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Podcast by Hamburger Institut für Sozialforschung
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4. Juni. Bücher am HIS. Im Zwischenreich — Weimar und kein Ende?
Muss das sein? Ja, muss es. Das Buch der Historikerin Ute Daniel zeigt, wie erhellend ein neuer Blick auf die Geschichte der Weimarer Republik 1918 bis 1933 ist. Ein Blick, der Zusammenhänge herstellt zwischen Anfang, Mitte und Ende der Republik und so die Geschichte erzählbar macht. Und eine Herangehensweise, die zwischen übergreifenden gesellschaftspolitischen Tendenzen und konkretem Handeln politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Akteure vermittelt. Eine zentrale These des Buchs ist, dass eine andere Zukunft als die, die im Januar 1933 anbrach, möglich gewesen wäre. Doch betrachtete die weit überwiegende Mehrheit der alten und oft auch neuen Eliten die Republik als vorübergehende Erscheinung. Nicht das Kaiserreich war allerdings das Ziel der Sehnsucht, sondern der schlanke Staat, der wenig kostete und nicht nach unten umverteilte. Ute Daniel ist Professorin em. für Neuere Geschichte an der TU Braunschweig. Wolfram Pyta, Univ.-Prof. Dr., Leiter der Abteilung Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart und Direktor der Forschungsstelle Ludwigsburg. Wolfgang Knöbl, Prof. Dr., Soziologe; Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. In Kooperation mit der Hamburger Edition
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7. Mai 2026. Bücher am HIS: Das Elend der Geopolitik
Klaus Schlichte im Gespräch mit Ulrich Schneckener Moderation: Wolfgang Knöbl Das Wort »Geopolitik« hat in den letzten Jahren eine steile Konjunktur erlebt. Eine Auffassung internationaler Politik entlang der Kategorien und Denkweisen der »Geopolitik« ist jedoch ein intellektuelles Elend. Es wird den Strukturen und Herausforderungen internationaler Politik der Gegenwart nicht gerecht. Hinter dem Begriff, wie er gegenwärtig genutzt wird, verbirgt sich bloßes Machtstaatsdenken. Zwar wird der Vorwurf der Machtstaatspolitik vor allem der russischen und US-amerikanischen Regierung gemacht, aber viele andere Regierungen folgen den Figuren eines neuen Souveränitätsdiskurses. So vermindern sie nicht nur die Chancen internationaler Zusammenarbeit, sondern gefährden den Frieden und die Möglichkeiten einer besseren Zukunft. Ob, und wenn ja, welche Alternativen es hierzu gibt, diskutieren Klaus Schlichte und Ulrich Schneckener. Klaus Schlichte ist Professor für Internationale Beziehungen und Weltgesellschaft an der Universität Bremen. Ulrich Schneckener ist Professor für Internationale Beziehungen & Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Osnabrück und Sprecher des Center for the Study of Conflict & Peace (CeCoP). Wolfgang Knöbl, Prof. Dr., Soziologe und Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. In Kooperation mit der Hamburger Edition
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20. April 2026. Streit.Bar im April | Warum Faschismus?
Streit.Bar will eingreifen – in die städtische Öffentlichkeit, den politischen Diskurs, die gesellschaftliche Debatte darüber, was das Neue an den derzeitigen Problemen ist und wie es weitergehen soll. Der politische wie sozialwissenschaftliche Diskurs über den wachsenden Einfluss des Rechtspopulismus läuft nun schon einige Jahrzehnte, so dass man in der Flut der mittlerweile erschienenen Literatur zu diesem Thema schier zu ertrinken droht. Vieles wiederholt sich, die Diagnosen sind einigermaßen ähnlich, nicht selten schwammig, und Rezepte gegen den Rechtsruck sind nicht wirklich in Sicht. Einigermaßen neu ist immerhin die zunehmend diskutierte Frage, ob man nicht besser über einen neuen Faschismus reden sollte. Genau dies wollen wir in der Streit.Bar tun und dabei auch fragen, ob diese Redeweise mit Blick auf die heutige Situation wirklich angemessen ist. Es diskutieren: Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) und Hilal Sezgin (Freie Journalistin und Buchautorin). Die Bücher: Eva von Redecker, Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus (S. Fischer) Mark Terkessidis, Gewalt am Denken. Wann beginnt Faschismus? (Matthes&Seitz) Moshe Zimmermann, People Gone Mad. Wie die Demokratie sich selbst zerstört (Propyläen) Und ein Roman.
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27. April 2026. Bücher am HIS: Vor der Apokalypse? — Preppen in der Mitte der Gesellschaft
In der krisengeschüttelten Gegenwart erfreut sich Preppen immer größerer Popularität. Doch wer preppt eigentlich und warum? Wie ist Preppen von einer Randerscheinung zu einem Massenphänomen geworden? Wie verhält sich Preppen zu den Empfehlungen der Behörden, die die Bevölkerung zum Anlegen eines Notvorrats motivieren sollen? Wie politisch ist Preppen und was hat es mit rechtsterroristischen Prepper-Gruppen auf sich? Was bedeutet es, wenn für immer mehr Menschen die einzig vorstellbare (und wünschbare) Zukunft der Zusammenbruch ist? In ihren empirischen Studien zeigen Mischa Luy und Julian Genner, wie Abstiegsängste, biografische Erfahrungsbestände, ein verändertes Zukunftsverhältnis, Männlichkeitsbilder und tradierte Mangelerfahrungen die Popularität von Preppen befeuern – und damit die gesellschaftliche Entsolidarisierun und den Rechtsrutsch in der Mitte der Gesellschaft beschleunigen. Julian Genner, Dr. phil., Kulturwissenschaftler an der Uni Basel. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die politische Anthropologie sowie die gesellschaftliche Problematisierung von (Un-)Sicherheit. Mischa Luy; Dr. ist Sozialwissenschaftler und lebt in Berlin. Er arbeitet als politischer Bildner im Bereich der Antisemitismusbekämpfung. Jürgen Straub, Prof. Dr. phil., Inhaber des Lehrstuhls für »Sozialtheorie und Sozialpsychologie« an der Ruhr Universität Bochum. Diese Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Psychosozial Verlag und unserem Verlag Hamburger Edition.
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31. März 2026. Bücher am HIS: Lehrer des Bösen oder Denker der Freiheit?
Machiavelli zwischen Republikanismus und Radikalismus Die philosophische und historische Diskussion über Leben, Werk und Wirkung des Florentiner Theoretikers der Fortuna und des richtigen Zeitpunkts, des Renaissancemenschen, Politikers und Philosophen Niccolò Machiavelli (1469–1527), hat in den letzten Jahren eine neue Blüte erlebt. Über Jahrhunderte dominierte das Bild Machiavellis als »Lehrer des Bösen« (Leo Strauss), berühmt und berüchtigt für seine angeblich amoralische Lehre, dass der Zweck die Mittel heiligt, die unter dem Namen »Machiavellismus« heute in aller Welt geläufig ist. Dagegen wird in der aktuellen ideengeschichtlichen und politiktheoretischen Diskussion entweder der Republikaner Machiavelli in den Mittelpunkt gerückt oder sogar der radikale, protomarxistische Demokrat und Klassentheoretiker: der Denker der Freiheit. Das ist eine gleichermaßen verblüffende wie aufregende Wendung der Auseinandersetzung um Machiavelli, die nachgezeichnet und im Gespräch diskutiert werden soll. Philip Hölzing, Philosoph, Ideenhistoriker und Lektor im Wissenschaftslektoratdes Suhrkamp Verlags. Er beschäftigt sich mit der Geschichte des politischen Denkens, insbesondere der des Republikanismus, und mit Leben und Werk Machiavellis. Achatz von Müller, Prof. em. für Geschichte an der Universität Basel. Bis 2023 Co-Direktor des »Zentrums für Theorie und Geschichte der Moderne« am Hamburger Institut für Sozialforschung Wolfgang Knöbl, Soziologe; Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Diese Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Verlag Matthes & Seitz Berlin.
