische Abklärung📌 Take-home-Messages• Parallel statt nacheinander handeln• Sofort reversible Ursachen aktiv suchen• cCT/CTA ist zentral, aber nicht abschließend• Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen• Nur ein neuroanatomisch plausibler Befund erklärt das Koma• Nie zu früh mit der Diagnostik aufhören

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    Schwindel - Akutmanagment

    🚨 Thema der FolgeNotfallmanagement bei Schwindel: strukturiertes Vorgehen zwischen harmloser peripherer Ursache und potenziell lebensbedrohlichem posterioren Schlaganfall.🧭 GrundprinzipSchwindel ist ein Symptom, keine Diagnose.Die subjektive Stärke sagt wenig über die Gefährlichkeit aus.Wichtig:• nicht auf Bauchgefühl verlassen• Anamnese + Basisdiagnostik + klinische Untersuchung + Gesamtsynthese• im Zweifel zentral, bis das Gegenteil bewiesen ist🔎 BegriffsklärungVestibulärer Schwindel (Vertigo):Bewegungsillusion – Drehen, Schwanken, Kippen, GezogenseinNicht vestibulärer Schwindel (Dizziness):Unsicherheit, Benommenheit, Präsynkope, Schwarzwerden vor AugenVestibulär weiter differenzieren:• peripher: Innenohr / Vestibularorgan• zentral: Hirnstamm / Kleinhirn⚡ Akutziele im Notfall1. Lebensbedrohliche Ursachen erkennen• Hirnstammischämie / Kleinhirninfarkt• Rhythmusstörungen• Hypotonie / Hypertonie• Hypoglykämie• Elektrolytstörungen• Intoxikation / Entzug2. Akut behandelbare periphere Ursachen identifizieren• benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)• Neuropathia vestibularis• Menière-Attacke🩺 BasismaßnahmenZu Beginn immer:• Vitalparameter• 12-Kanal-EKG• i.v.-Zugang• Blutentnahme, ggf. BGASinnvolle Labore:• Blutbild, CRP• Glukose• Elektrolyte inkl. Na, K, Mg• Nierenwerte• Leberwerte• Troponin, CK• TSH• Gerinnung• ggf. Ethanol💬 Wichtige AnamneseZentrale Fragen:• echte Bewegungsillusion oder eher Benommenheit?• plötzlich oder schleichend?• anhaltend oder attackenartig?• Dauer: Sekunden, Minuten, Stunden?• auslösbar durch Lagewechsel/Kopfbewegung?• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck?• neurologische Symptome: Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie, Schwäche, Sensibilitätsstörung?• Medikamente, Alkohol, Drogen?🧠 Klinische SchlüsselpunkteBeim akuten vestibulären Syndrom ist die Unterscheidung peripher vs. zentral entscheidend.HINTS nur bei anhaltendem akuten vestibulären Syndrom:• Head Impulse• Nystagmus• Test of SkewZentral verdächtig schon bei einem Befund:• normaler Kopfimpulstest• richtungswechselnder Nystagmus• Skew Deviation🚩 Red Flags für zentrale Ursache• Bewusstseinsstörung• zentrale Okulomotorikstörung• vertikaler, torsionaler oder atypischer Nystagmus• Rumpfataxie / Dysmetrie• Dysarthrie, Aphasie, Paresen, Hypästhesie• apoplektiformer Beginn• unklare Befunde trotz anhaltender Symptomatik🧪 Typische periphere SyndromeBPLS:• Sekunden bis wenige Minuten• lageabhängig• beschwerdefrei in Ruhe• Therapie: Befreiungsmanöver, z. B. EpleyNeuropathia vestibularis:• anhaltender Schwindel über Stunden bis Tage• Übelkeit/Erbrechen• pathologischer Kopfimpulstest• keine Hörstörung• Therapie: kurz symptomatisch, frühe Mobilisation, vestibuläre Physiotherapie, ggf. GlukokortikoideMorbus Menière:• Attacken über 20 Minuten bis Stunden• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck• symptomatische Akuttherapie, HNO-Mitbetreuung💊 Symptomatische TherapieBei Übelkeit/Erbrechen:• Dimenhydrinat• alternativ MetoclopramidWichtig:• Antivertiginosa nur kurzzeitig• längere Gabe kann vestibuläre Kompensation bremsen🖥️ BildgebungBei Verdacht auf zentrale Ursache:• bevorzugt kranielle MRT mit DWI, FLAIR, T2, GefäßdarstellungWichtig:• frühe MRT kann bei posteriorer Ischämie falsch negativ sein• starke Klinik schlägt unauffällige Frühbildgebung📌 Take-home-Messages• Erst fragen: Bewegungsillusion ja oder nein?• Viel Übelkeit beweist keine periphere Ursache• HINTS ist hochrelevant – aber nur im richtigen Setting• Anamnese hilft, ersetzt aber nie die Untersuchung• Dokumentation des Nystagmus exakt festhalten• Wenn zentrale Ursache nicht sicher ausgeschlossen ist: stationär denken

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    Hitzschlag - Akutmanagment

    🌡️ Hitzschlag: medizinischer NotfallHitzschlag ist eine der gefährlichsten hitzebedingten Notfallsituationen überhaupt. Unbehandelt drohen Multiorganversagen, neurologische Schäden und Tod. Entscheidend für Prognose und Outcome: frühes Erkennen und sofortige, konsequente Kühlung.🚑 MerksatzSchnelles Kühlen rettet Leben.🧠 DefinitionHitzschlag = schwerer Hitzeschaden mit- Körperkerntemperatur typischerweise > 40,5 °C- neurologischer Störung- drohendem oder bestehendem OrganversagenUrsache ist ein Versagen der Thermoregulation mit Zellschädigung, Inflammation, Gerinnungsstörung, Endothelschaden und Kreislaufversagen.👥 FormenKlassischer Hitzschlag- durch hohe Umgebungstemperaturen- v. a. ältere Menschen, Kinder, Pflegebedürftige, Vorerkrankte, Personen unter MedikamentenAnstrengungshitzschlag- durch starke körperliche Belastung, oft zusätzlich Hitze- v. a. junge, zuvor gesunde Menschen, z. B. Sport, Militär, Bauarbeit☀️ Abgrenzung zum SonnenstichSonnenstich- meist leichter Hitzeschaden des Kopfes- oft Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Nackenschmerz, meningeales Reizbild- Temperatur oft < 40 °CHitzschlag- deutliche Erhöhung der Körperkerntemperatur- zentrale neurologische Symptome sind wegweisendWichtig: Sonnenstich kann ähnlich aussehen oder in einen Hitzschlag übergehen.🔍 Klinische ZeichenTypisch ist die Kombination aus:- Hitzeexposition- neurologischer Auffälligkeit- erhöhter KörperkerntemperaturMögliche Symptome- Desorientiertheit, Verwirrtheit, Delir, Agitation- Ataxie, Krampfanfälle, Koma- Tachykardie, später Hypotonie bis Schock- Tachypnoe, Hyperventilation- Übelkeit, ErbrechenHautbefund- heiß, gerötet, trocken oder noch feucht- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus🩺 Präklinisches Vorgehen- Versorgung nach cABCDE- Fremdanamnese nutzen: Hitze, Sport, Flüssigkeitsmangel, Alkohol, Drogen, Medikamente- Vitalparameter und neurologischen Status erfassen- Körperkerntemperatur messen: tympanisch, rektal, bei Intubation ösophageal- axilläre Messung ist unzuverlässigBei Ateminsuffizienz oder Koma:- Atemweg sichern, ggf. RSI/Intubation- Sauerstoffgabe- Krampfanfälle leitliniengerecht behandeln, z. B. Benzodiazepine❄️ Zentrale Therapie: sofortige KühlungZiel:- Körperkerntemperatur rasch unter 39 °C senken- aktive Kühlung dann reduzieren/beenden, um Hypothermie zu vermeidenPraktische Methoden- Kaltwasser- oder Eiswasserimmersion: effektivste Methode- Kühlpacks in Tücher gewickelt an Leisten, Axillen, Kopf- Haut befeuchten + Luftzug/Ventilation- bei schweren Fällen intern oder extrakorporal kühlenWichtig:- Temperatur engmaschig kontrollieren- keine Antipyretika wie Paracetamol oder ASS💧 Klinik und Intensivmedizin- Cooling first, parallel Diagnostik und Organunterstützung- Volumengabe mit balancierten kristalloiden Lösungen- engmaschiges Monitoring: Temperatur, EKG, Blutdruck, SpO2, BGA, Diurese- Labor: Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CK, Myoglobin, Gerinnung, Laktat, Osmolalität- Komplikationen früh erkennen und behandeln⚠️ Wichtige Differenzialdiagnosen- Hitzeerschöpfung, Hitzesynkope, Hitzekrämpfe- Sepsis, Meningitis, Enzephalitis- anticholinerges Syndrom- serotonerges Syndrom- malignes neuroleptisches Syndrom- Intoxikationen- thyreotoxische Krise, Addison-Krise, maligne Hyperthermie🧨 Komplikationen- Hirnödem, Delir, Koma- Rhabdomyolyse- akutes Nierenversagen- Leberversagen- ARDS- Gerinnungsstörungen bis DIC- Tod🚨 Red Flags- neurologische Störung bei Hitzeexposition- normale periphere Temperatur schließt Hitzschlag nicht aus- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus- Antipyretika helfen nicht- auch junge, sportliche Menschen können rasch dekompensieren✅ Take-home-Points1. Hitzschlag = Hyperthermie + neurologische Störung + Organversagensrisiko2. Wichtigste Therapie: sofortige, rasche Kühlung3. Antipyretika sind wirkungslos und potenziell schädlich

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    Akutes Querschnittsyndrom: neurologischer Notfall - Akutmanagment

    🧠 Akutes Querschnittsyndrom: neurologischer NotfallJedes akute Querschnittsyndrom ist ein Zeit- und Diagnostik-Notfall. Auch scheinbar milde sensible Ausfälle können rasch progredient und dauerhaft behindernd werden.📌 Definition und klinische MusterAkut bilaterale, höhenbezogene neurologische Defizite durch Schädigung des Rückenmarks oder akute Dekompensation einer chronischen Myelopathie.Wichtige Syndrome:• Komplettes vs. inkomplettes Querschnittsyndrom• Arteria-spinalis-anterior-Syndrom: motorische Ausfälle + gestörtes Schmerz-/Temperaturempfinden, Hinterstrangfunktionen eher erhalten• Brown-Séquard-Syndrom: hemilaterale Rückenmarksläsion mit dissoziierten sensomotorischen Ausfällen• Konus-Kauda-Syndrom: Sattelanästhesie, Harn-/Stuhlstörung, periphere Beinparesen🚨 Differenzialdiagnosen mitdenkenNicht jede beidseitige Beinschwäche ist spinal:• Leriche-Syndrom• Guillain-Barré-Syndrom• bilaterales Mantelkantensyndrom• psychogene Lähmung• ausgedehnte Hirnstammläsion bei sehr hohem Syndrom🩺 AkutmanagementVersorgung nach cABCDE, enges Monitoring und frühe interdisziplinäre Einbindung.Wichtige Sofortmaßnahmen:• Monitoring: EKG, SpO2, Atemfrequenz, Blutdruck beidseits, Temperatur• i.v.-Zugang, Labor, Blutgasanalyse bei Bedarf• zurückhaltende initiale Volumengabe mit balancierter Vollelektrolytlösung• Thromboseprophylaxe situationsgerecht• Restharnsonografie, bei Bedarf Blasenkatheter• suffiziente Analgesie• bei Risiko: Magenschutz, Darmmanagement• bei Trauma: sofort Traumazentrum, Neurochirurgie/Traumatologie🔎 Klinische UntersuchungDie klinische Höhenlokalisation steuert die Bildgebung.Besonders wichtig:• Beginn: Minuten, Stunden oder Tage?• plötzlich = eher vaskulär• subakut = eher entzündlich, infektiös oder kompressiv• Rückenschmerz, radikulärer Schmerz, gürtelförmige Parästhesien• Motorik, Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen• sensibles Niveau kartieren• sakrale Funktionen prüfen: Sattelbereich, Analsphinkter, Blasen-/Mastdarmfunktion• Hirnnerven untersuchen bei Verdacht auf Hirnstamm• Pulse und Ischämiezeichen an allen Extremitäten prüfen⚠️ Atemfunktion nicht übersehenHohe zervikale Läsionen, besonders auf Höhe C3/C4, können das Zwerchfell gefährden und vital bedrohlich sein.🖼️ Bildgebung: was zuerst?Standard:• notfallmäßige MRT der WirbelsäuleAusnahmen:• Verdacht auf Hirnstammschädigung: zuerst CT Kopf + CTA der supraaortalen Gefäße• Verdacht auf Arteria-spinalis-anterior-Syndrom oder Leriche-Syndrom: zuerst CTA der gesamten AortaMerke:Unauffällige Erstbildgebung beendet die Diagnostik nicht. Bei weiterem Verdacht fehlende Wirbelsäulenabschnitte nachuntersuchen, ggf. MRT Kopf oder Liquordiagnostik ergänzen.🏥 Ursachen mit ZeitkritikSofort erkennen und behandeln:• kompressive Myelopathie: Fraktur, Blutung, Bandscheibenprolaps, Tumor, Abszess, Spondylodiszitis• vaskuläre Ursachen: spinale Ischämie, Aortendissektion, Aortenverschluss• entzündliche/infektiöse Myelitis• hochzervikale Läsion mit Atemgefährdung🤝 Wer muss dazu?• Neurochirurgie/Traumatologie bei Kompression, Trauma, Spondylodiszitis• Gefäß- oder Thoraxchirurgie bei Aortendissektion, Aortenverschluss, Aneurysma• Intensivstation bei respiratorischer Insuffizienz, hohem Querschnitt, Hirnstammsyndrom oder vegetativer Instabilität✅ Take-homeFrüh erkennen, sauber lokalisieren, passende Bildgebung wählen, sofort interdisziplinär handeln: Genau diese Kombination entscheidet beim akuten Querschnittsyndrom über den neurologischen Outcome.

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    Status epilepticus beim Erwachsenen – schnell erkennen, konsequent behandeln, Ursache mitdenken

    ⏱️ DefinitionEin Status epilepticus liegt vor, wenn• ein epileptischer Anfall 5 Minuten oder länger anhält• oder mindestens 2 Anfälle auftreten, ohne Wiedererlangen des Bewusstseins dazwischenWichtig: Die 5-Minuten-Grenze ist therapeutisch entscheidend. Ab dann sofort behandeln.🚑 Klinische EinordnungPragmatisch im Akutfall:• konvulsiv vs. nicht konvulsiv• nach klinischer Durchbrechung: mit oder ohne BewusstlosigkeitDer konvulsive Status ist ein akut lebensbedrohlicher Notfall. Der nicht konvulsive Status braucht ebenfalls rasche Diagnostik und Therapie, meist EEG-gestützt.🩺 BasismaßnahmenSofort:• Selbstgefährdung minimieren, Kopf schützen, Gefahrenquellen entfernen• Atemwege sichern, Aspirationsrisiko senken• nichts in den Mund einführen• Sauerstoff, Monitoring, i.v.-Zugang• Intubationsbereitschaft herstellenPoint-of-Care:• Blutzucker sofort messen• Hypoglykämie direkt behandeln• bei passender Konstellation an Thiamin vor/mit Glukose denkenWeitere Basisdiagnostik:• Blutbild, CRP, Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte• Calcium, Magnesium, Phosphat• Laktat, CK, Troponin, TSH, Gerinnung• Ethanol, ggf. Medikamentenspiegel• Blutgasanalyse im Verlauf• Rückstellprobe für Toxikologie🧾 Wichtige AnamneseFremdanamnese kann entscheidend sein:• Beginn und Dauer?• Kopftrauma?• bereits gegebene Notfallmedikation?• bekannte Epilepsie?• Dauermedikation oder Absetzen?• Hinweise auf Alkoholentzug, Intoxikation, Infekt, metabolische Ursache?• Schwangerschaft? → Eklampsie mitdenken💊 Stufentherapie1. Stufe: BenzodiazepineBeginn 5 Minuten nach Anfallsbeginn, bei Persistenz zweite Gabe nach 5–10 Minuten.Typische Optionen:• Lorazepam i.v.• Clonazepam i.v.• Midazolam i.v.• Diazepam i.v.Wenn kein i.v.-Zugang:• Midazolam i.m. oder intranasal• alternativ Diazepam rektal oder Midazolam bukkalPraxispunkt: Benzodiazepine nicht unterdosieren.2. Stufe: benzodiazepinrefraktärer StatusSpätestens innerhalb von 30 Minuten:• Levetiracetam• Valproat• FosphenytoinWeitere Optionen:• Phenytoin• Phenobarbital• LacosamidWichtig:• mehrere Wirkstoffe nacheinander sind möglich, bevor in Narkose eskaliert wird• danach Erhaltungstherapie fortführen3. Stufe: refraktärer StatusSpätestens nach 60 Minuten:• Intubationsnarkose• Intensivstation• kontinuierliches EEGTypische Medikamente:• Propofol• Midazolam• ThiopentalZiel: klinische und elektrophysiologische Statuskontrolle, oft mit Burst-Suppression im EEG.4. Stufe: suprarefraktärer StatusTherapie in spezialisierten Zentren, z. B.:• Ketamin• hochdosierte Barbiturate• Inhalationsanästhetika• enterale Antiseizure-Medikation• ketogene Diät• epilepsiechirurgische Verfahren• selten EKT🔍 Ursache immer mitdenkenDer Status epilepticus ist ein Symptom, keine Grunderkrankung.Wichtige Ursachen:• Schlaganfall, Blutung, Enzephalitis, Meningitis• Hypoglykämie, Elektrolytstörungen, Hypoxie• Sepsis, Intoxikation, Alkoholentzug• Eklampsie• Medikamentenfehler oder Non-Adhärenz⚠️ Praktische Merksätze• Auf die Uhr schauen• ausreichend dosieren• nächste Eskalationsstufe früh vorbereiten• EEG bei ausbleibender Bewusstseinsklarung• Begleitfaktoren aktiv korrigieren📌 Take-home• Ab 5 Minuten wird behandelt• konvulsiver Status = vitaler Notfall• Benzodiazepin zuerst, dann zügige Eskalation• Ursache parallel abklären• Besonders beim ersten Status im Erwachsenenalter steckt oft eine behandelbare Auslösererkrankung dahinter

