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EPISODE · Jun 16, 2026 · 51 MIN

Pflege zuhause: Eine Krise zwischen Bürokratie und Lebensrealität | Jennifer Höfer

from 5 Minus

Nicht nur das Gesundheitssystem steht vor großen Versorgungsproblemen – auch die Pflege gerät zunehmend an ihre Grenzen. In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Jennifer Höfer von Valentcura. Sie begleitet Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durch die oft komplizierten Prozesse rund um Pflegegrad, Leistungen und Anträge und unterstützt sie mit ihrer fachlichen Expertise.Schnell wird deutlich: Wer mit Pflege in Berührung kommt, sieht sich häufig einem undurchsichtigen Geflecht aus Anträgen, Vorschriften und Datenschutzregelungen gegenüber.Jennifer erläutert den gesamten Weg von der Beantragung eines Pflegegrads über die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) bis hin zur konkreten Organisation der Versorgung. Dabei begleitet sie Betroffene häufig auch persönlich bei den MD-Terminen. Gerade ältere Menschen tun sich oft schwer damit, ihre Einschränkungen offen anzusprechen oder Unterstützung anzunehmen. Gleichzeitig bieten diese Begutachtungen die Möglichkeit, notwendige Hilfsmittel zu identifizieren, die den Alltag erheblich erleichtern können.Laura weist darauf hin, dass viele Angehörige die Belastung der Grundpflege unterschätzen. Aus ihrer Sicht sollte man sich gut überlegen, ob man diese Aufgaben selbst übernehmen kann. Gleichzeitig stellt sie infrage, warum der Zugang zu Hilfsmitteln in Deutschland häufig so kompliziert ist, obwohl diese die Selbstständigkeit und Lebensqualität deutlich verbessern können.Jennifer hält es für sinnvoll, sehr alten Menschen automatisch Pflegegrad 1 zuzuerkennen. Dadurch könnten aufwendige Begutachtungsverfahren reduziert werden, die Fachkräfte und finanzielle Ressourcen binden. Gleichzeitig beobachtet sie politische Diskussionen, die Leistungen rund um Pflegegrad 1 einschränken und pflegende Angehörige benachteiligen könnten, etwa bei der Anrechnung von Rentenpunkten. Stattdessen sollte aus ihrer Sicht die Unterstützung für Menschen gestärkt werden, die ihre Angehörigen zuhause versorgen. Schließlich findet der Großteil der Pflege in Deutschland weiterhin im häuslichen Umfeld statt.Ein weiteres Problem sieht Jennifer in der geringen politischen Vertretung pflegender Angehöriger. Während viele andere Gruppen starke Interessenvertretungen haben, fehlt es hier häufig an einer lauten Stimme. Dadurch entsteht zunehmend der Eindruck, dass die Verantwortung für Pflege wieder stärker auf die Familien verlagert wird.Dabei verändert die Pflege zuhause oft die gesamte Familiendynamik. Wenn Kinder plötzlich Verantwortung für ihre Eltern übernehmen, entstehen neue Belastungen und Konflikte. Aus Sicht beider Gesprächspartnerinnen benötigen pflegende Angehörige deshalb deutlich mehr psychische und organisatorische Unterstützung.Die Pflegekassen sind verpflichtet, innerhalb von 25 Werktagen über Anträge zu entscheiden. Viele Betroffene suchen jedoch erst Hilfe, wenn die Situation bereits eskaliert ist – oft auch, weil finanzielle Sorgen und geringe Renten den Druck zusätzlich erhöhen.Gleichzeitig verlassen immer mehr Fachkräfte die direkte Versorgung und wechseln in administrative Tätigkeiten. Für Laura ist das auch eine Folge von Fehlanreizen und überbordender Bürokratie, die wertvolle Arbeitskraft von der eigentlichen Versorgung abzieht.Daraus ergibt sich für sie eine zentrale Frage: Wie viel Versorgungspotenzial ließe sich gewinnen, wenn Prozesse vereinfacht und bestimmte Leistungen ohne aufwendige Begutachtungen zugänglich gemacht würden? Schließlich ist Pflegeberatung bereits heute gesetzlich vorgesehen und gehört eigentlich zu den Aufgaben der Krankenkassen.Jennifer sieht hier zahlreiche Möglichkeiten. Neben einer stärkeren Vernetzung mit Hausärzt:innen könnte sie sich beispielsweise auch Beratungsangebote in Apotheken vorstellen. Gerade hochbetagte Menschen haben oft weder die Zeit noch die Möglichkeiten, sich selbstständig durch die Informationsflut zu arbeiten.Auch Hausärzt:innen werden regelmäßig mit pflegerischen Fragestellungen konfrontiert, obwohl dies häufig nicht ihr eigentlicher Schwerpunkt ist. Laura betont deshalb, dass solche Aufgaben aus ihrer Sicht stärker von spezialisierten Fachkräften übernommen werden sollten. Ihr Wunsch ist es, dass erfolgreiche Pilotprojekte künftig ausgebaut werden und die Pflegeberatung den Stellenwert erhält, den sie angesichts des demografischen Wandels dringend braucht.Zur Website von Jennifer: www.valentcura.deZum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/membershipsFolg Laura auch hier:LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhausMehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhausUnterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minusoderhttps://buymeacoffee.com/lauradalhausZum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

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