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12. März 2026. Andreas Wirsching: Democracy and violence - a historical perspective
From a historical vantage point, democracy denotes a system of government founded on constitutional statutes and institutionalized frameworks of civic participation. Yet, beyond its formal structures, democracy has always been associated with movement, hope and promise — and all too often, disappointment. Consequently, a persistent tension has emerged between »formal democracy« and the ideals of democratic justice, equality and freedom. Violence, in this context, assumes a multifaceted role within modern democracies. It emerges during crises of democratic revolution or consolidation as well as periods of state repression. On the other hand, it stems from the democratic state itself—whether in the enforcement of law and order or the preservation of entrenched power hierarchies, which may entail systemic forms of coercion. This lecture will explore historical dimensions of the topic through concrete examples, examining the tension between democratic government and persistent ideals and promises of democratic equality. Andreas Wirsching, Historiker, Professor emeritus; von 2011 bis 2025 Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München Moderation: Dieter Gosewinkel, Historiker und Rechtswissenschaftler; Senior Research Fellow des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Professor für Neuere Geschichte, FU Berlin
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17. Februar 2026. Bücher am HIS: FRANCO 1936-1975
Eine Neuvermessung des Diktators und seiner Herrschaft Der Spanier Francisco Franco zählt zu den prägenden Diktatoren der jüngeren Vergangenheit. Anders als seine Verbündeten Hitler und Mussolini konnte er sich über den Zweiten Weltkrieg hinaus bis 1975 an der Macht halten. Die Einordnung seiner Person und seiner beinahe 40-jährigen Herrschaft in die europäische Zeitgeschichte ist dabei auch heute noch umstritten. Nach 1945 galt Franco vielen als ewiger Faschist, der nicht mehr in das neue demokratische Europa passte. Und doch diente er sich der westlichen Welt erfolgreich als Partner an und genoss bis zu seinem Tod 1975 eine beträchtliche Popularität in der spanischen Bevölkerung. Er kultivierte ein Image als effizienter Modernisierer und ließ sich von westlichen Experten beraten, doch beruhte seine Herrschaft auch auf der massenhaften Verfolgung Andersdenkender und zeichnete sich durch extreme soziale Gegensätze, verbreitete Korruption und Mangelwirtschaft aus. Auf der Grundlage der aktuellen Forschung unternimmt der Vortrag eine historische Neuvermessung Francos und seiner Herrschaft. Till Kössler ist Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Universität zu Köln. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. die Geschichte von Gewalt und Gewaltüberwindung sowie die Geschichte autoritärer Regime nach 1945 Philipp Müller, PD Dr., Historiker, Sprecher der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit am HIS In Kooperation mit dem Instituto Cervantes Hamburg und dem Verlag C.H.Beck
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4. Februar 2026. Bücher am HIS. Im Sog der totalen Subkultur
Wie junge Menschen zu Dschihadisten werden. Im letzten Jahrzehnt zogen rund 5.000 junge Europäerinnen und Europäer nach Syrien, um sich dschihadistischen Gruppierungen wie dem sog. Islamischen Staat anzuschließen. Die meisten von ihnen wuchsen in Europa auf und fanden erst in ihrer Jugend zum Islam. Auf ihren Wegen brachen sie mit ihrem bisherigen Alltag, suchten nach einem religiösen Leben, verschrieben sich dem riskanten Aktivismus und teils sogar einem bewaffneten Kampf, der ihnen als Dschihad galt. Warum schlagen junge Menschen solche Wege ein, die auf ideologische Unterwerfung zielen und von Brüchen, Konflikten und Risiken geprägt sind? Ist es religiöser Fanatismus, Spaß an der Gewalt oder politische Strategie? Auf Basis seiner empirischen Studie zu militant-salafistischen Werdegängen junger Männer aus dem deutschsprachigen Raum argumentiert Felix Roßmeißl, dass Wege in den Dschihadismus als Karrieren in einer totalen Subkultur begriffen werden müssen. Schritt für Schritt versuchen die jungen Männer, sich an den Ansprüchen einer total-religiösen Welt- und Selbstdeutung zu bewähren, und geraten dadurch in einen destruktiven Sog, der in manchen Fällen sogar tödlich endet. Felix Roßmeißl, Dr., wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Forschungsimpuls »SaFe. Shaping Future Societies« an der Hochschule Fulda. Stefan Malthaner ist kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen, für ihn nahm Prof. Dr. Wolfgang Knöbl teil, der Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Moderation: Eddie Hartmann, Privatdozent an der Universität Potsdam und ehemaliger Projektleiter der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Verlag Hamburger Edition statt . Aufgrund eines technischen Problems gibt es in der Mitte der Aufzeichnung leider einen kurzen inhaltlichen Sprung, wir bitten dafür um Ihr Verständnis und Nachsicht.
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10. November 2025. Streit.Bar im November: Brüche – Krisen – Apokalypse
Streit.Bar will eingreifen – in die städtische Öffentlichkeit, den politischen Diskurs, die gesellschaftliche Debatte darüber, was das Neue an den derzeitigen Problemen ist und wie es weitergehen soll. Auch wenn gerade in der Politik vermeintlich immer Krise ist, so kann man sich momentan nicht des Eindrucks erwehren, dass wir nun aber tatsächlich in besonderen Zeiten leben, in denen es von Berichten über biographische Brüche bis hin zu solchen über apokalyptische Zukunftsszenarien nur so wimmelt. Es ist schwierig bei all dem den Überblick und damit eine klare Orientierung zu behalten. Was ist dran am Krisendiskurs und über welche Brüche reden wir eigentlich? Darüber wollen wir in der nächsten Streit.Bar diskutieren – und zwar in folgender Besetzung: Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) und Hilal Sezgin (Freie Journalistin und Buchautorin). Die Bücher: Wolfgang Engler, Brüche: Ein ostdeutsches Leben (Aufbau) Hartmut Lehmann, Apokalypsen: Lektionen aus vergangenen Katastrophen (Wallstein) Barbara Schmitz, Offenheit und Berührbarkeit. Neue Wege zu Verletzbarkeiten und Resilienz (Reclam) Octavia E. Butler, Die Parabel vom Sämann (Heyne) Veranstaltungsort: Nachtasyl im Thalia Theater, Alstertor 1-5, Hamburg Eine Veranstaltung des Thalia Theaters und des Hamburger Instituts für Sozialforschung
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10. Dezember 2025. Laura Wolters: Notfalllibertäre, Postliberale, Verfassungspatrioten?
Die radikale Rechte und ihr Verhältnis zur Freiheit Wie hält es die radikale Rechte mit der Freiheit? Üblicherweise wird das Verhältnis zwischen beiden als Gegensatzpaar gedacht, gar als offene Feindschaft: Zu ausdrücklich autoritär der Kern der rechten Ideologie, zu erklärtermaßen illiberal insbesondere die europäischen (Vor )Denker. Die Vorstellung vom Liberalismus als »Hauptfeind« zieht sich durch das rechte Denken des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Allerdings – spätestens seit der Pandemie und den Erfolgen des Trumpismus ist offensichtlich, dass sich die Freiheit vom rechten Unwort zum Kampfbegriff gewandelt hat. Die Inanspruchnahme von Freiheitsrechten, etwa von Meinungsfreiheit und dem Schutz vor staatlichen Zugriffen auf die Lebensführung, hat sich zum Herzstück rechter Agitation und Mobilisierung entwickelt. Dabei handelt es sich um eine ideelle Transformation, die nicht ohne Spannungen und Brüche vonstattengeht. Ideologie oder theorieproduzierende Akteure müssen die so neu entdeckte Freiheit entweder in ihr bestehendes Koordinatensystem rechter Ideen einpassen oder sich ihr verwehren, sie müssen sich selbst und anderen plausibel machen, warum sie nun Verfechter vormals verhasster Ideen sind und sie müssen darüber reflektieren, was sie damit eigentlich aufgeben. Diese sozialen Prozesse sind alles andere als nebensächlich, baut die rechtspopulistische Erfolgswelle der letzten Jahre doch genau auf jene Anpassungsfähigkeit rechter Ideen. Dr. Laura Wolters, Sozialwissenschaftlerin, Wissenschaftlerin in der Forschungsgruppe »Demokratie und Staatlichkeit« Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Soziologe, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung.
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28. Oktober 2025. Bücher am HIS: Versteuern, Verschulden, Vergesellschaften
Der Staatshaushalt als Herrschaftsordnung Vorstellung des 43. Sonderbandes der Zeitschrift Leviathan: Politische Theorien öffentlicher Finanzen. Zur (De-)Politisierung von Geld, Eigentum und Steuern (Nomos, 2025) Kaum ein politischer Konflikt ist uns so vertraut wie der Streit um die öffentlichen Finanzen. Wem sollten größere Steuerlasten für den Betrieb des Gemeinwesens zugemutet werden, wem stehen staatliche Zuwendungen zu, wie viele und welche Schulden vertragen der Bundeshaushalt und kommende Generationen? Antworten, wenigstens intuitive, dürften viele Menschen rasch bei der Hand haben. Das theoretische Fundament des Politikfeldes der Staatsfinanzen ist der Forschung allerdings brüchig geworden: Einstmals vertraute Begriffe wie Geld, Eigentum oder Steuern werden aufgearbeitet, eingeschriebene Macht und Ungleichheitsverhältnisse kommen zum Vorschein, vermeintliche Sachzwänge werden mit Alternativen konfrontiert. Zurück bleiben Leerstellen im öffentlichen Sprechen über die Finanzierung unseres Gemeinwesens, ihre Verfahren, Mittel und Grenzen – kurz: es braucht Arbeit an den politischen Theorien öffentliche Finanzen, sowohl akademisch wie auch gesellschaftlich. David Hengsbach, Soziologe, forscht und lehrt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wirtschaftssoziologie der Goethe- Universität Frankfurt am Main. Prof. Dr. Sebastian Huhnholz, Politikwissenschaftler und Ideenhistoriker, Privatdozent der LMU München und Gastwissenschaftler am HIS, vertritt derzeit die Professur Political and Legal Theory an der FU Berlin. Dr. Martyna Linartas, Politikwissenschaftlerin; forscht und lehrt als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin sowie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz Dr. Eva Weiler, Philosophin, Akademische Rätin a. Z. an der Professur für Praktische Philosophie der Universität Duisburg-Essen. Moderation: Dr. Aaron Sahr, Wirtschaftssoziologe und Leiter der Forschungsgruppe »Monetäre Souveränität« am HIS. Eine Fortsetzung der Diskussion des Bandes wird – in anderer Besetzung – im Frühjahr 2026 am WZB stattfinden.
