EPISODE · Jul 9, 2026 · 22 MIN
Hypovolämischer Schock - Akutmanagment
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💉 Thema der FolgeHypovolämischer Schock: schnelles, strukturiertes Handeln bei kritischem intravasalem Volumenmangel mit Organhypoperfusion.🎯 Lernziele- hypovolämischen Schock erkennen- Kreislauf stabilisieren- Blutvolumen gezielt wiederherstellen- Ursache suchen und wenn möglich direkt behandeln🧠 DefinitionHypovolämischer Schock = Schockzustand durch kritische Verminderung des intravasalen Volumens.Wichtig:- nicht jede Hypotonie ist ein Schock- nicht jeder Schock ist hypovolämisch- Mischbilder sind häufig, z. B. Hypovolämie plus Sepsis🔎 Klinische ZeichenTypische Hinweise auf Gewebehypoperfusion:- Hypotonie- Tachykardie- kalte Extremitäten- verlängerte Rekapillarisierungszeit- Unruhe, Durst- trockene Schleimhäute- Oligurie- VigilanzminderungLabor:- erhöhtes Laktat als Perfusionsmarker- immer im klinischen Kontext interpretieren❓Vier Leitfragen am Patientenbett- Ist der Kreislauf instabil?- Gibt es Zeichen der Organminderperfusion?- Gibt es Hinweise auf Volumenverlust?- Gibt es andere oder zusätzliche Schockursachen?🚑 AkutmanagementParallel statt nacheinander:- Atemweg, Atmung, Kreislauf sichern- Monitoring aufbauen- venösen Zugang schaffen- Volumentherapie starten- Ursache suchenMonitoring:- EKG- Blutdruck- SpO2- Atemfrequenz- Diurese, wenn sinnvoll via Blasenkatheter- bei Instabilität ggf. arterielle Blutdruckmessung🎯 Kreislaufziele- systolischer Blutdruck > 100 mmHg- MAP > 65 mmHg- Urinproduktion > 0,5 ml/kg/h- ScvO2 > 70 %, falls gemessen🧴 VolumentherapieInitial:- balancierte kristalloide Lösungen- bei Erwachsenen oft 500 ml als Bolus über 10–15 Minuten- danach konsequente Reevaluation- lieber kleine wiederholte Bolusgaben als unkritisch mehrere LiterReevaluation nach jedem Bolus:- Blutdruck- Herzfrequenz- Rekapillarisierungszeit- mentale Verfassung- Hauttemperatur- Diurese- Laktat / BGA, wenn verfügbar⚠️ Übertherapie vermeidenAuch hypovoläme Patienten können überwässert werden.Hilfreich:- fokussierte Echokardiografie: Füllung, Schlagvolumen, V. cava inferior- auf Lungenödem achten: Rasselgeräusche, steigender O2-Bedarf, B-Linien💊 VasopressorenWenn trotz adäquater Volumengabe keine Stabilisierung:- Diagnose hinterfragen- an Mischformen denken, v. a. Sepsis oder kardiale Ursache- ggf. Noradrenalin, z. B. 0,02–0,1 µg/kg/min titriertMerksatz:Noradrenalin ersetzt kein Volumen.🧪 ElektrolyteEngmaschig kontrollieren:- Kalium im Normbereich halten- Hypokaliämie gezielt substituieren- Hyperkaliämie sofort erkennen und behandeln- Natrium nie zu schnell korrigierenZu rasche Natriumkorrekturen können schwere neurologische Schäden verursachen.🩺 Häufige UrsachenEnteral:- Gastroenteritis- CholeraRenal:- hyperosmolares diabetisches Koma- Diuretika- Diabetes insipidus- Aldosteronmangel / Addison-KriseDritter Raum:- Ileus- Aszites bei LebererkrankungKutan:- Hyperthermie- Verbrennungen- Verätzungen- großflächige HautläsionenVerminderte Aufnahme:- ältere Menschen, Demenz- Schluckstörungen, Immobilität- psychostimulierende Substanzen🛠️ Praktische Merksätze- Stabilisieren, Volumen ersetzen, Ursache behandeln- nach jedem Bolus neu untersuchen- Flüssigkeitsbilanz sauber dokumentieren- gezielt nach Erbrechen, Durchfall, Diuretika, Polyurie, Trinkmenge und Fieber fragen- bei Fieber und Schocksymptomatik immer auch an Sepsis denken📌 Take-home-MessageDer hypovolämische Schock ist vor allem ein Problem des fehlenden intravasalen Volumens. Entscheidend sind frühes Erkennen, rasche Volumentherapie mit balancierten Kristalloiden, engmaschige Reevaluation und konsequente Ursachensuche.
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