PODCAST · society
buch|essenz
by Friedrich-Ebert-Stiftung
Mit der buch|essenz stellen wir Sachbücher von besonderer Bedeutung für den gesellschaftlichen Diskurs, als Buchzusammenfassungen für dich bereit. Du musst Sachbücher mit mehreren hundert oder gar tausend Seiten nicht gänzlich lesen, um die Kernaussagen und Argumente der Autoren zu verstehen – denn genau dies decken unsere kompakten Buchessenzen ab.Mehr: www.fes.de/buch-essenz
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Lisa Herzog (2025): The Democratic Marketplace
Wie lässt sich Demokratie gegen die Macht des Marktes verteidigen? Lisa Herzog verbindet in ihrem Buch Kritik an Ungleichheit und Kapitalismus mit konkreten Reformideen und plädiert für mehr demokratische Kontrolle über Arbeit, Eigentum und Zeit – ein anregender Impuls für aktuelle Debatten über Wirtschaftsdemokratie.
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Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey (2025): Zerstörungslust
Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey argumentieren: Autoritäre Bewegungen entstehen aus einem Gefühl blockierter Lebensperspektiven. Statusängste, Ungleichheit und enttäuschte Fortschrittsversprechen nähren eine politische Zerstörungslust. Sie fordern einen postliberalen Antifaschismus, der soziale Sicherheit, Teilhabe und demokratische Handlungsmacht stärkt!
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Shila Behjat (2025): Frauen und Revolution
Frauen stehen weltweit an der Spitze neuer Protestbewegungen – häufig in autoritären Staaten. Shila Behjat zeigt, wie diese Bewegungen Gleichstellung mit dem Kampf um demokratische Rechte verbinden. Gerade ihre gewaltfreie, breite Mobilisierung macht sie zu einer wichtigen Kraft gegen autoritäre Herrschaft
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Kristina Lunz (2022): Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch
Kristina Lunz fordert in ihrem Buch einen Paradigmenwechsel: Sicherheitspolitik müsse Menschenrechte, Geschlechtergerechtigkeit und Klimaschutz zusammendenken. Militarismus und Machtpolitik setzt sie Mediation, Prävention und internationale Kooperation entgegen. Das Buch liefert Impulse für die aktuelle Debatte um eine feministische Außenpolitik – auch aus Sicht der Sozialen Demokratie.
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Sheri Berman (2006): The Primacy of Politics
Sheri Berman beschreibt die Sozialdemokratie als prägende Ideologie des 20. Jahrhunderts, weil sie Demokratie und sozialen Zusammenhalt verbindet. Angesichts von Globalisierung und Migration plädiert Berman dafür, Solidarität nicht länger über Herkunft und Sprache, sondern über gemeinsame Werte zu definieren. Ihr Buch liefert eine historische Einordnung – und provokante Impulse für eine zukunftsfähige Programmatik.
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Milan Babić (2025): Geoökonomie
Was passiert, wenn Globalisierung nicht mehr Wohlstand verspricht, sondern strategisch eingesetzt wird? Der Politökonom Milan Babić erklärt, wie Lieferketten, Sanktionen und Industriepolitik zur neuen Währung der Macht werden – und weshalb das Ende der neoliberalen Ordnung unsere Demokratien vor unerwartete Konflikte stellt.
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Mark Schieritz (2025): Zu dumm für die Demokratie?
Mark Schieritz widerspricht in seinem Buch der bequemen Erzählung von der allein schuldigen Elite. Demokratie, so seine These, gerät auch dann in Gefahr, wenn Bürger:innen Politik nur noch konsumieren. Er plädiert für mehr Verantwortung im Umgang mit „Volkswillen“, Desinformation und politischer Bequemlichkeit.
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Ezra Klein & Derek Thompson (2025): Der neue Wohlstand
Warum fehlen saubere Energie, bezahlbarer Wohnraum und moderne Infrastruktur? Nicht aus technischen Gründen, sondern weil Knappheit politisch erzeugt wird. Ezra Klein und Derek Thompson zeigen: Gut gemeinte Regeln bremsen Fortschritt – mit Folgen für Vertrauen und Demokratie. Ihre Antwort ist eine „Politik des Überflusses“: weniger Blockaden, mehr staatliche Handlungsfähigkeit.
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Philip Manow (2024): Unter Beobachtung
Verfassungsgerichte sollen Freiheit schützen – doch ihr Einfluss erzeugt neue politische Reibungen. Der Politikwissenschaftler Philip Manow legt in „Unter Beobachtung“ nahe: Populismus kommt nicht von außen, sondern wächst im Inneren liberaler Demokratien, als Reaktion auf eine immer stärker „verrechtlichte“ Politik. Manows Diagnose führt zu einer provokanten Frage: Kann zu viel Recht der Demokratie schaden?