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11. November 2025. Bücher am HIS: Die Politik der Wirtschaft
Max Webers Wirtschafts- und Finanzsoziologie Dass der sozialwissenschaftliche Großklassiker Max Weber (1864-1920) auch Wirtschaftssoziologe und Finanzökonom war, lässt schon der Titel seines berühmten Hauptwerks »Wirtschaft und Gesellschaft« erahnen. Dennoch sind Spannbreite und Systematik von Webers Denken über Wirtschaftsformen, Börsen, Zahlungsmittel, öffentliche Kredite, Parteifinanzierung oder ganze fiskalische Herrschaftssysteme erstaunlich wenig diskutiert. Jüngere Publikationen erweitern diesen Blick. Dazu zählt, dass Andrea Maurer jüngst »Max Weber’s Sociological Thought on the Economy« herausgab (Agenda; Newcastle 2024) und Sebastian Huhnholz 2025 am Hamburger Institut für Sozialforschung das Buch »Der andere Ökonom« abschloss, das Weber als fiskalpolitischen Agenten der demokratischen Revolution von 1918/19 interpretiert. Unter Leitung Lars Döpkings, dessen weberianische Studie »Fiskalische Herrschaft« 2023 in der Hamburger Edition erschien, bringt der Abend verschiedene sozialwissenschaftliche Perspektiven miteinander ins Gespräch. Zu fragen ist, was uns Max Weber über heutige Wirtschaftsumbrüche und Staatsfinanzkrisen lehrt. Prof. Dr. Andrea Maurer, ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Wirtschaftssoziologie an der Universität Trier. Von 2019–2024 war sie Sprecherin des Forschungsnetzwerks »Economic Sociology« der European Sociological Assocation. Prof. Dr. Sebastian Huhnholz, Politikwissenschaftler und Ideenhistoriker, Privatdozent der LMU München und Gastwissenschaftler am HIS, vertritt derzeit die Professur Political and Legal Theory an der FU Berlin. Moderation: Dr. Lars Döpking, Historischer Soziologe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Rom, externes Mitglied der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität am HIS.
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9. September 2025. Jan Philipp Reemtsma: „Etwas mehr Nomos ins Leben bringen“ bringen“
Lars Clausens Staunen über Schlangen Lars Clausen widmet sich in einem Aufsatz von 1981 dem Phänomen der (Warte)Schlangen. Der Aufsatz „Schlangen“ mit dem ein wenig rätselhaften Untertitel „Exkursion in den Quellsumpf der Theorien“ versucht das Phänomen der spontan und ohne Nötigung sich bildenden Schlangen nebst ihren zunächst irritierenden Eigenschaften anhand eigener und angeleiteter Beobachtungen seines Seminars näher zu bestimmen. Warum machen Leute das, wenn sie nicht müssen? Der Aufsatz macht einen Sprung von den Beobachtungsbefunden in eine weitgreifende Spekulation (und versucht dabei Soziologie mit der Kulturkritik ein wenig zu versöhnen). Der Vortragende versucht, die Spekulation noch ein wenig weiter zu treiben. Jan Philipp Reemtsma ist Gründer und Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, der Arno Schmidt Stiftung sowie Gründer und bis März 2015 Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Ferdinand Tönnies Gesellschaft statt.
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30. September 2025. Heiko Biehl: Die Wehrpflicht — mehr als ein Rekrutierungstool?
Thesen und Befunde zu einer Form des militärischen Dienstes Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wird in Politik, Öffentlichkeit, Streitkräften und Wissenschaft über eine Reaktivierung der Wehrpflicht diskutiert. Dabei sind die Auseinandersetzungen selten auf militärisch-funktionale Aspekte, wie die Personalgewinnung, beschränkt. Vielmehr sind mit der Wehrpflicht weit darüberhinausgehende Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen verbunden. Den Befürworterinnen und Befürwortern gelten Wehrpflichtarmeen als gesellschaftlich stärker verankert als Freiwilligenarmeen, nicht zuletzt, weil sich ihr Personal aus allen sozialen Bereichen rekrutiere. Die Wehrpflicht sei das »legitime Kind der Demokratie« (so bereits Bundespräsident Heuss) und sorge für eine gerechte Verteilung der Verteidigungslasten. Dem steht die Sorge entgegen, die Wehrpflicht trage militärische Denkweisen in die Zivilgesellschaft und stabilisiere überkommene Geschlechtervorstellungen. Mit ihrem Zwangscharakter passe sie nicht zum Wesen liberaler Gesellschaften. Der Vortrag diskutiert und differenziert diese Annahmen und Kritikpunkte und gleicht sie mit dem militärsoziologischen Forschungsstand ab. Dr. Heiko Biehl, Politikwissenschaftler und Soziologe; Leiter des Forschungsbereichs Militärsoziologie am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Soziologe und Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Ein Veranstaltung der Reihe Die Verfassung der Freiheit - Demokratieprobleme der Gegenwart
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11. September 2025. Arlie Russell Hochschild: An Emotions Lens on the Rise of the Right
To help advance our thinking about the rise of the right, I suggest to conceptualize a tool kit of emotion-management practices, the effect of which is to evoke and suppress feelings of a pre-disposed population. Most important in this tool kit is a resonant master story which evokes the feelings of a leader’s base and establishes rules governing how much of what feeling to direct at whom. In the US, Trump has strongly appealed to downwardly mobile, blue-collar white Americans whose loss of well-paid jobs, community and intact families have led many to feel in him relief from fear and shame and enjoy the elation of being chosen winners. He pictures the world as a place of brutal Hobbesian struggle of winners against losers, us against them. In this Manichean splitting, “we” are rightful winners, strong, socially attached and loveable, while people considered “them” are weak, hostile and deserving of disdain. Guided by this narrative, Trump poses himself as the powerful director of the nation’s emotional traffic. Taken as a whole, such practices effectively manage the evocation and suppression of feeling so as to legitimate his regime and to offer himself as a model to other right- wing leaders around the world. Arlie Russell Hochschild, ist emeritierte Professorin an der University of California, Berkeley. Sie gilt als eine der bedeutendsten Soziologinnen der Gegenwart, ihr vielgelobtes Buch Fremd in ihrem Land. Eine Geschichte der amerikanischen Rechten stand auf der Shortlist für den National Book Award 2016. Ihr Buch Geraubter Stolz. Verlust, Scham und der Aufstieg der Rechten (Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff) wird im September in der Hamburger Edition, dem Verlag des Hamburger Instituts für Sozialforschung, erscheinen. Begrüßung: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Hamburger Institut für Sozialforschung Grußwort: Senatorin Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg Laudatio: Prof. Dr. Sighard Neckel, Soziologe, Universität Hamburg, DFG-Kolleg-Forschungsgruppe »Zukünfte der Nachhaltigkeit«. Die Kultur des emotionalen Kapitalismus. Einleitung. In: Arlie Russell Hochschild: Das gekaufte Herz. Die Kommerzialisierung der Gefühle. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/New York 2006: Campus.
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4. September 2025. Integrationsstrukturen in Deutschland: Eine Debatte
Trotz dröhnender Anti-Migrationsrhetorik haben sukzessive Bundesregierungen in Deutschland mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, dem Jobturbo sowie der geplanten »Work-and-Stay-Agentur« für viele den legalen Zugang in den Arbeitsmarkt erleichtert. Basierend auf einer aktuellen Studie zu Integrationsinfrastrukturen (gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration) werden wir diskutieren, inwieweit hier gerade auf kommunaler Ebene Auswirkungen zu erwarten sind. Christian Joppke ist seit 2025 Senior Research Fellow am HIS und war von 2015 bis 2020 Mitglied des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Er forscht zur politischen Soziologie, mit Schwerpunkt auf Migration, Staatsbürgerschaft, Religion, Nation und Nationalismus, Multikulturalismus, und war u. a. Professor an der Universität Bern, der American University Paris und dem EUI in Florenz. Tobias Eule leitet seit 2019 als Distinguished Researcher die Forschungsgruppe Rechtssoziologie am HIS. Hauptamtlich ist er Professor für Rechtssoziologie an der Universität Bern. Er beforscht die Wechselwirkungen von Recht und Gesellschaft mit Schwerpunkt auf Migration, Sozialrecht und Völkerrecht.
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9. Juli 2025. Bücher am HIS. Fernes Unrecht, fremdes Leid
Die internationale Gerichtsbarkeit und die Ukraine, Israel und Gaza. Der russische Überfall auf die Ukraine, der Angriff der Hamas auf Israel und der Krieg im Gazastreifen haben die internationale Strafgerichtsbarkeit vor neue Herausforderungen gestellt. Nicht afrikanische Milizenführer oder Präsidenten »schwacher« Staaten sollen vor Gericht gestellt werden, es sind führende Politiker »starker« Staaten, zum Teil eng mit dem sich als völkerrechtsfreundlich verstehenden Westen verbündet, gegen die Haftbefehle erlassen wurden. Wie gehen die internationale und die westliche Politik damit um? Was bedeuten Haftbefehle und gerichtliche Untersuchungen für die Kriege, die doch zu einem Ende gebracht werden sollen? Welche Perspektive hat vor diesem Hintergrund die internationale (Straf)Gerichtsbarkeit? Muriel Asseburg ist Politologin und Senior Fellow in der Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. »Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza. Hintergrund, Eskalation, Folgen«, Verlag C.H. Beck. Gerd Hankel ist Völkerrechtler und Sprachwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. »Fernes Unrecht. Fremdes Leid. Von der Durchsetzbarkeit internationalen Rechts«, Verlag Hamburger Edition. Moderation: Wolfgang Knöbl, Soziologe und Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit unserem Verlag Hamburger Edition.
