EPISODE · Jul 21, 2026 · 14 MIN
Ich habe aufgehört anzufangen
from Saftig · host Susanne Miel
Lust nicht annehmen können — Shownotes Episode 002 Es gibt Frauen, die ihre Lust nicht annehmen können, obwohl sie den Mann neben sich lieben. Susanne ist eine davon. Sie hat sich jahrelang erzählt, sie wolle einfach nicht mehr. Und irgendwann gemerkt, dass dieser Satz so nicht stimmt. Es ist Muttertag, ein Sonntagabend, die Kinder sind nicht da. Ein guter Tag, ein guter Mann, ein Bett, in dem alles möglich wäre. Er fängt an. Und in ihr passiert einfach nichts. Kein Ja, kein Nein, kein Vielleicht. Ihr Körper antwortet nicht. Also wartet sie. Und während sie wartet, baut sie im Kopf Sätze zusammen. Sätze für ihn. Wie sage ich es ihm, ohne dass er denkt, es liegt an ihm. Soll ich sagen, ich bin müde. Soll ich noch fünf Minuten liegen bleiben, damit es weniger nach Abweisung aussieht. Ein einziger Satz hätte gereicht. Trotzdem musste dieser Satz erst durch fünf Filter, bevor sie ihn aussprechen konnte. Dabei hat ihr Partner ihr das nie schwer gemacht. Er sagt ihr immer, dass sie es einfach sagen soll, wenn sie nicht will. An diesem Abend ging es aber gar nicht um ich-will-nicht. Es ging um etwas anderes: mein Körper will nicht. Und das ist noch mal eine ganz andere Aussage. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Am nächsten Morgen steht Susanne in der Küche und rechnet nach. Fünf Formulierungen hatte sie in dieser Nacht im Kopf. Alle fünf waren für ihn. Wie geht es ihm damit, was denkt er, wie verpacke ich das so, dass es ihn nicht trifft. Für sich selbst hatte sie keinen einzigen Satz übrig. Nicht einen. Aus dieser Rechnung entsteht die ganze Folge. Dass Frauen die Lust nicht annehmen können, obwohl eigentlich alles stimmt, hat nämlich selten mit dem Partner zu tun. Dahinter steckt eine Frau, die ihre eigene Lust nie als ihre eigene Angelegenheit betrachtet hat. Und die deshalb jahrelang gewartet hat, statt zu entscheiden. Warten fühlt sich dabei harmlos an. Es sieht von außen aus wie Geduld. Tatsächlich ist es die Entscheidung, gar nichts zu entscheiden. Nicht wollen und nicht anfangen sind zwei verschiedene Dinge — der eine Satz klingt wie eine Diagnose, gegen die nichts zu machen ist. Der andere beschreibt eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten sind ein anderes Kaliber. Die Blockade geht in beide Richtungen — Susanne kann nicht mehr selbst anfangen. Sie kann darüber hinaus die Lust nicht annehmen, wenn sie von ihm kommt. Solange sie nur über die eine Hälfte nachgedacht hat, kam sie zu keinem Ergebnis. Annehmen ist kein passiver Vorgang — es sieht aus wie stillhalten, ist es aber nicht. Wer etwas annehmen will, muss ja sagen können. Und dieses Ja kommt aus derselben Stelle wie das Anfangen. Warten ist keine Pause vom Entscheiden — je länger es dauert, desto normaler wird es. Irgendwann ist Warten kein Zustand mehr, sondern die Grundeinstellung. Wenn deine Lust der Beziehung gehört, kommt deine eigene Frage nicht vor — nicht weil du sie verdrängst. Sondern weil sie in diesem System nie vorgesehen war. Susanne behauptet dabei nicht, dass es bei allen so ist wie bei ihr. Sie erzählt, was sie an einem Morgen in ihrer Küche verstanden hat. Und was sich dadurch verändert hat. Nämlich vor allem ein einziges Wort. Wenn du deine Lust nicht annehmen kannst und dir das seit Jahren als Erschöpfung oder als Phase erklärst, dann ist diese Folge für dich. Nicht weil sie dir sagt, was zu tun ist. Sondern weil sie beschreibt, wie sich das von innen anfühlt. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem du im Bett liegst und merkst, dass du dir selbst zuguckst. Seine Hand ist da. Du registrierst sie. Aber sie kommt nicht bei dir an, sie bleibt auf der Haut liegen und geht nicht weiter rein. Wenn du das kennst, ist diese Folge für dich. Warum das Warten das eigentliche Problem ist Susanne hat jahrelang gewartet. Sie hat gewartet, bis der richtige Moment kommt. Sie hat gewartet, bis die Kinder aus dem Haus sind. Vor allem aber hat sie darauf gewartet, dass dieses Gefühl von selbst wieder auftaucht, so wie früher. Das Tückische daran: Warten fühlt sich vernünftig an. Es sieht nach Geduld aus und nach Erwachsensein. Trotzdem ist in dieser ganzen Zeit keine einzige Entscheidung gefallen. Und irgendwann ist Warten kein Zustand mehr, sondern einfach die Grundeinstellung. Deshalb geht es in dieser Folge nicht um Technik und nicht um Timing. Es geht um die Frage, wem deine Lust eigentlich gehört. Denn wenn sie der Beziehung gehört und nicht dir, dann ist die einzig relevante Frage immer, wie es dem anderen damit geht. Wichtig ist dabei eines: In dieser Folge macht der Partner nichts falsch. Er drängt nicht, er macht keine Vorwürfe, er sagt sogar ausdrücklich, dass sie es einfach sagen soll, wenn sie nicht will. Genau das macht die Sache aber nicht leichter, sondern schwerer. Denn dann gibt es niemanden mehr, dem man die Schuld geben kann. Es bleibt nur noch die Frage, was eigentlich mit einem selbst gerade los ist. Anfangen heißt nicht, den Sex zu initiieren Das ist die Stelle, an der die Folge kippt. Susanne hat Anfangen jahrelang als Handlung verstanden. Wer legt die Hand wohin, wer macht die erste Bewegung. Tatsächlich meint Anfangen etwas ganz anderes. Es heißt, überhaupt eine Meinung dazu zu haben, was du willst. Es heißt, dass in dir eine Instanz sitzt, die Lust hat oder keine Lust hat, und die das auch weiß. Bei Susanne ist diese Instanz irgendwann leise geworden. Nicht weg. Nur leise. Und weil sie leise war, hat Susanne sie nicht mehr gefragt. Weil sie sie nicht mehr gefragt hat, wurde sie noch leiser. Das ist ein Kreis, den man nicht sieht, solange man mittendrin steht. Was sich heute verändert hat Nicht viel, ehrlich gesagt. Susanne fängt nach wie vor selten an. Sie legt sich immer noch abends Sätze zurecht und merkt es meistens erst hinterher. Geändert hat sich etwas Unspektakuläres. Sie stellt sich die Frage inzwischen tagsüber. Beim Autofahren, beim Wäscheaufhängen, mittags irgendwann. Nicht abends im Bett, wenn es für eine ehrliche Antwort sowieso zu spät ist. Meistens kommt darauf immer noch nichts. Manchmal aber eben doch. Ganz leise. Und dann weiß sie wenigstens, dass da unten noch jemand sitzt. Was diese Folge liefert, ist eine Unterscheidung. Und die ist größer, als sie klingt: Ich will nicht mehr ist eine Diagnose. Ich fange nicht mehr an ist etwas, das man macht. Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonniere Saftig. in deiner Podcast-App. Die nächste Folge kommt garantiert, und du musst nicht dran denken. Saftig. Endlich sagt es eine.
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