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Philipp Lepenies (2025): Souveräne Entscheidungen
Demokratie wurde aus Unzufriedenheit, Hoffnung und dem Willen zur Veränderung geboren – nur durch aktives politisches Handeln bleibt sie lebendig. Demokratien zerbrechen nicht an fehlenden Institutionen, sondern an mangelnder Beteiligung, schwindenden Ideenwettbewerb und bröckelnden sozialen Zusammenhalt. Eine große Gefahr für die Demokratie geht daher von der Vereinzelung moderner Gesellschaften aus, weshalb wir uns auf die „Tugend der Tat“ zurückbesinnen sollten: Demokratie muss im Alltag eingeübt, in Vereinen, Diskussionen und konkreten politischen Entscheidungen erfahrbar werden. Um dieses Engagement zu motivieren, braucht es aber auch mutige Utopien und echte Verbesserungen im Alltag.
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Rainer Mühlhoff (2025): Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus
KI ist keine neutrale Technologie, sondern ein Machtmittel in den Händen weniger. Technologiekonzerne nutzen Daten und algorithmische Systeme, um Verhalten zu steuern und Ungleichheit zu verstärken – ein Nährboden für autoritäre und faschistoide Tendenzen. Libertäre, technokratische und pseudo-humanitäre Tech-Ideologien höhlen zudem demokratische Prinzipien aus. Höchste Zeit KI demokratisch zu regulieren und eine aufgeklärte Zivilgesellschaft zu stärken, bevor die Technologie zur Waffe gegen Freiheit und Gleichheit wird.
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Clara E. Mattei (2025): Die Ordnung des Kapitals
Die Idee der Austerität – der staatlichen Sparpolitik – entstand als Instrument zur Sicherung kapitalistischer Machtverhältnisse und begünstigte schließlich in Italien den Aufstieg des Faschismus. Austerität ist nie bloßer Ausdruck ökonomische Vernunft, sondern immer auch politisches Machtmittel: Sie diszipliniert Arbeitende, schwächt Gewerkschaften und stabilisiert die Herrschaft des Kapitals. Der technokratische Anspruch der Wirtschaftspolitik wird so als ideologisches Werkzeug zur Ausschaltung demokratischer Kontrolle entlarvt.
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Martyna Linartas (2025): Unverdiente Ungleichheit
Deutschland ist zu einer Erbengesellschaft geworden, in der Reichtum nicht durch Leistung, sondern vor allem durch Herkunft bestimmt wird – mit fatalen Folgen für Demokratie und Chancengleichheit. Während Vermögen rasant wachsen und sich in wenigen Händen konzentrieren, werden die Interessen der Mehrheit marginalisiert. Zeit für ein Umdenken: hohe Erbschafts- und Vermögenssteuern ermöglichen nicht nur Umverteilung, sondern können ein Grunderbe für alle finanzieren – als Startkapital für ein gerechteres, freieres Leben.
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Douglas Rushkoff (2025): Survival of the Richest
Die Anfänge des Internets waren von demokratischen Ideen und Freiheitsidealen geprägt. Heute ist von dieser Utopie wenig übrig: Aus dem offenen Netz wurde ein von Tech-Milliardären dominiertes Macht- und Überwachungssystem – getragen von Technikgläubigkeit, narzisstischen Größenfantasien und einem fadenscheinigen Philanthrokapitalismus. Die gesellschaftlichen Kosten des digitalen Kapitalismus sind enorm. Höchste Zeit, sich vom „Mindset“ der Silicon-Valley-Eliten zu befreien und auf kooperative, lokale und solidarische Alternativen zu setzen.
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Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach & Klaus Peter Strohmeier (2025): Kinder
Kinder werden in der alternden Gesellschaft zunehmend zu einer superdiversen Minderheit – ohne ausreichenden Schutz und politische Repräsentation. Während Milliarden in die Rente fließen, ist das Bildungssystem chronisch unterfinanziert, was die Chancenungleichheit in der Gesellschaft weiter verstärkt. Es braucht jedoch nicht nur mehr Investitionen, sondern auch einen grundlegenden Kulturwandel: Kitas und Schulen müssen Kinder individuell fördern und ihre emotionalen Bedürfnisse ernst nehmen. Es braucht zudem mehr Räume und Anreize für stabile Bindungen zwischen Kindern und Erwachsenen.
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Johannes Hillje (2025): Mehr Emotionen wagen
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs prägt ein sachlich-nüchterner Stil die Politik der demokratischen Mitte. Doch Politik kommt nicht ohne Emotionen aus – wer sie ignoriert, überlässt Populist:innen das Feld. Angst, Hoffnung und Wut bestimmen jede Wahlentscheidung, entscheidend ist ihr Einsatz. Eine demokratische Emotionalisierung ist möglich – und eröffnet progressiven Kräften die Chance, mit Gerechtigkeitsthemen und Hoffnung zu überzeugen.
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Rahel Jaeggi (2023): Fortschritt und Regression
Was heißt Fortschritt in Krisenzeiten? Die Philosophin Rahel Jaeggi versteht darunter eine Veränderung zum Besseren – immer subjektiv bewertet und ungleich verteilt. Fortschritt ist für sie ein kontinuierlicher Lern- und Erfahrungsprozess, in dem neue Lösungen alte Probleme ablösen, dadurch aber wiederum neue Probleme entstehen.
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Petra Pinzler (2024): Hat das Zukunft oder kann das weg?