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24. Juni 2025. Politische Bildung in disruptiven Zeiten
Thomas Krüger, langjähriger Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, verabschiedet sich aus dieser unter ihm so sehr gewachsenen und für die deutsche Geschichte und Gegenwart so wichtigen Institution. Wir sagen tschüss und danke – und wollen mit ihm angesichts seiner großen Erfahrung über die veränderte Rolle der politischen und historischen Bildung heute diskutieren, insbesondere über die Aufgaben von Bildungsarbeit in einem immer konfliktreicher werdenden gesellschaftlichen Klima, und über die Funktionen, die möglichen Leistungen und erwartbaren Grenzen einer Einrichtung wie der Bundeszentrale in der heutigen Zivilgesellschaft. Thomas Krüger, absolvierte von 1976 bis 1979 eine Ausbildung zum Facharbeiter für Plast- und Elastverarbeitung. Es folgten ein Studium der Theologie und die Arbeit als Vikar. Er gehörte 1989 zu den Gründungsmitgliedern der Sozialdemokraten in der DDR (SDP). Von 1991 bis 1994 war er Senator für Jugend und Familie in Berlin, danach bis 1998 MdB, bevor er eine zweijährige Erziehungszeit nahm. Seit Juli 2000 ist er Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Miriam Rürup, Prof. Dr., Studium der Geschichte, Soziologie und Europäischen Ethnologie. Nach Stationen in Göttingen, Washington und Hamburg, seit 2020 Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrums und Professorin für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam. Stefan Malthaner, Prof. Dr., Politikwissenschaftler und Soziologe; Sprecher der Forschungsgruppe Makrogewalt, Gastprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg Moderation: Isabell Trommer, Dr. phil., studierte Politikwissenschaft und Germanistik in Hamburg. Seit 2021 geschäftsführende Verlagsleitung der Hamburger Edition. Diese Veranstaltung ist eine Kooperation mit der Hamburger Edition
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Streitbar 19.05.25| (Un-)Glaube in Zeiten schnellen Wandels
Die Streit.Bar wird diesmal eine andere sein. Denn mit dem Tod von Thomas Großbölting im Februar dieses Jahres haben wir einen Freund und geschätzten Mit-Diskutanten verloren, der seit 2022 fest zu unserer Runde gehörte. Trotz dieser Erschütterung wollen wir die Streit.Bar weiterhin anbieten, zunächst in kleinerer Besetzung, und haben uns für dieses Mal ein Thema herausgesucht, das Thomas Großböltings Biographie geprägt hat, über das wir bislang aber noch nicht auf dieser Bühne sprachen: den Glauben in seinen vielen Facetten. Gerade in Zeiten, in denen man manchmal kaum glauben mag, dass stimmt, was in den Nachrichten vermeldet wird, und in denen Ängste das gesellschaftliche Klima prägen, stellen sich Hoffnung und Verzweiflung ein. Es tauchen Fragen nach dem Glauben ebenso auf wie diejenigen nach der Moral oder einem rational zu begründenden Fortschritt. Darüber wollen wir diskutieren: Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) und Hilal Sezgin (Schriftstellerin und Journalistin). Die Bücher: Byung-Chul Han: Sprechen über Gott (Matthes & Seitz) Thomas Nagel: Moralische Gefühle, moralische Wirklichkeit, moralischer Fortschritt (Suhrkamp) Dorothea Weltecke: Die drei Ringe. Warum die Religionen erst im Mittelalter entstanden sind (C.H. Beck) …..und ein Roman Streit.Bar - Bücher der Gegenwart ist eine Veranstaltungsreihe des Thalia Theaters und des Hamburger Instituts für Sozialforschung
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13. Mai 2025. Johanna Rinceanu: Meinungsfreiheit in der digitalen Welt?
Politische Debatten und zivilgesellschaftliches Engagement finden vermehrt online und vor allem in sozialen Medien statt. Die Diskursproduktion in der Gesellschaft hat sich damit auf das Internet als neuem Medium verlagert und ihre Struktur und Dynamik verändert. Mit dieser Diskursverschiebung ging eine Verrohung der Debattenkultur einher. Das Internet ist zunehmend anfällig geworden für problematische Online-Inhalte – darunter Hate Speech, Belästigung unter Nutzung von Bildern, Rassismus, Extremismus, Desinformation sowie Fake News. Gleichzeitig ist das Internet aber immer häufiger auch Schauplatz weniger auffälliger struktureller Bedrohungen für die Demokratie geworden, wie beispielsweise Überwachung, Zensur und Kontrolle. Herkömmliche Regulierungsansätze haben sich als weitgehend erfolglos erwiesen. Darüber hinaus richtet sich der Fokus herkömmlicher Online-Regulierungen fast ausschließlich auf die Einschränkung »problematischer« Online-Inhalte, die immer weiter an Fahrt aufnehmenden Phänomene der Massenüberwachung und der privatisierten staatlichen Zensur werden dagegen unberücksichtigt gelassen. In der Gesamtschau stellen diese Entwicklungen eine Bedrohung für die Grundfreiheiten dar, insbesondere für das Recht auf freie Meinungsäußerung, und versetzen soziale Medien wider Willen in die Rolle mächtiger Gatekeeper an der Schwelle der Menschenrechte. Dr. Johanna Rinceanu, LL.M. (Washington D.C.), Senior Researcher am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht Moderation: Dr. Laura Affolter, Forschungsgruppe Rechtssoziologie des Hamburger Instituts für Sozialforschung Eine Veranstaltung der Reihe "Die Verfassung der Freiheit - Demokratieprobleme der Gegenwart"
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24. April 2025. Aaron Sahr: Bitcoin – eine Währung der Freiheit?
Über krypto-liberale Geld- und Staatskritik Donald Trump ist ein Supporter, der argentinische Präsident Javier Milei ebenso, die FDP hat ihn sich in ihr Wahlprogramm geschrieben: Bitcoin, der Urvater aller Kryptowährungen, erlebt einen Höhenflug. Nach der Wahl des selbsternannten »Pro-Bitcoin-Präsidenten« in den USA stieg der Wert der digitalen Münzen erstmals über 100.000 Dollar pro Stück. Im Jahr 2008 als unscheinbares PDF-Dokument in den Tiefen des Internets gestartet, hat sich Bitcoin zu einem hartnäckigen Projekt monetärer Transformation gemausert, das im Feuilleton renommierter Wochenzeitungen genauso heimisch geworden ist wie auf dem Buchmarkt und im Bundestag. Das Kernversprechen dieses Projekts ist unbestreitbar attraktiv: Als »digitales Gold« will Bitcoin eine stabile, globale »Währung der Freiheit« für das 21. Jahrhundert werden. Der Vortrag erklärt, wie die berühmtberüchtigte Kryptowährung funktioniert, woran sie scheitern und was von ihr bleiben wird. Aaron Sahr, Wirtschaftssoziologe; Leiter der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität am Hamburger Institut für Sozialforschung und Gastprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg Moderation: Philipp Müller, Historiker; Privatdozent an der Humboldt-Universität zu Berlin und Sprecher der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit am Hamburger Institut für Sozialforschung Eine Veranstaltung der Reihe "Die Verfassung der Freiheit - Demokratieprobleme der Gegenwart"
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11. März 2025. Bücher am HIS. „Lagermedizin“ in Auschwitz. Funktion und Dilemmata der Häftlingsärzte 1940-1945
Unter den Häftlingen in Auschwitz waren alle Berufsgruppen vertreten, auch Ärztinnen und Ärzte. Wer eine Beschäftigung im Krankenbau bekam, steigerte seine Überlebenschancen, konnte aber auch sein medizinisches Wissen einsetzen, um anderen zu helfen. Als Auschwitz 1942 zum Vernichtungskomplex ausgebaut wurde, ging die Behandlung der kranken Insassen praktisch in die Hände der Häftlingsärzte über, auch wenn SS Mediziner die Aufsicht ausübten. Der Historiker Bogdan Musial zeigt, dass die Kooperation oft tief reichte und Häftlingsärzte in Dilemmata stürzte: Einerseits konnten sie helfen, andererseits waren sie durch Befehle gezwungen, tödliche Entscheidungen mitzutragen. Bogdan Musial, Historiker. Nach dem Studium in Hannover und Manchester promovierte er zur Judenverfolgung im besetzten Polen. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut (DHI) in Warschau und am Institut für Nationales Gedenken (IPN). Von 2010 bis 2015 hatte er eine Professur an der Universität Warschau inne, wo er 2005 auch habilitiert worden war. Musial hat zahlreiche Bücher über den Holocaust und die deutsche, sowjetische und polnische Geschichte veröffentlicht. Anett Dremel, Politikwissenschaftlerin. Nach dem Abschluss an der Universität Kiel arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an diversen Gedenkstätten. Bis Mai 2024 war sie Leiterin der Dokumentationsstelle der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Seit Juni 2024 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt »Medizin im KZ Neuengamme« in der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte. In Kooperation mit der Hamburger Edition und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
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3. März 2025. Das Bundesverfassungsgericht
, sein Einfluss auf die Geschichte der Bundesrepublik und die wehrhafte Demokratie Mit seinem jüngsten Buch »Die Historiker und die Verfassung. Ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte des Grundgesetzes« hat Dieter Grimm zurecht darauf aufmerksam gemacht, dass in der Geschichtsschreibung zur Entwicklung der Bundesrepublik kaum je die Rolle des Bundesverfassungsgerichts angemessen gewürdigt wurde. Dabei war das BVerfG gerade mit Blick auf die Gewährung, Ausweitung und Einschränkung von Freiheitsrechten von größter Bedeutung, waren nicht zuletzt auch Parteienverbote Gegenstand von dort getroffenen Entscheidungen. Darüber – und gerade auch über aktuelle Diskussionen hinsichtlich eines möglichen Verbots der AfD – wird der Historiker und Rechtswissenschaftler Dieter Gosewinkel, derzeit Fellow am HIS, mit dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter und Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin Dieter Grimm sprechen. Dieter Grimm, Dr. Dr. h.c. mult., LL.M. (Harvard), Permanent Fellow des Wissenschaftskolleg. Rektor des Wissenschaftskollegs (2001–2007), Professor (em.) für Öffentliches Recht der Humboldt-Universität zu Berlin, Bundesverfassungsrichter a.D. Dieter Gosewinkel, Historiker und Jurist; Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin. Senior Research Fellow und Mitglied der FG Demokratie und Staatlichkeit am HIS. Bis 2023 Direktor des »Center for Global Constitutionalism« am WZB Marlene Grunert, Juristin. Referendariat mit Stationen beim Auswärtigen Amt, wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten. Politische Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und politische Korrespondentin in Berlin Wir bitten um Ihr Verständnis. Aufgrund technischer Probleme war die Tonqualität bei der Aufzeichnung eingeschränkt.
