PODCAST · religion
Fluide Kirche
by Jens Stangenberg
Wir befinden uns inmitten eines breiten gesellschaftlichen Umbruchs: Klassische Formen von verbindlicher Zugehörigkeit nehmen ab, festgefügte Leitungsstrukturen werden immer misstrauischer beäugt und der Wunsch, sich möglichst lange alles offen zu halten, wird sehr groß geschrieben. All diese Tendenzen zeigen sich auch in christlichen Gemeinschaften. Häufig wird dieser gesellschaftliche Trend eher negativ als Überindividualisierung, Selbstbezogenheit und Unverbindlichkeit gedeutet. Möglicherweise führt uns die "Verflüssigung von Kirche" aber auch wieder stärker an das Neue Testament heran. Es ist wichtig, diese Entwicklung aufmerksam wahrzunehmen und konstruktiv darauf zu reagieren.
Episodes
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#29 Ist Gott selbst fluide? - Prozesstheologie und Ereignisdenken
#29 Ist Gott selbst fluide? - Prozesstheologie und Ereignisdenken / Was bedeutet die Frage nach der Verflüssigung von Kirche in Bezug auf Gott? Wandelt sich Gott im Laufe der Zeit? Ist der Faktor Zeit also im innersten Wesen Gottes vorhanden? Mit dieser Episode bewegen wir uns in Bezug auf...
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#28 Kathedrale in der Zeit - Abraham Joshua Heschel zur Bedeutung des Sabbats
#28 Kathedrale in der Zeit - Abraham Joshua Heschel zur Bedeutung des Sabbats / Eine Lesereise durch das Buch "Der Sabbat" von Abraham J. Heschel, 2022, Jüdische Verlagsanstalt Berlin GbR und Patmos Verlag. / Susannah Heschel schreibt in der Einführung, Seite 19: "Mein Vater definiert das…
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#27 Zweite Zwischenbilanz | Ernüchternde Denkwege und notwendige Folgerungen
#27 Zweite Zwischenbilanz | Ernüchternde Denkwege und notwendige Folgerungen | Seit dem Neueinstieg nach der Podcast-Pause sind bereits elf neue Folgen online gegangen. Das ist der richtige Zeitpunkt für eine weitere Zwischenbilanz. Am Anfang habe ich nicht geahnt, wie tief uns das Thema "Fluide...
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#26 Digitale Verflüssigungen | Von leichten Abschieden und neuen Gewohnheiten
Digitale Verflüssigungen | Von leichten Abschieden und neuen Gewohnheiten // Was bedeutet das Erleben von „Beschleunigung“ und „Vernetzung“ praktisch? Anhand von sechs kleinen Zeitreisen wird die rasante Entwicklung, in der wir leben, nachgezeichnet. Mit dieser Entwicklung gehen Verschiebungen im...
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#25 Ereignisbasierte Gesellschaft oder: Wenn aus „der Geschichte“ viele Geschichten werden
In dieser Episode kommen wir auf die drei Zeitmuster von Michael Schüßler "Ewigkeit, Geschichte, Ereignis" zurück. Speziell geht es um die Verschiebung ins Ereignis-Dispositiv. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat sich das Verständnis von der einen großen Geschichte abgeschwächt. Stattdessen…
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#24 Messianische Zeiterfahrung oder: Von Endzeit, Neuzeit und der Kunst, beständig „im Anfang“ zu leben
Seit einiger Zeit haben apokalyptische Untergangsszenarien wieder Hochkonjunktur. Allerdings sollte das Apokalyptische nicht mit dem Messianischen verwechselt werden. Messianische Zeit hat eine eigene Struktur. Wenn wir Kirche als messianische Gemeinschaft in der Zeit verstehen, ist es wichtig,...
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#23 Die Macht des Mythos - oder: Warum Kirche nicht im Ursprung gefangen bleiben darf
Auch wenn in der Neuzeit das mittelalterliche Ewigkeitsdispositiv an Deutungsmacht verloren hat, finden sich in den christlichen Geschichtsdeutungen immer noch der Rückbezug zum normativen Ursprung. Selbst wenn von Heilsgeschichte gesprochen wird, kann damit eine Restauration des Anfangs gemeint...
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#22 Die Entdeckung der Zukunft - oder: Der schwere Abschied von der Ewigkeit
Mit der Verschiebung von einem an der Ewigkeit zu einem an der Geschichte orientierten Zeitverständnis kommt die bisherige Form von Kirche enorm unter Druck. Die gestaltbare Zukunft findet Eingang in die diesseitige Welt. Menschen werden zu Akteuren und Gestalter:innen von Gottes neuer...