Was bedeutet Fortschritt heute? In Zeiten von Klimakrise, sozialer Spaltung und globaler Unsicherheit ist die Idee des Fortschritts unter Druck geraten. Die Journalistin und Autorin Petra Pinzler fragt in ihrem neusten Buch „Hat das Zukunft oder kann das weg? Der Fortschrittskompass“ nach den Bedingungen für ein gutes Leben für alle – und entwickelt konkrete Vorschläge für eine sozial-ökologische Zukunft. Wir werfen einen Blick auf zentrale Aussagen des Buches, ordnen sie aus Sicht der Sozialen Demokratie ein und diskutieren: Welche Politik braucht es für echten Fortschritt? Wie muss Gerechtigkeit neu gedacht werden? Welche Rolle spielen Politik und Zivilgesellschaft?
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Julia Friedrichs (2024): Crazy Rich
Wie sieht sie eigentlich aus, die geheimnisvolle Welt der deutschen Superreichen? Wer das wissen will, hat es nicht leicht. Es ist schwer über Reichtum in Deutschland zu sprechen: Es fehlt an Daten, die Interviewbereitschaft ist rar, und die Politik begünstigt durch legale Steuerschlupflöcher eine massive Ungleichverteilung von Vermögen. Es sollte daher darum gehen, mehr Transparenz zu schaffen, große Vermögen stärker zu besteuern und politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die soziale Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe sichern. Reichtum ist nicht per se das Problem – wohl aber seine unkontrollierte Macht.
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Kate Crawford (2024): Atlas der KI
Künstliche Intelligenz (KI) wird häufig als körperlose, neutrale Technologie dargestellt. Allerdings werden damit ihre tief verwurzelten Verbindungen mit sozialen Ungleichheiten und negativen Umweltauswirkungen verschleiert. KI ist eine extraktive Industrie, die auf Ausbeutung natürlicher Ressourcen, billiger menschlicher Arbeit und massiven Datenmengen basiert – mit drastischen Folgen für Umwelt und Menschenrechte. Hinzu kommen rassistische, sexistische und diskriminierende Verzerrungen, durch die KI-Systeme bestehende Hierarchien und Ungerechtigkeiten verstärken. Es braucht folglich demokratische Kontrolle, ethische Regulierung und mehr Aufmerksamkeit für Fragen globaler Gerechtigkeit im Umgang mit KI.
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Hans Rusinek (2023): Work-Survive-Balance
Die Krise des Planeten und die Krise der Arbeitswelt sind nicht unabhängig voneinander. Wir haben uns in eine gigantische Beschleunigung hineingearbeitet, die Wohlstand und die Idee der Menschenrechte mit sich brachte, gleichzeitig jedoch den Planeten und unsere Lebensgrundlagen zerstört hat. In der Gegenwart zeichnet sich Arbeit durch verschiedene Praktiken aus, die zur Klimakrise geführt haben und diese weiter vorantreiben. Unsere Wirtschaft funktioniert nach dem Prinzip, die Umwelt abzuwerten und zu konsumieren, als seien die Ressourcen endlos vorhanden. Wir unterwerfen uns dem Diktat einer immer stärker werdenden Beschleunigung und machen alle Arbeit jenseits der Lohnarbeit unsichtbar. Dies führt zu Generationenkonflikten, Vereinzelung und dem Verlust des Gefühls der Selbstwirksamkeit und der Verbindung mit unseren Mitmenschen. Damit ein realer Wandel in der Arbeitswelt stattfinden kann, muss der „Autopilot“, dem wir im Alltag folgen, neu programmiert werden: Unreflektiertes Verhalten muss zu bewusstem Handeln werden.
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Sascha Lobo (2023): Die große Vertrauenskrise
Im Zuge der immer weiter voranschreitenden Globalisierung und Digitalisierung haben sich die Mechanismen der gesamtgesellschaftlichen Vertrauensbildung in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Vor dem Aufkommen des Internets akzeptierten die Bürger_innen die Entscheidungen von Behörden, Parteien, Schulen und Universi-täten und erwarteten im Gegenzug vom Staat eine Politik im Sinne der Mehrheitsge-sellschaft. Dieses „Alte Vertrauen“ basierte auf Gewohnheit, Hierarchie, Stabilität und einer klaren Kommunikation von oben nach unten. Im Internetzeitalter hingegen sind politische Entscheidungen überprüfbar geworden. Im Paradigma des „Neuen Vertrau-ens“ fordern die Bürger_innen von der Regierung Transparenz, mehr Mitbestimmung, gesellschaftliche Kontrollmechanismen, eine Kommunikation auf Augenhöhe sowie rasche Lösungsansätze. Essenziell sind hierbei die Haltung des aktiven Zuhörens und eine transparente Kom-munikation auf Augenhöhe mit der Bevölkerung. Eine breite Beteiligungspolitik gilt als entscheidender Faktor für erfolgreiche Veränderungsprozesse. Durch diese Beteiligung wird dem Bild eines elitären Polit-Medien-Komplexes entgegengewirkt.
