EPISODE · Jul 21, 2026 · 37 MIN
Orthopädietechnik - ein Handwerk, das unter dem GKV-Spargesetz leiden muss | Diana Zollfrank
from 5 Minus
Welche Auswirkungen hat das GKV-Spargesetz auf Ärzt:innen, die Physiotherapie und die Pflege? Darüber wird derzeit viel gesprochen.Eine Berufsgruppe gerät dabei jedoch kaum in den Fokus: die Orthopädie-Technik. Dabei ist sie für schwer betroffene Patient:innen, Schwerkranke sowie Kinder und Jugendliche unverzichtbar. Ohne die Versorgung mit passenden Hilfsmitteln sind Teilhabe, Lebensqualität und häufig auch der Erfolg einer Therapie kaum möglich. Trotzdem verfügt dieser Bereich über nur wenig politische Lobby.Deshalb spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Diana Zollfrank, Orthopädietechnik-Meisterin.Diana gibt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag und erklärt, welche Hilfsmittel in der Orthopädie-Technik gefertigt und angepasst werden. Dazu gehören unter anderem Bandagen, Kompressionsstrümpfe, Orthesen, Prothesen, orthopädische Schuhe und viele weitere individuelle Versorgungen.Eigentlich verfolgt auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken das Ziel, Pflegebedürftigkeit möglichst lange zu verhindern. Für Laura sind deshalb gerade Heil- und Hilfsmittel ein entscheidender Baustein, damit Menschen möglichst lange selbstständig in ihrer Häuslichkeit leben können. Umso weniger nachvollziehbar ist für sie, dass das GKV-Spargesetz ausgerechnet in diesem Bereich einen Pauschalabzug von drei Prozent vorsieht.In ihrer hausärztlichen Praxis überweist Laura Patient:innen deshalb bewusst in ein Sanitätshaus. Dort erhalten sie eine fachkundige Beratung und kommen anschließend mit einem Verordnungsvorschlag zurück. Aus ihrer Sicht sollten Entscheidungen über Hilfsmittel von denjenigen getroffen werden, die täglich damit arbeiten. Eine Hausärztin muss schließlich nicht beurteilen, welcher Sitzwinkel für einen Rollstuhl individuell der richtige ist.Wie komplex das System inzwischen geworden ist, schildert Diana anhand ihrer täglichen Arbeit. Sie verwaltet rund 700 Verträge mit 95 Krankenkassen in insgesamt 39 Produktgruppen. Alle zwei Jahre stehen neue Vertragsverhandlungen an. Gleichzeitig reicht bereits ein kleiner Formfehler aus, damit eine Versorgung unter Umständen gar nicht vergütet wird.Hinzu kommt ein kaum nachvollziehbares Steuersystem: Für Hilfsmittel gelten je nach Produkt sieben oder 19 Prozent Mehrwertsteuer – teilweise sogar innerhalb derselben Produktgruppe.Auch die Orthopädie-Technik leidet unter einem erheblichen Fachkräftemangel. Statistisch kommen auf 100 offene Stellen lediglich 18 qualifizierte Bewerber:innen. Für Laura ist deshalb klar, dass der Beruf deutlich mehr Aufmerksamkeit braucht und die Ausbildung stärker beworben werden sollte.Laura sieht durchaus, dass viele Hilfsmittel individuell angepasst werden müssen. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Krankheitsbilder, bei denen standardisierte Lösungen möglich wären. Ihr Vorschlag: Für bestimmte Diagnosen sollte direkt eine definierte Gruppe an Hilfsmitteln verordnet werden können. Das würde viele Genehmigungsprozesse vereinfachen und die Antragsflut deutlich reduzieren.Die Folgen der aktuellen Vertragsstrukturen wirken teilweise absurd. So wird ein Rollstuhl manchmal von einem Sanitätshaus geliefert, das über 100 Kilometer entfernt liegt, oder eine Matratze landet lediglich an der Bordsteinkante einer älteren Person – nur weil zwischen der Krankenkasse und dem örtlichen Sanitätshaus kein Vertrag besteht.Auch die langen Bearbeitungszeiten der Krankenkassen stellen ein großes Problem dar. Auf einen Rollstuhl warten Betroffene teilweise sechs bis acht Wochen. Gerade bei Kindern kann das dazu führen, dass das Hilfsmittel bei der Genehmigung bereits nicht mehr optimal passt, weil sie in dieser Zeit gewachsen sind.Zusätzlich werden nahezu 50 Prozent aller Anträge vom Medizinischen Dienst (MD) überprüft, was die Versorgung häufig weiter verzögert.Für Diana ist Orthopädie-Technik weit mehr als ein Beruf – sie versteht ihr Handwerk als Hilfe für Menschen, die auf individuelle Hilfsmittel angewiesen sind. Genau deshalb richtet Laura zum Schluss einen klaren Appell an die Politik: Wer Pflege vermeiden, Selbstständigkeit erhalten und Teilhabe ermöglichen möchte, darf die Orthopädie-Technik nicht weiter ausbremsen. Jetzt braucht nicht nur die Versorgung Unterstützung – sondern auch das Handwerk, das sie überhaupt erst möglich macht.Zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/alarmstufe-rot-individuelle-hilfsmittelversorgung-sichern-3-pauschalabschlag-streichenFolg Laura auch hier:LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhausMehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhausUnterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minusoderhttps://buymeacoffee.com/lauradalhausZum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
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