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    Schlaganfall - Akutmanagment

    🧠 Akutes Schlaganfallmanagement – praxisnaher Ablauf⚠️ GrundprinzipJedes plötzlich aufgetretene fokal-neurologische Defizit ist zunächst ein Schlaganfall, bis das Gegenteil bewiesen ist – auch bei Remission der Symptome oder TIA.Time is brain.🗣️ Wichtige AnamneseEntscheidend sind:• Welche Defizite? Sprache, Sprechen, Sehen, Sensibilität, Motorik, Koordination• Plötzlicher Beginn oder schleichend?• Persistierend, rückläufig oder remittiert?• Wann war die Person zuletzt sicher symptomfrei?Zusätzlich parallel:• vaskuläre Vorerkrankungen, Risikofaktoren• Blutungsrisiken• Vormedikation, v. a. Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer🚑 BasismaßnahmencABCDE, Monitoring und Stabilisierung:• Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, SpO₂, Temperatur• 12-Kanal-EKG früh und aktiv befunden• mindestens 1 stabiler i.v.-Zugang• Blutgasanalyse inkl. Blutzucker🩸 LaborWichtig in der Akutsituation:• kleines Blutbild, CRP• Glukose, Elektrolyte, Laktat• Kreatinin, Harnstoff, eGFR• Leberwerte• Troponin, CK• TSH• INR, PTT• EthanolWichtig: Hypoglykämie ist ein relevanter Stroke Mimic und muss sofort ausgeschlossen bzw. korrigiert werden.🧪 Neurologische NotfalluntersuchungOrientierend, schnell und fokussiert:• Aphasie vs. Dysarthrie unterscheiden• Gesichtsfeld, Visus, Neglect• Pupillen, Blickdeviation, Okulomotorik• Fazialisparese, faziale Sensibilität• Arm- und Beinhalteversuch• grobe Kraft, Tonus, Reflexe• grobe Sensibilität• zerebelläre Tests: Finger-Nase, Knie-Hacke, Sitzen/Gang wenn sicher🧭 PlausibilitätsprüfungSpricht das Bild für ein Schlaganfallsyndrom?1. neurovaskulär plausible Lokalisation2. plötzlicher Symptombeginn3. kein offensichtliches Stroke MimicBei Zweifel bis zur Bildgebung im Schlaganfallpfad bleiben.📏 SchweregradNIHSS zur standardisierten Erfassung und Verlaufskontrolle.🖥️ BildgebungAkutstandard:• native cCT• CTA der supraaortalen GefäßeAuch bei bereits remittiertem Defizit.Fragen an die Bildgebung:• Blutung?• demarkierte Ischämie / frühe Infarktzeichen?• frischer Gefäßverschluss?• relevante Stenose?🧷 TherapieentscheidungWenn Blutung: weiteres Vorgehen nach Blutungsart/-ursache.Wenn keine Blutung:• ≤ 4,5 h und kein großer erreichbarer Verschluss → systemische Thrombolyse• großer interventionell erreichbarer Gefäßverschluss → Neurothrombektomie erwägen• ≤ 4,5 h + großer Verschluss → häufig Bridging: Lyse + Thrombektomie• erweitertes/unklares Zeitfenster → Perfusionsbildgebung oder MRT, Penumbra / DWI-FLAIR-Mismatch prüfenSonderfall:• Basilarisverschluss: Thrombektomie oft auch jenseits klassischer Zeitfenster💉 Systemische ThrombolyseStandardindikation:• ischämischer Schlaganfall innerhalb von 4,5 StundenVorher beachten:• Blutung ausgeschlossen• Kontraindikationen prüfen• Blutdruck vor Lyse ≤ 180/105 mmHgTypische Probleme:• wirksame Antikoagulation• pathologische Gerinnung• aktive/kürzliche Blutung• schwere Hypertonie• sehr große Infarkte• vollständig rückläufige oder nicht behindernde Defizite🚨 Komplikationen der LyseAchten auf:• neurologische Verschlechterung• Kopfschmerz, Erbrechen, Vigilanzminderung• Blutdruckanstieg→ sofort cCT bei BlutungsverdachtWichtig:• angioneurotisches Ödem, oft 30–120 min nach Beginn→ Lyse stoppen, Notfalltherapie, Atemweg sichern🏥 Stroke UnitIndiziert bei ischämischem Schlaganfall oder TIA.Monitoring:• EKG, RR, HF, Atmung, SpO₂• Temperatur und Blutzucker regelmäßig• Vigilanz und NIHSS engmaschig📌 Nachsorge und Merkpunkte• Bei neurologischer Verschlechterung sofort erneute cCT• Nach Lyse: RR < 180/105 mmHg, ideal systolisch 140–160• 24 h nach Lyse Kontroll-cCT• Erst danach ASS und medikamentöse Thromboseprophylaxe, wenn keine Blutung✅ Merkskript für den DienstPlötzliches Defizit erkennen → Uhrzeit klären → cABCDE → Zucker messen → fokal-neurologisch untersuchen → Plausibilität prüfen → sofort cCT + CTA → Entscheidung über Lyse und/oder Thrombektomie.

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    Rupturiertes Bauchaortenaneurysma - Akutmanagment

    🩸 Thema der FolgeRupturiertes Bauchaortenaneurysma (rAAA) = einer der dramatischsten gefäßchirurgischen Notfälle. Entscheidend ist die frühe Verdachtsdiagnose und der schnellstmögliche Weg zur operativen Blutungskontrolle.🚑 Zentrale BotschaftNicht maximale Diagnostik vor Ort, sondern:- schnell erkennen- schonend behandeln- unverzüglich in ein geeignetes Zentrum transportierenAlles muss dem OP-Beginn dienen. Keine Verzögerung durch unnötige Maßnahmen.🧠 PathophysiologieEs gibt zwei klinisch wichtige Formen:- freie Ruptur: Blutung in die Bauchhöhle, meist hochinstabil, oft rasch tödlich- gedeckte retroperitoneale Ruptur: vorübergehende Tamponade möglichWichtig: Diese fragile Tamponade darf nicht verloren gehen. Gefährlich sind:- Blutdruckspitzen- Pressen, Husten, starke Bewegung- unnötige Manipulationen- wenn möglich auch Intubation vermeiden🔎 Wann daran denken?Klassisch: Bauch-/Rückenschmerz + Hypotonie + pulsierende abdominelle ResistenzHäufiger aber nur Red Flags:- älterer Patient, oft männlich- bekannte Gefäßerkrankung oder bekanntes AAA- plötzlicher Bauch-, Flanken- oder Rückenschmerz- Kollaps, Synkope, Schweißigkeit, Blässe- Unruhe, Verwirrtheit, Schock unklarer Genese⚠️ Wird nicht selten als Nierenkolik, Lumboischialgie oder akutes Abdomen fehlgedeutet.🩺 Präklinisches ManagementWichtig:- fokussierte Anamnese: bekanntes AAA, Gefäßeingriffe, Antikoagulation, plötzlicher Schmerzbeginn- Basismonitoring: SpO2, NIBP engmaschig, EKG- Pulse, Rekapillarisierungszeit, Vigilanz prüfen- BZ und Temperatur mitdenken- möglichst wenig Bewegung, schonende Lagerung- warm halten💉 Kreislaufstrategie: permissive HypotensionZiel ist nicht Normotonie, sondern gerade ausreichende Organperfusion.Praktische Orientierung:- systolisch etwa 70–100 mmHg- deutlich unter 70 mmHg vermeiden- nicht „schöninfundieren“Volumentherapie:- restriktiv- kleine Kristalloid-Boli, z. B. 250 ml- danach neu beurteilenMerksatz:So wenig wie möglich, so viel wie nötig.💊 MedikamenteAnalgesie:- vorsichtig titriert- z. B. Morphin 1–2 mg i.v. schrittweise- alternativ Fentanyl in kleinen DosenSedierung:- nur zurückhaltend bei Angst/Unruhe- z. B. Midazolam niedrig dosiertBei Hypotonie mit unzureichender Perfusion:- Noradrenalin als Überbrückung möglichBei hypertensiver Entgleisung:- vorsichtig steuerbares Nitroglycerin in Einzelfällen🫁 Atemweg und Sauerstoff- Sauerstoff nach Bedarf- Intubation möglichst vermeiden, wenn nicht zwingend notwendig- Atemwegssicherung nur bei klarer Indikation🏥 Zielklinik und SchockraumTransport:- sofort- in ein gefäßchirurgisch geeignetes, idealerweise endovaskulär erfahrenes Zentrum- Voranmeldung mit klarer Verdachtsdiagnose rAAAIm Schockraum:- nur Diagnostik, die den OP nicht verzögert- Labor, Kreuzblut, Blutgase, Laktat, Gerinnung, Kalzium- Sonografie oft sehr hilfreich- CT-Angiografie nur bei hämodynamisch ausreichend stabilem Patienten- instabiler Patient: direkt OP / Hybrid-OP🩸 Hämotherapie und GerinnungFrüh an Massivtransfusion denken:- Erythrozyten- Plasma- ThrombozytenAußerdem wichtig:- Normothermie- Kalzium im Blick- Azidose vermeiden- Gerinnung überwachen⛔ Häufige Fehler- Diagnose nicht in Betracht ziehen- unnötige Bewegung oder Stress- aggressive Volumengabe auf Normotonie- zeitfressende Diagnostik beim instabilen Patienten- verspätete Zentrenanmeldung- Wärme, Gerinnung und Blutprodukte unterschätzen📌 Take-home Messages- rAAA früh erkennen- schonendes Management mit permissiver Hypotension- keine Verzögerung: direkt ins geeignete Zentrum und zur Blutungskontrolle

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    Perikardtamponade - Akutmanagment

    🫀 Perikardtamponade: kardiologischer NotfallPerikardtamponade = lebensbedrohliche Kompression des Herzens durch Druckanstieg im Perikard mit behinderter diastolischer Füllung. Folge: vermindertes Schlagvolumen, sinkendes Herzzeitvolumen, obstruktiver Schock bis Kreislaufstillstand.Merksatz: Hämodynamisch relevante Perikardtamponade = schnellstmögliche Entlastung. Verzichtbare Diagnostik darf nicht verzögern.⚠️ PathophysiologieEntscheidend ist nicht nur die Ergussmenge, sondern vor allem die Geschwindigkeit der Entstehung:• langsam zunehmender Erguss: oft länger kompensiert• rasches Hämoperikard: schon bei kleinerer Menge fulminante Tamponade👀 KlinikTypische Hinweise:• Dyspnoe• Brustschmerz• Tachykardie• Hypotonie• Tachypnoe• Unruhe, Schwitzen, TodesangstWichtige Befunde:• Halsvenenstauung• abgeschwächte Herztöne• Pulsus paradoxus: inspiratorischer Abfall des systolischen Blutdrucks > 10 Millimeter Quecksilber• ggf. Kußmaul-Zeichen🧠 Immer mitdenken: DifferenzialdiagnosenBei obstruktivem Schock sofort unterscheiden zwischen:• Perikardtamponade• Spannungspneumothorax• massive LungenarterienembolieBesonders wichtig:Spannungspneumothorax kann klinisch sehr ähnlich sein. Lungenultraschall und Auskultation helfen bei der Abgrenzung.🩺 DiagnostikMethode der ersten Wahl: EchokardiografieEcho-Zeichen:• Perikarderguss• diastolischer Kollaps rechter Herzhöhlen• gestaute Vena cava inferior mit verminderter Kollapsibilität• atemabhängige FlussveränderungenPraxispunkt:Bei instabiler Tamponade keine unnötige Verzögerung durch CT, ausführliches Labor oder organisatorische Abläufe.🚑 AkutmanagementSofortmaßnahmen:• Monitoring: EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Atmung, Urinproduktion• venöser Zugang, idealerweise zwei• Sauerstoffgabe, Ziel SpO2 > 92 Prozent• kleine vorsichtige Volumenboli, z. B. 250 bis 500 Milliliter balancierte Kristalloidlösung• engmaschige ReevaluationKreislaufunterstützung als Überbrückung:• Noradrenalin bei ausgeprägter Hypotonie• Dobutamin bei niedrigem HerzzeitvolumenWichtig:Vasopressoren und Inotropika kaufen Zeit, ersetzen aber nie die Entlastung.⛔ Was vermeiden?• Diuretika• Vasodilatatoren• unnötige positive DruckbeatmungWenn Intubation unvermeidbar:nur gut vorbereitet, mit hämodynamischer Absicherung und möglichst in Nähe zur definitiven Entlastung.💉 Definitive TherapieStandard: ultraschallgestützte PerikardpunktionTypisch:• möglichst unter Monitoring und sterilen Bedingungen• klassisch subxiphoidaler Zugang• anschließend meist Drainage in Seldinger-Technik für 1 bis 3 TageOperative Notfallentlastung statt Punktion v. a. bei:• traumatischer Tamponade• postoperativer Tamponade nach Herzchirurgie• vermuteter Ventrikelruptur nach Myokardinfarkt• Aortendissektion⚠️ Komplikationen der Perikardpunktion• Myokardverletzung• Koronarverletzung• Arrhythmien• Pneumothorax• LeberverletzungDarum: wenn möglich ultraschallgeführt.🧾 UrsachenWichtige Ätiologien:• Trauma• iatrogen, z. B. nach PCI, Ablation, Schrittmacher, ZVK, Herzchirurgie• freie Ventrikelruptur nach Myokardinfarkt• Aortendissektion• maligne Ergüsse• infektiöse Ursachen• idiopathische oder entzündliche Perikarderkrankungen• Autoimmunerkrankungen, Urämie, Myxödem🧭 Take-home-Punkte• Hypotonie + Tachykardie + Halsvenenstauung = obstruktiven Schock denken• Echo ist das wichtigste Akuttool• Spannungspneumothorax immer ausschließen• kleine Volumengaben können überbrücken• Diuretika und Vasodilatatoren sind akut meist falsch• positive Druckbeatmung kann die Situation verschlechtern• definitive Therapie ist die Entlastung, nicht die Pharmakotherapie

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    Kardiogener Schock - Akutmanagment

    📌 Thema der FolgeKardiogener Schock: frueh erkennen, rasch stabilisieren, Ursache parallel finden und gezielt behandeln.🚨 DefinitionSchock durch kritische Verminderung der kardialen Pumpleistung mit:- Hypotonie bzw. Vasopressorbedarf- Gewebehypoperfusion- EndorgandysfunktionTypisch:- systolischer Blutdruck < 90 mmHg fuer mindestens 30 Minuten- oder Bedarf an Vasopressoren, um > 90 mmHg zu halten🧠 Woran denken?Entscheidend sind immer 3 Dinge gleichzeitig:- Kreislauf stabilisieren- Ursache suchen- Ursache spezifisch behandelnWichtigster Merksatz:- In etwa 80 Prozent liegt ein akutes Koronarsyndrom zugrunde- Ein akuter Myokardinfarkt muss aktiv ausgeschlossen werden🔎 Zeichen des kardiogenen SchocksKlinik:- blass, kalt, kaltschweissig- Tachykardie, Dyspnoe- Rasselgeraesche, Lungenoedem- gestaute Halsvenen- Vigilanzminderung, VerwirrtheitHinweise auf Organhypoperfusion:- Oligurie < 0,5 ml/kg/h- verlaengerte Rekapillarisierungszeit- erhoehtes LaktatWichtig:- Nicht der Blutdruck allein definiert den Schock- Auch unter Vasopressoren kann weiter Schock bestehen🩺 Initiales VorgehenStrukturiert vorgehen:- frueh Hilfe holen- Intensivstation oder Herzkatheterzentrum einbinden- engmaschiges Monitoring etablierenBasismonitoring:- Pulsoxymetrie- kontinuierliches EKG- Blutdruck- Blasenkatheter zur DiuresekontrolleBei Instabilitaet:- arterieller Zugang- zentralvenoeser Zugang fuer Katecholamine und Verlaufskontrollen🫀 Diagnostik am BettFrueh durchfuehren:- arterielle Blutgasanalyse- 12-Kanal-EKG- fokussierte Echokardiografie- Labor: Troponin, Kreatinin, Harnstoff, Blutbild, Elektrolyte, Transaminasen, TSH, Glukose, ggf. BNP oder NT-proBNPEcho-Schluesselfragen:- LV- und RV-Funktion?- lokalisierte oder globale Wandbewegungsstoerungen?- Hypovolaemie oder Stauung?- relevante Klappenpathologie?- Perikardtamponade?- Rechtsherzbelastung als Hinweis auf Lungenarterienembolie?💧 Volumentherapie: nur mit VorsichtNicht jeder hypotone Patient braucht Fluessigkeit.Bei plausibler Hypovolaemie:- kleine Bolusgaben von 250 bis 500 ml balancierter kristalloider Loesung- danach sofort ReevaluationSofort stoppen bei:- zunehmender Dyspnoe- Lungenoedem- Zeichen steigender Fuellungsdruecke💉 KreislaufsupportVasopressor der ersten Wahl:- Noradrenalin- Ziel-MAP meist 65 bis 70 mmHgInotropikum der ersten Wahl:- DobutaminHaefige Kombination:- Noradrenalin fuer Perfusionsdruck- Dobutamin fuer Kontraktilitaet und HerzzeitvolumenWeitere Optionen in Spezialfaellen:- Adrenalin- Levosimendan- PDE-3-Hemmer wie Milrinon oder Enoximon🫁 BeatmungBei Hypoxaemie:- SauerstoffBei kardialem Lungenoedem:- ggf. nichtinvasive BeatmungBei schwerer respiratorischer Insuffizienz oder Erschoepfung:- Intubation- Einleitung kreislaufschonend und gut vorbereitet🏥 Wenn Medikamente nicht reichenMoegliche mechanische Unterstuetzung:- veno-arterielle ECMO- Impella- in ausgewaehlten Faellen intraaortale BallongegenpulsationNur fuer selektierte Patienten in erfahrenen Zentren.🧭 Wichtige Differenzialdiagnosen- akutes Koronarsyndrom- akut dekompensierte Herzinsuffizienz- akute schwere Klappenvitien- Myokarditis- Rechtsherzversagen, z. B. bei Lungenarterienembolie❌ Typische Fehler- reflexhafte grosszuegige Volumengabe- Warten auf Labor trotz eindeutiger EKG- oder Echo-Hinweise- Orientierung nur am Blutdruck- Rhythmusstoerungen uebersehen- Herzkatheterzentrum oder erfahrenes Team zu spaet hinzuziehen✅ Take-home-Messages- Kardiogener Schock = Pumpversagen mit Organhypoperfusion- Haeufigste Ursache: akutes Koronarsyndrom- Stabilisierung und Ursachenfindung laufen parallel- Echokardiografie ist das zentrale Bedside-Tool- Volumen nur vorsichtig und gezielt- Noradrenalin zuerst fuer den Druck- Dobutamin haeufig zusaetzlich fuer die Pumpleistung- Bei Verdacht auf Infarkt frueh Koronarangiografie organisieren