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Jens Kersten, Claudia Neu, Berthold Vogel (2024): Einsamkeit und Ressentiment
Einsamkeit und Ressentiment sind eng verbundene gesellschaftliche Phänomene, die sozialen Zusammenhalt und die Demokratie gefährden. Einsamkeit führt zu Rückzug und Misstrauen. Ressentiment entsteht aus Gefühlen der Ohnmacht und äußert sich in Schuldzuweisungen sowie gesellschaftlicher Spaltung. Beide verstärken einander: Einsamkeit schwächt das Vertrauen in soziale Beziehungen, Ressentiment untergräbt das Vertrauen in Institutionen. Besonders betroffen sind Jugendliche und strukturschwache Regionen, in denen fehlende soziale Infrastruktur und Umbrüche diese Dynamik verstärken. Es gilt wirksame Gegenstrategien zu entwickeln.
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Friederike Otto (2023): Klimaungerechtigkeit
Die Klimakrise wird häufig als externes, natürliches Phänomen begriffen. Dabei ist sie eng mit kapitalistischen, kolonialen, rassistischen und patriarchalen Strukturen verknüpft. Die differenzierte Betrachtung von Extremwetterereignissen in der Zuordnungsforschung zeigt, dass gesellschaftliche Ungleichheiten die Auswirkungen des Klimawandels massiv verschärfen – insbesondere im Globalen Süden, wo Ausbeutung und mangelnde Infrastruktur die Widerstandsfähigkeit mindern. Wir sollten daher soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der Klimapolitik stellen und marginalisierte Perspektiven stärker einbeziehen.
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Maximilian Steinbeis (2024): Die verwundbare Demokratie
Autoritär-populistische Bewegungen destabilisieren die liberale Demokratie durch schrittweise Unterwanderung der Institutionen. Ihr Werkzeug ist ein Populismus, der zunehmend politische Macht erschleicht. Am Szenario einer autoritär-populistischen Machtübernahme auf Landesebene wird deutlich, wo durch gezielte Blockaden, Besetzungen von Schlüsselpositionen und Manipulation von Medien und Institutionen der Rechtsstaat ausgehöhlt werden könnte. Um diesen Gefahren zu begegnen, muss die Verfassung noch resilienter werden. Vor allem braucht es aber politische Wachsamkeit und eine aktive Zivilgesellschaft.
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Anne Applebaum (2024): Die Achse der Autokraten
Die internationale Zusammenarbeit autokratischer Regime wird nicht durch eine gemeinsame Ideologie zusammengehalten, sondern durch komplexe Netzwerke von Korruption, Kontrolle und Propaganda. Länder wie Russland, China und Venezuela unterstützen sich gegenseitig, etwa durch den Austausch von Technologie, Propaganda oder militärischer Hilfe. Die westliche Politik spielt allerdings ebenfalls keine unerhebliche Rolle bei der Schaffung und Stabilisierung dieser autokratischen Netzwerke. Für die Demokratien gilt es gemeinsame Gegenstrategien zu entwickeln, u.a. durch die stärkere Regulierung von sozialen Medien und Maßnahmen gegen Korruption.
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Andreas Reckwitz (2024): Verlust
Die moderne Gesellschaft ist geprägt von tiefgreifenden Verlusterfahrungen. Seit dem Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich eine „Verlusteskalation“ beobachten, die sich in politischen und sozialen Krisen manifestiert. Diese Entwicklung wird nicht nur von Rechtspopulisten ausgenutzt, sondern fordert auch eine neue Perspektive auf unser Fortschrittsverständnis. Es gilt eine resiliente Gesellschaft zu formen, die Verlust nicht nur zu überwinden versucht, sondern konstruktiv integriert. Ausgezeichnet als „Das politische Buch“ 2025 bietet „Verlust“ wichtige Impulse für progressiver Politik.
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Philippa Sigl-Glöckner (2024): Gutes Geld
Die Maastricht-Kriterien und die deutsche Schuldenbremse engen die wirtschaftspolitischen Möglichkeiten unnötig ein und verhindern notwendige Ausgaben für Beschäftigung, Bildung, Sicherheit, Infrastruktur und sozialen Zusammenhalt. Damit gefährden sie die Zukunft unserer Gesellschaft. Es braucht daher neue Schuldenregeln, die Spielraum für Investitionen in diesen Bereichen schaffen. Woher kommen die aktuellen fiskalpolitischen Schuldenregeln? Und wie sehen Konzepte für eine neue Finanzpolitik aus, die den Herausforderungen der Zukunft gerecht wird?
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Julia Reuschenbach und Korbinian Frenzel (2024): Defekte Debatten
Unsere Debattenkultur steckt in einer Krise. Die Ursachen sind vielfältig: Zunehmende Individualisierung, aber auch aktuelle Krisen und Umbrüche spielen eine Rolle. Sie führen zu Verunsicherung, einem Gefühl von geringer Selbstwirksamkeit und Ohnmacht. Rechtspopulistische Akteur_innen profitieren durch Vereinfachungen, während sich demokratische Politiker_innen in Krisensituationen zu oft auf Schadensbegrenzung beschränken. Die Kombination aus schnellen, oft wenig transparenten Kurswechseln und einer mangelnden Fehlerkultur führt dabei zu Vertrauensverlusten in demokratische Institutionen. Aber es gibt auch Gegenmittel!
