EPISODE · Jul 31, 2026 · 11 MIN
Ein Orgasmus am Tag, für die Durchblutung
from Saftig · host Susanne Miel
Scheidentrockenheit Wechseljahre — Shownotes Episode 013 Meine Schwester kam von der Ärztin zurück, mit einem Saugwellenvibrator in der Hand. Den gibt es gratis dazu, hatte die Ärztin gesagt, das machen wir immer so. Einen Orgasmus am Tag, für die Durchblutung. Vom Spaß war nie die Rede. Ich habe mir das angehört und zuerst gedacht: das hätte ich dir auch sagen können, ohne Rechnung. Was mich wirklich geärgert hat, kam später. Niemand weiß, ob die teure Behandlung überhaupt nötig war, weil niemand es untersucht hat. Und ich saß da mit einem Satz, den ich selbst schon von einem Frauenarzt gehört hatte. Das hilft manchen Frauen. Was mich an diesem Nachmittag am meisten beschäftigt hat, war nicht die Behandlung selbst. Es war die Selbstverständlichkeit, mit der ein Gerät verteilt wird, während über das, wofür es eigentlich gedacht ist, kein Wort fällt. Ein Orgasmus wird zur Anwendung. Etwas, das man macht, damit etwas anderes besser wird. Ich kenne diese Verschiebung, und ich glaube, viele Frauen kennen sie auch: Der Körper wird versorgt, das Wollen bleibt draußen vor der Tür stehen. Dazu kommt, dass meine Schwester diese Praxis selbst finden musste. Es hat sie Wochen Recherche gekostet, herauszufinden, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Niemand hat sie darauf hingewiesen. Es steht in keiner Broschüre, die im Wartezimmer liegt. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge geht es um Scheidentrockenheit in den Wechseljahren und um das, was drumherum passiert, wenn Frauen damit zum Arzt gehen. Ich erzähle von der Behandlung meiner Schwester und davon, dass ein Gerät auf den Tisch kommt, während über Lust kein Wort fällt. Ich war selbst um die dreißig beim Frauenarzt, weil bei mir ständig etwas einriss, obwohl ich Lust hatte und feucht war. Ich habe eine Creme bekommen und den Satz, das sei normal in den Dreißigern. Die Creme war furchtbar. Was mir wirklich geholfen hat, habe ich Jahre später von einer Bekannten erfahren. Nicht von einer Ärztin, nicht von einem Arzt, sondern in einem Gespräch zwischen zwei Frauen. Ein Orgasmus auf Anweisung ist keine Lust, sondern Muskelarbeit. Die Ärztin sagte, es sei irrelevant, ob meine Schwester das allein oder mit ihrem Partner macht. Dass sie Spaß daran haben könnte, stand nicht zur Debatte. Es gibt keine Vergleichsgruppe. Ob die Behandlung nötig war oder ob das Gerät allein gereicht hätte, weiß niemand, weil es niemand untersucht hat. Die Zahlen erklären das Schweigen. Bis in die neunziger Jahre waren Frauen in klinischen Studien standardmäßig ausgeschlossen. Im deutschen Arzneimittelgesetz steht erst seit 2004, dass Männer und Frauen in größeren Studien getrennt untersucht werden müssen. Die meisten Medikamente, die wir heute nehmen, sind vor 2004 zugelassen worden. „Das hilft manchen Frauen" ist kein medizinischer Satz. Bei Männern heißt es: nimm das, das hilft. Bei uns bleibt ein Vielleicht. Der brauchbare Hinweis kam von einer Frau, nicht aus einer Praxis. Ich nenne unten, was ich seit Jahren benutze, und sage gleichzeitig, dass ich nicht weiß, ob es bei anderen genauso funktioniert. Ich bin mit dem Thema nicht durch. Ich ärgere mich nur nicht mehr über die einzelne Ärztin, sondern darüber, dass so vieles einfach nie nachgesehen wurde. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment beim Arzt, in dem man merkt, dass die Antwort nicht für einen gemacht ist. Sie ist nicht falsch. Sie ist nur allgemein. Und man geht raus mit einem Rezept und dem Gefühl, dass die eigentliche Frage nicht gestellt wurde. Was die Ärztin gesagt hat, und was sie nicht gesagt hat Meine Schwester hat sich diese Behandlung selbst gesucht. Sie hat nicht den ersten Treffer im Internet gelesen, sondern auch den dreißigsten, und irgendwann eine Praxis gefunden, die genau das anbietet. Danach lag ein Saugwellenvibrator auf dem Tisch, gratis dazu, wie immer, und die Anweisung, täglich einen Orgasmus zu haben, damit sich das Mittel verteilt und das Gewebe durchblutet wird. Ob mit Partner oder allein, sei egal. Es ging um Blutfluss, nicht um Lust. Für mich ist das der Kern dieser Folge. Der Körper wird behandelt, das Begehren kommt in dem Gespräch überhaupt nicht vor. Warum niemand weiß, ob es auch einfacher gegangen wäre Ich habe mich gefragt, ob dasselbe Ergebnis auch ohne die teure Behandlung zu haben gewesen wäre, nur mit regelmäßiger Erregung. Ich weiß es nicht. Und das ist genau der Punkt. Es gibt keine Gruppe von Frauen, die das über Monate ausprobiert hat und deren Ergebnisse man nachlesen könnte. Bis in die neunziger Jahre waren Frauen in klinischen Studien standardmäßig ausgeschlossen. Seit 2004 verlangt das Arzneimittelgesetz, dass in größeren Studien getrennt untersucht wird, ob Männer und Frauen unterschiedlich reagieren. Das ist zweiundzwanzig Jahre her, und die meisten Präparate im Schrank sind älter. Der Satz, den ich nicht mehr hören will Ich war um die dreißig, als bei mir ständig etwas einriss. Nicht aus Lustlosigkeit, im Gegenteil. Ich bin damit zum Arzt gegangen und habe gehört, das sei normal in den Dreißigern. Dazu eine Creme, mit dem Zusatz, das helfe manchen Frauen. Die Creme war furchtbar, ich habe sie weggeworfen. Aufgehört hat es erst, als eine Bekannte mir erzählte, dass sie seit ihren Zwanzigern eine Intimwaschlotion benutzt. Bei mir ist es Sagella hydramed geworden, unter der Dusche, nach dem Waschen. Wenn irgendwo eine feine juckende Stelle war, ist die am nächsten Tag weg. Ob das bei allen so ist, weiß ich nicht. Bei mir schon, seit Jahren. Und noch etwas, das in dem Gespräch fehlte: Saugwellenvibratoren gibt es inzwischen in verschiedenen Stärken und mit verschiedenen Aufsätzen, weil keine Klitoris aussieht wie die andere. Eine Bekannte fand genau das Gerät zu heftig, das ich gut finde. Auch das wäre eine Information gewesen, die auf den Tisch gehört. Ich habe für all das eine Formel, die ich in dieser Folge mehrmals benutze, halb im Scherz und halb nicht: Wir sind ja nur Frauen. Wenn das die Erklärung dafür sein soll, dass Dinge nicht untersucht, nicht erklärt und nicht auf uns zugeschnitten werden, dann nehme ich diesen Satz gern auch in die andere Richtung. Dann darf ich weiter schief einparken und alles machen, was uns Frauen nachgesagt wird. Ich bin ja nur eine Frau. Wenn du dich in irgendeinem dieser Sätze wiedererkennst, abonniere Saftig. Dann liegt die nächste Folge automatisch bei dir, und du musst nicht daran denken.
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