EPISODE · Apr 23, 2026 · 50 MIN
E003 - Lais Kriwat, Kriwat GmbH: Wenn Handwerk auf 3D-Druck trifft
from PEEKfeine Bauteile - Der 3D-Druck Industrie-Podcast · host Bastian Gaedike
Lais Kriwat, 27 Jahre, ist Orthopädieschuhtechnikmeister und Geschäftsführer der Kriwat GmbH aus Kiel – einem Familienunternehmen, das er gemeinsam mit seinem Bruder in die nächste Generation führt. Was als Anycubic i3 Mega im Jahr 2017 begann, ist heute ein vollständig digitalisierter Produktionsprozess mit drei parallelen Druckverfahren, einer 24/7-SLS-Produktion und messbaren Kosteneinsparungen von 15 bis 17 Prozent.Zentrale Themen und ErkenntnisseVom Gipsabdruck zum 3D-Scan Was früher bis zu einer Stunde dauerte – Gipsabformung, Chemikalien, Transport zwischen Filialen – ist heute ein 10-Sekunden-Scan. Der Gesamttermin mit dem Patienten hat sich von einer Stunde auf 15 Minuten reduziert. Nicht nur schneller, auch deutlich angenehmer: Das Eincremen der Füße, damit der Gips sich später löst, bleibt allen Beteiligten als lebhafte Erinnerung.Drei Verfahren, drei Rollen Die Entscheidung für FDM, SLA und SLS war keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Materialkonstruktion: SLS-Teile kommen rau aus dem Drucker – ideal zum Nachverkleben von Einlagenbezügen. SLA-Teile sind glatt – ideal für Orthesen, die direkt auf der Haut liegen. FDM übernimmt Probeschuhe und Leistenmodelle, die früher aus Plastik tiefgezogen und einmal verwendet wurden. Heute werden sie gedruckt, angepasst und recycelt.15–17 Prozent Kostensenkung – und wie man das messen kann Die Zahl ist kein Bauchgefühl, sondern Kalkulation: Personalkosten, Materialkosten, Stromkosten für den 24/7-laufenden SLS-Drucker – alles wird genau erfasst und gegen den traditionellen Prozess gerechnet. Die Nachtproduktion war dabei ein Faktor, den keine traditionelle Handwerks-Kalkulation abbildet.Die ehrlichen Grenzen Bei hohem Körpergewicht ist die Bruchrate von SLA-Orthesen noch zu hoch. Vollständig gedruckte orthopädische Maßschuhe sind am Markt angekommen – aber orthopädisch korrekte Versorgungen setzen Materialien voraus, die gleichzeitig sehr weich und sehr steif sein müssen, je nach Zone. Dual-Materialdruck wäre der Weg – aber die passenden Materialien und die Krankenkassenzulassung sind noch nicht soweit.Thermoplastische Materialien als handwerklicher Vorteil SLA-Orthesen lassen sich nachträglich erwärmen und formen – ein Druckpunkt an einer Handgelenksorthese kann direkt in der Praxis korrigiert werden. Für Lais ist das kein Kompromiss, sondern ein echtes Argument für die additive Fertigung im klinischen Alltag.Digitalisierung als Mitarbeiterargument Wer heute ins Handwerk kommt und bei Kriwat arbeitet, findet eine Spielwiese vor: FDM-Drucker, die nicht nur für Umsatz da sind, sondern damit Mitarbeiter die additive Fertigung kennenlernen – inklusive privatem Schlüsselanhänger. Neue Mitarbeiter werden Schritt für Schritt durch die gesamte Prozesskette geführt: Scan → Modellierung → FDM → SLA → SLS.Community Building: Guided Tour und 3D-Café Auf der Formnext 2024 hat Kriwat eine geführte Tour für 40 Branchenkollegen organisiert – mit Warnwesten, damit niemand verloren geht. Daraus entstand das 3D-Café: ein regelmäßiges Format, das die Branche zwischen den Messetagen zusammenbringt und über Neuigkeiten in der 3D-Technologie informiert.LinksBastian Gaedike auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/bastiangaedike/Podcast hören: Spotify | Apple Podcasts | malping.deKriwat GmbH: https://www.kriwat.de
