EPISODE · May 29, 2026 · 16 MIN
Hepatitis A und HAV-Infektion
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🦠 Thema der FolgeHepatitis A ist eine akute Virushepatitis durch ein RNA-Virus aus der Familie der Picornaviren. Relevant nicht nur reisemedizinisch, sondern auch in westlichen Industrieländern: etwa ein Viertel der klinisch manifesten akuten Hepatitiden entfällt darauf.🚽 Übertragung und InfektiositätDie Übertragung erfolgt fäkal-oral, also über kontaminiertes Wasser, Lebensmittel und Schmierinfektion.Kernpunkt:• Ansteckend bereits vor Symptombeginn• Virusausscheidung etwa 14 Tage vor bis 14 Tage nach Krankheitsbeginn• Höchste Infektiosität oft 1–2 Wochen vor Ikterus⏳ Inkubation und VerlaufDie Inkubationszeit liegt bei etwa 14 bis 50 Tagen.Altersabhängiger Verlauf:• Kinder: häufig asymptomatisch oder mild• Erwachsene: häufiger symptomatisch und ikterisch• Höheres Alter: höheres Risiko für schwere bis selten fulminante VerläufeWichtig: Hepatitis A chronifiziert nie.🤒 KlinikTypisch sind zunächst unspezifische Beschwerden:• Fieber• Abgeschlagenheit• Appetitlosigkeit• Übelkeit, Erbrechen• Bauchschmerzen, Durchfall• gelegentlich ExanthemIm weiteren Verlauf oft:• Ikterus• dunkler Urin• heller Stuhl• deutlich erhöhte Transaminasen🧪 DiagnostikSerologie:• Anti-HAV-IgM = akute oder frische Infektion• Anti-HAV-IgG = abgelaufene Infektion oder Impfung, also ImmunitätLabor:• AST und ALT meist deutlich erhöht• typisch: De-Ritis-Quotient < 1• bei schweren Verläufen auch Beurteilung der Lebersynthese:Bilirubin, INR/Quick, Albumin, Cholinesterase• je nach Klinik zusätzlich Ammoniak, Glukose, Nierenwerte💊 TherapieKeine kausale antivirale Standardtherapie. Behandlung symptomatisch.Wichtig im Alltag:• ausreichende Flüssigkeitszufuhr• körperliche Schonung nach Bedarf• Alkoholkarenz• Vermeidung hepatotoxischer Substanzen• engmaschige VerlaufskontrolleAlarmzeichen für stationäre Aufnahme:• Gerinnungsstörung• Hypoglykämie• Enzephalopathie• rasch progredienter Ikterus🔍 Differenzialdiagnose: Hepatitis EHepatitis E verläuft klinisch oft sehr ähnlich:• ebenfalls RNA-Virus• meist fäkal-orale Übertragung• zusätzlich zoonotisch, v. a. über ungenügend gegartes Schweine- oder Wildfleisch• Inkubationszeit etwa 14 bis 70 TageBesonders wichtig:• in der Schwangerschaft erhöhtes Risiko für fulminante Verläufe• bei Immunsuppression sind persistierende Verläufe möglich• Diagnostik über Anti-HEV-IgM, bei Immunsuppression besser HEV-RNA per PCR💉 PräventionDie wirksamste Maßnahme ist die Impfung mit Totimpfstoff.Impfschema:• monovalent Hepatitis A: 2 Dosen im Abstand von 6–18 Monaten• Kombinationsimpfstoff Hepatitis A/B: 3 DosenPraktisch relevant:• Kurzzeitschutz vor Reise eher mit monovalentem Impfstoff• Schutzbeginn nach erster monovalenter Dosis nach ca. 14 Tagen• routinemäßige Auffrischung meist nicht nötig🚨 Postexpositionsprophylaxe und HygieneNach Kontakt mit Hepatitis A:• innerhalb von 14 Tagen monovalente Hepatitis-A-Impfung• bei Risikopersonen ggf. zusätzlich ImmunglobulineIm Ausbruchsmanagement wichtig:• konsequente Händehygiene• viruzide Desinfektion• möglichst eigene Toilette• Isolation je nach Setting und lokalen Empfehlungen🧠 Take-home-Messages• Hepatitis A ist eine häufige akute Virushepatitis• Übertragung fäkal-oral, Ansteckung schon vor Symptomen• IgM = akut, IgG = immun• Hepatitis A chronifiziert nie• Therapie meist symptomatisch, schwere Verläufe früh erkennen• Bei passendem Bild immer auch an Hepatitis E denken• Bei Schwangeren ist Hepatitis E besonders relevant
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