EPISODE · Jul 28, 2026 · 5 MIN
„Radikalisierung für den IS ist kein Zufall“ – Extremismus-Expertin Jamuna Oehlmann über die Bedeutung langfristiger Präventionsarbeit
from SWR2 Kultur Aktuell
Nach dem Anschlag auf den CSD läuft die Debatte darüber, wie die Radikalisierung des mutmaßlichen Attentäters Abdul B. verlief und ob sie hätte verhindert werden können. Jamuna Oehlmann ist Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (BAG RelEx). Im Gespräch bei SWR Kultur am Morgen sagt sie: „Der IS geht bei der Rekrutierung konsequent und gezielt vor. Er spricht junge Männer an, die sich in einer Krise befinden.“ Beim IS fänden sie einen vermeintlichen Ort der Selbstverwirklichung. Konsequente Bekämpfung radikalisierender Inhalte Von der Politik fordert Oehlmann eine konsequentere Umsetzung des Digital Services Act der EU, der illegale Inhalte auf Plattformen bekämpfen soll. „Viele islamistische Inhalte sind nicht eindeutig als solche zu erkennen.“ Dennoch habe der Gesetzgeber Möglichkeiten, diese einzuschränken. Auch KI-generierte Inhalte würden zunehmend zur Radikalisierung junger, verunsicherter Männer genutzt. Langfristige Prävention statt Präventivhaft Zu Forderungen, künftig das Jugendstrafrecht bei Terrorismusverdächtigen grundsätzlich auszusetzen oder Verdächtige in Präventivhaft zu nehmen, sagt Oehlmann: „Das ist nicht mein Verständnis von Prävention. Ich kann den Impuls in der Politik verstehen, neue Maßnahmen zu fordern.“ Zielführender sei es, auf langfristige Präventionsarbeit zu setzen, die auch nach Attentaten oder Anschlägen die Aufmerksamkeit auf das Thema lenke.
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