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Lais Kriwat, 27 Jahre, ist Orthopädieschuhtechnikmeister und Geschäftsführer der Kriwat GmbH aus Kiel – einem Familienunternehmen, das er gemeinsam mit seinem Bruder in die nächste Generation führt. Was als Anycubic i3 Mega im Jahr 2017 begann, ist heute ein vollständig digitalisierter Produktionsprozess mit drei parallelen Druckverfahren, einer 24/7-SLS-Produktion und messbaren Kosteneinsparungen von 15 bis 17 Prozent.Zentrale Themen und ErkenntnisseVom Gipsabdruck zum 3D-Scan Was früher bis zu einer Stunde dauerte – Gipsabformung, Chemikalien, Transport zwischen Filialen – ist heute ein 10-Sekunden-Scan. Der Gesamttermin mit dem Patienten hat sich von einer Stunde auf 15 Minuten reduziert. Nicht nur schneller, auch deutlich angenehmer: Das Eincremen der Füße, damit der Gips sich später löst, bleibt allen Beteiligten als lebhafte Erinnerung.Drei Verfahren, drei Rollen Die Entscheidung für FDM, SLA und SLS war keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Materialkonstruktion: SLS-Teile kommen rau aus dem Drucker – ideal zum Nachverkleben von Einlagenbezügen. SLA-Teile sind glatt – ideal für Orthesen, die direkt auf der Haut liegen. FDM übernimmt Probeschuhe und Leistenmodelle, die früher aus Plastik tiefgezogen und einmal verwendet wurden. Heute werden sie gedruckt, angepasst und recycelt.15–17 Prozent Kostensenkung – und wie man das messen kann Die Zahl ist kein Bauchgefühl, sondern Kalkulation: Personalkosten, Materialkosten, Stromkosten für den 24/7-laufenden SLS-Drucker – alles wird genau erfasst und gegen den traditionellen Prozess gerechnet. Die Nachtproduktion war dabei ein Faktor, den keine traditionelle Handwerks-Kalkulation abbildet.Die ehrlichen Grenzen Bei hohem Körpergewicht ist die Bruchrate von SLA-Orthesen noch zu hoch. Vollständig gedruckte orthopädische Maßschuhe sind am Markt angekommen – aber orthopädisch korrekte Versorgungen setzen Materialien voraus, die gleichzeitig sehr weich und sehr steif sein müssen, je nach Zone. Dual-Materialdruck wäre der Weg – aber die passenden Materialien und die Krankenkassenzulassung sind noch nicht soweit.Thermoplastische Materialien als handwerklicher Vorteil SLA-Orthesen lassen sich nachträglich erwärmen und formen – ein Druckpunkt an einer Handgelenksorthese kann direkt in der Praxis korrigiert werden. Für Lais ist das kein Kompromiss, sondern ein echtes Argument für die additive Fertigung im klinischen Alltag.Digitalisierung als Mitarbeiterargument Wer heute ins Handwerk kommt und bei Kriwat arbeitet, findet eine Spielwiese vor: FDM-Drucker, die nicht nur für Umsatz da sind, sondern damit Mitarbeiter die additive Fertigung kennenlernen – inklusive privatem Schlüsselanhänger. Neue Mitarbeiter werden Schritt für Schritt durch die gesamte Prozesskette geführt: Scan → Modellierung → FDM → SLA → SLS.Community Building: Guided Tour und 3D-Café Auf der Formnext 2024 hat Kriwat eine geführte Tour für 40 Branchenkollegen organisiert – mit Warnwesten, damit niemand verloren geht. Daraus entstand das 3D-Café: ein regelmäßiges Format, das die Branche zwischen den Messetagen zusammenbringt und über Neuigkeiten in der 3D-Technologie informiert.LinksBastian Gaedike auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/bastiangaedike/Podcast hören: Spotify | Apple Podcasts | malping.deKriwat GmbH: https://www.kriwat.de
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