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    Hypovolämischer Schock - Akutmanagment

    💉 Thema der FolgeHypovolämischer Schock: schnelles, strukturiertes Handeln bei kritischem intravasalem Volumenmangel mit Organhypoperfusion.🎯 Lernziele- hypovolämischen Schock erkennen- Kreislauf stabilisieren- Blutvolumen gezielt wiederherstellen- Ursache suchen und wenn möglich direkt behandeln🧠 DefinitionHypovolämischer Schock = Schockzustand durch kritische Verminderung des intravasalen Volumens.Wichtig:- nicht jede Hypotonie ist ein Schock- nicht jeder Schock ist hypovolämisch- Mischbilder sind häufig, z. B. Hypovolämie plus Sepsis🔎 Klinische ZeichenTypische Hinweise auf Gewebehypoperfusion:- Hypotonie- Tachykardie- kalte Extremitäten- verlängerte Rekapillarisierungszeit- Unruhe, Durst- trockene Schleimhäute- Oligurie- VigilanzminderungLabor:- erhöhtes Laktat als Perfusionsmarker- immer im klinischen Kontext interpretieren❓Vier Leitfragen am Patientenbett- Ist der Kreislauf instabil?- Gibt es Zeichen der Organminderperfusion?- Gibt es Hinweise auf Volumenverlust?- Gibt es andere oder zusätzliche Schockursachen?🚑 AkutmanagementParallel statt nacheinander:- Atemweg, Atmung, Kreislauf sichern- Monitoring aufbauen- venösen Zugang schaffen- Volumentherapie starten- Ursache suchenMonitoring:- EKG- Blutdruck- SpO2- Atemfrequenz- Diurese, wenn sinnvoll via Blasenkatheter- bei Instabilität ggf. arterielle Blutdruckmessung🎯 Kreislaufziele- systolischer Blutdruck > 100 mmHg- MAP > 65 mmHg- Urinproduktion > 0,5 ml/kg/h- ScvO2 > 70 %, falls gemessen🧴 VolumentherapieInitial:- balancierte kristalloide Lösungen- bei Erwachsenen oft 500 ml als Bolus über 10–15 Minuten- danach konsequente Reevaluation- lieber kleine wiederholte Bolusgaben als unkritisch mehrere LiterReevaluation nach jedem Bolus:- Blutdruck- Herzfrequenz- Rekapillarisierungszeit- mentale Verfassung- Hauttemperatur- Diurese- Laktat / BGA, wenn verfügbar⚠️ Übertherapie vermeidenAuch hypovoläme Patienten können überwässert werden.Hilfreich:- fokussierte Echokardiografie: Füllung, Schlagvolumen, V. cava inferior- auf Lungenödem achten: Rasselgeräusche, steigender O2-Bedarf, B-Linien💊 VasopressorenWenn trotz adäquater Volumengabe keine Stabilisierung:- Diagnose hinterfragen- an Mischformen denken, v. a. Sepsis oder kardiale Ursache- ggf. Noradrenalin, z. B. 0,02–0,1 µg/kg/min titriertMerksatz:Noradrenalin ersetzt kein Volumen.🧪 ElektrolyteEngmaschig kontrollieren:- Kalium im Normbereich halten- Hypokaliämie gezielt substituieren- Hyperkaliämie sofort erkennen und behandeln- Natrium nie zu schnell korrigierenZu rasche Natriumkorrekturen können schwere neurologische Schäden verursachen.🩺 Häufige UrsachenEnteral:- Gastroenteritis- CholeraRenal:- hyperosmolares diabetisches Koma- Diuretika- Diabetes insipidus- Aldosteronmangel / Addison-KriseDritter Raum:- Ileus- Aszites bei LebererkrankungKutan:- Hyperthermie- Verbrennungen- Verätzungen- großflächige HautläsionenVerminderte Aufnahme:- ältere Menschen, Demenz- Schluckstörungen, Immobilität- psychostimulierende Substanzen🛠️ Praktische Merksätze- Stabilisieren, Volumen ersetzen, Ursache behandeln- nach jedem Bolus neu untersuchen- Flüssigkeitsbilanz sauber dokumentieren- gezielt nach Erbrechen, Durchfall, Diuretika, Polyurie, Trinkmenge und Fieber fragen- bei Fieber und Schocksymptomatik immer auch an Sepsis denken📌 Take-home-MessageDer hypovolämische Schock ist vor allem ein Problem des fehlenden intravasalen Volumens. Entscheidend sind frühes Erkennen, rasche Volumentherapie mit balancierten Kristalloiden, engmaschige Reevaluation und konsequente Ursachensuche.

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    Ertrinkungsunfall - Akutmanagment

    🧭 Terminologie- Nicht-tödliches Ertrinken: Ertrinkungsvorgang mit Überleben- Tödliches Ertrinken: Tod an den Folgen des Ertrinkens- Sekundäres Ertrinken: Ertrinken infolge anderer Pathologien, z. B. Krampfanfall, Synkope, Intoxikation, TraumaVeraltete Begriffe wie „Beinahe-Ertrinken“, „trockenes“ oder „nasses“ Ertrinken sollten nicht mehr verwendet werden.🫁 PathophysiologieKernproblem ist die Hypoxie, nicht das Wasser selbst.Ursachen:- Atemwegsverlegung- Laryngospasmus- Aspiration- gestörter GasaustauschMerksatz: Sauerstoff, Sauerstoff, Sauerstoff.🚑 Akutversorgung- Rettung aus dem Wasser unter Eigenschutz- Sofort strukturiert nach ABCDE- Sichtbare Fremdkörper/Erbrochenes entfernen- Keine Entleerungsmanöver, kein „Wasser aus der Lunge drücken“- Frühzeitige Oxygenierung und Ventilation- Frühzeitiger Transport ins KrankenhausBei Spontanatmung:- O2 über Maske mit Reservoir, meist 10–15 l/min- Ziel-SpO2: 94–98 ProzentBei unzureichender Atmung:- Beutel-Masken-Beatmung mit O2- Atemwegshilfen nach Bedarf- Früh an Intubation denken bei schwerer Hypoxämie, fehlenden Schutzreflexen, Bewusstseinsstörung oder Erschöpfung🧊 Wichtige ZusatzaspekteAktiv erfragen:- Submersionsdauer- Zeit bis BLS- Wassertemperatur- Hinweise auf Trauma, Suizid, Intoxikation, Krampfanfall, SynkopeHypothermie:- nasse Kleidung entfernen- abtrocknen- Wärmeerhalt, trockene Decken- angewärmte Infusionen- bei schwerer Unterkühlung früh an spezialisiertes Zentrum/ECMO denken❤️ Reanimation bei ErtrinkenBesonderheit: primär asphyktischer KreislaufstillstandDeshalb:- 5 initiale Beatmungen- danach Thoraxkompressionen nach LeitlinieWichtig:- Schnappatmung ist keine normale Atmung- Defibrillation wie üblich, vorher Thorax abtrocknen- Medikamente nach Standard-ALS- Bei Hypothermie zurückhaltend mit Prognoseentscheidungen📈 PrognosefaktorenEher günstig:- kurze Submersionsdauer- früher BLS-Beginn- kurze Reanimationsdauer- junges Alter- GCS > 5- pH > 7,1Eher ungünstig:- lange Submersion- verspätete Wiederbelebung- lange Reanimation- höheres Alter- GCS ≤ 5- pH < 7,1🏥 Notaufnahme und Diagnostik- erneute strukturierte Untersuchung- Blutgasanalyse zentral- je nach Verlauf: Elektrolyte, Nierenwerte, CK, Blutbild, Gerinnung, Troponin- Röntgen-Thorax hilfreich, früh aber nicht immer auffällig- bei schwerem Verlauf früh Intensivaufnahme planenBeatmung:- lungenprotektiv- niedrige Tidalvolumina- PEEP mitdenken, oft 5–10 cmH2O initial💊 Medikamente- Keine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe- Antibiotika nur bei Infektionshinweisen oder stark kontaminierter Exposition- Bronchodilatatoren bei Bronchospasmus- Kortikosteroide nicht routinemäßig indiziert👀 Beobachtung und EntlassungNach unkompliziertem Verlauf:- mindestens 4–8 Stunden Überwachung, oft 6–8 Stunden sinnvollEntlassung nur bei:- normaler Vigilanz- normaler Atemfrequenz- keiner Dyspnoe- unauffälliger Auskultation- SpO2 > 95 Prozent ohne O2- keinen Begleitverletzungen- keiner suspekten auslösenden UrsacheKrankenhaus-Transport ist nach Ertrinken immer indiziert.⚠️ KomplikationenPulmonal:- Atelektasen- Lungenödem- Aspirationspneumonie- ARDSNeurologisch:- zerebrale Hypoxie- Hirnödem- hypoxisch-ischämische EnzephalopathieWeitere:- Multiorganversagen- akute Nierenfunktionsstörung- Gerinnungsstörungen- Rhythmusstörungen bei Hypothermie🔎 Immer an Ursachenfahndung denkenVor allem bei Erwachsenen:- Myokardinfarkt- Rhythmusstörung- Synkope- Schlaganfall- epileptischer Anfall- Hypoglykämie- Intoxikation- Trauma- Suizidalität✅ Take-home-Messages- Ertrinken ist primär ein Hypoxieproblem- Keine Zeit mit Entleerungsmanövern verlieren- Reanimation beginnt mit 5 initialen Beatmungen- Hypothermie aktiv mitdenken- Krankenhaus-Transport immer erforderlich- Entlassung nur nach Beobachtung und komplett stabilem Verlauf- Prognose wird wesentlich durch den neurologischen Schaden bestimmt

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    Anaphylaxie - Akutmanagement

    🚑 Anaphylaxie: Akutmanagement⚠️ MerksatzBei Anaphylaxie mit Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung gilt: Exposition sofort stoppen und Adrenalin intramuskulär geben. Antihistaminika oder Glukokortikoide ersetzen das nicht.🧠 Wann ist eine Anaphylaxie wahrscheinlich?Akuter Beginn nach Auslöserkontakt innerhalb von Minuten bis Stunden. Typische Konstellationen:• Haut-/Schleimhautbefunde plus Atemwegs- und/oder Kreislaufbeteiligung• Symptome an mindestens 2 Organsystemen nach wahrscheinlichem Allergen• Hypotonie nach Kontakt mit bekanntem AllergenMögliche Zeichen:• Haut/Schleimhaut: Urtikaria, Flush, Juckreiz, Angioödem• Atemwege: Heiserkeit, Stridor, Dyspnoe, Giemen, Bronchospasmus, Hypoxie• Kreislauf: Hypotonie, Schwindel, Synkope, Schock• Gastrointestinaltrakt: Bauchkrämpfe, Erbrechen, DurchfallWichtig: Hautzeichen können fehlen, etwa in jedem 10. Fall.🦟 Häufige Auslöser• Kinder: vor allem Nahrungsmittel, danach Insektengifte• Erwachsene: Insektengifte, Medikamente, Nahrungsmittel• In ca. 20 % kein sicherer Auslöser identifizierbar⚡ Sofortmaßnahmen1. Allergenexposition beenden• Infusion stoppen• Medikament absetzen• Insektenstachel entfernen• Nahrungsaufnahme/Latexkontakt beenden2. Adrenalin i.m. in den anterolateralen Oberschenkel• Indikation: Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung• Wiederholung alle 5–10 Minuten bei unzureichender Wirkung• Dosis bei manueller Aufziehung: 10 Mikrogramm/kgKG, max. 600 Mikrogramm pro Dosis• Autoinjektor nach verfügbarem Präparat einsetzen3. Sauerstoff geben• Bei pulmonaler oder kardiovaskulärer Beteiligung• Bei schwerer Reaktion bevorzugt Maske mit Reservoir4. Lagerung beachten• Flach lagern, abrupte Lagewechsel vermeiden• Schocklagerung bei Instabilität• Halb sitzend/sitzend bei starker Dyspnoe, wenn kreislaufverträglich• Stabile Seitenlage bei Bewusstseinseinschränkung5. Zugang, Volumen, Monitoring• Großlumiger i.v.-Zugang, ggf. früh intraossär• Balancierte Vollelektrolytlösung als Bolus• Kinder ≤ 30 kg: 20 ml/kgKG• > 30 kg: meist 500–1000 ml, ggf. wiederholen• Monitoring: Blutdruck, Herzfrequenz, SpO2, bei schweren Fällen EKG⛔ Wichtiger WarnhinweisAdrenalin 1:1000 (1 mg/ml) nur intramuskulär, nicht unverdünnt intravenös. Gefahr schwerer Rhythmusstörungen bis Kreislaufstillstand.🫁 Atemweg und symptomorientierte Therapie• Früh anästhesiologische/intensivmedizinische Hilfe rufen bei Larynxödem, rascher Verschlechterung oder schwierigem Atemweg• Inhalatives Adrenalin kann beim Larynxödem ergänzend helfen• Bronchospasmus: inhalatives Beta-2-Sympathomimetikum, z. B. Salbutamol• Bei Erschöpfung/Atemversagen: Atemwegssicherung bis Intubation, Ultima Ratio Koniotomie💉 ZusatztherapienNicht primär lebensrettend, aber ergänzend sinnvoll:• H1-Antihistaminika: z. B. Dimetinden oder Clemastin• H2-Antihistaminika: je nach lokaler Verfügbarkeit• Glukokortikoide: häufig gegeben, aber kein schneller Akuteffekt• Symptomatisch bei Bedarf: Butylscopolamin bei Bauchkrämpfen, Dimenhydrinat bei Übelkeit🚨 Häufige Fehler• Adrenalin zu spät geben• Zuerst nur Antihistaminika oder Glukokortikoide verabreichen• Fehlende Hautzeichen als Entwarnung werten• Lagewechsel zu abrupt durchführen🏥 Überwachung und Nachsorge• Überwachung bis anhaltende Remission• Schwere Verläufe stationär, lebensbedrohliche Verläufe intensivmedizinisch• Dokumentation des vermuteten Auslösers und allergologische Abklärung• Anaphylaxie-Notfallset und Schulung veranlassen, oft inklusive Adrenalin-Autoinjektor📌 Take-homeAnaphylaxie erkennen, Auslöser stoppen, Adrenalin i.m. früh geben, dann Sauerstoff, Lagerung, Volumen, Monitoring und Atemweg aktiv mitdenken.