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Sascha Lübbe (2024). Ganz unten im System
Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und eines der europäischen Länder mit dem größten Niedriglohnsektor – ein Hochlohnland für sogenannte „qualifizierte“ Arbeit, aber ein Billiglohnland in anderen Branchen. Im unteren Einkommensbereich betrug der Anteil von Nicht-Deutschen 2022 fast 30 Prozent. In der Gebäudereinigung, der Lebensmittelindustrie oder auf dem Bau liegt der Anteil der Ausländer sogar bei bis zu 50 Prozent. Die Menschen, die diese für das Funktionieren des Landes notwendigen Tätigkeiten ausüben, sind in einem System beschäftigt, das auf Ausgliederung basiert: Unternehmen geben Aufgaben und Verantwortung an Subunternehmen weiter, oftmals in nicht mehr nachverfolgbare, halblegale Zustände. Die betroffenen Arbeiter_innen sind häufig in einem System der Ausbeutung gefangen – sie leben und arbeiten unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen.
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Hein de Haas (2024): Migration
Ausmaß und Probleme der Migration werden stark überschätzt. Verantwortlich für die meisten Missstände sind Fehler der Politik. Die Einwanderungsländer stehen vor einem Trilemma zwischen dem Wunsch, die Zuwanderung zu begrenzen, der dringenden Nachfrage der Wirtschaft nach billigen Arbeitskräften und dem Gebot, die Menschenrechte zu schützen. Angeblich treiben die hohen Entwicklungs- und Einkommensunterschiede in der Welt die Migration. Die wichtigste Triebkraft der Migration ist jedoch der Arbeitskräftebedarf in den reicheren Zielländern, der aus vielen sozialstrukturellen Gründen hoch ist. Deshalb sind die legale Zuwanderung sowie die Duldung illegaler Migration so bedeutend, auch wenn das von Politik und Medien gern verschwiegen wird.
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Ben Ansell (2024): Warum Politik so oft versagt
Wie können demokratische Entscheidungsprozesse gelingen? Der Blick auf fünf Konfliktfelder - die Demokratiefalle, die Gleichheits-, Solidaritäts-, Sicherheits- und die Wohlstandsfalle - zeigt: Durch die kluge Gestaltung demokratischer Institutionen können wir strukturelle Probleme überwinden. Der Egoismus und die individuellen Interessen von Menschen müssen mit ihnen derart adressiert und verbunden werden, dass das langfristige Gemeinwohl keinen Schaden nimmt.
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Wolfgang Merkel (2023): Im Zwielicht
Stehen wir vor einer "Demokratiedämmerung"? Wie steht es um die Resilienz und Krisenbewältigungskompetenz von Demokratien? Die Demokratie sollte sich auf ihre Lösungskompetenz und die Fähigkeit besinnen, auf Herausforderungen nachhaltig zu reagieren. Die Rolle der Partizipation ist dabei der entscheidende Unterschied zwischen autokratischen und demokratischen Systemen. Um den Herausforderungen von Illiberalisierung und Entdemokratisierung adäquat zu begegnen, müssen allerdings Anpassungen vorgenommen werden. Eine kluge Politik der fairen Inklusion kann dazu beitragen, die Polarisierung zu entschärfen und Resilienz zu stärken.
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Miriam Meckel und Léa Steinacker (2024): Alles überall auf einmal
Spätestens seit der Veröffentlichung von ChatGPT im Jahre 2022 sind KI-Systeme Teil unseres Alltags geworden. Die Technologie hat ein großes Erneuerungspotenzial, kann aber auch bestehende Probleme verstärken. Aufgrund der möglichen Veränderungen, die unser kulturelles Selbstverständnis, die wirtschaftliche Produktivität und die soziale Gerechtigkeit betreffen, braucht es ein Mindestmaß an weltweit gültigen Regeln für die Forschung und Arbeit mit KI-Systemen.
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Marcel Lewandowsky (2024): Was Populisten wollen
Erfahrungen von sozialer Ausgrenzung sowie von Abstieg und Statusverlust haben einen großen Einfluss darauf, wie zufrieden Menschen mit der Demokratie sind und wie groß ihr Vertrauen in Politiker und Institutionen ist. Ziel der Politik muss es also sein, in Krisenzeiten ein individuelles und kollektives Gefühl von Sicherheit zu transportieren. Populisten inszenieren sich als Stimme des Volkes. Trotz ideologischer Unterschiede eint alle populistischen Parteien, Bewegungen und Anführer der Gedanke, dass es so etwas wie das „wahre“ Volk gibt. Rufe wie „Wir sind das Volk“ lassen sich für dieses Denken instrumentalisieren. Zum einen geht es dabei um das Einfordern von Souveränität, also um das, was das Volk will, und zum anderen um Identität, also das, was das Volk ist. Beides, der Wille und die Identität des Volkes, sind im Denken der Populisten miteinander verbunden. Alle Populisten versprechen, die Souveränität des Volkes (wieder-)herzustellen. Zwar bestehen teils deutliche Unterschiede darin, wie sie dieses Ziel erreichen wollen. Alle Populisten eint jedoch eine geringe Achtung für die Institutionen der liberalen Demokratie.
