EPISODE · Aug 4, 2026 · 11 MIN
Du nimmst mir den ganzen Sex weg
from Saftig · host Susanne Miel
Selbstbefriedigung in der Beziehung — Shownotes Episode 017 Es ist wichtiger, dass du die Befriedigung kriegst, als dass du sie nicht kriegst. Das hat mein Partner vor ein paar Jahren zu mir gesagt, mitten in einem Gespräch, das wir gar nicht geplant hatten. Keine Therapiesitzung, kein festgelegter Termin für ein schwieriges Thema. Wir haben einfach geredet. Vorher war das anders. In meinen früheren Beziehungen habe ich mich selbst befriedigt und es niemandem erzählt. Absichtlich nicht, wenn der andere dabei war. Und ich habe bis heute das Gefühl, dass es nicht in Ordnung ist. Der eigentliche Anlass für dieses Gespräch war ein anderer. Es ging darum, warum die Lust weniger wird — und darum, dass ich diesmal nicht will, dass eine Beziehung genau daran endet. Die Körper verändern sich, seiner auch, und das hat mehr Gründe als Arbeit und Stress. Bei ihm finde ich es übrigens überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil: Wenn er sich selbst befriedigt, habe ich einen Job weniger. Dieselbe Sache, zwei völlig verschiedene Bewertungen — und beide sitzen in meinem Kopf. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Selbstbefriedigung in der Beziehung ist bei mir nie eine Notlösung gewesen. Sie war die kürzere Strecke. Manchmal habe ich Lust, aber nicht auf das ganze Primbamborium drumherum. Ich wollte meinen Orgasmus, und bitte nicht erst in zwei Stunden. Erzählt habe ich das trotzdem nie, weil ich wusste, was dann kommt: Wie kannst du das tun ohne mich. Du nimmst mir den ganzen Sex weg. Ich kriege sowieso schon so wenig von dir. Um diese Sätze zu vermeiden, habe ich geschwiegen. In dieser Folge erzähle ich, was passiert ist, als ich es zum ersten Mal nicht getan habe — und warum mein schlechtes Gewissen trotzdem geblieben ist, obwohl die Erlaubnis seit Jahren auf dem Tisch liegt. Ich wollte nicht, dass meine Beziehung daran scheitert, dass die Lust nicht mehr ist wie vorher. Deshalb habe ich geredet. Das war der eigentliche Anlass, nicht das Thema selbst. Es ging nie um Ersatz. Zwischen Duschen und Anziehen, weil es schneller geht und weil ich diesen Oxytocin-Schub manchmal einfach brauche. Das schlechte Gewissen hört nicht auf, nur weil der Vorwurf aufhört. Ich weiß seit Jahren, wie er das sieht. Es ist trotzdem noch da. Bei Männern wird darüber gewitzelt, bei Frauen wird gerechnet. Als hätte er nur so viel Sex, wie ich Lust habe — und als würde ich ihm etwas abziehen, wenn ich mir selbst etwas gebe. Was ich mit zwanzig wollte, will ich heute nicht mehr. Also finde ich gerade heraus, was ich jetzt mit meinem Körper möchte. Auch allein. Das Wichtigste an dieser Folge ist für mich nicht die Erlaubnis. Es ist, was das Reden gebracht hat. Er hat nicht abgeblockt, und allein das hat uns ein ganzes Stück weitergebracht — an einer Stelle, an der ich jahrelang davon ausgegangen bin, dass Reden alles nur schlimmer macht. Ich habe ewig auf eine Erlaubnis gewartet, die mir niemand geben konnte. Und jetzt habe ich sie. Shownotes und Episodendetails Kurze Zeit nach diesem Gespräch waren wir über ein Wochenende in einem Hotel. Das Hotel hatte eine Saunalandschaft, ich war vormittags allein dort, er kam nicht mit. Kein Mensch da, weder in den Becken noch in der Sauna. Es gab eine Feuchtraumsauna, viel Dampf, die Wände werden extra nass gemacht. Das hat mich ziemlich angetörnt. Also habe ich mich dort selbst befriedigt, und es war sehr, sehr schön. Warum das schlechte Gewissen trotzdem kam Wir hatten diesen Urlaub gebucht, damit wir beide Lust aufeinander haben. Und ich sitze allein in der Sauna. Mein schlechtes Gewissen hat nicht angeklopft, es hat gehämmert. Ich habe es ihm hinterher erzählt und dachte nur: Oh Gott, was kommt jetzt. Seine Antwort: boah geil, super, freut mich voll. Geht es dir gut damit? Möchtest du nochmal hingehen, ich beschäftige mich hier so lange. Da waren inzwischen fünf, sechs Leute da — also nein. Aber voll lieb von dir. Das war der Moment, in dem klar wurde, wie unsinnig dieses Gewissen an dieser Stelle ist. Es ist trotzdem noch da. Ein paar Jahre Wissen schlagen nicht zwanzig Jahre Prägung. Warum ich früher nichts gesagt habe In meinen früheren Beziehungen war das anders gelagert. Der Sex hat mir oft nicht gut genug gefallen, oder es war mir schlicht zu aufwendig, was der andere alles wollte. Da muss noch dies und jenes und hier und da. Uns Frauen sagt man ja immer nach, wir bräuchten die ganze Romantik. Nett ist das schon. Aber ich hatte Lust, ich wollte Sex, ich wollte meinen Orgasmus — und eben nicht erst in zwei Stunden. Erzählt habe ich es nie, weil ich die Vorwürfe kannte. Ich habe geschwiegen, um sie zu vermeiden. Das Gespräch, das ich mal versucht habe Ganz am Anfang meines Liebeslebens habe ich es einmal probiert. Ich habe gefragt, du befriedigst dich doch auch selbst. Nein, auf gar keinen Fall, jedenfalls nicht in der Beziehung. Mich hat das ehrlich interessiert — ich habe keinen Penis, also wollte ich wissen, wie das geht. Das Ganze hatte ein Grundschul-Sexualkunde-Gefühl: Alle wollen darüber reden, alle wollen etwas verstehen, und allen ist es mehr als peinlich. Er war konsterniert, und weil es ihm so unangenehm war, wurde es mir noch unangenehmer. Das hat vermutlich dafür gesorgt, dass ich Jahrzehnte gebraucht habe, um es nochmal zu versuchen. Heute frage ich anders. Wenn ich dir einen runterhole, dann sag mir doch mal, was du gut findest und was nicht. Ich kann da auch eine Stunde rumdoktern — das bringt nichts, wenn du mir nicht sagst, wo es empfindlich ist. Ich habe mich lange kompliziert gefunden. Umständlich, was meine Lust angeht. Inzwischen habe ich die Zeit nicht mehr, so über mich zu denken. Wenn dich diese Folge erwischt hat: Eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify hilft mehr, als du denkst. Sie sorgt dafür, dass die nächste Frau, die nachts danach sucht, Saftig überhaupt findet.
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