EPISODE · Aug 31, 2026 · 1H 11M
In the Name of the Wholy Land: Wie sich der Nahostkonflikt selbst verfestigt
from Weltpolitik to Go
Warum verfestigt sich der israelisch-palästinensische Konflikt trotz jahrzehntelanger Verhandlungen und internationaler Vermittlungsversuche immer weiter? Und was, wenn Friedensbemühungen einen Konflikt nicht nur lösen, sondern ihn manchmal auch stabilisieren?Darüber spricht Lilli Banholzer in dieser Folge von „Weltpolitik to Go“ mit Prof. Dr. Stephan Stetter, Professor für Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universität der Bundeswehr München. Grundlage des Gesprächs ist sein Beitrag „In the Name of the Wholy Land: Zur sozialen Evolution israelisch-palästinensischer Beziehungen im weltpolitischen System“, erschienen in der Zeitschrift für Internationale Beziehungen, Heft 1/2026.Im Mittelpunkt steht der sogenannte Lock-in-Effekt. Gemeint ist, dass sich politische Vorstellungen, Entscheidungen und Konfliktmuster über lange Zeit gegenseitig verstärken – bis Alternativen immer schwerer vorstellbar werden.Stephan Stetter erklärt, warum seine Analyse bereits im Jahr 1831 beginnt, wie nationale, religiöse und territoriale Ansprüche über fast 200 Jahre entstanden sind und weshalb der Konflikt nicht allein auf Israel und Palästina begrenzt werden kann. Auch Kolonialismus, internationale Organisationen, globale Politik, Medien und gesellschaftliche Debatten außerhalb der Region prägen seine Dynamik.Eine zentrale Rolle spielt dabei der Begriff „Wholy Land“, eine Verbindung aus „holy“, also heilig, und „whole“, also vollständig. Er beschreibt Vorstellungen, nach denen das gesamte Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer als unteilbares eigenes Land verstanden wird. Solche Perspektiven finden sich nicht nur bei extremistischen Akteuren, sondern können auch breitere politische Debatten und Lösungsvorstellungen prägen.Ein weiterer Schwerpunkt ist der Oslo-Friedensprozess. Hat er den Konflikt einer Lösung nähergebracht – oder vor allem ein System geschaffen, in dem er verwaltet werden konnte? Welche Rolle spielen internationale Hilfen, NGOs und diplomatische Initiativen, wenn notwendige Unterstützung zugleich einen politischen Status quo stabilisieren kann?Außerdem geht es um die Frage, ob der Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und der anschließende Krieg in Gaza eine neue Phase des Konflikts eingeleitet haben. Dabei sprechen wir auch über ontologische Sicherheit: also darüber, wie wichtig für Staaten ein stabiles Selbstbild und das Gefühl sind, zu wissen, wer sie sind und wofür sie stehen. Gerät dieses Selbstverständnis ins Wanken, können bekannte Konfliktmuster attraktiver erscheinen als eine unsichere Veränderung.Zum Abschluss richtet sich der Blick auf mögliche Auswege: Wie kann Peacebuilding nicht nur Gewalt begrenzen, sondern festgefahrene Beziehungen tatsächlich verändern? Welche Rolle spielen das Völkerrecht, internationale Gerichte und die Staaten der Region?Herausgegeben vom Herausgeberteam der Zeitschrift für Internationale Beziehungen in Kooperation mit der Bayerischen Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung.Redaktion und Moderation: Lilli BanholzerKontakt: [email protected]
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