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26. Februar 2025. Ruth Wodak: »Fortress Europe« and »Fortress Austria« — The Shameless Normalization of Exclusionary Politics and Discourses
Recent years have shown a global rise of the far-right, frequently supported by conservative mainstream parties and the manipulative use of (social) media. Formerly taboo statements are increasingly being incorporated into mainstream discourses and politics. This normalization is accompanied by a certain »shamelessness«: the boundaries of what can be said are shifting both in terms of the frequency and acceptance of lies, the disregard for principles of politeness, and the undermining of democratic conventions. Public communication is dominated by discursive strategies of provocation, guilt avoidance, denial, Manichean division, and conspiracy narratives, accompanied by an increasingly strong nativist nationalism and the racialization of space. Focusing on recent EU asylum policies and imaginaries of the »new normal« in Austria and beyond, the lecture will illustrate the ongoing processes of (shameless) normalization. Prof. Dr. Ruth Wodak, emeritierte Professorin für Angewandte Linguistik der Universität Wien und Distinguished Professor of Discourse Studies der Lancaster University Moderation: Alexander Hobe, M.A., Historiker; Mitglied der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit am HIS Eröffnungsveranstaltung des Workshops "Politics of demarcation and the radical right in post-war Europe: Defining what is right" We ask for your understanding. Due to technical problems, the sound quality in the recording was limited.
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29. November 2024. Ohne Ende? Von letzten Generationen, Zeitenwenden und der Nachgeschichte
Alle reden vom Ende der Welt, wie wir sie kennen, erwarten eine grundstürzende Transformation oder wenigstens die Apokalypse. Dabei wird erst das Ende verkündet – und dann geht alles weiter wie bisher. Einerseits erscheint das Ende (erzähl-)politisch ungeheuer potent. Dem Klimaprotest wird durch die Prognose des nahenden Endes Gewicht verliehen. Die Zeitenwende-Rede des Bundeskanzlers gewann ihr Pathos aus der Behauptung, dass hiermit eine Periode ende. Welche Funktion erfüllen Endzeiterzählungen? Und was geschieht, wenn das angekündigte Ende doch ausbleibt? Was bedeutet die gesellschaftliche Erfahrung von Kontinuität, Fortbestand und Rückkehr des vermeintlich längst Zurückgelassenen für die Rezeption von politischen, wissenschaftlichen und literarischen Endzeiterzählungen? Könnte auf die Orientierungsfunktion von Endpunkten überhaupt verzichtet werden? Und zeichnen sich bereits andere, nicht-enden-wollende also nicht-narrative Formen der gesellschaftlichen Selbstverständigung ab? Darüber sprach Jens Bisky mit Carolin Amlinger, Ulrich Bröckling und Juan S. Guse. Carolin Amlinger, Literatursoziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Basel Ulrich Bröckling, Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Juan S. Guse, Schriftsteller und Soziologe; seine Romane »Lärm und Wälder« (2015) und »Miami Punk« (2019) sind beim S. Fischer Verlag erschienen. Moderation: Jens Bisky, Autor und leitender Redakteur des Mittelweg36 und Soziopolis Die Veranstaltung fand im Rahmen der Konferenz "Auserzählt. Narrative vom Ende und das Ende der Narrative" statt.
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4. November 2024. Streit.Bar | Künstliche Intelligenz und menschliche Dummheit
Streit.Bar will eingreifen – in die städtische Öffentlichkeit, den politischen Diskurs, die gesellschaftliche Debatte darüber, was das Neue an den derzeitigen Problemen ist und wie es weitergehen soll. Künstliche Intelligenz ist zwar ein altes Thema, dystopische Romane hierzu gibt es einige. Aber die Phantasie ist nun eben Realität geworden, KI ist und wird verbunden mit großen Rationalisierungs- und Erkenntnischancen, aber auch enormen Verwerfungen und Ängsten, wobei an die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten ebenso zu denken ist wie an das Aufkommen schwieriger ethischer Fragen. Darüber wollen wir in der nächsten Streit.Bar diskutieren – und zwar in folgender Besetzung: Thomas Großbölting (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg), Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) und Hilal Sezgin (Freie Journalistin und Buchautorin). Die Bücher: Kate Crawford | Atlas der KI: Die materielle Wahrheit hinter den neuen Datenimperien (C.H. Beck) Rüdiger Graf | Vorhersagen und Kontrollieren: Verhaltenswissen und Verhaltenspolitik in der Zeitgeschichte (Wallstein Verlag) Matteo Pasquinelli | Das Auge des Meisters: Eine Sozialgeschichte künstlicher Intelligenz (Unrast Verlag) E.M. Forster | Die Maschine steht still (Hoffmann und Campe) [1909] Eine Veranstaltung des Thalia Theaters, des Hamburger Instituts für Sozialforschung und der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
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7. November 2024. Diskussion: Israelische und palästinensische Perspektiven auf die deutsche Staatsräson
„Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar. Und wenn das so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben.“ So Angela Merkel 2008 vor der Knesset in Jerusalem. Diese Staatsräson gehört auch zum Selbstverständnis der aktuellen Regierung und ist Gegenstand zahlreicher Debatten. Sie wird kritisch hinterfragt und abgelehnt oder positiv referiert und als Grundpfeiler des deutschen Staates herangezogen. Und das nicht nur in seinem explizit außenpolitischen Verhältnis zu Israel, sondern auch bei innenpolitischen Auseinandersetzungen. Zugleich wurde nie ausbuchstabiert, was „Staatsräson“ genau bedeutet. Der 7. Oktober 2023 und die seitdem anhaltenden militärischen Reaktionen Israels, aber auch das Geschehen und die Diskussionen in Deutschland dürften die „Stunde der Bewährung“ sein, von der Angela Merkel sprach. Was nun? Nazih Musharbash und Meron Mendel sprechen über palästinensische und israelische Perspektiven auf die deutsche Staatsräson, über Möglichkeiten und Gefahren dieses Konzepts. Und über die Folgen für den Alltag vieler Menschen sowohl in Deutschland wie auch für die Menschen zwischen Mittelmeer und Jordan. Nazih Musharbash, Deutsch-palästinensische Gesellschaft. Nazih Musharbash wurde 1946 in Amman geboren, er war Lehrer und Politiker in Niedersachsen und ist seit 2018 Vorsitzender der deutsch-palästinensischen Gesellschaft. Meron Mendel, Bildungsstätte Anne Frank. Meron Mendel wurde 1976 in Ramat Gan geboren, er ist Pädagoge und Publizist, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank und Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences. Moderation: Annabel Wahba, Die Zeit. Annabel Wahba wurde 1972 in München geboren und Textchefin im ZEITmagazin Die Diskussion fand im Rahmen der Konferenz "Israels Sicherheit als deutsche Staatsräson: Geschichte und Aktualität eines umstrittenen Postulats" am 7. November 2024 statt.