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#21 Ewigkeit mitten in der Zeit – oder: Warum der Begriff Unendlichkeit in die falsche Richtung weist
Das raumorientierte, eher statisch gedachte Kirchenverständnis liegt zu weiten Teilen im griechischen Begriff von "Ewigkeit" begründet. Häufig wird Ewigkeit dabei mit Unendlichkeit gleich gesetzt. Das ist aber irreführend. Nach althebräischem Verständnis geht es bei dem, was im Deutschen mit...
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#20 Das Zeitempfinden im Mittelalter - oder: Leben in einer zielgerichteten Sakralzeit
Um das Besondere des heutigen Zeitverständnisses besser zu verstehen, ist es hilfreich, sich als Kontrast in das mittelalterliche Zeitempfinden hineinzuversetzen. Mit der Ausbreitung des Christentums in Europa wurde die Agrar-Zeit in eine Sakral-Zeit eingebettet. Damit wurde die zyklische...
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Eröffnungsvortrag: Fluide Kirche | BarCamp: Ökumenisches Netzwerk Kirchenentwicklung
Unter dem Motto »Es schimmert« trafen sich ca. 50 Akteur:innen am 3. / 4. März 2023 zur Kick-off-Veranstaltung »Ökumenisches Netzwerk Kirchenentwicklung« in Bremen. // Die Audio-Qualität ist nur eingeschränkt gut, weil der Vortrag mit dem Handy aufgenommen wurde. //...
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#19 Die Praxis des Gottesdienstes – Anleitung zur geistlichen Synchronisation
Die These: In einer eher raumorientiert gedachten Kirche werden Gottesdienste zu Sitz- und Zuhörveranstaltungen. Um sich als Wir „in Christus“ zu finden und für Christus auszuschwärmen, braucht es ein neues Verständnis einer „Kirche in der Zeit“. Mit diesem Hintergrundmuster lassen sich besser...
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#18 Verschiebung im Zeitempfinden – Ewigkeit, Geschichte und Ereignis
Ausgehend von der Habilitationsschrift von Dr. Michael Schüßler erkunden wir drei Phasen des Zeitempfindens: das Ewigkeitsdispositiv im Mittelalter, das Geschichtsdispositiv in der Neuzeit und das Ereignisdispositiv in der Postmoderne. Diese Reflexion hilft zu verstehen, warum sich manches...
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#17 Fünf Typen von Zeit – Vom mythischen Denken zu digitalen Bildern
Um sich weiter mit einer "Kirche im Fluss der Zeit" zu beschäftigen, ist es hilfreich, die verschiedenen Typen des Räumlichen und Zeitlichen zu unterscheiden. Bei einer Verzeitlichung des Raumes geht es nicht nur um ein chronologisches Geschichtsbewusstsein. Ferner spielen auch Ereigniszeit,...
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#16 Neueinstieg - Auf dem Weg zu einer "Kirche in der Zeit"
Endlich geht es weiter. Nach fast vier Jahren Pause starten neue Episoden zum Thema "Fluide Kirche". Alles vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und dem digitalen Wandel. In dieser Episode gibt es einen kurzen Überblick über das, was geplant ist. Alles dreht sich darum, eine "Kirche in der…
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Pause
Aktuell muss der Podcast "Fluide Kirche" leider ein bisschen pausieren. Bald geht es weiter. Es sind schon neue Folgen geplant. Alternativ sind auch die anderen Podcasts interessant: (1) Bibelkunde Neues Testament, (2) Radikale Reformation und (3) Drei Gesichter des Evangeliums.
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#15 Fünf Reaktionsweisen
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie Kirche auf die "Flüchtige Moderne" und die "Verflüssigung von Religion" reagieren kann: 1) Sakramentalistisch, 2) Laizzes-fair, 3) Moralisierend und 4) Event-orientiert. Jedes dieser Muster ist in gewisser Weise unbefriedigend. In einer fünften Variante...
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#14 Gnade und Wahrheit
Hinter der Formulierung "Gnade und Wahrheit" aus Joh.1,14.17 steckt die althebräische Formulierung "häsäd wä ämät". Das, was auf den ersten Blick unscheinbar aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als größter Schatz für unser Bild von Gott und die Beziehung zu ihm. Komm und tauche mit ein...
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#13 Mitwandernder Fels
Im 1. Korintherbrief beschreibt Paulus den auferstandenen Christus als "mitwandernden Felsen". Das, was auf den ersten Blick kurios wirkt, deutet auf ein anderen Wirklichkeitsverständnis hin. Die alten Hebräer haben Gottes Stabilität nicht als Unbeweglichkeit, sondern als Zuwendung und...