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    Reanimation - BLS und ALS

    🚑 Erwachsene Reanimation: BLS & ALS kompakt🧭 Prioritäten im Notfall- Sofort mit CPR beginnen- Thoraxkompressionen möglichst unterbrechungsfrei- Früh defibrillieren bei defibrillierbarem Rhythmus- Eigenschutz immer zuerst👀 BLS: Erste Schritte1. Reaktion prüfen: laut ansprechen, sanft an den Schultern rütteln2. Hilfe alarmieren:- außerklinisch: 112, ideal mit Lautsprecher- innerklinisch: Reanimationsteam + AED/Defibrillator anfordern3. Atemwege öffnen: Kopf überstrecken, Kinn anheben4. Atmung prüfen: Sehen, Hören, Fühlen, maximal 10 Sekunden⚠️ Schnappatmung- Agonale Atmung ist keine normale Atmung- Bewusstlos + Schnappatmung = sofort Reanimation❤️ Thoraxkompressionen- Frequenz: 100–120/min- Tiefe: 5–6 cm- Druckpunkt: Mitte des Thorax / untere Hälfte des Sternums- Vollständige Entlastung zwischen Kompressionen- Pausen so kurz wie möglich💨 Beatmung- Standard für geschulte Helfende: 30:2- Jede Beatmung ca. 1 Sekunde- Nur so viel Volumen, dass sich der Thorax sichtbar hebt- Bei unsicherer Beatmung gilt: Kompressionen haben Vorrang⚡ AED / Defibrillation im BLS- AED sofort einsetzen, sobald verfügbar- Während Analyse/Schock niemanden berühren- Nach Schock sofort weiter komprimieren- Kein Pulscheck direkt nach Schock🏥 ALS: Erweiterte Maßnahmen- BLS bleibt die Basis- Parallel:- Defi-Monitor anschließen- i.v.-Zugang, sonst i.o.- Atemwegsmanagement- Sauerstoffgabe, initial meist Beutel-Masken-Beatmung mit 100 % O2🫁 Gesicherter Atemweg- ET-Tubus oder supraglottische Atemwegshilfe- Tubuslage kapnografisch sichern- Danach:- kontinuierliche Thoraxkompressionen- Beatmung asynchron mit 10/min📈 RhythmusanalyseDefibrillierbar:- Kammerflimmern (VF)- pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT)Nicht defibrillierbar:- Asystolie- PEA⚡ Defibrillierbarer Rhythmus- Biphasisch mindestens 150 J- Danach sofort 2 Minuten CPR- Rhythmuskontrolle alle 2 Minuten- Nach 3. erfolglosem Schock:- Adrenalin 1 mg i.v./i.o.- Amiodaron 300 mg i.v./i.o.- Adrenalin dann alle 3–5 Minuten- Nach 5. erfolglosem Schock:- Amiodaron 150 mg erneut möglich- Alternative: Lidocain statt Amiodaron- Torsade de pointes: früh an Magnesium denken🛑 Nicht defibrillierbarer Rhythmus- Keine Schockabgabe- Sofort hochwertige CPR- Adrenalin 1 mg i.v./i.o. so früh wie möglich- Wiederholung alle 3–5 Minuten- Rhythmuskontrolle alle 2 Minuten🧪 Reversible Ursachen: 4 H & 4 T4 H:- Hypoxie- Hypovolämie- Hypo-/Hyperkaliämie- Hypo-/Hyperthermie4 T:- Tamponade- Toxine- Thrombose (ACS / LAE)- Tension pneumothoraxHilfreiche Diagnostik unter Reanimation:- klinische Untersuchung- BGA- Echokardiografie / Notfallsonografie- Kapnografie👥 Praktische Team-Tipps- Komprimierende Person etwa alle 2 Minuten wechseln- Klare Rollen und geschlossene Kommunikation- Medikamente über peripheren Zugang immer nachspülen, Extremität hochlagern- i.o.-Zugang früh nutzen, wenn i.v. nicht rasch gelingt- Intubation nur, wenn sicher und ohne lange CPR-Unterbrechung🔄 ROSCHinweise:- plötzlicher Anstieg des etCO2- tastbarer Puls- organisierter Kreislauf / adäquater BlutdruckDanach beginnt die Postreanimationsphase:- Oxygenierung und Ventilation sichern- Kreislauf stabilisieren- Ursache behandeln📝 Merksätze- Schnappatmung bedeutet Reanimation- Schock, dann sofort weiterdrücken- Kompressionen, Rhythmus, Schock – alles andere parallel- Gute Reanimation = starke Basics + gute Teamarbeit

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    Notfallmanagment - "E" - Exposure

    🩺 E im cABCDE: mehr als EntkleidenExposure steht für vollständige Sichtbarkeit, systematische Ganzkörperuntersuchung, Re-Evaluation der Verdachtsdiagnose und Kontrolle von Umweltfaktoren. Dazu gehören auch Wärmeerhalt, Schmerztherapie, Eigenschutz und je nach Situation psychische Erste Hilfe.🎯 Ziele von Exposure- Reversible und lebensbedrohliche Befunde erkennen- Übersehene Verletzungen oder Erkrankungen finden- Patienten vor Auskühlung oder Überhitzung schützen- Umfeld als diagnostischen Hinweis nutzen- Arbeitsdiagnose kritisch hinterfragen🔄 Grundprinzipien- Kein starres Schema: immer situationsangepasst handeln- Bei Verschlechterung sofort zurück zum cABCDE- Eigenschutz hat Vorrang bei Aggression, Toxinen oder unsicherer Umgebung- Merksatz: von der Locke bis zur Socke🧾 Anamnese im E: SAMPLE- S: Signs and Symptoms- A: Allergies- M: Medications und Drogen- P: Past medical history- L: Last oral intake- E: Events precedingBesonders wichtig: das Umfeld. Beispiele:- Garage → Kohlenmonoxid- Sonne/Hitze → Hyperthermie- Gartenarbeit + Miosis + Speichelfluss + Bradykardie → Organophosphat-Vergiftung- Winter im Freien → Hypothermie👀 Primary Survey bei ExposureSehen, hören, fühlen:- Vollständig entkleiden, dabei Privatsphäre wahren- Haut, Gerüche, Kleidung, Pflaster, Pumpen, Katheter, Narben beachten- Temperatur, Schwellungen, Instabilitäten, Druckschmerz prüfenWärmemanagement:- Hypothermie verhindern: warme Decken, trockene Kleidung, Wärmesysteme, ggf. erwärmte Infusionen- Hyperthermie behandeln: kühle Umgebung, Verdunstungskühlung, Kühlpacks- Perioperativ an maligne Hyperthermie denken, Dantrolen als spezifische Therapie💊 Schmerztherapie und Stabilisierung- Schmerzen aktiv erfragen und behandeln- Opioide titriert und unter Überwachung geben- Bei Atemdepression an Naloxon denken- Frakturen/Luxationen früh schienen oder situationsgerecht reponieren- DMS vor und nach Maßnahme dokumentieren- Schmuck bei drohender Schwellung früh entfernen🔍 Wichtige UntersuchungsbefundeNicht-traumatologische Hinweise:- Haut: Zyanose, Marmorierung, Petechien, Exanthem, Ödeme, Einstichstellen, Dekubitus- Kopf/Hals: Pupillen, Blutungen, Speichelfluss, Würgemale, Halsvenenstauung- Thorax: Atemarbeit, Symmetrie, Hautemphysem, Herztöne- Abdomen: Distension, Peritonismus, Hämatome- Hilfsmittel: Fentanyl-Pflaster, Insulinpumpe, Schrittmacher, DrainagenTrauma-Check:- Schädel, Gesicht, Thorax, Abdomen, Becken, Wirbelsäule, Extremitäten systematisch untersuchen- Bei Beckenverletzung keine wiederholte Stabilitätsprüfung- Rückeninspektion achsengerecht, z. B. per Log-roll- eFAST früh einplanen⚠️ Klinische Red Flags- Kirschrote Haut → mögliche CO-Intoxikation- Miosis + Atemdepression → Opioide- Schweiß, Verwirrtheit, Tachykardie → Hypoglykämie- Gesichts-/Halsschwellung + Urtikaria + Atemnot → Anaphylaxie- Marmorierte oder graue Haut, Petechien → Sepsis🧠 Umfeld und Psyche- Szene mitbeurteilen: Medikamente, Alkohol, Chemikalien, Stromquellen, nasse Kleidung, Rauch, Hinweise auf Sturz oder Gewalt- Ruhig kommunizieren, Orientierung geben- Auf Eigen- oder Fremdgefährdung achten, z. B. bei Suizidalität oder Aggression📌 Take-home Messages- Exposure ist mehr als Entkleiden- Vollständig, respektvoll und systematisch untersuchen- Wärmehaushalt aktiv steuern- Schmerztherapie nicht vergessen- Umfeld als Teil der Diagnostik nutzen- Bei Zustandsänderung wieder bei cABCDE beginnen

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    Notfallmanagment - "D" - Disabilty

    🧠 Disability im cABCDE: neurologische und psychiatrische Notfälle📌 EinordnungDisability kommt erst nach den prioritären Schritten:- Critical Bleeding- Airway- Breathing- CirculationErst wenn Blutung kontrolliert, Atemweg gesichert, Atmung ausreichend und Kreislauf stabilisiert sind, steht die neurologisch-psychiatrische Abklärung im Vordergrund.🚨 Die 8 LeitsymptomgruppenAktiv suchen:- quantitative Bewusstseinsstörung- qualitative Bewusstseinsstörung- Status epilepticus- meningitisches Syndrom- relevante Kopfschmerzen- neu aufgetretener Schwindel- akute fokal-neurologische Defizite- Eigen- oder Fremdgefährdung🩺 Basismaßnahmen bei DisabilityWichtige reversible Ursachen sofort erkennen und behandeln:- Blutgasanalyse inkl. Blutzucker- Temperatur messen- Elektrolytstörungen mitdenken- Alkoholkontext erfassenBesonders relevant:- Hypoglykämie: sofort behandeln, z. B. i.v. Glukose; nachkontrollieren- symptomatische Hyponatriämie: hypertones NaCl 3 % bei neurologischen Symptomen- schwere Hyperkalzämie: frühe Volumentherapie, ggf. Calcitonin/Bisphosphonat🌡️ Fieber als WarnsignalFieber ist bei Disability nie nur Nebensache.Merksatz:Neurologisches Defizit + Fieber = ZNS-Infektion/Inflammation mitdenken → Bildgebung und Liquordiagnostik.🍷 AlkoholAlkohol kann Symptome erklären, aber auch gefährlich täuschen:- Intoxikation nicht vorschnell als einzige Ursache annehmen- trotz Alkoholfahne weiter sauber neurologisch untersuchen😴 Quantitative BewusstseinsstörungEinteilung nach Erweckbarkeit:- Somnolenz: weckbar, schläft ohne Reiz wieder ein- Sopor: kurz weckbar, nicht wach haltbar- Koma: nicht erweckbarHilfreich:- Glasgow Coma Scale- FOUR-ScoreWarnhinweis:Somnolenz + weitere Symptome wie Kopfschmerz, Schwindel oder Defizit = besonders ernst nehmen.🌀 Qualitative BewusstseinsstörungPrüfen:- Orientierung- Merkfähigkeit/Kurzzeitgedächtnis- Psychomotorik- Halluzinationen- DenkstörungenWichtig:Nicht jede Agitation ist primär psychiatrisch. Immer an Hypoglykämie, Hypoxie, Intoxikation, Entzug, Enzephalitis oder Meningitis denken.⚡ Status epilepticusDefinition:- anhaltender Krampfanfall > 5 Minutenoder- mehrere Anfälle ohne Wiedererlangen des BewusstseinsAkut:- Benzodiazepin zuerst, z. B. Lorazepam i.v.- bei fehlendem i.v.-Zugang z. B. Midazolam i.m.- danach Zweitlinientherapie, z. B. Levetiracetam/Valproat- parallel: Atemweg, O2 bei Bedarf, Kreislauf, Blutzucker🦠 Meningitisches SyndromKlassisch:- Kopfschmerz- Fieber- MeningismusKonsequenz:- Blutkulturen- sofort kalkulierte antiinfektive Therapie- Dexamethason frühzeitig- Liquorpunktion nicht auf Kosten der Antibiotikagabe verzögern💥 KopfschmerzenRed Flags:- plötzlicher Vernichtungskopfschmerz- neurologische Defizite- Fieber/Meningismus- Trauma- Antikoagulation- Schwangerschaft/postpartum- BewusstseinsstörungSymptomatische Therapie ersetzt nie die Ursachenabklärung.🧭 SchwindelDifferenzierung:- peripher vestibulär- zentral, v. a. posteriorer SchlaganfallAchte auf:- Doppelbilder- Dysarthrie- Ataxie- Hirnstammzeichen🧠 Fokal-neurologisches DefizitImmer strukturiert prüfen:- Sprache/Sprechen- Gesichtsfeld/Sehen- Okulomotorik- Fazialisfunktion- Motorik- Sensibilität- Koordination- Gang/StandMerksätze:- neues fokal-neurologisches Defizit = Schlaganfall, bis das Gegenteil bewiesen ist- auch nicht plötzlich entstandene neue Defizite brauchen dringliche Bildgebung- Defizit + Fieber = Bildgebung und Liquor🛡️ Eigen- oder FremdgefährdungDirekt ansprechen:- Suizidgedanken?- Plan?- Vorbereitungen?- frühere Versuche?- Intoxikation?✅ Praktische Take-home-Points- Blutzucker früh messen, Hypoglykämie sofort behandeln- Fieber + neurologisches Defizit: Bildgebung und Liquor- neues fokal-neurologisches Defizit: immer an Schlaganfall denken- die 8 Leitsymptome aktiv suchen- bei Somnolenz niemals einzelne Symptome isoliert abarbeiten

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    Notfallmanagment - "C" - Circulation

    🚑 Thema der FolgeCirculation im cABCDE-Schema: Kreislauf beurteilen, Schock erkennen, Ursachen unterscheiden und Sofortmaßnahmen einleiten.🩺 Worum es gehtEin C-Problem bedeutet unzureichende Organ- und Gewebeperfusion. Ursachen sind meist:• absoluter Volumenmangel: Blutung, Exsikkose, Verbrennung• relativer Volumenmangel: Sepsis, Anaphylaxie, neurogener Schock• Pumpversagen oder Obstruktion: kardiogener/obstruktiver Schock• Rhythmusstörung: Tachy- oder Bradyarrhythmie⚠️ Erste WarnzeichenInnerhalb von Sekunden erfassbar:• Hypotonie• Tachykardie oder Bradykardie• kalte, blasse, feuchte Haut oder warme Vasodilatation• Tachypnoe• verlängerte kapilläre Füllungszeit > 2 Sekunden• Unruhe, Verwirrtheit, Somnolenz• schwacher Puls, Marmorierung• Hinweise auf innere/äußere BlutungBei Pulslosigkeit oder fehlender normaler Atmung: sofort CPR.🧭 Sofortmaßnahmen bei C-ProblemParallel handeln und überwachen:• Blutdruck, Puls, EKG, Pulsoxymetrie• Defibrillationselektroden früh ankleben• großlumige i.v.-Zugänge, bei Bedarf intraossär• Blutgasanalyse, Blutentnahmen, Kreuzprobe bei Blutungsverdacht• Urinbilanz, wenn möglich• fokussierte Notfallsonografie/Echokardiografie💧 VolumentherapiePraktisch wichtig:• bevorzugt balancierte Vollelektrolytlösungen• keine unkritischen großen Mengen NaCl 0,9 % als Standard• initial häufig 250–500 ml Bolus, dann direkte Reevaluation• bei hämorrhagischem Schock: Blutung stoppen, früh Blutprodukte mitdenken🩸 Hypovolämischer/hämorrhagischer SchockTypisch:• Hypotonie, Tachykardie• kalte Extremitäten• verlängerte Rekapillarisierungszeit• Exsikkosezeichen oder offensichtliche/verdeckte BlutungDenke an Blutverluste in:• Thorax• Abdomen• Becken• Retroperitoneum• Femur/große Röhrenknochen🔬 Distributiver SchockWichtige Formen:• septischer Schock• anaphylaktischer Schock• neurogener SchockTypisch oft:• Hypotonie• anfangs warme Extremitäten• normale bis hyperkinetische Pumpfunktion🧪 Septischer Schock• Infektzeichen aktiv suchen• Blutkulturen ohne Verzögerung, wenn möglich• Antibiotika früh, idealerweise innerhalb 1 Stunde bei Schock• Volumen + bei persistierender Hypotonie häufig Noradrenalin💉 Anaphylaktischer SchockLeitsymptome:• Dyspnoe, Stridor, Giemen• Urtikaria, Angioödem, Juckreiz• zeitlicher Bezug zu AllergenMerksatz:• zuerst Adrenalin i.m.• nicht zuerst Antihistaminika oder Steroide❤️ Kardiogener/obstruktiver SchockHinweise:• Dyspnoe• Thoraxschmerz• Halsvenenstauung• Ödeme/StauungszeichenWichtige Ursachen:• akutes Koronarsyndrom• Lungenarterienembolie• Perikardtamponade• Spannungspneumothorax• AortendissektionWichtig:• Volumen nur vorsichtig und in kleinen Bolusgaben• Sonografie und EKG sind richtungsweisend⚡ Rhythmusstörungen als C-ProblemTachykardie:• zuerst klären: Sinustachykardie oder pathologische Tachyarrhythmie?• breite Tachykardie beim instabilen Erwachsenen zunächst als VT behandeln• instabil: synchronisierte Kardioversion, bei pulsloser VT/VF DefibrillationBradykardie:• bei Instabilität Atropin als erste Maßnahme• bei Wirkungslosigkeit Pacing/Katecholamine erwägen🧠 Klinische MerkmusterEher Volumenmangel:• kalt, blass, feucht• leere Halsvenen• kleines hyperdynamisches HerzEher distributiv:• warm, vasodilatiert• Infekt- oder Allergiehinweise• gute Pumpfunktion trotz SchockEher kardiogen/obstruktiv:• Halsvenenstauung• Dyspnoe, Thoraxschmerz• Stauungszeichen🛑 Häufige Fehler• bei jeder Hypotonie reflexhaft zu viel Flüssigkeit• Adrenalin bei Anaphylaxie zu spät geben• instabile Tachykardie als „Stress“ verkennen• verborgene Blutungen nach Trauma übersehen📌 Take-home-MessageDie zentrale Frage bei Circulation lautet:Ist es Volumenmangel, Verteilungsproblem, Pumpversagen, Obstruktion oder Rhythmusstörung?Strukturiertes Vorgehen rettet Minuten – und oft Leben.