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Bernie Sanders mit John Nichols (2023): Es ist okay, wütend auf den Kapitalismus zu sein
Der ungezügelte Kapitalismus treibt die globale Ungleichheit unaufhaltsam voran. Er untergräbt unsere Demokratie und zerstört unseren Planeten. Es bleibt nur ein Ausweg: Wir müssen dem unmoralischen Prinzip der hemmungslosen Gier endlich ein Ende setzen und die Würde des Menschen ins Zentrum aller gesellschaftlichen Überlegungen rücken. Es gilt anzuerkennen, dass zu den Menschenrechten auch wirtschaftliche Rechte zählen, und eine Gesellschaft zu schaffen, die einen angemessenen Lebensstandard für alle bietet. Das Buch ist eine Abrechnung mit den Superreichen und ein Wegweiser für die nächste Generation – eine Anleitung, welche Schritte es jetzt braucht, damit alle Menschen in Würde leben können. Das Buch ist schließlich auch eine Ermutigung, immer wieder über die Bedeutsamkeit einer engagierten politischen Erzählung vor allem in Zeiten vielschichtiger Krisen nachzudenken. Sanders selbst lehnt sich dabei an Nelson Mandela an: „Es erscheint immer unmöglich, bis es jemand tut.“
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Steven Levitsky & Daniel Ziblatt (2024): Die Tyrannei der Minderheit
Amerikas Demokratie steht am Abgrund. Die regierenden Parteien sind oft nicht in der Lage, öffentliche Anliegen der Mehrheit der Wähler_innen in Politik umzusetzen. Unter dem Titel Tyrannei der Minderheit zeigen Levitsky und Ziblatt auf, dass diese Proble-me historisch gewachsen und institutionell bedingt sind. Im Jahr 2016 standen die Vereinigten Staaten von Amerika an der Schwelle zur mul-tiethnischen Demokratie. Sie hätten eine diverse Demokratie mit gleichem Wahlrecht und bürgerlichen Freiheiten für alle werden können. Stattdessen erlebte die amerika-nische Demokratie jedoch einen autoritären Rückschlag von immensem Ausmaß. Do-nald Trump, und mit ihm extremistische Kräfte, gelangten an die Macht. Am 6. Januar 2021 mündete dies in einen gewalttätigen versuchten Staatsstreich, welcher der gan-zen Welt aufzeigte, wie schlecht es um den Zustand der ehemaligen Vorzeigedemo-kratie steht. Wie konnten die Vereinigten Staaten an diesen Punkt gelangen? Und wie können sie diesen Zustand überwinden?
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Steffen Mau (2024): Ungleich vereint
Geprägt durch die Erfahrungen in der DDR und die Weichenstellungen in den Wendejahren wird der Osten anders bleiben – ökonomisch und politisch, aber auch mit Blick auf Mentalität und Identität. In Ostdeutschland waren lange eher apolitische, abwartende, teils apathische Haltungen vorherrschend. Unter Bedingungen gesellschaftlichen Stresses kam es jedoch zu einem Politisierungsschub. Menschen mit schwachen Loyalitäten für die etablierten Parteien und das politische System insgesamt wanderten in ein rechtsextremes Gesinnungslager ab. Zukünftig muss es darum gehen, die Gesellschaft enger mit der Politik zu verbinden und Entscheidungs- und Partizipationsmöglichkeiten jenseits der klassischen Parteien zu vergrößern.
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Christina Morina (2023): Tausend Aufbrüche
Aus bislang unerforschten Selbstzeugnissen wie Bürgerbriefen, Petitionen und Flugblättern rekonstruiert die Autorin die Demokratievorstellungen und das Selbstverständnis normaler Bürger_innen in Ost und West seit den 1980er Jahren. Die jüngste deutsche Demokratiegeschichte wird üblicherweise als rein westdeutsche, von 1949 über die Vereinigung bis in die Gegenwart reichende Teilgeschichte erzählt. Die ostdeutsche Gesellschaft wurde 1989 Teil dieser Geschichte, musste die Demokratie aber erst erlernen. Doch diese Lesart wird der Demokratieanspruchsgeschichte der DDR nicht gerecht. Morinas Untersuchung – die mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2024 ausgezeichnet wurde – offenbart die Grenzen der westdeutschen Liberalisierung ebenso wie die Vielfalt der ostdeutschen Demokratieaneignungsversuche und liefert so wichtige Einsichten zum Verständnis der gegenwärtigen Lage unserer Demokratie.
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Daron Acemoglu, Simon Johnson (2023): Macht und Fortschritt
Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrtausends sind das Ergebnis der Auseinandersetzung über die Ausrichtung und Nutzung von Technologie. Da der Fokus des Buchs auf Technologie liegt, bezieht sich der Großteil der Untersuchung auf jene Weltregionen, in denen die wichtigsten und folgenreichsten technologischen Veränderungen stattfanden. Unter dem Fokus der Kontrolle über die jeweiligen Technologien, wird der Bogen von der Entwicklung der Landwirtschaft in Westeuropa und China über die industrielle Revolution in Großbritannien und den Vereinigten Staaten bis zum Siegeszug der digitalen Technologien in den Vereinigten Staaten und China geschlagen. In den Schlusskapiteln werden die sozialpolitischen Implikationen der jüngsten Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz und die damit verbundenen Gefahren für die Demokratie diskutiert. Am Ende skizzieren die Autoren den Rahmen für eine zukünftige wirtschaftlich, sozial und demokratische Neuausrichtung der Technologieentwicklung.