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1. Oktober 2024. Das HIS diskutiert: Freiheitsschock
Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen lassen sich als eine akute Gefährdung der bundesdeutschen Demokratie interpretieren, die augenscheinlich in den sogenannten neuen Bundesländern besonders deutlich zu Tage tritt. Sind entscheidende Ursachen der dortigen Entwicklung in der fehlenden Fähigkeit vieler Ostdeutscher zu suchen, sich von ihren in der DDR-Zeit entstandenen und autoritär geprägten Gewohnheiten und Verhaltensformen zu lösen und ihre daraus resultierenden Hoffnungen der Realität anzupassen? Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk hält in seinem jüngsten Buch Freiheitsschock die Erfolge und den Aufstieg von AfD und BSW für das Ergebnis einer aus enttäuschten Erwartungen geborenen gesellschaftlichen Wut. Vor dem Hintergrund der jüngsten politischen Ereignisse diskutiert er seine Thesen und Argumente mit Alexander Leistner, der an der Universität Leipzig die kollektive Prägekraft der Transformationen von 1989/90 untersucht. Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk ist Historiker und Publizist sowie Wissenschaftler der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur Dr. Alexander Leistner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Moderation: Dr. Laura Wolters, Sozialwissenschaftlerin; Forschungsgruppe Makrogewalt sowie Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit des Hamburger Instituts für Sozialforschung Eine Veranstaltung des HIS in Kooperation mit C. H. Beck
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16. Juli 2024. Das HIS diskutiert: Adornos Erben — Eine Geschichte aus der Bundesrepublik
Im Oktober 1949 kehrte Theodor W. Adorno aus dem amerikanischen Exil in seine Geburtsstadt Frankfurt zurück. Die Stadt selbst lag in Trümmern, die Nazis hatten nur die Kleider gewechselt, aber die Studierenden kamen in Scharen. Bald war der Philosoph wöchentlich im Radio zu hören und zum Stichwortgeber und »Erzieher« der jungen Bundesrepublik geworden. Als Adorno 1969 starb, waren das Institut für Sozialforschung und sein Direktor bundesweit bekannt. Die Frankfurter Schule befand sich auf dem Zenit ihrer öffentlichen Wirkung. Dieser Denkraum und seine Metamorphosen zwischen Nachkrieg und Wiedervereinigung sind das Thema des Buches, zwölf Mitarbeiter Adornos seine Protagonisten. Jörg Später folgt ihren Wegen und schildert, wie sie in Wissenschaft, Politik und den neuen sozialen Bewegungen Adornos Erbe annahmen und veränderten. Über eben diese Erbauseinandersetzung spricht der Autor an diesem Abend mit Wolfgang Knöbl und Clemens Boehncke. Jörg Später, promovierter Historiker und freier Autor. An der Universität Freiburg ist er mit der Forschungsgruppe Zeitgeschichte assoziiert. Clemens Boehncke, Politikwissenschaftler und Soziologe; Hamburger Institut für Sozialforschung Wolfgang Knöbl, Soziologe und Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Eine Veranstaltung in Kooperation mit Suhrkamp
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3. Juli 2024. Valentin Feneberg: Militärdienstverweigerung als Asylgrund
Der Entzug vom Militärdienst und die Furcht vor einer daraus resultierenden Bestrafung ist für zahlreichende Menschen ein Grund, nicht in ihren Herkunftsstaat zurückzukehren. Während in Ausnahmefällen bereits der Zwang, Militärdienst leisten zu müssen, als Verletzung des Menschenrechts auf Gewissensfreiheit betrachtet wird, muss in Asylverfahren vor allem geprüft werden, wie genau Verweigerer betraft werden, unter welchen Bedingungen sie den Militärdienst ableisten müssten und ob ein Einsatz in einem völkerrechtswidrigen Krieg droht. An den Beispielen Syrien und Eritrea erläutert der Vortrag die zentralen Rechts- und Tatsachenfragen in Asylverfahren zu Militärdienstverweigerung und zeigt die Zusammenhänge zwischen der Entscheidungspraxis zu diesen Herkunftsstaaten und den Verfahren russischer Asylsuchender, die sich seit der Invasion der Ukraine dem Militärdienst durch ihre Ausreise entzogen haben. Valentin Feneberg, Lehrstuhl Public Policy & Recht am Institut für Politikwissenschaft der Leuphana Universität Lüneburg Moderation: Dr. Laura Affolter, Forschungsgruppe Rechtssoziologie des Hamburger Instituts für Sozialforschung Reihe Im Nebel des Krieges | 40 Jahre HIS
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26. Juni 2024. Monica Prasad: The Paradox of Incorporation
A Theory of Contemporary State-Building Preisverleihung und Landshut Lecture Contemporary state-building depends on the incremental evolution of the relationship between the state and non-state groups, but recent research ignores how the interaction of state and non-state groups affects the evolution of both. One important reason for the durability of non-state groups is the »noncontractual elements of contract,« that is, the social factors that must be in place for political mechanisms to function. I argue that if the state ignores or merely tolerates non-state groups, non-state groups can actually be strengthened. Paradoxically, embracing non-state groups as part of the formal state can – in some circumstances – both strengthen the formal state, and weaken the non-state group, because (1) the state can borrow the legitimacy of the non-state group and use it to create conditions for economic development which weakens constituents’ material dependence on non-state groups, and (2) becoming too close to the state can undermine non-state actors‘ legitimacy. The theory is illustrated with primary research on Somaliland and secondary research on other contexts of both successful and failed hybrid governance. Grußwort: Senator Dr. Carsten Brosda, Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg Begrüßung und Laudatio: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung
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25. Juni 2024. Das HIS diskutiert: Israelbezogener Antisemitismus?
Geschichte und Gegenwart antizionistischer Proteste Ort am HIS Der Punkt, an dem die Kritik an konkreter israelischer Politik in Antisemitismus kippt, ist ein zentraler Streitpunkt aktueller Debatten. Dabei handelt es sich hierbei um kein neues Phänomen. Im Gegenteil sind antisemitische Debatten über den jüdischen Staat älter als der Staat selbst. Und gerade in Deutschland wurden Debatten – Links, Rechts und in der Mitte – immer wieder über diese Zusammenhänge geführt. Dabei zeigt sich allzu oft die Persistenz des »Gerüchts über die Juden« (Adorno), das sich dann in »Israel-Kritik« äußert. Über Geschichte und Gegenwart von Antizionismus und Antisemitismus, den Verbindungslinien, Gemeinsamkeiten und Differenzen, sprechen Jan Philipp Reemtsma und Meron Mendel miteinander, es moderiert Wolfang Knöbl. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank und Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences. 2023 erschien von ihm »Über Israel reden. Eine deutsche Debatte«. Jan Philipp Reemtsma, Gründer und bis März 2015 Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung. 2024 schrieb er das Nachwort zur Neuausgabe von Adornos »Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute«. Moderation: Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Bildungsstätte Anne Frank und unserem Verlag Hamburger Edition.
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12. Juni 2024. Das HIS diskutiert: Kapitalismus, Naturvernutzung und globale Asymmetrie
— eine (zeit-)historische Perspektive In der aktuellen sozialwissenschaftlichen Diskussion spielt die meist auf den Klimawandel verkürzte Naturvernutzung eine zentrale Rolle (zuletzt: Beckert 2024; Blühdorn 2024). Dabei wird dem Kapitalismus eine recht unterschiedliche Bedeutung sowohl als Verursacher etwa der Erderwärmung als auch als Blockierer angemessener Problemlösungen zugewiesen. Von globaler Asymmetrie ist dagegen so gut wie nie die Rede. Der Vortrag zeigt auf, zu welchen Verkürzungen es führt, wenn man dergestalt im Horizont westlicher Industriestaaten verharrt und überdies von grundlegenden historischen Wandlungsprozessen absieht. Für letztere stütze ich mich auf meine im Vorjahr unter dem Titel Der Preis der Welt erschienene Globalgeschichte des Kapitalismus, greife anders als in diesem Buch aber nicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, sondern konzentriere mich auf Zeiten, für die ältere Zuhörerinnen und Zuhörer Zeitgenossenschaft beanspruchen können. Prof. Dr. Friedrich Lenger, Historiker; Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Gießen Sighard Neckel, Soziologe; Professur für Gesellschaftsanalyse und sozialen Wandel an der Universität Hamburg, Mitglied der DFG-Kolleg- Forschungsgruppe »Zukünfte der Nachhaltigkeit« Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Soziologe; Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Eine Veranstaltung des HIS in Kooperation mit der Universität Hamburg Zu Beginn der Aufzeichnung kam es in den ersten Minuten zu Tonproblemen, die sich leider in der Nachbearbeitung nicht zu 100% beheben ließen. Wir bitten Sie, dies zu entschuldigen.
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27. Mai 2024. Streit.Bar: Kapitalismus: Risiken und Nebenwirkungen einer Wirtschaftsform
STREIT.BAR im Nachtasyl des Thalia Theaters | Es diskutieren Thomas Großbölting, Wolfgang Knöbl und Hilal Sezgin Streit.Bar will eingreifen – in die städtische Öffentlichkeit, den politischen Diskurs, die gesellschaftliche Debatte darüber, was das Neue an den derzeitigen Problemen ist und wie es weitergehen soll. Die positiven wie negativen Effekte kapitalistischen Wirtschaftens sind ein altes, aber immer wieder neu aufgeworfenes und damit aktuelles Thema. Gerade in letzter Zeit wird besonders deutlich, dass der Problemstau in (nicht nur) westlichen Gesellschaften (von der Klimakrise bis hin zur Steuerung von Migrationsprozessen) zutiefst mit dieser Wirtschaftsform zusammenhängt, so dass auch die Frage der Möglichkeit alternativen Wirtschaftens immer stärker in den Mittelpunkt rückt. Darüber wollen wir in der nächsten Streit.Bar diskutieren – und zwar in folgender Besetzung: Thomas Großbölting (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg), Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) und Hilal Sezgin (Freie Journalistin und Buchautorin). Die Bücher: Jens Beckert, Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht (Suhrkamp) Ingrid Robeyns, Limitarismus. Warum Reichtum begrenzt werden muss (S. Fischer) Alyson K. Spurgas/ Zoë C. Meleo-Erwin, Dekolonisiert Selfcare (Edition Nautilus) Ulrich Peltzer, Der Ernst des Lebens (S. Fischer) Streit.Bar – Bücher der Gegenwart ist eine Veranstaltung des Thalia Theaters und des Hamburger Instituts für Sozialforschung
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3. Juni 2024. Bücher am HIS. Café Marx
»Café Marx«: So nannten Freunde wie Feinde das Institut für Sozialforschung flapsig. Und tatsächlich liegen die Anfänge der Kritischen Theorie und der Frankfurter Schule in einer Auseinandersetzung mit dem Marxismus. Philipp Lenhard erzählt auf einer breiten Quellengrundlage die Geschichte der Personen, Netzwerke, Ideen und Orte, die das Institut geprägt haben und ihrerseits von ihm geformt wurden. So wird anschaulich greifbar, warum die Frankfurter Schule wie keine zweite die großen intellektuellen Debatten des 20. Jahrhunderts bestimmt hat. Über das Verhältnis von Institutsgeschichte und historischem Augenblick spricht der Autor an diesem Abend mit Clemens Boehncke. Philipp Lenhard, University of California, Berkeley Clemens Boehncke, Hamburger Institut für Sozialforschung Eine Kooperation mit C. H. Beck
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7. Mai 2024. Valeria Lazarenko: Researching War from Inside War: Experiences of Ukrainian scholars
Russia’s ongoing war against Ukraine poses significant challenges for researchers from diverse academic traditions. On one hand, the unfolding events require immediate consideration and conceptualisation. On the other, the conflict poses significant ethical and methodological difficulties due to its sensitivity and the positionality of researchers interested in studying it. Nevertheless, producing up-to-date knowledge about the conflict is critical for keeping the world informed, deliberating possible war outcomes, and rebuilding Ukraine. In this talk, I will reflect on my experience of conducting research in an about Ukraine since 24 February 2022, and present the critical reflections on ethical production and dissemination of authoritative knowledge about the war. Being an ›insider‹ in my positionality, I will also highlight the need to tackle epistemic inequalities and Western-dominated orderings in knowledge production, and the value of elevating ethics above research outputs to protect our participants, ourselves, and larger communities. Dr. Valeria Lazarenko, Wissenschaftlerin am Georg-Simmel Center for Urban Studies Moderation: Dr. Lodewijk Van Dycke, Jurist; Forschungsgruppe Rechtssoziologie Eine Veranstaltung der Reihe "Im Nebel des Krieges" | 40 Jahre HIS
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30. April 2024. Bücher am HIS. Lokalgeschichte und »Asylkrise«
In seinem Buch Blumen und Brandsätze. Eine deutsche Geschichte, 1989–2023 schreibt Klaus Neumann über den Umgang mit Asylsuchenden, DDR-Übersiedler*innen, Aussiedler*innen, Bürgerkriegsflüchtlingen und anderen Menschen, »die wir nicht gerufen haben«. Seine Geschichte arbeitet mit Geschichten aus dem Hamburger Westen und dem Südosten Sachsens. Sie thematisieren Auseinandersetzungen um die Unterbringung von Schutzsuchenden, west- und ostdeutsche Fremd- und Eigenwahrnehmungen, Rassismus und rechte Gewalt sowie demokratische Teilhabe. In Neumanns Vortrag und im anschließenden Gespräch mit Knud Andresen geht es unter anderem um Handlungsspielräume und Handelnde auf der lokalen Ebene sowie die Rolle und das Potenzial von Lokalgeschichte. Klaus Neumann, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur / Deakin University Knud Andresen, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg Begrüßung: Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und unserem Verlag Hamburger Edition
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2. April 2024. Aaron Sahr: Geld in militärischen Konflikten
Über monetäre Kriegsführung und die Zukunft globaler Zahlungssysteme Die globale Geldordnung steht vor einem Umbruch, der die Dominanz des US-Dollars beenden und die Globalisierung ausbremsen wird. Prognosen dieser Art wurden jüngst durch den russischen Krieg gegen die Ukraine befeuert, als Sanktionen westlicher Staaten die Infrastrukturen des internationalen Zahlungsverkehrs militarisierten und das Geld selbst zur Waffe wurde. Der Vortrag ordnet diese »monetäre Kriegsführung« historisch und geldtheoretisch ein, erläutert die Konstruktionsprinzipien der globalen Geldordnung und stellt Entwicklungsszenarien zur Diskussion. Prof. Dr. Aaron Sahr, Soziologe; Leiter der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität, Gastprofessor am Institut für Soziologie und Kulturorganisation (ISKO) der Leuphana Universität Lüneburg Moderation: Prof. Dr. Stefan Malthaner, Politikwissenschaftler und Soziologe; Sprecher der Forschungsgruppe Makrogewalt, Gastprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg Ein Vortrag der Reihe "Im Nebel des Krieges" | 40 Jahre Hamburger Institut für Sozialforschung.