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    Notfallmanagment - "B" - Breathing

    🫁 Breathing im cABCDE: Atmung strukturiert beurteilen🎯 Worum es gehtBreathing umfasst die strukturierte Beurteilung von Ventilation, Oxygenierung und Atemarbeit sowie die sofortige Therapie akuter respiratorischer Störungen. Wichtig: B-Probleme sind oft Ursache, Folge oder Begleiterscheinung anderer cABCDE-Bereiche.🚨 Red Flags im B-Assessment- Dyspnoe als Leitsymptom- Tachypnoe oder Bradypnoe- Erhöhte Atemarbeit, Atemhilfsmuskulatur, Einziehungen, Nasenflügeln- Unfähigkeit, ganze Sätze zu sprechen- Hypoxie, Hyperkapnie, pathologische Blutgase- Unruhe, Agitation, Verwirrtheit als mögliche Hypoxiezeichen- Silent chest bei schwerer Obstruktion = Alarmsignal🛟 Sofortmaßnahmen- Eigenschutz, PSA, infektiöse Ursachen mitdenken- Bei Apnoe oder Schnappatmung: direkt Reanimation- Komplette Atemwegsverlegung sofort beheben- Sauerstoff, Maskenbeatmung oder frühzeitige Intubationsentscheidung je nach Situation- Nicht zu lange warten bei Erschöpfung, Hyperkapnie, Vigilanzminderung oder unzureichender Oxygenierung👀 Untersuchung im B-Teil- Sehen, hören, fühlen- Atemfrequenz, Atemmuster, Atemarbeit, Sprechfähigkeit- Auskultation: Stridor, Giemen, Rasseln, Seitendifferenzen- Perkussion: hypersonor bei Pneumothorax, gedämpft bei Erguss/Hämatothorax- Thoraxinspektion auf Wunden, Deformitäten, paradoxe Atmung, Hautemphysem- Pulsoxymetrie immer im klinischen Kontext interpretieren- Früh Blutgasanalyse, besonders bei Hyperkapnieverdacht oder metabolischer Entgleisung- Lungensonografie/eFAST bei Verfügbarkeit sehr hilfreich💨 Sauerstofftherapie- Sauerstoff ist ein Medikament: Ziel ist Normoxie, nicht Hyperoxie- Nasenbrille bei milder Hypoxie- Maske bei moderater Hypoxie- Nicht-Rückatemmaske mit Reservoir bei ausgeprägter Hypoxie- High-Flow kann hilfreich sein, ersetzt aber nicht NIV oder invasive Beatmung bei Erschöpfung- Bei COPD oft Ziel-SpO2 88–92 %💊 Wichtige Akuttherapien- Asthma/COPD: Salbutamol inhalativ, plus Ipratropiumbromid- Asthma: früh systemische Steroide, ggf. Magnesiumsulfat- Anaphylaxie: Adrenalin 0,5 mg i.m. frühzeitig, nicht auf Antihistaminika oder Steroide warten- Thoraxschmerz: suffiziente Analgesie, z. B. titriert Fentanyl oder Morphin- Opioidintoxikation: Naloxon vorsichtig titrieren- Cholinerges Syndrom: Atropin, Eigenschutz beachten- Kardiales Lungenödem: sitzende Lagerung, O2, ggf. NIV, Diuretika/Nitrate je nach Situation🩺 Wichtige Differenzialdiagnosen- Obere Atemwegsobstruktion: Fremdkörper, Anaphylaxie, Angioödem, Infektion- Untere Atemwegsobstruktion: Asthma, COPD- Pneumonie- Pneumothorax, Spannungspneumothorax, Pleuraerguss, Hämatothorax- Lungenembolie- Thoraxtrauma- Intoxikationen, CO- oder Rauchgasexposition- Kardiales Lungenödem- Zentrale Ursachen, z. B. Schlaganfall oder SHT- Metabolische Ursachen, z. B. diabetische Ketoazidose- Psychogene Hyperventilation nur als Ausschlussdiagnose📌 Praktische Kernbotschaften- Immer strukturiert nach cABCDE vorgehen- Erst lebensbedrohliche, reversible Ursachen erkennen und behandeln- Klinischer Eindruck ist oft wichtiger als Einzelwerte- Blutgase früh abnehmen- Sauerstoff gezielt titrieren- Intubation nicht zu spät erwägen- Analgesie ist Teil der Atemtherapie- Bei Verschlechterung immer zurück zum Anfang des Schemas🔎 QuintessenzBreathing bedeutet mehr als Sauerstoffgabe: Ventilation, Gasaustausch, Atemarbeit, Bewusstseinslage, Thoraxmechanik und Ursache müssen zusammen gedacht werden. Wer systematisch vorgeht, erkennt Dekompensation früh und behandelt zielgerichtet.

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    Rapid Sequence Induction (RSI) beim Erwachsenen

    🚑 Thema der FolgeRapid Sequence Induction (RSI) beim Erwachsenen: praktischer Ablauf zur schnellen Atemwegssicherung bei erhöhtem Aspirationsrisiko.⚠️ GrundprinzipienRSI dient primär dem Aspirationsschutz, nicht der Lösung eines bekannten schwierigen Atemwegs.Bei bekannt schwierigem Atemweg sollte eine fiberoptische Wachintubation als primäres Verfahren ernsthaft erwogen werden.Kernbotschaften:• schnelle Narkose + vollständige Relaxierung• Zeit bis zum gesicherten Atemweg minimieren• Zwischenbeatmung klassisch vermeiden• Hypoxie niemals zugunsten von Dogmen in Kauf nehmen🩺 Typische IndikationenErhöhtes Aspirationsrisiko, z. B.:• nicht nüchtern• Ileus / gastrointestinale Obstruktion• Adipositas• Schwangerschaft• gastroösophagealer Reflux• Notfalleingriffe• kritisch kranke Patient:innen🧰 Material & VorbereitungUnbedingt bereithalten:• Beatmungsmaske• Videolaryngoskop, Alternativplan mitdenken• Endotrachealtuben in passenden Größen• Stylet, ggf. Bougie• Cuff-Spritze, Cuffdruckmesser, Fixierung• funktionierende Absaugung, idealerweise 2 Systeme• Guedel-/Wendl-Tubus• supraglottische Atemwegshilfen• Material zur NotfallkoniotomieGerätecheck:• Laryngoskop, Licht, Bildschirm• Tubuscuff• Absaugung• Beatmungs-/Narkosegerät• Beatmungsparameter👤 Patientenvorbereitung• Basismonitoring: SpO2, NIBP, EKG• sicherer Gefäßzugang, ggf. intraossär• gute Lagerung: oft Oberkörperhochlagerung, Schnüffelposition• Airway-Assessment: Mundöffnung, Reklination, Mallampati, Zahnstatus• Magensonde: individuelle Entscheidung, keine sichere Aspirationsprophylaxe• optional: sonografische Abschätzung des Magenrestvolumens💊 MedikamenteHäufige Substanzgruppen:• Opioide: Fentanyl, Sufentanil, Alfentanil, Remifentanil• Hypnotika: Propofol, Etomidat, Thiopental, ggf. Midazolam• Alternative bei Instabilität: Ketamin / Esketamin• Relaxanzien: Succinylcholin oder Rocuronium• Kreislaufunterstützung vorbereiten: z. B. Noradrenalin, Cafedrin-Theodrenalin• bei Rocuronium: Sugammadex verfügbar haltenFaustregeln:• Propofol eher bei stabilem Kreislauf• Etomidat oder Ketamin eher bei hämodynamischer Instabilität / neurokritischen Situationen• Succinylcholin klassisch, Rocuronium häufige Alternative🫁 PräoxygenierungEiner der wichtigsten Schritte überhaupt:• 100 % O2• Frischgasfluss ca. 10 l/min• 3–4 Minuten, bei Risikopatient:innen oft länger• bei Adipositas / respiratorischer Gefährdung: Oberkörper hoch, ggf. NIV oder High-Flow🎯 Ablauf der EinleitungTypische Reihenfolge:• Opioid• Hypnotikum• RelaxansDanach:• ausreichende Relaxierung abwarten• Intubation, häufig videolaryngoskopisch• Cuff blocken und Cuffdruck prüfen• Tubuslage sofort mit Kapnografie bestätigen• anschließend fixieren und dokumentierenWichtig:Zwischenbeatmung möglichst vermeiden, aber bei fallender Sättigung ventilieren. Oxygenierung hat Priorität.🚨 Häufige Komplikationen• Hypotonie → Vasopressoren früh vorbereiten• schwieriger Atemweg → früh Hilfe rufen, Strategie wechseln, Oxygenierung sichern• Laryngo-/Bronchospasmus → Narkose vertiefen, gezielt behandeln• Blutung / Sekret / Regurgitation → sofort absaugen• Aspiration → Oropharynx absaugen, Atemweg sichern, Oxygenierung gewährleisten• Bradykardie / Asystolie → Manipulation beenden, ggf. Atropin / Reanimation🔚 Auch an die Extubation denkenEin relevanter Anteil schwerer Atemwegskomplikationen tritt bei der Extubation auf. Auch dieser Schritt braucht Planung, Kriterien und Backup.📌 Take-home-Messages• RSI beginnt mit Vorbereitung, nicht mit dem Medikament.• Gute Präoxygenierung verschafft sichere Apnoezeit.• Aspirationsschutz ist wichtig, aber sichere Oxygenierung ist immer wichtiger.

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    Notfallmanagment - "A" - Airway

    🚑 Thema der FolgeAkute Verlegung der oberen Atemwege: Ein zentraler Notfall, bei dem Sekunden zählen. Ziel ist das frühe Erkennen, sofortige Basismaßnahmen und rechtzeitige Eskalation zur definitiven Atemwegssicherung.🧠 Wichtige GrundregelEine normal sprechende Person hat meist keine sofort kritische Atemwegsobstruktion. Trotzdem: drohende Verschlechterung immer mitdenken, besonders bei Schwellung, Blutung oder Allergie.🔎 Warnzeichen einer oberen Atemwegsobstruktion• veränderte Stimme• Schnarchen, Krächzen• inspiratorischer Stridor• paradoxe Atmung / Schaukelatmung• Einsatz der Atemhilfsmuskulatur• Vigilanzminderung• fehlendes oder stark vermindertes Atemgeräusch🩺 ErsteinschätzungStrukturiert vorgehen:• Bewusstsein• Atmung• KreislaufBei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung bzw. ohne Lebenszeichen: sofort CPR.Bei sichtbarer starker Blutung: umgehend Blutungskontrolle.⚠️ Trauma nicht vergessenBei möglicher HWS-Verletzung:• Halswirbelsäule mitdenken und ggf. immobilisieren• keine forcierte Reklination• bevorzugt Kiefervorschub / Esmarch-Handgriff🛠️ SofortmaßnahmenBei Bewusstlosen:• Mund öffnen• bei Bedarf absaugen• nur sichtbare Fremdkörper entfernen• keine blinde Fingerinspektion• Atemweg öffnen: Head tilt–chin lift oder bei Trauma Esmarch-HandgriffBei wachen Patientinnen und Patienten:• beruhigen• Oberkörper eher aufrecht / nach vorn• zum Husten auffordern• obere Atemwege vorsichtig inspizieren🍽️ FremdkörperaspirationBei schwerer Obstruktion:• 5 Rückenschläge• danach Heimlich-Manöver• bei Schwangeren und Adipositas: ThoraxkompressionenBei effektiver Hustenleistung:• weiter husten lassen• nicht unnötig manipulieren💨 Sauerstoff und BeatmungNach Freimachen der Atemwege:• sofort hochdosiert Sauerstoff• z. B. Maske mit Reservoir, 10–15 l/minWenn Spontanatmung unzureichend:• assistierte oder kontrollierte Maskenbeatmung• gute Maskendichtung ist entscheidend• Zwei-Hand-Technik oft überlegen• nur bis sichtbarer Thoraxexkursion beatmen🧰 AtemwegshilfenWendl-Tubus:• hilfreich bei reduzierter Vigilanz• gut für Maskenbeatmung• kontraindiziert bei Nasen-/MittelgesichtstraumaGuedel-Tubus:• für tief bewusstlose Patienten• kontraindiziert bei erhaltenen Schutzreflexen• falsche Größe kann selbst obstruieren📌 Wichtige Differenzialdiagnosen• Zunge als Obstruktionsursache: Schnarchen + Vigilanzminderung, rasche Besserung unter Esmarch• Laryngospasmus: fehlendes Atemgeräusch, Schaukelatmung, oft nach Reizung• Anaphylaxie: Urtikaria, Schwellung, Hypotonie, Atemwegsbeteiligung• Angioödem: Lippen-, Zungen-, Lid-Schwellung, oft fehlende Besserung unter antiallergischer Therapie• lokale Entzündung: Epiglottitis, Abszess, Phlegmone, Pseudokrupp• Trauma: Hämatom, Blutaspiration, laryngeale Verletzung💉 Merke zur AnaphylaxieBei Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung:• früh i.m. Adrenalin• Erwachsene: 0,5 mg in den anterolateralen Oberschenkel• zusätzlich O2, Volumen, ggf. inhalative BronchodilatatorenAntihistaminika und Glukokortikoide sind additiv, aber nicht primär lebensrettend.🫁 Definitive AtemwegssicherungOptionen:• supraglottische Atemwegshilfen• endotracheale Intubation• Koniotomie als Ultima RatioDie Notfallintubation ist komplikationsträchtig und sollte wenn möglich durch erfahrene Behandler erfolgen.✂️ KoniotomieIndikation: cannot ventilate, cannot intubate.Kernbotschaft:• rechtzeitig entscheiden• klar kommunizieren• Material und Ablauf vorher kennen und trainieren✅ Take-home-Messages• früh Warnzeichen erkennen• nur sichtbare Fremdkörper entfernen• nach Atemwegseröffnung sofort hochdosiert Sauerstoff• inspiratorischer Stridor = Red Flag• Schnarchen bei Vigilanzminderung oft Zungenobstruktion• Anaphylaxie früh mit i.m. Adrenalin behandeln• bei Trauma an HWS denken• bei Versagen einfacher Maßnahmen entschlossen eskalieren🗣️ MerksatzFrüh erkennen, einfach anfangen und entschlossen eskalieren.

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    Reanimation 2025 - GRC Leitlinien kompakt

    Reanimation 2025 – Leitlinien kompakt, 2. Auflage (2026)Quelle: https://www.grc-org.de/files/Contentpages/document/260429_TB_Reanimation.pdfKapitelübersichtKapitel 1 - Orientierung im Gesamtwerk: Was die Reanimationsleitlinie abdeckt und wie sie entsteht - 00:00:00Kapitel 2 - Epidemiologie und lebensrettende Systeme: Warum Ueberleben vor dem Algorithmus beginnt - 00:30:41Kapitel 3 - BLS bei Erwachsenen: Kreislaufstillstand erkennen, Alarm ausloesen, CPR beginnen - 00:57:32Kapitel 4 - Erwachsenen-BLS in der Praxis: Herzdruckmassage, Beatmung und AED ohne Angst - 01:08:38Kapitel 5 - Erwachsenen-ALS vor dem Algorithmus: Praevention, Teamorganisation und Versorgungsstrukturen - 01:26:51Kapitel 6 - Erwachsenen-ALS kompakt: Algorithmus, Defibrillation, Atemweg und Medikamente - 01:44:52Kapitel 7 - Erwachsenen-ALS erweitert: Kapnographie, POCUS, refraktaere Rhythmen und reversible Ursachen - 01:54:50Kapitel 8 - Erwachsenenreanimation in Sonderlagen: Hypothermie, Intoxikation, Trauma, Schwangerschaft und Spezialumgebungen - 02:09:24Kapitel 9 - Postreanimationsbehandlung bei Erwachsenen: von ROSC ueber Neuroprotektion bis Nachsorge - 02:28:49Kapitel 10 - Neugeborenenreanimation Teil 1: Vorbereitung, Temperatur, Nabelschnur und erste Beatmung - 02:41:31Kapitel 11 - Neugeborenenreanimation Teil 2: Kompressionen, Adrenalin, Postreanimation und Elternkommunikation - 02:57:20Kapitel 12 - Kindlicher Kreislaufstillstand verhindern: Warnzeichen, ABCDE und Stabilisierung des kritisch kranken Kindes - 03:15:05Kapitel 13 - PBLS bei Kindern: Telefonreanimation, Atemspenden, Kompressionen, AED und Fremdkoerperverlegung - 03:35:54Kapitel 14 - PALS Kernalgorithmus: Rhythmen, Defibrillation, Atemweg und Monitoring - 03:48:36Kapitel 15 - PALS in Sonderlagen: reversible Ursachen, Trauma, Ertrinken, Hypothermie und spezielle Herzerkrankungen - 03:59:48Kapitel 16 - Postreanimationsbehandlung bei Kindern: ROSC, Prognose, Familie und Nachsorge - 04:32:37Kapitel 17 - Reanimation lehren und lernen: Ausbildung, Simulation, Feedback und Kursstrategie - 04:55:58Kapitel 18 - Ethik und Erste Hilfe: Patientenwille, Reanimationsende und wichtige Erstmassnahmen - 05:09:39AbstractDie Quelle ist eine kompakte Gesamtleitlinie zur Reanimation mit methodischem Teil, Systemperspektive, Erwachsenen-, Neugeborenen- und Kinderreanimation, Postreanimationsbehandlung, Ausbildung, Ethik und Erste Hilfe. Fuer junge Aerztinnen und Aerzte in Weiterbildung ist sie besonders relevant, weil sie sowohl akute Algorithmen als auch strukturelle, kommunikative und ethische Entscheidungsgrundlagen zusammenfuehrt.LernzieleDie Struktur, Herkunft und Evidenzbasis der Reanimationsleitlinie sicher einordnen koennen.Epidemiologie, Ueberlebenskette und Systemfaktoren als Grundlage erfolgreicher Reanimation verstehen.BLS- und ALS-Massnahmen bei Erwachsenen leitlinienorientiert erklaeren und praktisch priorisieren koennen.Besondere Umstaende und spezielle Patientengruppen in der Erwachsenenreanimation differenziert behandeln koennen.Die unmittelbare und weiterfuehrende Postreanimationsbehandlung bei Erwachsenen strukturieren koennen.Neugeborenenreanimation von Vorbereitung ueber Beatmung und Kompressionen bis zur Nachsorge darstellen koennen.Paediatrische Praevention, PBLS und PALS einschliesslich reversibler Ursachen und Sonderlagen anwenden koennen.Ausbildung, Ethik und Erste Hilfe als eigenstaendige Qualitaetsfaktoren der Reanimationsversorgung einordnen koennen.

