EPISODE · May 20, 2026 · 27 MIN
Hämorrhagischer Schock
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🚑 Thema der Folge: Hämorrhagischer Schock⚠️ Warum das wichtig istHämorrhagischer Schock ist ein hochletaler Zeitnotfall. Viele Todesfälle treten in den ersten 2 Stunden auf. Entscheidend ist paralleles Handeln:• Blutung stoppen• Perfusion sichern• Gerinnung stabilisieren• Oxygenierung erhalten• Blutvolumen wiederherstellen🩸 Definition und klinische HinweiseSchock durch Blutverlust mit Kreislauffunktionsstörung und Gewebehypoperfusion.Wichtige Marker:• systolischer Blutdruck < 90 mmHg• Schockindex ≥ 1 (Puls / systolischer Blutdruck)• Laktat 2–5 mmol/l: kompensierter Schock• Laktat > 5 mmol/l: dekompensierter SchockMerke: Normotension schließt relevanten Schock nicht aus. Haut, Rekapillarisierungszeit, Vigilanz und Gesamteindruck sind mitentscheidend.🔍 Häufige UrsachenTraumatisch:• Polytrauma• penetrierende oder stumpfe innere Blutung• Beckenfraktur• Leber-/Milzverletzung• lange Röhrenknochen, große WeichteilverletzungenAtraumatisch:• gastrointestinale Blutung• gynäkologische/geburtshilfliche Blutung• Blutung unter Antikoagulation• rupturiertes Aneurysma• schwere Epistaxis🧭 Erstes VorgehenStrukturiert nach ABCDE, aber mit Fokus auf frühe Blutungstherapie:• Hilfe rufen, Team aktivieren• Massivtransfusionsprotokoll erwägen• Chirurgie, Anästhesie, Radiologie etc. früh einbinden• Temperaturmanagement sofort mitdenken🛑 Blutungsquelle finden und stoppen• äußere Blutung: Kompression, Tamponade, chirurgische Versorgung• Extremitätenblutung: Tourniquet, wenn nötig• Beckenfraktur: früher Beckengurt• FAST-/Notfallsonographie bei Verdacht auf thorakale/abdominelle Blutung• instabil + Blutungsverdacht = früh interventionell denken, nicht auf perfekte Bildgebung warten💉 Kreislauf und Volumen• 2 großlumige periphere Zugänge, sonst i.o. oder ZVK• Blut abnehmen: Blutgruppe, Kreuzprobe, BB, Gerinnung, Fibrinogen, BGA/Laktat, Elektrolyte, ionisiertes Kalzium• Kristalloide nur restriktiv• frühe Blutprodukte statt große Volumenmengen• permissive Hypotonie oft sinnvoll bei unkontrollierter Blutung• Ausnahme: schweres Schädel-Hirn-Trauma → höhere Perfusionsziele🫁 Atemweg und Oxygenierung• früh Sauerstoff bei Hypoxie oder schwerer Beeinträchtigung• Intubation nur gut vorbereitet• Risiko: Sedierung und positive Druckbeatmung können den Kreislauf verschlechtern• Vasopressor, Blutprodukte und erfahrenes Team bereithalten🧬 GerinnungsmanagementWichtige Prinzipien:• tödliche Trias vermeiden: Hypothermie, Azidose, Koagulopathie• Wärmeerhalt konsequent• Erythrozyten früh bei relevanter Blutung und Instabilität• bei Massivtransfusion oft balanciertes Verhältnis EK:Plasma:Thrombozyten, z. B. 1:1:1 nach lokalem ProtokollWichtige Substanzen:• FFP bei Gerinnungsfaktormangel• Thrombozytenziel meist > 50.000/µl, bei SHT/neurochirurgischer Blutung eher > 100.000/µl• Fibrinogen früh beachten, kritisch oft < 150–200 mg/dl• Tranexamsäure möglichst früh, ideal innerhalb von 3 Stunden• wichtig: Tranexamsäure vor Fibrinogengabe, wenn beides geplant ist• Kalzium regelmäßig messen und substituieren💊 Antikoagulation mitdenken• Vitamin-K-Antagonisten gezielt antagonisieren, z. B. mit PPSB + Vitamin K• bei DOAKs spezifische Reversalstrategien kennen• Thrombozytenfunktionsstörung: ggf. Desmopressin erwägen✅ Kernaussagen• Hämorrhagischer Schock = Zeitnotfall• Therapie immer parallel, nicht nacheinander• Blutdruck allein ist unzuverlässig• Kristalloide zurückhaltend, Blutprodukte früh• Tranexamsäure früh• Fibrinogen, Thrombozyten und Kalzium aktiv managen• Hypothermie vermeiden• Antikoagulation gezielt antagonisieren• Instabilität bedeutet frühe Eskalation
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