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Axel Honneth (2023): Der arbeitende Souverän
Wenn der Souverän, also die Bürger_innen, im Kapitalismus so sehr mit Arbeit beschäftigt sind, gehen Zeit und Räume für demokratische politische Prozesse verloren. Dies ist nicht kein bloß quantitatives, sondern auch und primär ein qualitatives Problem. Die gegenwärtigen Arbeitsverhältnisse beanspruchen die Menschen nicht nur übermäßig, vor allem sind sie alles andere als demokratisch organisiert. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Menschen die Demokratie und die eigene Diskussions- und Gestaltungsmacht immer weniger erfahren. Nur mit einer Demokratisierung von Wirtschaft und Arbeit kann eine echte Demokratie entstehen.
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Christina Clemm (2023): Gegen Frauenhass
Frauenhass und die daraus resultierende patriarchale Gewalt sind allgegenwärtig. Sie trifft Frauen in der Sprache, im Netz, in der Medizin, im Beruf, in der Familienplanung und in der Altersversorgung. Frauenhaus ist in der Familie genauso verbreitet wie in der medialen Berichterstattung, in der Kulturindustrie, in den Polizeistationen, im Internet, im öffentlichen Raum und in der Sprache. Ohne viel Fachjargon benennt Clemm patriarchale Strukturen und macht klar, dass es Frauenhass ist, der dieser Gewalt zugrunde liegt. In ihren Forderungen nimmt Clemm alle in die Verantwortung, adressiert aber vor allem Politik und Justiz sowie diejenigen, die von der Ungleichheit im binären Geschlechtersystem so häufig profitieren – Männer.
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Jean-Philippe Kindler (2023): Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf
Wenn jeder nur an sich denkt, ist an niemanden gedacht. Viele Lebensbereiche sind heute entpolitisiert – ein Effekt neoliberaler, konservativer Leistungsideologie. Dieser neoliberale Glaube an den sozialen Aufstieg durch Leistung ist selbst in linken Kreisen tief verankert. In dieser Logik ist jeder „selbst schuld“, wenn das Leben missrät – so, als gäbe es Chancengleichheit. Mit dieser Erzählung zieht sich die Politik aus der Verantwortung, anstatt allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Gebraucht werden neue Konzepte jenseits des Kapitalismus für ein gutes Leben für alle. Kindler hat ein wütendes, in Teilen nachdenkliches Buch verfasst. Es ist ein scharfes Plädoyer gegen woke washing und für mehr Klassenbewusstsein und die Repolitisierung zentraler Lebens- und Politikbereiche, das viel nachvollziehbaren Stoff zur linksaktivistischen Selbstreflexion bietet.
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Eva Menasse (2023): Alles und nichts sagen
Verliert die liberale Gesellschaft, den Boden auf dem sie steht? Die globale Digitalisierung hat weitreichende Auswirkungen auf unser Zusammenleben. Unter anderem hat die digitale Massenkommunikation maßgeblich zur Polarisierung der Gesellschaft beigetragen. Eine der problematischsten Phänomene ist dabei die Beschleunigung, die auch bewusst verlangsamte Strukturen wie politische Institutionen betrifft. Auch hat die digitale Massenkommunikation den Boden für Wissenschaftsskepsis und Irrationalität bereitet, die sich während der Corona-Pandemie stark ausbreiteten
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Anton Jäger (2023): Hyperpolitik
Die 90er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren in der öffentlichen Selbstwahrnehmung westlicher Gesellschaften eine Zeit zunehmender persönlicher und politischer Freiheit. Sie wird auch mit dem Begriff der „Postpolitik“ beschrieben. Ab etwa 2010 änderte sich dies allerdings: Anstelle offener Grenzen entstanden wieder Zäune. Doch das neue Zeitalter erlebte keine Wiederkehr der „Massenpolitik“, wie sie bis Ende der 1980er Jahre bestanden hatte – geprägt durch kollektive Organisationen wie Kirchen, Parteien und Gewerkschaften. Zwischen dem Privatem und öffentlichen Angelegenheiten tat sich zunehmend eine Kluft auf. Die Zeit der Hyperpolitik ist so hoch politisch, aber soziale Bewegungen bleiben weitgehend folgenlos, politische Konsequenzen blieben aus. Um dem entgegenzuwirken, braucht es neue Formen der kollektiven Organisation.
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Herfried Münkler (2023): Welt in Aufruhr
Im 21. Jahrhundert wird die Welt weder wie zu Zeiten des Kalten Krieges bipolar geordnet sein noch wird es eine Dominanz der USA geben. Stattdessen wird sich wahrscheinlich eine multipolare Ordnung entwickeln, wobei mit einer Fünfer-Konstellation aus den Polen USA, EU, China, Russland und Indien zu rechnen ist. In dieser Konstellation wird es zwar nicht mehr um die Universalität westlicher Werte gehen, wohl aber um konsistente Narrative zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie. Die Fünfer-Konstellation wird nur dann eine Friedensordnung sein können, wenn alle Akteure sich flexibel auf notwendige Reformen bezüglich der Aufrüstung, einer progressiven Entwicklungszusammenarbeit und neuer Bündnisse mit dem globalen Süden einstellen. Außerdem wird die Verteilungsfrage angesichts geopolitischer Kosten neu gestellt.