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    Notfallmanagment - "c" - critical bleeding

    🩸 cABCDE: Kritische Blutung zuerstKritische, gut zugängliche Blutungen haben im Trauma Vorrang vor dem klassischen ABCDE. Das kleine „c“ steht für Critical Bleeding: zuerst lebensbedrohliche, komprimierbare Blutung stoppen, dann strukturiert mit A, B, C, D, E weitermachen.🚨 Warum das kleine „c“ wichtig istStarke äußere Blutungen gehören zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen nach Trauma. Entscheidend ist schnelles, mechanisches Handeln:• sofortiger Direktdruck• keine Verzögerung durch langes Materialsuchen• unter dem „c“ nur behandeln, was sofort von außen kontrollierbar ist🖐️ Praktische BlutungskontrolleZentrale Basismaßnahme ist der manuelle Druck direkt auf die Blutungsquelle.Danach je nach Situation:• Druckverband mit wirksamem Druckpolster• Wound Packing bei tiefen/ klaffenden Wunden• anschließend erneute äußere KompressionHämostatika können unterstützen, ersetzen aber nie die mechanische Kompression.🧪 HämostatikaGenannt werden vor allem:• Chitosan• KaolinSinnvoll bei schwer beherrschbaren Blutungen, insbesondere im Rahmen eines Wound Packings.🪢 Tourniquet bei ExtremitätenblutungSehr wirksam bei kritischen Extremitätenblutungen, aber nur bei korrekter Anlage.Wichtige Punkte:• Anlage mindestens ca. 5 cm proximal der Wunde• nicht über Gelenke, Wunden, Fremdkörper oder offene Frakturen• möglichst nicht über Kleidung• so fest anziehen, bis die Blutung sicher stoppt• distal idealerweise kein Puls mehr tastbar• Uhrzeit dokumentieren• bei unzureichender Wirkung zweites Tourniquet proximal erwägenTypische Indikationen:• lebensgefährliche Blutung• multiple Blutungen• schlechte Zugänglichkeit• Massenanfall/ Mehrfachverletzte• zusätzliche A-/B-/C-Probleme• Dunkelheit oder Gefahrenlage⚠️ Reevaluation ist PflichtKompression ist immer temporär. Mit steigenden Blutdruckwerten kann eine zunächst ausreichende Maßnahme insuffizient werden.Wichtig:• Wirkung regelmäßig kontrollieren• Tourniquet-Indikation spätestens nach etwa 30 Minuten erneut prüfen• wenn möglich Umstieg auf Druckverband/Wound Packing• Tourniquet offen belassen, aber zunächst am Patienten lassen• > 2 Stunden deutlich erhöhtes Komplikationsrisiko🏥 Kopf, Rumpf und innere BlutungBei Kopf- und Rumpfblutungen gelten dieselben Grundprinzipien:• Direktdruck• Druckverband• ggf. Wound PackingAm Rumpf ist ein Tourniquet in der Regel nicht anwendbar. Wenn äußere Maßnahmen nicht ausreichen: nicht im „c“ hängen bleiben, sondern rasch definitive Blutstillung organisieren.🦴 Sonderfall BeckenfrakturBeckenfrakturen können massiv bluten, oft retroperitoneal und äußerlich kaum sichtbar. Bei passendem Unfallmechanismus und hämodynamischer Instabilität früh daran denken.Hinweise:• Beckenschmerz, Hämatome, perineale Blutergüsse• Beckenasymmetrie, Beinlängendifferenz, Fehlrotation• Blutung aus Urethra, Vagina oder Anus• Hochrasanz-, Sturz-, Überroll-, Explosions- oder VerschüttungstraumaTherapie:• frühe mechanische Stabilisierung• Beckengurt/Beckenschlinge auf Höhe der Trochanteren• nicht zu hoch anlegen💉 AnalgesieTourniquets sind schmerzhaft. Genannt werden:• Ketamin, oft günstig bei Kreislaufinstabilität• Fentanyl, vorsichtig titriertLokale Standards und enges Monitoring haben Vorrang.🧠 Take-home-Messages• Kritische komprimierbare Blutung sofort behandeln• Mechanische Blutungskontrolle ist der Schlüssel• Tourniquet nur korrekt angelegt effektiv• Beckenfraktur früh stabilisieren• cABCDE darf nicht verzögern• jede Maßnahme muss reevaluert werden

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    Notfallmanagment - Grundlegende Prinzipien - Strukturierte Übergabe, primary Survey und secondary Survey verstehen

    🚑 Thema der FolgeAkutversorgung im Schockraum: strukturierte Übergabe, Primary Survey und Secondary Survey – mit Fokus auf Teamkommunikation, cABCDE und konsequenter Reevaluation.🧭 Die 3 Kernbotschaften• Gute Übergabe spart Zeit und reduziert Fehler• Behandle immer zuerst das, was als Nächstes töten könnte• Bei jeder Verschlechterung: sofort zurück zum cABCDE-Schema🗣️ Strukturierte ÜbergabeEine kurze, klare und teamorientierte Übergabe ist zentral für den Start im Schockraum.Wichtige Inhalte:• Identität, Alter, Notfallart, ggf. Unfallmechanismus• Probleme nach cABCDE• Bereits erfolgte Maßnahmen, Medikamente, Vitalverlauf, Vigilanz• Vorerkrankungen, Dauermedikation, Allergien• Letzte Nahrungsaufnahme, Events preceding• Angehörige, Vorsorgevollmacht, PatientenverfügungPraxispunkt: Wenn klinisch vertretbar, erst Übergabe abschließen, dann umlagern und komplexe Maßnahmen starten.🧠 Merkschemata für die AnamneseSAMPLE:• Signs/Symptoms• Allergies• Medications• Past medical history• Last oral intake• Events preceding• optional: Risk factorsOPQRST zur Beschwerdecharakterisierung:• Onset• Provocation/Palliation• Quality• Region/Radiation• Severity• Time/Duration🩺 Primary Survey: cABCDEZiel: unmittelbar lebensbedrohliche Zustände erkennen und sofort behandeln.🩸 c – Critical bleedingMassive Blutung hat Priorität.• direkte Kompression, Druckverband, Wundtamponade, Tourniquet• Tourniquet-Zeit dokumentieren• früh an Gerinnungsmanagement, Massivtransfusion und Antagonisierung denken• Tranexamsäure frühzeitig bei schwerer Blutung nach Trauma🫁 A – AirwayIst der Atemweg frei und sicher?• sprechen möglich? Stridor? Blut? Erbrochenes? Schutzreflexe?• einfache Maßnahmen: Absaugen, Esmarch/Jaw-Thrust, Atemwegshilfen• bei bedrohtem Atemweg früh definitive Sicherung erwägen• bei Trauma HWS mitdenken, aber Atemwegssicherung nicht verzögern🌬️ B – BreathingBeurteilung von Oxygenierung und Ventilation.• Atemfrequenz, Atemarbeit, Sättigung, Thoraxexkursion, Auskultation• Sauerstoffgabe, ggf. Beutel-Masken-Beatmung, NIV oder invasive Beatmung• Spannungspneumothorax ist eine klinische Diagnose: sofort dekomprimieren❤️ C – CirculationPerfusion beurteilen, Schock erkennen, Ursachen differenzieren.• Pulse, Haut, Rekapillarisierung, Blutdruck, Vigilanz• 2 großlumige Zugänge, Blutabnahme, BGA, Laktat• Volumen zielgerichtet, Blutungsschock früh mit Blutprodukten denken• Noradrenalin bei persistierender Hypotonie früh erwägen🧠 D – DisabilityKurzer neurologischer Check.• AVPU oder GCS• Pupillen, grobe Defizite, Krampfaktivität• Blutzucker nicht vergessen• Hypoglykämie und Krampfanfälle sofort behandeln🧍 E – ExposureVollständige Inspektion bei gleichzeitigem Wärmemanagement.• Verletzungen, Hämatome, Hautbefunde, Infektzeichen, Ausschläge• Hypothermie aktiv vermeiden🖥️ Bildgebung in der Akutphase• eFAST ist im Trauma Teil des Primary Survey• Sonografie hilft auch bei Schock, Dyspnoe und Perikardtamponade• unauffälliges eFAST schließt relevante Verletzungen nicht sicher aus• CT, im Trauma oft Ganzkörper-CT, ergänzt die klinische Einschätzung situationsabhängig🔎 Secondary SurveyErst wenn akute lebensbedrohliche Probleme adressiert sind.Inhalte:• vollständige Anamnese, oft als Fremdanamnese• komplette körperliche Untersuchung• Suche nach missed injuries / missed diagnoses• Überprüfung aller Maßnahmen: Zugänge, Tubus, Beatmung, Analgesie, Blutungskontrolle• weitere Diagnostik, Fachdisziplinen, OP-/ITS-Planung, Verlegung• Tetanusprophylaxe mitdenken💡 Für den Dienst• klare Ansagen statt vager Bitten• Verdachtsdiagnosen laut aussprechen• kontinuierlich reevaluieren• SAMPLE und OPQRST aktiv nutzen• Temperaturmanagement nie unterschätzen✅ QuintessenzStrukturierte Übergabe → cABCDE → Reevaluation → Secondary Survey.Und bei jeder Verschlechterung gilt erneut: zurück zum cABCDE.

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    Angeborene Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels

    🧬 Thema der FolgeKlassische angeborene Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels:• Glykogenosen• Störungen des Galactosestoffwechsels• Störungen des FructosestoffwechselsGemeinsames Prinzip: Enzymdefekt → Substratanstau, Produktmangel, typische klinische Muster.⚠️ Wann daran denken?Bei Kindern mit:• Hypoglykämien• Hepatomegalie• Erbrechen• Gedeihstörung• muskulären SymptomenBesonders verdächtig bei Zusammenhang mit:• Fasten• Nahrungsaufnahme• InfektenKernaussage: früh erkennen, früh ernähren, Stoffwechselentgleisung verhindern.🍞 Glykogenosen – die wichtigsten TypenTyp I – Von GierkeDefekt der Glucose-6-Phosphatase bzw. Translokase.Leitsymptome:• schwere Nüchternhypoglykämien• Hepatomegalie• aufgetriebenes Abdomen, Gedeihstörung• evtl. KrampfanfälleTypisches Labor:• Hypoglykämie• ↑ Lactat• ↑ Triglyceride• ↑ HarnsäureTherapie:• Fasten vermeiden• regelmäßige Kohlenhydratzufuhr• häufig ungekochte Maisstärke• im Akutfall sofort GlucoseTyp II – Morbus PompeLysosomaler Mangel der sauren Maltase.Leitsymptome:• Muskelhypotonie• proximale Schwäche• Zwerchfellbeteiligung• Makroglossie• infantile Form oft mit KardiomegalieWichtig:• Enzymersatztherapie verfügbar• frühe Diagnose verbessert PrognoseTyp III – CoriDebranching-Enzym-Defekt.Typisch:• Hepatomegalie• später Myopathie• evtl. Kardiomyopathie• ↑ Transaminasen, ↑ CKTherapie:• regelmäßige Kohlenhydrate• proteinreiche KostTyp IV – AndersenBranching-Enzym-Defekt.Typisch:• atypisches Glykogen• progrediente Leberzirrhose• SplenomegalieTyp V – McArdleMuskel-Glykogenphosphorylase-Defekt.Typisch:• Belastungsintoleranz• Muskelschmerzen, Krämpfe• Myoglobinurie• „second-wind“-PhänomenTyp VI – HersLeber-Phosphorylase/Phosphorylase-b-Kinase-Defekt.Meist mild:• Hepatomegalie• eher leichte HypoglykämienTyp VII – TaruiMuskel-Phosphofructokinase-Defekt.Ähnelt klinisch McArdle.🍼 GalactosestoffwechselKlassische GalactosämieDefekt der Galactose-1-Phosphat-Uridyltransferase, Teil des Neugeborenen-Screenings.Typisch nach Beginn der Milchernährung:• Trinkschwäche• Erbrechen, Durchfall• Ikterus• Hepatomegalie• Gerinnungsstörung• Gefahr des akuten LeberversagensBesonders wichtig:• erhöhtes Risiko für E.-coli-SepsisTherapie:• sofort Milchernährung stoppen• lactose-/galactosefreie Spezialnahrung• lebenslange Diät🍎 FructosestoffwechselHereditäre FructoseintoleranzDefekt der Aldolase B.Symptome erst nach Fructoseexposition, z. B. durch:• Obst• Fruchtsäfte• Saccharose• fructosehaltige NahrungTypisch:• Blässe, Schwitzen• Erbrechen• Hypoglykämie• Krampfanfälle• Hepatomegalie, Ikterus• Gedeihstörung• oft Aversion gegen SüßesTherapie:• akut Hypoglykämie behandeln• lebenslang fructose-, saccharose- und sorbitolfreiPraxispunkt:Auch Arzneimittel auf Sorbitol/Saccharose prüfen.🩺 Praktisch für den DienstSofortmaßnahmen:• Hypoglykämie unverzüglich behandeln• Zusammenhang mit Nahrung erfragen• bei Verdacht früh Stoffwechselzentrum kontaktierenWichtige Fragen:• Seit wann Milch?• Seit wann Beikost?• Seit wann Obst oder Süßes?• Beschwerden bei Fasten oder Belastung?Typische Akutlabore:• Blutzucker• Lactat/Blutgas• Ketone• Leberwerte• Harnsäure• Triglyceride• Gerinnung• bei Muskelbeteiligung zusätzlich CK, Myoglobin, Nierenwerte🎯 High-Yield-Merksätze• Von Gierke: Hypoglykämie + Lactat↑ + Triglyceride↑ + Harnsäure↑• Pompe: Hypotonie + Kardiomegalie + Enzymersatztherapie• Cori: Leber + spätere Myopathie• McArdle: Belastungsschmerz + Myoglobinurie• Galactosämie: krankes Neugeborenes nach Milch, E.-coli-Sepsisrisiko• Hereditäre Fructoseintoleranz: Beschwerden erst nach Fructosekontakt✅ Take-home-Messages• Bei Hypoglykämie plus Hepatomegalie immer an angeborene Stoffwechselstörung denken.• Das zeitliche Muster zur Ernährung ist diagnostisch entscheidend.• Ernährung ist hier oft die wichtigste Akut- und Langzeittherapie.

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    Ösophagusbreischluck

    📌 Thema der FolgeDer Ösophagusbreischluck ist eine kontrastmittelgestützte Durchleuchtungsuntersuchung der Speiseröhre. Sein besonderer Wert: Er zeigt nicht nur die Anatomie, sondern den Schluckakt in Echtzeit – also Form, Oberfläche und Funktion.🧠 MerksatzDer Ösophagusbreischluck zeigt:• Form• Oberfläche• Funktion🔍 Typische Indikationen• Hiatushernie, v. a. axiale Hiatushernie• Divertikel, besonders Zenker-Divertikel• Fisteln• Stenosen: benigne oder maligne• Anastomoseninsuffizienz, Ruptur, Perforation• Motilitätsstörungen• postoperative Kontrolle, z. B. nach Fundoplicatio⚠️ Ganz wichtig: KontrastmittelwahlBei Verdacht auf Perforation:• kein Bariumsulfat• stattdessen iodhaltiges, wasserlösliches KontrastmittelGrund:Austretendes Barium kann schwere Komplikationen verursachen, z. B. Mediastinitis, Peritonitis oder Pneumonie.🫁 Typische BefundeAchalasie• distale funktionelle Engstelle• proximale Dilatation• verzögerte Passage• typische „Sektglasform“Diffuser Ösophagusspasmus• unkoordinierte simultane Kontraktionen• „Korkenzieherösophagus“• klinisch oft Dysphagie + retrosternale SchmerzenHyperkontraktiler Ösophagus / Nussknackerösophagus• sehr hohe Druckamplituden• lange Kontraktionen• eher retrosternale Schmerzen als Dysphagie• weitere Diagnostik meist mit ManometrieKarzinomverdacht• unregelmäßige Kontur• asymmetrische Stenose• proximale Aufweitung• endoskopische Abklärung obligatZenker-Divertikel• kontrastgefüllte Aussackung im oberen Ösophagus• klinisch oft Dysphagie, Regurgitation, Husten, Aspiration🩺 Diagnostische EinordnungDer Breischluck ergänzt die Diagnostik, ersetzt aber nicht die Endoskopie.Besonders wichtig bei:• Dysphagie• Gewichtsverlust• Blutungszeichen• suspekten KonturveränderungenImmer an Karzinomausschluss denken.⚙️ Ablauf der Untersuchung• Schlucken von bariumhaltigem oder iodhaltigem Kontrastmittel• Durchleuchtung in Echtzeit• häufig in mehreren ProjektionenBeurteilt werden:• Passage• Kontur• Weite• Motilität🚫 Kontraindikationen / Vorsicht• Schwangerschaft• ausgeprägte Schluckstörung mit AspirationsgefahrIndikation immer individuell abwägen.💊 Therapiehinweise bei MotilitätsstörungenMögliche Optionen:• Nifedipin• Nitroglycerin• teils Botulinumtoxin• ggf. Antidepressiva zur SchmerzmodulationWichtig:• Hypotonie, Schwindel, Kopfschmerzen beachten• Nitroglycerin nicht zusammen mit PDE-5-Hemmern• bei retrosternalen Schmerzen zuerst kardiale Ursache ausschließen🧭 Klinische Orientierung bei Dysphagie• feste Nahrung zuerst betroffen → eher mechanische Ursache• feste und flüssige Nahrung von Beginn an → eher Motilitätsstörung• Regurgitation, Husten, Aspiration → an Divertikel denken• progrediente Beschwerden, Gewichtsverlust, Blutungszeichen → Malignom ausschließen✅ Die 3 Kernpunkte der Folge• Der Ösophagusbreischluck ist die funktionelle Echtzeituntersuchung der Speiseröhre.• Besonders hilfreich bei Motilitätsstörungen, Divertikeln, Stenosen und Leckagen.• Bei Perforationsverdacht niemals Barium, sondern iodhaltiges Kontrastmittel.

