EPISODE · Aug 29, 2024 · 1 MIN
Lyric 4
from Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
240829PC Dichter und Denker 4: Hilde DominMensch Mahler am 29.08.2024Hildegard Löwenstein, 1906 in Köln geboren, musste wie so viele Jüdinnen vor den Nazis fliehen. In der Dominikanischen Republik fand sie zuletzt Zuflucht, bevor sie wieder nach Deutschland zurückkehrte. Von der Insel hat sie ihren Künstlernamen mitgebracht. Sie nannte sich fortan Hilde Domin und veröffentliche unter diesem Namen ihr lyrisches Werk. Hilde Domin: Ein Zimmer in der LuftIch richte mir ein Zimmer ein in der Luft unter den Akrobaten und Vögeln: mein Bett auf dem Trapez des Gefühls wie ein Nest im Wind auf der äußersten Spitze des Zweigs.Ich kaufe mir eine Decke aus der zartesten Wolleder sanft gescheitelten Schafe,die im Mondlichtwie schimmernde Wolkenüber die feste Erde zieh‘n.Ich schließe die Augen und hülle mich einin das Vlies der verlässlichen Tiere. Ich will den Sand unter den kleinen Hufen spürenund das Klicken des Riegels hören,der die Stalltür am Abend schließt.Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.Meine Handgreift nach einem Halt und findetnur eine Rose als Stütze. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
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240829PC Dichter und Denker 4: Hilde DominMensch Mahler am 29.08.2024Hildegard Löwenstein, 1906 in Köln geboren, musste wie so viele Jüdinnen vor den Nazis fliehen. In der Dominikanischen Republik fand sie zuletzt Zuflucht, bevor sie wieder nach Deutschland zurückkehrte. Von der Insel hat sie ihren Künstlernamen mitgebracht. Sie nannte sich fortan Hilde Domin und veröffentliche unter diesem Namen ihr lyrisches Werk. Hilde Domin: Ein Zimmer in der LuftIch richte mir ein Zimmer ein in der Luft unter den Akrobaten und Vögeln: mein Bett auf dem Trapez des Gefühls wie ein Nest im Wind auf der äußersten Spitze des Zweigs.Ich kaufe mir eine Decke aus der zartesten Wolleder sanft gescheitelten Schafe,die im Mondlichtwie schimmernde Wolkenüber die feste Erde zieh‘n.Ich schließe die Augen und hülle mich einin das Vlies der verlässlichen Tiere. Ich will den Sand unter den kleinen Hufen spürenund das Klicken des Riegels hören,der die Stalltür am Abend schließt.Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.Meine Handgreift nach einem Halt und findetnur eine Rose als Stütze. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
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