EPISODE · May 28, 2026 · 29 MIN
Nahrungsmittelallergien
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🍎 Thema der FolgeNahrungsmittelallergien sind immunologisch vermittelte Reaktionen auf Nahrungsbestandteile – abzugrenzen von Intoleranzen und anderen Unverträglichkeiten. Klinisch entscheidend ist die saubere Unterscheidung.🧠 GrundlagenMeist liegt eine IgE-vermittelte Typ-I-Allergie vor, seltener eine Typ-IV-Reaktion oder Mischform.Typisch:• Sofortreaktionen innerhalb von Minuten bis 2 Stunden• verzögerte oder chronische Verläufe möglich📊 Epidemiologie und RisikofaktorenPrävalenz:• Gesamtbevölkerung ca. 1–4 %• Kinder ca. 5–10 %Risikofaktoren:• genetische Veranlagung• atopische Dermatitis• veränderte Darmmikrobiota, z. B. nach Kaiserschnitt• Tabakexposition• bestimmte InfektionenProtektiv:• Stillen• Tierkontakt/Bauernhofumfeld• geringere Antibiotikaexposition🥜 Häufige AuslöserIm Kindesalter:• Kuhmilch• Hühnerei• Erdnuss• Weizen• Soja• FischBei Erwachsenen:• Nüsse• Weizen• Schalen- und Krustentiere🌿 KreuzallergienAeroallergenassoziierte Nahrungsmittelallergien entstehen nach primärer Sensibilisierung gegen Inhalationsallergene, z. B. Pollen.Klassische Beispiele:• Birkenpollen: Apfel, Haselnuss, Kirsche, Karotte, Sellerie, Soja• Beifuß: Sellerie, Karotte, Gewürze• Latex-Frucht-Syndrom: Banane, Avocado, Kiwi• Hausstaubmilbe: Krusten- und WeichtiereWichtig: Reaktionen können schon beim ersten bewussten Verzehr auftreten.👄 KlinikTypisch ist das orale Allergiesyndrom:• Juckreiz, Kribbeln, pelziges Gefühl• Schwellung von Lippen, Zunge, Gaumen, RachenWeitere Manifestationen:• Haut: Urtikaria, Flush, Angioödem, Exanthem• Atemwege: Husten, Heiserkeit, Dyspnoe, Stridor, Asthma• Gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz, Diarrhö• Kreislauf: Tachykardie, Hypotonie bis Schock🚨 AnaphylaxieWarnzeichen:• Hautsymptome plus Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung• isolierter Blutdruckabfall nach wahrscheinlichem AllergenkontaktAkut wichtig:• Allergenexposition stoppen• Hilfe rufen• Lagerung situativ• Sauerstoff• Adrenalin i.m. in den anterolateralen Oberschenkel• ggf. повторen• Volumen, Salbutamol bei Bronchospasmus• Antihistaminikum und Glukokortikoid nur ergänzendMerksatz: Adrenalin zuerst.🔎 DiagnostikWichtigster Baustein: AnamneseFragen nach:• auslösendem Lebensmittel• roh oder gekocht• Menge• Zeit bis Symptombeginn• Reproduzierbarkeit• Kofaktoren: Sport, Alkohol, NSAR, Stress, PollensaisonWeitere Diagnostik:• Ernährungstagebuch• Eliminationsdiät über 3–4 Wochen• Pricktest und spezifisches IgE: zeigen Sensibilisierung, nicht automatisch klinische Relevanz• molekulare Allergiediagnostik in ausgewählten Fällen• Basophilen-Aktivierungstest als Spezialdiagnostik• oraler Provokationstest = Goldstandard, nur in erfahrenem SettingNicht sinnvoll:• nahrungsmittelspezifisches IgG/IgG4💊 TherapieBasis:• Allergenkarenz• bei Kreuzallergien oft rohe Form meiden, gegarte Form teils verträglich• strukturierte ErnährungsberatungBei leichter akuter Reaktion:• Antihistaminika, z. B. CetirizinBei gesicherter Hochrisikokonstellation:• Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor• Antihistaminikum• Glukokortikoid• ggf. Salbutamol• Notfallausweis und Schulung🧒 Besondere KonstellationenWichtig angesprochen werden:• Kuhmilchallergie im Säuglingsalter• allergische Proktokolitis• weizenabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie• eosinophile Ösophagitis• Abgrenzung zu Intoleranzen, Pseudoallergien und „Histaminunverträglichkeit“✅ Take-home-Messages• Anamnese ist der Schlüssel• Sensibilisierung ist nicht gleich klinisch relevante Allergie• Goldstandard ist der orale Provokationstest• wichtigste Therapie ist Allergenkarenz• bei Anaphylaxie gilt: Adrenalin i.m. rettet Leben
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