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13. März 2024. Norbert Frei: »Kriegsverurteilt.«
Verdrängen und Erinnern in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft Dass die Deutschen die Erinnerung an den von ihnen begonnenen Zweiten Weltkrieg und die damit verbundenen Verbrechen nach 1945 »verdrängt« hatten, war das Standardargument einer seit Mitte der 1960er Jahre Diskursmacht gewinnenden „Vergangenheitsbewältigung“. Als Zeichen dieser Verdrängung ließen sich nicht zuletzt die terminologischen Verschiebungen im Diskurs über die von den Alliierten als Kriegsverbrecher verurteilten NS-Funktionäre und Wehrmachtangehörigen deuten, für deren Begnadigung und Freilassung sich zunächst vor allem Kirchenführer eingesetzt hatten, seit 1949 dann auch die politische Klasse der jungen Bonner Republik. Die Unterschiede zwischen Strafhaft und Kriegsgefangenschaft wurden dabei zunehmend verwischt und im Begriff der »Kriegsverurteilten« gleichsam eingeebnet. Der Vortrag erläutert diesen Prozess und diskutiert die Frage, ob die Verwandlung von NS-Tätern in »Kriegsverurteilte« nicht auch als ein verkapptes Eingeständnis der Realität des Vernichtungskrieges zu lesen ist. Prof. Dr. Norbert Frei, Seniorprofessor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Ein Vortrag der Reihe "Im Nebel des Krieges" | 40 Jahre Hamburger Institut für Sozialforschung
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16. Januar 2024. Siniša Malešević: Why Soldiers Kill
The Emotional Dynamics of Battlefield Experiences The act of close-range killing in war is often interpreted through contrasting perspectives: while neo-Darwinian approaches insists that taking lives on the battlefield is relatively easy, the neo-Durkheimian perspectives perceive killing as an extremely difficult and traumatic event for soldiers. In this lecture, Siniša Malešević challenges these influential views and argues that the process of killing is defined by its variability, contingency and context-dependence. Rather than assuming, as the dominant perspectives do, that violence simply triggers biologically ingrained and uniform emotional responses, he argues that acts of violence create various emotional dynamics. Drawing on primary research with ex-combatants from wars in Croatia and Bosnia and Herzegovina (1991–1995), he shows how the shared experience of close-range violence generates highly diverse forms of emotional dynamics. Prof. Dr. Siniša Malešević, Professor für Soziologie am University College Dublin. Prof. Dr. Stefan Malthaner, Sprecher der Forschungsgruppe »Makrogewalt« am Hamburger Institut für Sozialforschung und Gastprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg. Eine Veranstaltung der Reihe Im Nebel des Krieges | 40 Jahre HIS
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09.01.2024 . Bücher Am HIS. Die Attraktivität Der Demokratie. Konturen Einer Zukünftigen Politik
Carsten Brosda und Ute Frevert im Gespräch. In Zeiten sich überlagernder Krisen fällt es derzeit schwer, sich eine gute Zukunft vorzustellen. Was dabei helfen kann, ist die Kraft zuversichtlicher Geschichten, die wir uns als Gesellschaft endlich besser erzählen müssen. Sie sind eine unabdingbare Voraussetzung dafür, künftig freier, gerechter und solidarischer zusammenzuleben. Sie verdichten die Überzeugung, dass sich die Welt überhaupt verändern lässt. Zugleich müssen wir wieder neu lernen, einander zuzuhören und davon auszugehen, dass unser Gegenüber vielleicht recht haben könnte. Oder zumindest, dass wir uns darauf einigen können, in einigen Aspekten verschiedener Meinung zu sein und trotzdem eine Gesellschaft zu bilden, in der alle ohne Angst verschieden sein können. Denn Angst ist ein schlechter Ratgeber. Daher muss Politik ihre Erfolge zukünftig besser erzählen und auch, warum sie tut, was sie tut. Im Gespräch mit der Historikerin Ute Frevert diskutiert Brosda, wie das gelingen könnte. Prof. Dr. Dr. h.c. Ute Frevert, Präsidentin der Max Weber Stiftung, Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Direktorin, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin Dr. Carsten Brosda, ist Senator für Kultur und Medien in Hamburg sowie Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie und Co-Vorsitzender der Medienkommission des SPD-Parteivorstandes Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Eine Veranstaltung des HIS, in Kooperation mit Hoffmann und Campe Verlag. Im Zeitraum von Minute 22:26 bis Minute 26:53 kam es aufgrund eines technischen Defekts leider zu schlechter Tonqualität während der Aufzeichnung, wir bitten hierfür um Verständnis.
