EPISODE · Dec 1, 2025 · 11 MIN
Kommentar: Sven Beckert und die Geschichte des Kapitalismus
from KlarText Global · host Dr.Andreas Heuer
Wenn wir heute über den Kapitalismus sprechen, dann meist als Krisensystem – soziale Spaltung, Klimazerstörung, geopolitische Konflikte. Oft erscheint er alternativlos und naturgegeben. Genau hier setzt der Historiker Sven Beckert an. In seinem neuen Werk Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution zeigt der Harvard-Professor, dass Kapitalismus keine natürliche Wirtschaftsform ist, sondern eine historische Erfindung – geprägt von globalen Verflechtungen, staatlicher Macht, Innovation, aber auch von Gewalt, Sklaverei und Ausbeutung. Kapitalismus war, so Beckert, „von Anfang an global“: Er verband Plantagen in Amerika mit Fabriken in Europa, Kolonialherrschaft mit Finanzkapital und schuf damit das erste weltweite System wirtschaftlicher Abhängigkeiten. Seine Dynamik beruhte nie auf Gleichheit, sondern auf Ungleichheit – und genau daraus bezog er seine Kraft. Beckerts zentrale These: Wir leben heute nicht in einer Welt der Knappheit, sondern in einer Welt der Möglichkeiten. Die Frage ist nicht mehr, ob genug produziert werden kann, sondern wie verteilt, geschützt und gestaltet wird. Damit wird Kapitalismus wieder diskutierbar – historisch, politisch, gesellschaftlich.
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Wenn wir heute über den Kapitalismus sprechen, dann meist als Krisensystem – soziale Spaltung, Klimazerstörung, geopolitische Konflikte. Oft erscheint er alternativlos und naturgegeben. Genau hier setzt der Historiker Sven Beckert an. In seinem neuen Werk Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution zeigt der Harvard-Professor, dass Kapitalismus keine natürliche Wirtschaftsform ist, sondern eine historische Erfindung – geprägt von globalen Verflechtungen, staatlicher Macht, Innovation, aber auch von Gewalt, Sklaverei und Ausbeutung. Kapitalismus war, so Beckert, „von Anfang an global“: Er verband Plantagen in Amerika mit Fabriken in Europa, Kolonialherrschaft mit Finanzkapital und schuf damit das erste weltweite System wirtschaftlicher Abhängigkeiten. Seine Dynamik beruhte nie auf Gleichheit, sondern auf Ungleichheit – und genau daraus bezog er seine Kraft. Beckerts zentrale These: Wir leben heute nicht in einer Welt der Knappheit, sondern in einer Welt der Möglichkeiten. Die Frage ist nicht mehr, ob genug produziert werden kann, sondern wie verteilt, geschützt und gestaltet wird. Damit wird Kapitalismus wieder diskutierbar – historisch, politisch, gesellschaftlich.
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