EPISODE · Aug 10, 2026 · 8 MIN
Mitten im Sex fielen mir die Dachfenster ein
from Saftig · host Susanne Miel
Kopf abschalten beim Sex — Shownotes Episode 023 Es hat angefangen zu regnen. Sommer, warm, die Dachfenster standen offen — und mitten im Sex schlug es in meinem Kopf ein: die Fenster sind auf. Ich bin aus dem Bett, die Treppe rauf, Fenster zu, Treppe runter. Wir haben beide gekichert und dann da weitergemacht, wo wir aufgehört hatten. Vor zehn Jahren hätte ich diesen Satz hundertprozentig unterschrieben: Um deinen Kopf abzuschalten, musst du lernen, deine Vagina einzuschalten. Ich hätte damals auch gesagt, du musst deine Lust einfach wieder anregen, deine Yoni wieder stimulieren, und dann ist das mit dem Kopf überhaupt kein Problem mehr. Der Satz steht immer noch im Netz. Ich bin nur nicht mehr die, die ihn unterschreibt — nicht weil er böse gemeint ist, sondern weil er auf die falsche Stelle zeigt. Ich bin heute nicht mehr so alt wie vor zehn Jahren, und ich stecke auch nicht mehr in derselben Situation. Dazwischen liegt einiges, was vorher nicht dazwischenlag. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Kopf abschalten beim Sex ist bei mir keine Frage der Technik. Es gibt zwei völlig verschiedene Etagen, und die werden dauernd miteinander verwechselt. Die eine: Ich bin schon drin, es läuft, und dann kommt etwas dazwischen. Regen. Offene Dachfenster. Früher ein Kondom, dessen Verpackung nicht aufging. Das hat meine Lust nie unterbrochen, im Gegenteil — die Spannung bleibt im Körper stehen, danach ist es intensiver. Die andere Etage sieht anders aus: die Sorge um die Kinder, Sorgen um Geld, der Stress von der Arbeit, dazu der Autofahrer, den ich am liebsten an die Wand geklatscht hätte. Dieser Stapel liegt vor dem Bett, nicht darin. Und er lässt sich nicht mehr wegschieben wie früher, als ich einfach die Tür zumachen und sagen konnte: Stress bleibt heute draußen. Das Bittere daran ist nicht der Stapel. Das Bittere ist, dass ich ihn an dem Abend gar nicht bemerke. Würde ich abends merken, dass meine Lust wieder nichts abbekommt, könnte ich mich umentscheiden. Ich merke es aber erst Tage später, wenn längst alles vorbei ist, und denke: Schade. Da wäre doch eigentlich Zeit gewesen. Und dann war ich so gefangen in dem, was ich gedacht habe, dass ich es nicht einmal gemerkt habe. Genau darin unterscheidet sich die Schleife vom Dachfenster: Die Fenster habe ich bemerkt. Die Schleife bemerke ich nicht. Eine Unterbrechung ist nicht das Problem — wenn die Lust schon da ist, überlebt sie eine Treppe, ein Fenster und eine widerspenstige Plastikverpackung. Das Schwere kommt vorher — die Sorgenschleife verhindert, dass die Lust überhaupt anfängt. Sie unterbricht sie nicht mittendrin. Ich merke es zu spät — nicht an dem Abend, sondern Tage danach. Deshalb kann ich mich in dem Moment nicht umentscheiden. Es ist kein Platz da — in der Perimenopause verändert sich nicht nur mein Körper. Mein Leben verändert sich auch, und der Stapel wird höher statt kleiner. Der Platz lässt sich machen — nicht auf Kommando und nicht jeden Abend. Aber die Treppe hoch, die Treppe runter und dann trotzdem, das ist eine Entscheidung. Ich kann diese Dauerschleife aus Gedanken und Vorwürfen nicht abstellen. Worauf ich achten kann: ob heute die Schleife dran ist — oder ob die Lust stark genug ist für die Treppe. Shownotes und Episodendetails Ich habe früher nie verstanden, warum Leute sagen, ein Kondom mache die Stimmung kaputt. Männer und Frauen haben mir das erklärt: Das unterbricht doch alles, danach hat keiner mehr Bock. Für mich war das nie eine Unterbrechung, sondern ein Teil davon. Da wurde gefriemelt, die blöde Verpackung ging nicht auf, einer hat geschubbelt, wir haben gelacht — und dann ging es los. Ich habe das nie als Stimmungskiller erlebt. Kein einziges Mal hatte ich das Gefühl, dass mich das bei meiner Lust unterbricht. Genauso die ganze Dachfensteraktion. Dann regnet es halt. Einen Moment, ich komme wieder. Und dann kommen wir richtig. Wobei das Zurückkommen ja eine Entscheidung ist. Ich hätte auf der Treppe genauso gut denken können: Jetzt bin ich durch die Gegend gerannt, jetzt ist es vorbei, jetzt kann ich nicht mehr. Habe ich aber nicht. Ich fand die ganze Sache viel zu lustig, um sie abzublasen. Zwei Etagen, die dauernd verwechselt werden Wenn ich mir das genauer angucke, sehe ich zwei Bewegungen, die nichts miteinander zu tun haben. Die erste: Die Lust ist da, der Sex wird unterbrochen — und danach geht es weiter. Nicht mühsam, sondern mit Leichtigkeit. Die Spannung bleibt ja im Körper, sie läuft nicht einfach aus. Deshalb wird es hinterher oft intensiver als vorher. Diese Unterbrechung kostet mich nichts. Die zweite: Die Lust fängt gar nicht erst an. Und das liegt nicht daran, dass sie sich verabschiedet hätte, sondern daran, dass etwas anderes den ganzen Platz einnimmt. Sorge um die Kinder. Sorgen um Geld. Der Stress von der Arbeit, der sich im Moment doppelt und dreifach so schwer anfühlt wie früher. Diese Etage kann ich nicht mit Technik betreten, und schon gar nicht dadurch, dass ich unten anfange und hoffe, dass oben das Licht ausgeht. Was das Dachfenster beweist Was diese Dachfenstergeschichte tatsächlich beweist: Meine Lust ist nicht weg. Sie hatte nur keinen Platz. Wenn sie da ist, halte ich eine Treppe aus, einen Regenguss, ein Kondom und mein eigenes Kichern. Wenn sie nicht da ist, liegt das nicht an einer fehlenden Übung, sondern an einem Leben, das sich verändert hat — und zwar nicht nur körperlich. Je älter ich werde, desto mehr verändert sich alles: meine Einstellung zu Menschen, zu Zeit, zu dem, was noch reinpasst. Und es heißt eben nicht, dass wir nach der Perimenopause keine Lust mehr haben — oder mittendrin. Es heißt, dass gerade kein Platz für sie da ist. Ich kann diese Dauerschleife aus Gedanken und Vorwürfen nicht abstellen. Das habe ich versucht, das funktioniert nicht. Was ich machen kann: darauf achten, was heute gerade lauter ist. Und wenn die Lust lauter ist, dann laufe ich die Treppe hoch, mache das Fenster zu, laufe wieder runter und sage: und jetzt trotzdem. Wenn dir diese Folge etwas gezeigt hat, das du wiedererkennst: Lass eine Bewertung da. Bewertungen entscheiden darüber, ob Saftig überhaupt bei den Frauen landet, die gerade nachts danach suchen — und für die meisten von ihnen ist es das erste Mal, dass jemand so darüber redet.
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