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Kohei Saito (2023): Systemsturz
Die im Zusammenhang mit der Klimakrise geführte Diskussion um Wirtschaftswachstum ist in vollem Gange. Während viele Regierungen auf grünes Wachstum setzen, gibt es in Teilen der wissenschaftlichen Community erhebliche Zweifel, ob dieser Plan aufgehen kann. Saitos Kernthese, die Aufgabe von Kapitalismus und Wachstum bedeute keineswegs Verzicht, sondern garantiere ein besseres Leben für alle, bietet eine verlockende Alternative. Der Kapitalismus ist nicht zukunftsfähig. Nicht nur weil er zu sozialer Ungleichheit und globaler Ausbeutung führt, sondern weil er mit seiner Wachstumslogik die Klimakrise verursacht. Um zu überleben, müssen wir Kapitalismus und Wirtschaftswachstum aufgeben. Auch grünes Wachstum ist eine Illusion. Eine echte Alternative hingegen bietet der Degrowth-Kommunismus. In diesem erfolgt eine Neuausrichtung der Produktion: weg von dem, was dem Kapital Profit bringt, und hin zu dem, was den Menschen nutzt. Die Wirtschaft muss entschleunigt, die Umwelt entlastet und der öffentliche Wohlstand wiederhergestellt werden.
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Aladin El-Mafaalani (2021): Wozu Rassismus?
Über Jahrhunderte hinweg haben rassistische Denk- und Verhaltensweisen das Zusammenleben in Deutschland, Europa und weltweit geprägt. „Wozu Rassismus?“ ist ein zum Nachdenken anregendes Buch von Aladin El-Mafaalani, das die Ursprünge des Rassismus und die Notwendigkeit des Widerstands dagegen untersucht. Das Buch befasst sich mit dem Konzept der menschlichen Rassen und betont, dass es sich bei ihnen um ein soziales Konstrukt ohne wissenschaftliche Grundlage handelt. Durch seine Analyse beleuchtet El-Mafaalani die negativen Folgen von Rassismus für Einzelpersonen und Gesellschaften, wie Diskriminierung, Ausgrenzung und soziale Ungleichheit. Rassistische Überzeugungen und Einstellungen müssen hinterfragt und in Frage gestellt werden. „Wozu Rassismus?“ stellt auch verschiedene Formen des Widerstands gegen Rassismus vor, sei es durch individuelle Aktionen oder kollektive Bewegungen. El-Mafaalani zeigt inspirierende Beispiele antirassistischen Aktivismus, die zu positiven gesellschaftlichen Veränderungen beigetragen haben. Insgesamt regt das Buch die Leser dazu an, über den Zweck und die Auswirkungen des Rassismus nachzudenken, und fördert so ein tieferes Verständnis seiner Ursprünge und der dringenden Notwendigkeit kollektiven Engagements.
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Felix Heidenreich (2023): Nachhaltigkeit und Demokratie. Eine politische Theorie
Die Klimakrise verändert Gesellschaften auf fundamentale Weise. Ein gesellschaftlicher Wandel kann nur dann langfristig gelingen, wenn Nachhaltigkeit als politisches Ziel definiert wird – und wenn wir begreifen, dass sich dabei nicht nur die Gesellschaft verändern muss, sondern sich auch die Prozesse und Institutionen unserer Demokratie wandeln müssen. Nachhaltige Politik darf nicht von Expert_innen bzw. Gerichten ‚verordnet‘ werden. Sie muss vielmehr von Bürger_innen für Bürger_innen gemacht werden. Ein klimaverträglicher Wandel unserer Gesellschaft kann weder vom Markt noch von Technologie allein getragen werden kann, sondern bedarf auf grundlegende Weise politischer Regulation – einer Regulation allerdings, die nicht ‚von oben‘ durchgedrückt werden darf, sondern zu der sich die Bürger_innen selbst verpflichten.
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Valentina Kerst & Fedor Ruhose (2023): Schleichender Blackout.
Mit Blick auf die digitale Transformation hinkt Deutschland weit hinter dem EU-Durchschnitt her. Komplexe Regulierungen hemmen den Fortschritt, und es besteht die Gefahr eines digitalen Blackouts, wenn diese Hindernisse nicht beseitigt werden. Die Lösung liegt in einer nutzerorientierten, resilienten und kooperativen Digitalisierung. Zu ihrer Umsetzung ist es notwendig, eine klare Datenstrategie zu entwickeln, angemessene Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und die digitale Bildung zu fördern. Die Autor_innen formulieren klare Richtlinien, um eine effiziente und soziale Digitalisierung in Zukunft zu ermöglichen. Das vorliegende Buch bietet fruchtbare Analysen und Impulse für das Gelingen einer effizienten und sozial gerechten Digitalisierungsstrategie.
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Mit der buch|essenz stellen wir Sachbücher von besonderer Bedeutung für den gesellschaftlichen Diskurs, als Buchzusammenfassungen für dich bereit. Du musst Sachbücher mit mehreren hundert oder gar tausend Seiten nicht gänzlich lesen, um die Kernaussagen und Argumente der Autoren zu verstehen – denn genau dies decken unsere kompakten Buchessenzen ab.Mehr: www.fes.de/buch-essenz
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