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#12 Verzeitlichung des Raumes
Die Sehnsucht nach mehr Erleben öffnet die säkular-postmoderne Kultur immer mehr für buddhistischen Ansichten. Mir scheint es aber noch interessanter zu sein, das althebräische Wirklichkeitsverständnis für die heutige Zeit fruchtbar zu machen. Die Kategorie der "Zeit" ist dabei keine Bedrohung…
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#11 Exkurs: Zen-Buddhismus
Manchmal braucht es die Gegenprobe, um auf eigene Denkfallen aufmerksam zu werden. Die zen-buddhistischen Ansichten stellen massive Anfragen an das westliche Substanz-, Subjekt- und das linear-kausale Zeitverständnis dar. Möglicherweise wurden unsere Vorstellungen von einer "stabilen Kirche" und...
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#10 Am Ziel und dennoch unterwegs
Der christliche Glaube birgt die Gefahr eines theologischen Konstruktionsfehlers: Wenn das vergangene Christusereignis mit Kreuz und Auferstehung als neuer Urmythos gedeutet wird, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Und es steigert sich noch, wenn aus der Auferstehung ein triumphales...
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#09 Der eingefrorene Weg
Es ist irritierend: Auf der einen Seite finden wir in der Bibel viele Weggeschichten und die Betonung darauf, Jesus Christus nachzufolgen. Auf der anderen Seite wurden im Verlauf der Kirchengeschichte eine Fülle von monumentalen Sakralbauten errichtet, die alles andere als flüchtig und fluide…
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#08 Zwei Arten von Unterwegssein
Es gibt zwei grundverschiedene Arten des Unterwegsseins. Die erste geht von einem festen Standort aus. Bewegung ist dann etwas Sekundäres. Die zweite geht von der beständigen Bewegung aus. Anhalten ist dann eine Unterbrechung des Weges. Die erste ist das Muster der Wallfahrt, die zweite das des...
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#07 Völkerwanderung und Klostergründungen
Ein kurzer Abstecher in die Kirchengeschichte: Ab dem 4. Jahrhundert brach das Römische Reich schrittweise zusammen. Gleichzeitig erstarkte die christliche Kirche und füllte das Machtvakuum aus. Inmitten groß angelegter Wanderungsbewegungen quer durch Europa sorgte die Kirche für Ordnung und...
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#06 Glaube hat eine Weggestalt
Eigentlich müsste es offensichtlich sein: Der christliche Glaube hat eine Weggestalt. Alles Wesentliche ereignet sich auf dem Weg. Die großen Leitbilder sind: Abraham, Auszug aus Ägypten, Gott im Exil. Jesus lehrt im Umhergehen. Viele seiner Begegnungen geschehen unterwegs. Berühmt ist die...
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#05 Die Aufgabenstellung präzisieren
Auch wenn die Entwicklung in Richtung "Fluide Kirche" sinnvoll und wichtig ist, beinhaltet sie nicht automatisch eine Verbesserung. Anhand von Hannah Arendt und ihrer Dreiteilung der menschlichen Tätigkeiten in (1) arbeiten, (2) herstellen und (3) handeln wird versucht, fluide Dynamiken...
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#04 Gemeinschaft und Vergesellschaftung
Vor über 100 Jahren prägte Ferdinand Tönnies das Gegensatzpaar "Gemeinschaft und Gesellschaft". Aus seiner Sicht driftet der soziale Wandel der Moderne weg von einer "Gemeinschaft der Geborgenheit" hin zu einer "Gesellschaft der Kälte". Diese negative Wahrnehmung zieht sich auch durch christliche...
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#03 Multioption und der Zwang zur Häresie
Vor fast 20 Jahren schrieb der Soziologe Peter Gross "Die Multioptionsgesellschaft". Darin beschrieb er die Steigerungslogik des "Immer mehr" in der Moderne. 15 Jahre zuvor sprach Peter L. Berger vom "Zwang zur Häresie". Gemeint war, dass in heutiger Zeit die Abweichung zur Normalität geworden…
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#02 Flüchtige Moderne und Liquid Church
Zur Jahrtausendwende veröffentlichte der Philosoph Zygmunt Bauman das Buch mit dem deutschen Titel "Flüchtige Moderne". Kurze Zeit später nahm der englische Theologe Peter Ward seine Thesen auf und verlängerte sie in Richtung "Liquid Church". Weitere 10 Jahre später ist diese Diskussion auch in…
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#01 Einführung
Wir befinden uns inmitten eines breiten gesellschaftlichen Umbruchs: Klassische Formen von verbindlicher Zugehörigkeit nehmen ab, festgefügte Leitungsstrukturen werden immer misstrauischer beäugt und der Wunsch, sich möglichst lange alles offen zu halten, wird sehr groß geschrieben. All diese...
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