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11. Dezember 2023. Streit.Bar: Feminismus - Ein Kassensturz
STREIT.BAR im Nachtasyl des Thalia Theaters | Es diskutieren Thomas Großbölting, Wolfgang Knöbl, Teresa Koloma Beck und Hilal Sezgin Eine Veranstaltungsreihe des Thalia Theaters Hamburg und des Hamburger Instituts für Sozialforschung
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6. Dezember 2023. Bilder aus dem Nebel des Krieges. Diskussion mit Peter Geimer und Marion G. Müller
Die Geschichte des Krieges ist zugleich eine Geschichte der Bilder des Krieges. Lagen früher Jahre oder Jahrzehnte zwischen dem Schlachtengemälde und dem Kriegsgeschehen, das es zeigen soll, gibt es heute geradezu eine Live Berichterstattung. Die gewandelten Produktions- und Rezeptionsformen haben zugleich nichts daran geändert, dass die Bilder ein Geschehen zeigen, rahmen und festhalten, indem Vieles sowohl in den Bildern als auch durch die Bilder selbst unsichtbar bleibt. Das reicht von ihren Entstehungsbedingungen über die Absichten ihrer Verbreitung bis hin zu den vielen anderen gewaltsamen Ereignissen, die sie ebenfalls zeigen könnten. Das betrifft insbesondere aber auch die Arten und Konventionen des Sehens, die dem Gezeigten erst Bedeutung geben. Bilder aus dem Nebel des Krieges werfen im Grunde mehr Fragen auf, als dass sie selbst Antworten liefern. Wofür stehen die Bilder und wer bestimmt darüber? Wie entstehen sie? Wer zeigt sie? Wie sehen Menschen sie? Welche Bilder sollten überhaupt (nicht) gezeigt werden? Über Fragen wie diese sprechen an diesem Abend: Prof. Dr. Peter Geimer, Kunsthistoriker; derzeit Direktor des Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris Prof. Dr. Marion G. Müller, Politikwissenschaftlerin; Professorin für Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Digitale und Audiovisuelle Medien an der Universität Trier Dr. Thomas Hoebel, Soziologe; Wissenschaftler in der Forschungsgruppe Makrogewalt am Hamburger Institut für Sozialforschung
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21. November 2023. Bücher Am HIS. Stefan Eich: Die Währung der Politik
Eine politische Ideengeschichte des Geldes Bankenkrisen, Inflation, Zinsdebatten, Schuldenbremse: Das Thema Geldpolitik ist längst in der Tagespolitik angekommen. Inzwischen ist offensichtlich, dass Geld nicht einfach nur ein neutrales Tauschmittel ist. Aber wie lässt sich Geld auch als ein Instrument politischer Herrschaft verstehen? Und wie könnte eine demokratischere Geldpolitik aussehen? In seinem Buch Die Währung der Politik erzählt Stefan Eich eine neue politische Ideengeschichte des Geldes von der griechischen Antike bis in die Gegenwart als eine Reise durch die sedimentierten Schichten geldpolitischer Krisen, die unser Denken bis heute prägen. In den geldpolitischen Erörterungen von Aristoteles, Locke, Fichte, Proudhon, Marx, und Keynes wird Geld als ambivalentes politisches Projekt sichtbar, das sich im Spannungsverhältnis von Vertrauen und Gewalt bewegt. Das moderne Geld ist ein rechtliches Geschöpf, das sich ohne Bezug auf politische Macht nicht begreifen lässt. Aber es hängt auch immer am seidenen Faden von Vertrauen und kollektivem Glauben, die beide schlagartig verschwinden können. In unserem heutigen Moment des monetären Interregnums lohnt es sich, diese geldpolitische Ideengeschichte neu zu entdecken. Alte Narrative des neutralen Geldes haben an Glaubwürdigkeit verloren. Doch wir haben nur sehr vage Vorstellungen davon, wie eine demokratischere Geldpolitik gestaltet werden könnte. Die politische Theorie und die Ideengeschichte können uns dabei helfen, die geldpolitische Sackgasse zu überwinden und eine Sprache zu finden, die die monetäre Gewalt und ihre Fallstricke in demokratischen Begriffen zu formulieren vermag. Moderation: Aaron Sahr, Leiter der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität am Hamburger Institut für Sozialforschung Eine Kooperation von Hamburger Edition und dem Hamburger Institut für Sozialforschung
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7. November 2023. Diskussion zum »Kriegsverdrängung«
Die Sozialwissenschaften waren in ihrer Geschichte – sieht man ab von einzelnen Feldern wie der Theorie Internationaler Beziehungen – nie besonders daran interessiert, sich mit dem Thema Krieg zu beschäftigen. Dies hatte und hat insbesondere mit optimistischen Hintergrundannahmen zu tun, wonach der soziale und ökonomische Fortschritt gewaltsame Auseinandersetzungen zunehmend unwahrscheinlich machen würde. Und so ist man dann beim Ausbruch von Kriegen immer und immer wieder überrascht, wenn die Gewalt diesem Fortschrittsoptimismus ganz direkt widerspricht. – In der Podiumsdiskussion wird es unter anderem darum gehen, welche Auswirkungen die jüngsten Kriege (der Überfall Russlands auf die Ukraine oder die Angriffe der Hamas auf Israel und die Gewalteskalation im Nahen Osten sind nur einige der Beispiele, die genannt werden könnten) für das sozialwissenschaftliche Denken haben und welche theoretischen wie empirischen Konsequenzen SozialwissenschaftlerInnen aus den kriegerischen Vorkommnissen ziehen sollten. Es diskutieren: Diskussion mit: Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Stefan Malthaner, Wissenschaftler und Sprecher der Forschungsgruppe Makrogewalt am Hamburger Institut für Sozialforschung Klaus Schlichte, Professor für Internationale Politik und Weltgesellschaft (Universität Bremen) Eine Veranstaltung der Reihe "Im Nebel des Krieges" | 40 Jahre Hamburger Institut für Sozialforschung
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24. Oktober 2023. Carola Westermeier: Das Geld(system) der Zukunft?
Digitale Zentralbankwährungen zwischen Fragmentierung und internationaler Kooperation Ein Vortrag von Carola Westermeier (Universität Gießen) Moderation: Florian Schmidt, Forschungsgruppe Monetäre Souveränität „The digital currencies that will transform finance” – so titelte der britische Economist im Mai 2021. In mehreren Berichten legt das Magazin dar, wie digitale Zentralbankwährungen die etablierte Finanzwelt herausfordern – von der Rolle der Banken über die zentrale Stellung des US-Dollar bis hin zu Fragen digitaler Überwachung und Privatsphäre. Nichts sei festgelegt bei der Entwicklung der neuen Technologie, oder anders: ihre technologischen Möglichkeiten stellen das Etablierte in Frage. Der entscheidende Unterschied zu Kryptowährungen ist dabei, dass diese Technologie nicht von „außen“ kommt, sondern in den Zentren der Finanzwelt, den Zentralbanken, entwickelt wird. Inzwischen erkunden weltweit 130 Ländern die Möglichkeiten, die ihnen digitale Zentralbankwährungen bieten. Bereits in einer fortgeschrittenen Phase befindet sich die Europäische Zentralbank, die im Herbst entscheidet, ob der digitale Euro in einer „realisation phase“ für konkrete Anwendungsfälle getestet wird. Noch einen Schritt weiter ist China, wo der digitale Yuan bereits eingesetzt wird. Was aber verbindet den digitalen Euro mit dem digitalen Yuan? Wo sind Unterschiede? Welche (geo)politische Motive spielen bei der Entwicklung der neuen Digitalwährungen eine Rolle? Werden sie unserem Geld eine neue politische Form geben? Der Vortrag thematisiert die aktuelle Entwicklungsphase der neuen digitalen Währungen, in der maßgebliche Entscheidungen für ihren zukünftigen Einsatz gefällt werden. Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe Geldpolitk im Umbruch
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17. Oktober 2023. Leon Wansleben: Der Aufstieg der Zentralbanken
Staatliche Macht im Finanzkapitalismus Wie erklären wir die wachsende Bedeutung und Sichtbarkeit von Zentralbanken seit den 1970er Jahren? Nach zum Teil rigorosen Inflationsreduktionen, gewannen Notenbanken vor allem in den 1990er Jahren allgemeinere Zuständigkeiten für makroökonomische Steuerung, bevor die turbulente Phase seit 2008 sie zu (fast) allzuständigen Gewährsinstanzen, Wachstumspromotoren und Stabilitätsankern machte. Die bisherige Diskussion in der Politischen Ökonomie hat Schwierigkeiten, diese Entwicklung zu erklären, weil sie sich lange Zeit allein auf Inflations-bezogene Interessen und Ideologien konzentrierte. Für manche Autor*innen war die Sicherung stabiler Preise durch unabhängige Notenbanken eine vernünftige Antwort auf Geldkrisen; für andere signalisierte ebenjene Politik eine Übermacht der Interessen an „hartem Geld“. In seinem Vortrag zum Aufstieg der Zentralbanken entwickelt Leon Wansleben einen anderen Ansatz, der Zentralbanken als organisationale Akteure, ihre spezifischen Instrumente und sich wandelnde Kontextbedingungen zum Einsatz dieser Instrumente in den Blick nimmt. Insbesondere seit den 1990er Jahren konnten Zentralbanken die Finanzialisierung der Wirtschaft und den Wandel hin zu „market-based finance“ nutzen, um ihre infrastrukturelle Macht auszuweiten. Ein Vortrag von Leon Wansleben (Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln) Moderation: Carolin Müller, Forschungsgruppe Monetäre Souveränität Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe Geldpolitk im Umbruch
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16. Oktober 2023. Michael Mann: Are Wars Rational?
Michael Mann hast three main propositions. First, war is not hard-wired into humans or only men. It is a product of social stratification and states. Second, decisions for war have been predominantly taken by rulers and their entourages, regardless of the formal constitution of the state. Lacking interest in foreign policy, the people are easily manipulated into war. Third, most wars have been irrational in terms of means or ends or both together, because as well as supposed material or strategic interests, war and peace decisions are constrained by emotions, ideologies, domestic politics, and “baked in” culture and institutions. Mann derives these propositions from quantitative research on wars since 1816 and his own long-run analysis of sequences of war across three continents. Michael Mann, Michael Mann, Distinguished Research Professor, University of California, Los Angeles; Siegfried Lanshut Preisträger 2018 Moderation: Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Ein Vortrag der Reihe "Im Nebel des Krieges" | 40 Jahre Hamburger Institut für Sozialforschung
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10. Oktober 2023. Andrea Binder: Das Vermächtnis des Dollar-Öl-Standards
Ein Vortrag von Andrea Binder (Freie Universität Berlin) Moderation: Luca Kokol, Forschungsgruppe Monetäre Souveränität Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe Geldpolitk im Umbruch
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6. Juni 2023. Wolfram Kaiser: Contesting European Futures
Ju-Jitsu between Europhiles and Eurosceptics in the Past This lecture explores connections between transnational politics and opposition to »Europe« in historical perspective. It argues that transnational advocacy for European cooperation has provoked Eurosceptic activism and narratives. In post-war Europe, Europhiles’ consistent notion of further economic and political integration as the creation of a supranational European democracy of sorts has transformed the struggle between Europhiles and Eurosceptics into one about broader issues of the nature of democracy, not merely the location of decision-making. In this struggle, despite their mutual ideological enmity, the far right and far left frequently align in a form of populist social nationalism that is reminiscent of inter-war alliances against parliamentary democracy at nation-state level. Prof. Dr. Wolfram Kaiser, Historiker; Professor für European Studies an der University of Portsmouth, Gastprofessor am College of Europe in Brügge sowie Leiter im Wissenschaftlichen Dienst des Europäischen Parlaments Moderation: Prof. Dr. Philipp Müller, Historiker; Sprecher der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit; Leiter des BMBF-Verbundprojekts "Euroskepsis" Vortrag im Rahmen der HAMBURG SUMMER SCHOOL FOR SOCIAL RESEARCH, einer Kooperation mit der ZEIT Stiftung.
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