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    Boerhaave-Syndrom - Die Ösophagusruptur nach massivem Erbrechen

    🩺 Thema der FolgeBoerhaave-Syndrom = spontane, komplette Ösophagusruptur nach massivem Erbrechen. Ein absoluter viszeralchirurgischer und internistischer Notfall.🚨 MerksatzThoraxschmerz nach heftigem Erbrechen ist so lange ein Boerhaave-Syndrom, bis das Gegenteil bewiesen ist.🧠 Definition & PathophysiologieKomplette transmurale Ruptur aller Wandschichten des Ösophagus durch plötzlich massiven Druckanstieg beim forcierten Erbrechen.Typische Lokalisation:• in >90 % distal• links dorsolateral• im unteren Ösophagusdrittel👥 Risikokonstellationen• Männer häufiger betroffen• Alkoholabhängigkeit als klassischer Risikofaktor• aber auch bei anderen Ursachen von heftigem Erbrechen möglich⚠️ KlinikKlassisch: Mackler-Trias• explosionsartiges Erbrechen• akuter thorakaler Schmerz• Haut- oder MediastinalemphysemWichtig: Die Trias ist oft nicht komplett.Typische Symptome:• plötzlich einsetzender retrosternaler Vernichtungsschmerz• Ausstrahlung in den Rücken• Dyspnoe• später Fieber, Zyanose, SepsiszeichenGefährliche Folge:• rasche Mediastinitis durch Austritt von Luft und Mageninhalt🔍 DiagnostikEntscheidend ist die Anamnese:• gezielt nach heftigem Erbrechen oder Würgen fragenKörperliche Untersuchung:• Hautemphysem• Dyspnoe• Fieber• Kreislaufinstabilität• retrosternaler oder dorsaler SchmerzBildgebung:• Röntgen-Thorax: Mediastinalemphysem, verbreitertes Mediastinum, Pleuraerguss• wasserlösliche Kontrastmitteluntersuchung, z. B. Gastrografin• CT-Thorax oft besonders hilfreich: Pneumomediastinum, freie Luft, Flüssigkeit, Pleuraergüsse, KomplikationenWichtig:• kein Barium bei Verdacht auf Perforation• Endoskopie nur mit Bedacht, da Insufflation verschlechtern kann🔄 DifferenzialdiagnoseMallory-Weiss-Syndrom:• Schleimhaut- oder Submukosaläsion• eher HämatemesisBoerhaave-Syndrom:• komplette Ruptur• eher Perforation, Luftaustritt, MediastinitisMerkhilfe:Mallory-Weiss blutet, Boerhaave perforiert.🛠️ TherapieChirurgischer Notfall – jede Stunde zählt.Akutmaßnahmen:• Nahrungskarenz• großlumiger venöser Zugang• Volumentherapie• engmaschiges Monitoring• Sauerstoff, ggf. Intubation• sofortige kalkulierte Breitspektrumantibiose• suffiziente AnalgesieDefinitive Therapie:• operative Revision und Verschluss der Ruptur• Sanierung kontaminierter Areale• in Extremfällen Ösophagektomie💊 Im Podcast genannte BeispieleAntibiose:• Piperacillin/Tazobactam• MeropenemAnalgesie:• Metamizol• vorsichtig titrierte Opioide wie Morphin oder PiritramidBei Schock:• Volumen• Laktat/BGA• ggf. Vasopressoren wie Noradrenalin auf Intensivniveau☠️ Komplikationen• Mediastinitis• Pleuraempyem• Perikardbeteiligung• Bakteriämie• Sepsis• obere Atemwegsverlegung• selten langfristig Mediastinalfibrose📌 Take-home-Points• Boerhaave = komplette Ösophagusruptur nach Erbrechen• starker retrosternaler Schmerz nach Erbrechen ist hochverdächtig• klassische Trias nicht immer vollständig• CT und wasserlösliche Kontrastmittel sind diagnostisch zentral• sofort chirurgisch denken, früh Antibiotika geben, nichts oral• unbehandelt fast immer tödlich📚 Historischer Fun FactBenannt nach Hermann Boerhaave, der das Krankheitsbild im 18. Jahrhundert anhand einer tödlichen Ösophagusruptur nach Erbrechen beschrieb.

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    Ösophagusdivertikel

    🩺 Thema der FolgeÖsophagusdivertikel sind Aussackungen der Speiseröhre. Entscheidend für Verständnis und Klinik ist die Unterscheidung nach Entstehung und Lokalisation.📚 GrundprinzipTraktionsdivertikel:• echte Divertikel• alle Wandschichten beteiligt• entstehen durch Zug von außen, meist nach mediastinalen Entzündungen und VernarbungPulsionsdivertikel:• falsche Divertikel• Mukosa und Submukosa treten durch eine muskelschwache Stelle aus• entstehen durch erhöhten intraluminalen Druck bei funktioneller PassagebehinderungMerksatz: Zug von außen = Traktion = echtes Divertikel. Druck von innen = Pulsion = falsches Divertikel.📍 Wichtige LokalisationenZenker-Divertikel:• häufigste Form, etwa 70 Prozent• pharyngoösophageal, anatomisch aus dem Hypopharynx• obere Schwachstelle: Killian-Dreieck• dorsal, oft linksbetont• typisches PulsionsdivertikelBifurkationsdivertikel:• mittlerer Ösophagus• meist Traktionsdivertikel• auf Höhe der TrachealbifurkationEpiphrenisches Divertikel:• distaler Ösophagus, kurz oberhalb des Zwerchfells• meist Pulsionsdivertikel• häufig bei Motilitätsstörungen wie Achalasie🧠 PathophysiologiePulsionsdivertikel entstehen bei erhöhtem Druck gegen einen nicht ausreichend relaxierten Sphinkter oder bei Motilitätsstörungen.Traktionsdivertikel entstehen durch narbige Zugkräfte von außen.🚨 Typische SymptomeLeitsymptom ist die Dysphagie.Besonders typisch beim Zenker-Divertikel:• Regurgitation unverdauter Speisen, auch Stunden nach dem Essen• Hustenreiz beim Essen• Aspiration• Foetor ex ore• Räuspern, Würgen, retrosternales DruckgefühlWichtig: Kleine mittlere oder distale Divertikel können asymptomatisch sein.🧪 DiagnostikAnamnese:• feste oder auch flüssige Nahrung betroffen?• Regurgitation?• Husten beim Essen?• Pneumonien, Gewichtsverlust, Odynophagie?Bildgebung:• wichtigste Untersuchung: Ösophagusbreischluck• bei Perforationsverdacht wasserlösliches Kontrastmittel• Zenker: seitliche Projektion besonders hilfreichEndoskopie:• wichtig zum Schleimhautbefund und Karzinomausschluss• beim Zenker-Divertikel vorsichtig wegen Perforationsrisiko⚠️ Differenzialdiagnosen• Ösophagus- oder Hypopharynxkarzinom• entzündliche Ursachen im Rachenbereich• neurologische oder neuromuskuläre Störungen• Fremdkörper• extrinsische Kompression, zum Beispiel Arteria lusoria• funktionelle SchluckstörungenMerke: Neue Dysphagie bedeutet immer auch Karzinom ausschließen.🔧 TherapieOft keine Therapie nötig bei:• kleinen, asymptomatischen Traktionsdivertikeln• symptomarmen mittleren oder distalen DivertikelnSymptomatisches Zenker-Divertikel:• in der Regel behandlungsbedürftig• offen chirurgisch oder endoskopisch• entscheidend: Behandlung plus Myotomie des Musculus cricopharyngeusEpiphrenisches Divertikel:• Therapie bei Beschwerden, Größe oder Komplikationen• immer an zugrunde liegende Motilitätsstörung denkenMedikamente:• keine Standardtherapie des Divertikels selbst• Protonenpumpenhemmer nur bei Begleitproblemen wie Reflux🫁 Komplikationen• Aspirationspneumonie• Mangelernährung und Gewichtsverlust• selten Perforation mit Mediastinitis• selten Fisteln📝 Take-home-Messages• Zenker oben, Bifurkation mittig, epiphrenisch unten• Zenker-Divertikel ist klinisch am wichtigsten• Dysphagie plus Regurgitation unverdauter Speisen, Husten und Mundgeruch spricht stark für Zenker• Kontrastschluck ist die Schlüsseldiagnostik• Symptomatisches Zenker-Divertikel sollte wegen Aspirationsrisiko zügig in ein erfahrenes Zentrum überwiesen werden

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    Biliäre Karzinome

    🧠 Kernaussagen• Biliäre Karzinome sind in frühen Stadien oft asymptomatisch• Potenziell kurativ ist nur die vollständige R0-Resektion• Jeder Verdacht sollte früh ins hepatobiliäre Zentrum und ins Tumorboard📚 Definition und EinteilungBiliäre Karzinome umfassen vor allem:• Cholangiokarzinome• intrahepatisch• extrahepatisch: perihilär (Klatskin-Tumor) und distal• Gallenblasenkarzinome• Gallenblase oder Ductus cysticus⚠️ RisikofaktorenWichtige Konstellationen:• Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)• chronische/rezidivierende Cholangitis• Cholelithiasis• Adipositas, Diabetes mellitusZusätzlich beim Cholangiokarzinom:• Choledochuszysten, Caroli-Syndrom• Hepatitis B/C, Leberzirrhose, NAFLD• Alkohol, Rauchen• chronisch entzündliche DarmerkrankungenZusätzlich beim Gallenblasenkarzinom:• große Gallensteine• Gallenblasenpolypen• Porzellangallenblase• anatomische Anomalien👀 KlinikFrühstadien meist stumm. Später:• Oberbauchbeschwerden, Druckgefühl• Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust• Fieber• Cholestase, Ikterus, Pruritus• dunkler Urin, heller StuhlAlarmzeichen:• schmerzloser Ikterus• Courvoisier-Zeichen: schmerzlos vergrößerte tastbare Gallenblase bei Ikterus🧪 DiagnostikBasis:• Anamnese, Untersuchung• Sonografie• Labor: Bilirubin, GGT, AP, Transaminasen• CA 19-9 nur unterstützendBildgebung:• Sonografie als erster Schritt• CT Thorax/Abdomen fürs Staging• kontrastverstärkte Leber-MRT + MRCP bei möglicher kurativer Strategie• ERCP und Endosonografie für lokales Staging, Drainage und GewebegewinnungWichtig:• negative Bürstenzytologie/Biopsie schließt Karzinom nicht aus• Gewebegewinnung bei perihilären Tumoren nur mit Blick auf das Gesamtkonzept planen🧾 Differenzialdiagnosen• Lebermetastasen• hepatozelluläres Karzinom• IgG4-assoziierte Cholangitis• Gallenblasenpolypen, Adenome• Adenomyomatose• chronische Cholezystitis🔪 TherapieKuratives Ziel:• R0-ResektionOperationsprinzipien:• intrahepatisches CCA: Leberresektion + Lymphadenektomie• perihiläres CCA: oft erweiterte Leberresektion + Lymphadenektomie• distales CCA: Duodenohemipankreatektomie• Gallenblasenkarzinom: onkologische Resektion, ggf. Nachresektion nach inzidentellem BefundMerke:• Multifokalität, Lymphknotenmetastasen oder Gefäßinvasion bedeuten nicht automatisch Inoperabilität• ausgewählte perihiläre Fälle: Lebertransplantation im Spezialsetting💊 SystemtherapieAdjuvant nach Resektion:• häufig Capecitabin über 6 MonatePalliativ bei irresektabler/metastasierter Erkrankung:• Gemcitabin + Cisplatin als klassischer Erstlinienstandard• molekularpathologische Testung mitdenken• zielgerichtete und immunonkologische Optionen je nach Profil🚑 Drainage und CholangitisBei symptomatischem Verschluss oder Cholangitis:• biliäre Drainage endoskopisch oder perkutan• Antibiotika zusätzlich, aber meist nicht ausreichend ohne EntlastungMerke:• Fieber + Ikterus + Cholestase = Cholangitis mit Zeitdruck• präoperative Drainage nicht routinemäßig, sondern gezielt und zentrumsabgestimmt📌 Praxisrelevante Merksätze• Schmerzloser Ikterus ist malignomverdächtig, bis das Gegenteil bewiesen ist• Courvoisier-Zeichen = Alarmsignal• Negative Bürstenzytologie schließt Cholangiokarzinom nicht aus• R0-Resektion ist die einzige potenziell kurative Option• Früh erkennen, Resektabilität prüfen, Tumorboard einschalten

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    Alkoholtoxische Leberschäden

    🎙️ Alkoholtoxische Leberschaeden🧭 KlinikrelevanzChronischer Alkoholkonsum ist in Deutschland und Europa die haeufigste Ursache chronischer Lebererkrankungen. Wichtig: Es gibt keinen sicher unbedenklichen Alkoholkonsum. Risiko und Schwere der Leberschaedigung steigen mit Menge und Dauer deutlich an.⚠️ RisikofaktorenErhoehtes Risiko bei:• weiblichem Geschlecht• genetischer Praedisposition• Adipositas, Diabetes mellitus, Virushepatitiden• Rauchen• taeglichem Konsum, Trinken ohne Mahlzeit, Binge Drinking🍷 Alkoholanamnese richtig fuehrenEin Standardgetraenk enthaelt ca. 12 g reinen Alkohol.Besser konkret fragen nach:• Getraenkesorte• Volumen• Haeufigkeit• TrinkspitzenWertfreie, normalisierende Sprache verbessert die Ehrlichkeit.🧬 Spektrum der alkoholbedingten Leberschaeden• alkoholische Steatosis hepatis: grundsaetzlich reversibel• alkoholische Steatohepatitis (ASH): entzuendlich, mit fibrotischen Residuen• Leberfibrose: irreversibel• Leberzirrhose: irreversibles EndstadiumMerke:Die Fettleber kann sich unter konsequenter Alkoholkarenz oft innerhalb von 4–6 Wochen deutlich zurueckbilden.🔬 PathophysiologieEthanolabbau v. a. ueber:• Alkoholdehydrogenase• CYP2E1• KatalaseZentrale Schadmechanismen:• toxisches Acetaldehyd• oxidativer Stress• gestoerter Fettstoffwechsel• Entzuendungsreaktion• vermehrte Kollagensynthese und Fibrosierung🩺 KlinikSteatosis hepatis:• oft asymptomatisch• evtl. Druckgefuehl rechter Oberbauch, Voellegefuehl• haeufig zuerst erhoehte Gamma-GTSteatohepatitis:• Ikterus, Fieber, Oberbauchschmerz• Uebelkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit• schwere Verlaeufe: Aszites, hepatische Enzephalopathie, Gerinnungsstoerung, Hypalbuminaemie, akutes Leberversagen🧪 DiagnostikWichtige Laborhinweise:• Gamma-GT erhoeht• MCV erhoeht• Ferritin oft erhoeht• AST > ALT, De-Ritis-Quotient > 1• bei schwerer Erkrankung: Bilirubin, AP, GLDH, Ammoniak erhoeht; Albumin erniedrigt; Quick vermindertSpezifischere Marker:• Ethylglucuronid (ETG) im Urin• carbohydrate-deficient transferrin (CDT) im Serum🖥️ Bildgebung und DifferenzialdiagnosenSonografie:• echoreiche, oft vergroesserte Leber bei SteatoseAber:Eine Fettleber ist nicht automatisch alkoholbedingt.Wichtige Differenzialdiagnosen:• MASLD• sekundaere Steatosen• Medikamente, Mangelernaehrung, weitere hepatotoxische Einfluesse💊 TherapieDie einzige kausale Therapie ist die vollstaendige Alkoholkarenz.Nicht ausreichend sind:• Reduktion• nur Wochenendverzicht• Wechsel auf andere alkoholische GetraenkeBasistherapie:• Thiamin frueh, idealerweise vor Glukose• weitere B-Vitamine• Ernaehrungstherapie• Behandlung metabolischer Risikofaktoren• Verlaufskontrollen🍽️ Bei alkoholischer SteatohepatitisWichtige Pfeiler:• engmaschige Ueberwachung• konsequentes Infektmonitoring• ausreichende Kalorien- und Eiweisszufuhr• frueh enterale Ernaehrung erwägen, wenn oral unzureichendSchwere alkoholische Steatohepatitis:• Prednisolon bei entsprechender Score-Konstellation, z. B. Maddrey ≥ 32• Reevaluation nach 7 Tagen mit Lille-Score• Steroide nur nach moeglichst sorgfaeltigem Ausschluss relevanter Infektionen und Virushepatitiden🧠 Praktische Merkpunkte• Frage konkret, wertfrei und wiederholt nach Alkohol.• Verlass dich nie auf einen einzelnen Laborwert.• Denke frueh an Thiamin bei Mangelernaehrung oder Entzug.• Bei schwerer ASH immer auch an Infektionen denken.• Prognose und Langzeitueberleben haengen entscheidend von Alkoholkarenz ab.📌 Take-homeDie alkoholische Fettleber ist haeufig, oft stumm und ein Warnsignal. Die alkoholische Steatohepatitis ist potenziell lebensbedrohlich. Fruehes Erkennen, konsequente Alkoholkarenz, Thiamin, Ernaehrungsaufbau und strukturiertes Infektmanagement sind die wichtigsten Prinzipien.

