Neun von zehn behalten ihre Lust episode artwork

EPISODE · Aug 2, 2026 · 11 MIN

Neun von zehn behalten ihre Lust

from Saftig · host Susanne Miel

Lust verändert sich in den Wechseljahren — Shownotes Episode 015 Eine von zehn Frauen in der Perimenopause verliert die Lust ganz. Über diese eine reden alle. Über die neun anderen redet keine — nicht mal die neun selbst. Und ich wette, du hältst dich auch für die eine. Ich habe die Zahl gelesen und mich geärgert. Nicht über die Zahl, über die Formulierung. Denn wenn eine von zehn ihre Lust ganz verliert, dann behalten neun sie. Nur sagt das niemand laut. Was ich stattdessen überall höre, ist ein einziges Wort: weniger. Weniger Sex, weniger Verlangen, weniger von allem. In dieser Folge rechne ich anders. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Meine Lust verändert sich in den Wechseljahren, das merke ich sehr deutlich. Aber verändern und verschwinden sind zwei verschiedene Dinge, und dazwischen liegt der ganze Unterschied. Was früher zuverlässig funktioniert hat, funktioniert heute nicht mehr — und weil ich lange kein Wort dafür hatte, habe ich gesagt, ich hätte weniger Lust. Das stimmt so nicht. Ich hatte weniger Lust auf genau das, was wir immer gemacht haben. In dieser Folge rechne ich vor, wie aus einem ehrlichen „so nicht" ein diagnostisch klingendes „meine Libido ist im Keller" wird, und warum dieser Unterschied alles verändert. Ich erzähle von einer Freundin, die für sich einen komplett anderen Weg gewählt hat, und von einem Satz, der bei mir hängengeblieben ist: Ich habe ganz genaue Vorstellungen, und die möchten befriedigt werden. Ich erzähle von den letzten zehn Jahren, in denen sich bei mir Schritt für Schritt etwas verschoben hat, ohne dass irgendetwas Dramatisches passiert wäre. Und ich erzähle davon, warum wir irgendwann lieber gar nichts sagen, statt zu sagen, was wir tatsächlich wollen. Neun von zehn behalten ihre Lust — die Zahl steht in der Studie, aber sie wird nie so herum erzählt. Erzählt wird immer die eine. Behalten heißt nicht: bleibt gleich — meine Lust hat sich verschoben, nicht verabschiedet. Das ist ein Unterschied, den kaum jemand macht, und genau deshalb erkenne ich mich in keiner der üblichen Beschreibungen wieder. Aus „lieber nicht" wird „weniger Lust" — wenn ich immer denselben Sex bekomme, den ich so gar nicht will, sage ich irgendwann lieber gar nichts mehr. Nach außen sieht das aus wie Lustlosigkeit. Von innen ist es eine Entscheidung. Ich weiß oft selbst nicht, was ich will — nicht weil ich nichts fühle, sondern weil ich es nie herausfinden musste. Das ist kein Defizit, das ist eine Lücke, die niemand gefüllt hat. Lust und Sex sind zwei getrennte Sachen — ich merke inzwischen sehr genau, wann ich könnte. Das heißt noch lange nicht, dass ich es tue, und beides gleichzeitig stimmen zu lassen war für mich neu. Was ich in dieser Folge nicht mache: dir erklären, wie du es besser machst. Ich sitze selbst mittendrin und ziehe keine Bilanz. Dafür ist es viel zu früh, und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht daran, dass es am Ende eine gibt. Ich habe nur aufgehört, mit der falschen Zahl zu rechnen — und das hat mehr verändert als jede Empfehlung, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem ich denke: Mit mir stimmt was nicht. Alle anderen scheinen zu wissen, wie das geht, nur bei mir ist es weg. Genau dieser Moment ist der Grund für diese Folge — und er beruht auf einer Rechnung, die falsch herum erzählt wird. Die neun, über die keine redet Wenn eine von zehn Frauen die Lust ganz verliert, dann behalten neun sie. Das ist keine Interpretation, das ist Subtraktion. Trotzdem läuft die gesamte Erzählung über die eine. Über die neun steht nichts, und die neun selbst sagen auch nichts — weil jede von ihnen glaubt, sie sei die eine. Ich habe das jahrelang geglaubt. Ich habe mich mit anderen verglichen, ich habe Artikel gelesen, in denen es immer nur um Verlust ging, und ich bin jedes Mal mit demselben Gefühl herausgekommen: Bei mir ist es schlimmer. Dabei stimmte etwas ganz anderes. Verschoben, nicht verschwunden Bei mir hat sich in den letzten zehn Jahren etwas verändert, und zwar langsam. Nicht mit einem Knall, nicht von einem Tag auf den anderen. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich vorher nicht ausprobiert hätte. Ich habe irgendwann mit meinem Freund darüber gesprochen, dass ich mich selbst befriedige — und was passieren würde, wenn wir das mal zusammen machen. Das sind keine spektakulären Geschichten. Es geht hier nicht um Swingerclubs oder um irgendeine große Wendung. Es geht um kleine Verschiebungen, die zusammengenommen bedeuten: Ich will das anders. Und wenn ich das nicht sage, sondern nur denke, dann sieht das von außen aus wie weniger Lust. Warum wir lieber nichts sagen Angenommen, ich war jahrelang zufrieden mit dem, was war. Und dann merke ich, dass ich es heute anders möchte. Ich sage es. Und mein Gegenüber findet das anstrengend, unbequem oder einfach nicht so gut. Dann stehe ich schlechter da als vorher: Vorher hatte ich etwas, das okay war. Jetzt habe ich es benannt und kriege es trotzdem nicht. Also sage ich beim nächsten Mal nichts. Und beim übernächsten auch nicht. Irgendwann ist meine Devise: dann lieber gar nicht. Lieber keinen Sex als einen, bei dem ich mich langweile. Das ist eine völlig vernünftige Entscheidung — nur heißt sie nach außen dann nicht mehr „ich will es anders", sondern „sie hat keine Lust mehr". Was ich stattdessen mache Ich versuche gerade herauszufinden, was ich wirklich brauche. Nicht, was ich zu brauchen glaube, weil ich es irgendwann mal so gelernt habe. Und nicht, was ich anderen vorspiele. Das sind manchmal winzige Sachen: Ich möchte vorher duschen, weil ich ständig schwitze. Ich möchte danach duschen. Ich möchte mal Kerzen aufstellen und gucken, ob mich das überhaupt interessiert. Vielleicht tut es das nicht. Dann weiß ich es wenigstens. Und ich habe für mich zwei Dinge getrennt, die vorher immer zusammengehörten: Lust haben und Sex haben. Ich merke inzwischen sehr genau, wann ich könnte. Das heißt nicht automatisch, dass etwas passiert. Beides darf gleichzeitig wahr sein. Wenn du dich in dieser Folge wiedererkannt hast, schick sie einer Freundin. Ohne Kommentar, ohne Erklärung. Vielleicht hält sie sich auch gerade für die eine.

Episode metadata supplied by the publisher feed · Published Aug 2, 2026

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This episode was published on August 2, 2026.

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