EPISODE · Jun 7, 2026 · 20 MIN
Hereditäre Hyperbilirubinämie Syndrome
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🧬 Thema der FolgeHereditäre Hyperbilirubinämien: angeborene Störungen des Bilirubinstoffwechsels mit Ikterus als Leitsymptom. Klinisch zentral ist die Frage: harmloser Befund oder relevante Erkrankung?🧪 Grundprinzip der EinordnungEntscheidend ist zuerst die Fraktionierung des Bilirubins:- indirekt/unkonjugiert erhöht → Störung der Konjugation- direkt/konjugiert erhöht → Störung des Transports/AusscheidungPraktischer Algorithmus:- Bilirubin fraktionieren- übrige Leberwerte prüfen- Hämolyse mitdenken- Alter, Verlauf und Trigger einordnen- Medikamentenanamnese erheben🔄 Bilirubinstoffwechsel kurz- Bilirubin entsteht aus Hämabbau- unkonjugiertes Bilirubin: wasserunlöslich, an Albumin gebunden- Konjugation in der Leber durch UDP-Glucuronyltransferase- konjugiertes Bilirubin wird über Transporter in die Galle ausgeschieden📌 Wichtiger Differenzialdiagnose-HinweisNicht jede Hyperbilirubinämie ist hereditär. Bei cholestatischen oder hepatocellulären Lebererkrankungen sind meist auch weitere Leberwerte auffällig:- Transaminasen- Gamma-GT- alkalische PhosphataseBei familiären Hyperbilirubinämien sind die übrigen Leberwerte oft normal.🟡 Gilbert-Syndrom / Morbus MeulengrachtHäufigste hereditäre Form, gutartig.Typisch:- leicht erhöhtes indirektes Bilirubin- sonst normale Leberwerte- oft asymptomatisch- schubweiser SklerenikterusTrigger:- Fasten- Infekte- körperlicher Stress- Alkohol- starke BelastungDiagnostik:- isolierte indirekte Hyperbilirubinämie- Hämolyse ausschließen: Hb, LDH, Haptoglobin, Retikulozyten- genetische Testung meist nicht zwingend nötigTherapie:- keine- Aufklärung ist entscheidend- gute Prognose🔴 Crigler-Najjar-SyndromSelten, aber klinisch relevant. Ebenfalls Störung der UDP-Glucuronyltransferase.Typ 1:- Enzymaktivität fehlt- autosomal-rezessiv- schwerer Neugeborenenikterus- Risiko für Kernikterus/Bilirubinenzephalopathie- Therapie: rasche Phototherapie, neonatologische Behandlung, oft langfristig TransplantationsthemaTyp 2 / Arias-Syndrom:- Restaktivität vorhanden- bessere Prognose- Neugeborenenikterus und spätere ikterische Schübe möglich- Therapieoptionen: Phototherapie, Phenobarbital, teils Rifampicin- Behandlung nur spezialisiert🟤 Dubin-Johnson-SyndromHereditäre direkte Hyperbilirubinämie durch MRP2-Defekt.Merkmale:- autosomal-rezessiv- leichter bis mäßiger Ikterus, oft ab Jugendalter- direkte Hyperbilirubinämie- übrige Leberwerte meist unauffällig- Gesamt-Koproporphyrine im Urin normal- Ikterus kann durch Schwangerschaft oder hormonelle Kontrazeptiva zunehmenTherapie:- keine spezifische- Trigger und lebertoxische Medikamente vermeiden- Beratung wichtig🟠 Rotor-SyndromKlinisch ähnlich wie Dubin-Johnson, aber anderer Transportdefekt (OATP).Merkmale:- direkte Hyperbilirubinämie- übrige Leberwerte normal- meist asymptomatisch- Gesamt-Koproporphyrine im Urin erhöhtTherapie:- keine spezifische- Vorsicht bei lebertoxischen Substanzen- hormonelle Kontrazeptiva meiden🧠 Für den Alltag merken- indirektes Bilirubin ↑: zuerst Gilbert, bei Neugeborenen auch Crigler-Najjar- direktes Bilirubin ↑: bei normalen Leberwerten an Dubin-Johnson oder Rotor denken- Hämolyse immer mitbedenken- Crigler-Najjar ist die wichtige Ausnahme unter den meist gutartigen familiären Syndromen✅ Take-home-Messages- Erst indirekt vs. direkt unterscheiden- Dann Leberwerte und Klinik einordnen- Gilbert ist häufig und gutartig- Dubin-Johnson und Rotor sind selten, meist benign- Crigler-Najjar, besonders Typ 1, ist potenziell lebensbedrohlich
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