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    Peritonitis

    🌡️ Thema der Folge: PeritonitisPeritonitis = Entzündung des Peritoneums durch infektiöse, chemische oder mechanische Reize. Klinisch oft ein chirurgischer Notfall und potenziell lebensbedrohlich.🚨 MerksatzBei sekundärer Peritonitis gilt fast immer:• Quelle finden• Quelle sanieren• Antibiotika geben• Kreislauf stabilisieren🧭 EinteilungNach Ausdehnung:• lokalisiert• diffus/generalisiertNach Ursache:• primäre Peritonitis: ohne akute intraabdominelle Vorerkrankung• sekundäre Peritonitis: Folge einer intraabdominellen Erkrankung, häufigste Form• tertiäre Peritonitis: persistierende/rezidivierende Infektion nach Behandlung• quartäre Peritonitis: im Wesentlichen intraabdomineller Abszess🦠 Häufige UrsachenSekundäre Peritonitis macht etwa 80 % der Fälle aus.Typische Auslöser:• Hohlorganperforation: Ulkus, Divertikel, Gallenblase, Trauma• entzündliche Ursachen: Appendizitis, Cholezystitis, Divertikulitis• postoperative Komplikationen, v. a. Anastomoseninsuffizienz• bakterielle Translokation bei Ileus oder Mesenterialischämie• sterile Reizperitonitis durch Galle, Urin, Blut, Kontrastmittel🔬 ErregerspektrumPrimäre Peritonitis:• meist Monoinfektion• oft EnterobacteralesSekundäre Peritonitis:• typischerweise Mischinfektion• gramnegative Darmkeime• grampositive Keime• Anaerobier• typische Erreger: Escherichia coli, Klebsiella, Enterokokken, Bacteroides fragilis🩺 KlinikLeitsymptom: akutes AbdomenTypisch:• starke Bauchschmerzen• Druckschmerz• Abwehrspannung• Erschütterungsschmerz• Fieber, Tachykardie, reduzierter Allgemeinzustand• paralytischer Ileus mit geblähtem Bauch, Übelkeit, Erbrechen, fehlenden DarmgeräuschenBei diffuser Peritonitis oft:• brettharter Bauch• diffuse Schmerzen• Sepsiszeichen⚠️ Wichtige DifferenzialdiagnosenPseudoperitonitis möglich bei:• Pyelonephritis• Harnleiterstein• Niereninfarkt• Hodentorsion• akutem Harnverhalt• diabetischer Ketoazidose• Addison-Krise• akuter intermittierender Porphyrie• Myokardinfarkt🧪 DiagnostikWichtig: Klinik nicht durch Apparatediagnostik ersetzen.Bausteine:• strukturierte körperliche Untersuchung• Vitalparameter und Sepsis-Screening• Labor: Leukozyten, CRP, Nierenwerte, Elektrolyte, Leberwerte, Lipase, Gerinnung, Laktat, BGA• Blutkulturen bei Fieber/Sepsisverdacht• Sonografie als schneller erster Schritt• CT-Abdomen mit Kontrastmittel als zentrale Bildgebung bei stabilen Patienten• diagnostische Aszitespunktion bei Verdacht auf spontan bakterielle Peritonitis💉 TherapiePrimäre Peritonitis:• meist konservativ antibiotisch• bei spontan bakterieller Peritonitis oft Cephalosporin der 3. Generation• bei Zirrhose zusätzlich an Albumingabe denkenSekundäre Peritonitis:• Herdsanierung ist entscheidend• Antibiotika allein reichen meist nicht• oft dringliche OP oder interventionelle Drainage• plus Volumentherapie, Analgesie, Sepsismanagement, ThromboseprophylaxeTypische kalkulierte Antibiotika:• Ceftriaxon plus Metronidazol• Ciprofloxacin plus Metronidazol• Piperacillin/Tazobactam• bei nosokomialen/komplizierten Verläufen ggf. Carbapeneme⏱️ AntibiosedauerNach suffizienter Herdsanierung oft kurz:• meist 4–7 TageLänger bei:• persistierender Infektion• unklarer Sanierung• tertiärer Peritonitis• kompliziertem Verlauf🩹 Sonderfall: PeritonealdialyseHinweise auf CAPD-Peritonitis:• Bauchschmerzen• trübes DialysatWichtig:• Dialysat mikrobiologisch und zytologisch untersuchen• Katheter/Exit-Site inspizieren• bei Pilzen, therapierefraktärer Infektion oder unbeherrschbarer Sepsis Katheterentfernung erwägen📌 Take-homeDie sekundäre Peritonitis ist meist ein chirurgischer Notfall. Prognostisch entscheidend sind:• frühes Erkennen• schnelle Herdsanierung• adäquate kalkulierte Antibiotikatherapie• konsequente Sepsis- und Kreislaufstabilisierung

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    Aszites - Symptom statt Erkrankung

    🌊 Aszites: klinisch wichtig, nie nur ein BefundAszites ist freie Flüssigkeit in der Peritonealhöhle und fast immer Ausdruck einer Grunderkrankung. Wichtigster Grundsatz: Ursache suchen. Bei neu diagnostiziertem Aszites sollte immer eine diagnostische Punktion erfolgen.🧭 Klinik und SymptomeTypisch sind:- zunehmender Bauchumfang- Druck- oder Völlegefühl- abdominale SpannungBei ausgeprägtem Aszites zusätzlich möglich:- Dyspnoe durch Zwerchfellhochstand- frühe Sättigung- eingeschränkte Mobilität- BauchwandhernienSchmerzen sind eher untypisch und sprechen eher für Komplikationen oder andere Ursachen, z. B. Peritonitis, Pankreatitis oder Malignität.🧪 Häufige UrsachenAm häufigsten:- hepatisch, v. a. Leberzirrhose mit portaler HypertensionWeitere wichtige Differenzialdiagnosen:- Rechtsherzinsuffizienz, konstriktive Perikarditis- Malignome- bakterielle, mykotische oder tuberkulöse Peritonitis- Pankreatitis- Hypalbuminämie, Mangelernährung, nephrotisches Syndrom- Lymphabflussstörung- chylöser Aszites⚙️ PathophysiologieDrei Hauptmechanismen:- erhöhter hydrostatischer Druck- verminderter kolloidosmotischer Druck- erhöhte Gefäßpermeabilität oder gestörte LymphdrainageDas erklärt transsudative und exsudative Muster im Punktat.🔎 Diagnostik im AlltagAnamnese:- Lebererkrankung, Alkohol, Hepatitis, Fettleber- Herzinsuffizienzzeichen- Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Tumoranamnese- Fieber, Bauchschmerz, GI-BlutungUntersuchung:- geblähtes, gespanntes Abdomen- flankenseitige Dämpfung- Undulation- LagewechselphänomeneAber: klinisch kleine Mengen oft nicht sicher erfassbar.📡 SonografieMethode der Wahl zum Nachweis von Aszites.- erkennt schon kleine Mengen- zeigt freie Flüssigkeit z. B. perihepatisch, perisplenisch, im Douglas-Raum- hilfreich zur sicheren Punktion💉 Diagnostische AszitespunktionMerksatz: Jeder neu diagnostizierte Aszites sollte punktiert werden.Obligat bei Erstpunktion:- Zellzahl mit Differenzierung- Albumin bzw. Eiweiß- mikrobiologische DiagnostikWichtig:- Punktat direkt am Bett in aerobe und anaerobe Blutkulturflaschen- möglichst je mindestens 10 ml📊 Wichtige PunktatbefundeSAAG = Serum-Aszites-Albumin-Gradient- > 1,1 g/dl: spricht für portale Hypertension- < 1,1 g/dl: eher maligne, entzündlich oder pankreatogenMakroskopie:- blutig: z. B. Malignom, Pankreatitis, Tuberkulose- trüb: infektiös oder eiweißreich- milchig-trüb: chylöser Aszites🚨 Spontan bakterielle Peritonitis (SBP)Diagnostisches Kriterium:- > 250 neutrophile Granulozyten/µl im AszitesWichtig:- SBP kann symptomarm verlaufen- bei Zirrhose und Aszites niedrige Schwelle zur Punktion- Punktion möglichst vor AntibiotikagabeTherapie:- sofortige kalkulierte Antibiotikatherapie- z. B. Cefotaxim oder Ceftriaxon i.v.- Verlaufskontrolle nach ca. 48 Stunden bei unklarem VerlaufAlbumin bei SBP erwägen, besonders bei hohem Risiko für hepatorenales Syndrom.💊 Therapie des AszitesGrundprinzip: Behandlung der Ursache + Kontrolle der FlüssigkeitsretentionAllgemein:- tägliches Gewicht- täglicher Bauchumfang- salzreduzierte Kost- bei Hyponatriämie Überwässerung vermeiden- Mangelernährung verhindernDiuretika bei zirrhotischem Aszites:- Spironolacton + Furosemid- typischer Start: 100 mg + 40 mg/Tag- engmaschige Kontrolle von Kreatinin, Natrium, Kalium, Blutdruck, Gewicht🪡 Therapeutische ParazenteseIndiziert bei:- großem, symptomatischem Aszites- unzureichendem Ansprechen auf DiuretikaBei > 5 Litern Ablassen:- Albumin i.v. geben- ca. 6–8 g pro Liter entfernten Aszites🧠 Take-home- Aszites ist ein Symptom, keine Diagnose- häufigste Ursache: Leberzirrhose mit portaler Hypertension- Sonografie ist Standard- neu diagnostizierter Aszites: immer diagnostisch punktieren- > 250 neutrophile Granulozyten/µl = SBP bis zum Beweis des Gegenteils- bei großvolumiger Parazentese Albumin nicht vergessen- Standard bei zirrhotischem Aszites: Spironolacton + Furosemid

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    Primäre Giftelemination - Praktische Maßnahmen

    🩺 Thema der FolgePrimäre Giftelimination bei akuten Intoxikationen: praktische Maßnahmen direkt nach Exposition, um die weitere Giftaufnahme früh zu begrenzen.Wichtig: immer parallel Basismaßnahmen prüfen:• Atemweg• Atmung• Kreislauf• neurologischer Status• mögliche Antidotgabe☎️ Grundprinzipien• Bei bekannter Noxe Antidot so früh wie möglich geben, auch präklinisch• Aktivkohle kann ggf. schon am Ereignisort sinnvoll sein• Magenspülung und anterograde Darmspülung gehören meist in die Klinik• Früh den Giftnotruf einbeziehen🚿 Äußere Exposition: Haut und AugeZiel: verdünnen, entfernen, Gewebeschaden begrenzenWichtige Maßnahmen:• großzügig mit lauwarmem Wasser oder NaCl 0,9 % spülen• mindestens 15 Minuten, bei Bedarf länger• kontaminierte Kleidung früh entfernen• Wärmeerhalt aktiv mitdenkenAuge:• ohne Druck spülen• Lider spreizen• Kopf zur Seite• von medial nach lateral spülenWichtig:• keine Neutralisation von Säuren/Basen• bei lipophilen Noxen ggf. Seife oder geeignete Lösungsvermittler• kein Benzin, kein Alkohol zur Hautreinigung• Wunden steril abdecken💊 Ingestion: Aktivkohle zuerst prüfenAktivkohle ist häufig die wichtigste primäre Maßnahme nach oraler Intoxikation, aber nur bei adsorbierbaren Stoffen.Zeitfenster:• ideal innerhalb von 1–2 Stunden• Ausnahmen bei Retardpräparaten oder verzögerter MagenentleerungDosierung:• bekannte Giftdosis: mindestens 10-facher Überschuss• unbekannte Giftdosis: 0,5–1 g/kgKG• maximale Einmaldosis: 50 gKontraindikationen:• fehlende Adsorbierbarkeit• Aspirationsgefahr• rezidivierendes Erbrechen• Krampfanfallsgefahr• GI-Blutung oder Perforation• Schluckstörung• gestörte GI-PassageMerke:• größte Sorge ist Aspiration• bei unsicherem Atemweg erst sichern, dann weiterdenken🔁 Wiederholte AktivkohleIn ausgewählten Fällen:• gleiche Dosis alle 4 Stunden über 24 Stunden• in Sonderfällen kürzere Intervalle• nur bei gesicherter Darmmotilität und MagenentleerungLaxanzien:• nur ausnahmsweise• PEG-Elektrolytlösung zeitversetzt, ca. 2 Stunden Abstand zur Aktivkohle⚠️ Erbrechen auslösen und MagenspülungHeute nur noch Ausnahmeverfahren.Induziertes Erbrechen:• nur in seltenen Einzelfällen• nur nach Rücksprache mit dem Giftnotruf• kontraindiziert bei Aspirationsgefahr, Krampfanfallsgefahr, ätzenden NoxenMagenspülung:• sehr selektiv• möglichst innerhalb von 1 Stunde• bei Bewusstseinseinschränkung nur unter IntubationsschutzRisiken:• Aspiration• mechanische Verletzungen• Rhythmusstörungen• Weitertransport des Gifts in den Darm🚰 Anterograde DarmspülungWhole Bowel Irrigation bei:• nicht adsorbierbaren Giften• verklumpenden Stoffen• lebensgefährlichen Retardpräparaten• Body Packets / Body StuffingDurchführung:• PEG-Elektrolytlösung über Sonde• 1500–2000 ml/h• bis klare rektale Ausscheidung• maximal 10 LiterKontraindikationen:• instabile Vitalfunktionen• heftiges Erbrechen• GI-Blutung oder Perforation• Ileus• Krampfanfallsgefahr🌬️ InhalationGrundregel:• Exposition beenden• Frischluft• Sauerstoff je nach Klinik• dann noxenspezifisch weiterReizgase:• Soforttyp: Frischluft, O2, Bronchospasmolytika, Antitussiva, Inhalation von NaCl oder 3–4 % Natriumhydrogencarbonat• Latenztyp: zusätzlich Beobachtung, oft Glukokortikoide inhalativ oder parenteralKohlenmonoxid:• 100 % Sauerstoff bis Symptomfreiheit und COHb < 3 %Kohlendioxid:• Sauerstoff• oft NIV, ggf. Intubation• respiratorische Azidose mitbehandelnCyanid:• Hydroxocobalamin i.v.• bei Rauchgasintoxikation früh daran denken• 4-DMAP bei Rauchgasvergiftung kontraindiziert📌 Take-home-Messages• Spülen, nicht neutralisieren• Aktivkohle nur bei passender Noxe und sicherem Atemweg• Erbrechen und Magenspülung sind keine Routinen• Whole Bowel Irrigation nur selektiv• Nach Inhalation immer zuerst raus aus der Exposition• Gute Toxikologie ist früh, selektiv und sicher strukturiert

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    Lebensmittelvergiftungen

    🌡️ Thema der FolgeLebensmittelvergiftungen und lebensmittelassoziierte Durchfallerkrankungen – praxisnah für Notaufnahme, Praxis und Bereitschaftsdienst.🧭 GrundprinzipWichtig ist die Trennung zwischen:• Intoxikation: Toxine sind bereits im Lebensmittel vorhanden• Lebensmittelinfektion: Erreger werden aufgenommen und wirken erst im KörperMerke:• Kurze Latenz von wenigen Stunden → eher vorgebildetes Toxin• Beginn nach 1–mehreren Tagen → eher infektiöse Ursache🩺 Leitsymptome und BasistherapieTypisch sind:• Übelkeit, Erbrechen• Bauchkrämpfe• DurchfallKernbotschaft:• Die meisten Fälle werden symptomatisch behandelt• Rehydratation und Elektrolytausgleich sind zentral• Antibiotika nur in ausgewählten Situationen⏱️ Orientierung über die Latenzzeit• 1–3 Stunden: Staphylococcus aureus, emetische Form von Bacillus cereus• 8–16 Stunden: diarrhoische Form von Bacillus cereus• 12–36 Stunden + neurologische Symptome: Botulismus• 1–mehrere Tage: Campylobacter, Salmonellen, Shigellen, pathogene E.-coli-Typen, Parasiten🦠 Wichtige Erreger und ToxineStaphylococcus aureus• Sehr kurze Latenz: meist 1–3 Stunden• Typisch: abruptes Erbrechen, Übelkeit, Bauchkrämpfe, teils Durchfall• Häufige Quellen: Sahnespeisen, Pudding, Mayonnaise, Kühlkettenfehler• Therapie: symptomatisch, keine AntibiotikaBacillus cereus• Emetische Form: 1–6 Stunden, v. a. Erbrechen• Diarrhoische Form: 8–16 Stunden, wässrige Diarrhö• Typisch nach unzureichend gekühlten gekochten Speisen• Therapie: symptomatisch• Ausnahme: invasive Infektionen bei Wunden, Fremdmaterial, Immunsuppression🚨 Red Flag: BotulismusLeitsymptome:• Hirnnervenstörungen: Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie• Mydriasis, Akkommodationsstörung• Mundtrockenheit• Absteigende schlaffe Lähmungen• Gefahr der AteminsuffizienzWichtig:• Nicht Diarrhö, sondern neurologische Symptome stehen im Vordergrund• Verdacht z. B. nach selbst eingemachten Konserven oder anaerob gelagerten Lebensmitteln• Therapie nicht vom Labornachweis abhängig machen• Frühzeitig Antitoxin und intensivmedizinische Überwachung• Magnesium ist kontraindiziert🧪 Weitere IntoxikationenHistaminintoxikation• Häufig nach verdorbenem/falsch gelagertem Fisch• Symptome: Flush, Hautrötung, Brennen im Mund, gastrointestinale Beschwerden• Therapie: Antihistaminika, meist selbstlimitierendAflatoxine• Quellen: Nüsse, Pistazien, Reis• Relevant wegen Hepatotoxizität und KanzerogenitätChemische Expositionen• Mitdenken bei ungewöhnlicher Symptomatik, neurologischen Zeichen oder mehreren Betroffenen gleichzeitig💊 Wann Antibiotika sinnvoll sindEher antibiotisch behandeln bei:• Shigellose• Schwerer Campylobacter-Infektion• Schwerer systemischer Salmonellose• Ausgewählten parasitären Infektionen• Risikokonstellationen wie ImmunsuppressionNicht routinemäßig antibiotisch:• Staphylococcus-aureus-Intoxikation• Bacillus-cereus-Lebensmittelintoxikation• Viele unkomplizierte Enteritiden• EHEC: meist keine Antibiotika🏥 Praktisches Vorgehen in der Erstversorgung• Schweregrad einschätzen: Kreislauf, Dehydratation, Fieber, Blut im Stuhl, neurologische Symptome• Oral rehydrieren, wenn möglich• Bei Bedarf i. v. Flüssigkeit und Antiemese• Loperamid nur bei unkomplizierter, nicht blutiger Diarrhö ohne Fieber• Stuhldiagnostik gezielt bei schwerem Verlauf, Risikopatienten, Ausbruch oder Red Flags🛡️ Prävention• Kühlkette einhalten• Speisen ausreichend erhitzen• Gekochtes nicht lange ungekühlt stehen lassen• Rohes und Gekochtes trennen• Hygiene bei Händen und Küchenutensilien• Vorsicht bei eingemachten Lebensmitteln📌 Take-home-Messages• Kurze Latenz = Toxin mitdenken• Meist ist symptomatische Therapie ausreichend• Botulismus: neurologische Red Flag, früh Antitoxin + Intensivmedizin• Shigellose ist eine wichtige Antibiotika-Indikation• Rehydratation ist oft die entscheidende Therapie

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