PODCAST · news
OE3000 - Ein Podcast über die Organisationen von heute und morgen
by Robin Julian Taylor
Für wen funktionieren Organisationen? Wie könnten sie morgen aussehen?Ich bin Robin, Autor eines Sachbuchs über unsere Organisationen und Organisationsentwickler mit 15 Jahren Erfahrung. In diesem Podcast untersuche ich Organisationen als komplexe soziale Gebilde, in denen Macht ausgeübt wird, Konflikte ausgetragen werden und Veränderung möglich ist. Kein Management-Blabla, sondern kritische Analyse.Meine These: Organisationen sind veränderbar – wie wir sie gestalten, entscheidet über unsere Zukunft.Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 23 - Organisationsentwicklung: Eine Kritik an meinem eigenen Berufsfeld
Der deutsche Beratungsmarkt ist 2025 ins Stocken geraten. 49 Milliarden Euro Umsatz, nur 0,5 Prozent Plus. Für 2026 erwartet die Branche einen Aufschwung, getragen vor allem von Künstlicher Intelligenz mit plus 22 Prozent. Boston Consulting hat fünf Milliarden Dollar in KI investiert und nennt das selbst die größte Transformation der eigenen 60-jährigen Geschichte. Die klassische Organisations- und Prozessberatung wächst nur um 3,5 Prozent.Diese Episode richtet den Blick auf jenes Feld: die Organisationsentwicklung, kurz OE. Sie unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Unternehmensberatung. OE fragt offen, welche Veränderungen in dieser konkreten Organisation sinnvoll sind. Die Antwort soll von innen kommen.Die Managementberatung funktioniert andersherum. Ein Vorstand kauft eine Lösung ein. Die Beratung kommt mit fertigen Frameworks und Best Practices, oft das Best-of, das gerade gehypt wird. Die Ökonomin Mariana Mazzucato hat das in „Die große Consulting-Show" zugespitzt: Ein Geschäftsmodell, das Lösungen verkaufen muss, kann nicht ergebnisoffen prüfen, ob überhaupt eine gebraucht wird.In der Theorie ist OE eine sympathische Haltung. In der Praxis hat sie ihre eigenen Tücken. Beteiligung als Manipulationstechnik. Workshops als Nebelkerze. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. So entsteht die Alibi-OE: engagiert, um den Anschein von Veränderungsbereitschaft zu erwecken. David Graeber würde solche Organisationsentwickler als Flickschuster bezeichnen.Die nachhaltigsten Veränderungen entstehen ohnehin woanders, dort, wo Menschen sich selbst als handlungsfähige Subjekte behandeln. Am 4. und 5. Juni ruft ver.di erneut bundesweit zum Streik im Handel. Genau dort knüpft die humanistische OE-Tradition seit Kurt Lewin im Kern an.Erwähnte Personen: Mariana Mazzucato, David Graeber, Kurt LewinSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 22 - Über Organisation als Tätigkeit: Ein Einblick in den Alltag von Schulen, Gewerkschaften und Vereinen
Am 15. Mai 2026 sind in Deutschland über 5.000 Beschäftigte dem ersten bundesweiten Warnstreikaufruf von ver.di im Handel gefolgt. In mehr als 200 Filialen — von Edeka und REWE über Douglas und H&M bis zu IKEA. Ab dem 21. Mai laufen weitere regionale Streiks, am 4. und 5. Juni ruft die Gewerkschaft erneut bundesweit auf. Hintergrund ist die Tarifrunde Handel, in der es um eine Lohnerhöhung für rund 5,2 Millionen Beschäftigte geht.Das ist organisierte Tätigkeit im stärksten Sinne. Menschen verständigen sich über Filialgrenzen hinweg auf gemeinsame Forderungen, finden Sprecherinnen und Sprecher, wählen Termine, verteilen Aufgaben. Niemand hat sie dafür auf einen Workshop geschickt. Niemand hat es auf Ansage verordnet.Diese Episode fragt, was Organisieren eigentlich ist — und warum es gleichzeitig so elementar wichtig und so frustrierend schwer ist. Schon das kleinste gemeinsame Vorhaben zerrt an unterschiedlichen Interessen. Sechs Leute wollen ein Wochenende an der Ostsee verbringen, und schon beginnt das Ringen: Eine möchte wandern, einer am Strand liegen, eine isst vegan, einer will unbedingt Fischbrötchen. Dazwischen mischt sich das Leben gnadenlos ein.Genau dieselbe Dynamik durchzieht jede Organisation. Der IT-Leiter und die Marketingchefin lesen denselben Projektfortschritt unterschiedlich. Die Pflegekraft und der Verwaltungsdirektor haben verschiedene Vorstellungen vom Patientenwohl. Im Sportverein haben Hausmeister und Vorstandsvorsitzender selten dieselbe Idee davon, was in einer Umkleide als sauber durchgeht. Und doch wären wir ohne Organisation buchstäblich aufgeschmissen — von der spontanen Sandsackkette am Deich bis zur Versorgung einer Millionenstadt.Für das Phänomen, das in vielen Organisationen entsteht, wenn Reden und Handeln auseinanderfallen, gibt es einen treffenden Begriff: Hyperpolitik. Der Historiker Anton Jäger hat ihn geprägt. Er beschreibt eine Kommunikation, die unablässig Meinungen, Aufbruchsstimmung und symbolische Akte produziert, ohne dauerhafte Strukturen aufzubauen. In Organisationen sieht das so aus: Strategieworkshops, deren Hochglanz-Ergebnis nach drei Wochen in der Schublade liegt. Reformprozesse, deren bleibendster Output die Pressemitteilung am Tag des Beschlusses ist.Eine Schule am Montag: Dienstbesprechung über das neue Leitbild, alle nicken. Am Dienstag steht eine Lehrerin im Klassenraum vor 29 Kindern, drei sprechen kein Deutsch, zwei tragen gerade einen Konflikt aus, sie improvisiert. Ein Fußballverein in einer Kleinstadt: Jahreshauptversammlung mit Jugendförderungskonzept und Sponsoringplan. Am Samstagvormittag richtet derselbe Vorstand mit drei Vätern den Platz her, eine Mutter wäscht die Trikots, der Übungsleiter improvisiert eine Taktik. Beides ist Organisation. Aber das Leitbild und der Trikotsack auf der Rückbank haben nur lose miteinander zu tun.Die Tarifrunde Handel zeigt das Gegenbild: organisierte Tätigkeit, in der sich tatsächlich etwas bewegt. Forderungen liegen auf dem Tisch, Filialen bleiben zu, am Ende kann sich der Lohnzettel verändern. In der Hyperpolitik-Variante bleibt das Wichtigste auf der Folie.Wer wirklich verstehen will, wie organisiertes Miteinander funktioniert, lernt es selten im Seminarraum. Die aktive Mitarbeit in einem Verein, das Engagement in einer Gewerkschaft, die Beteiligung an einer Streikbewegung lehrt über Interessen, Aushandlung und Koordination mehr als jedes Teamtraining. Nur bekommt man dafür kein Zertifikat.Erwähnte Personen: Anton JägerSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 21 - So viele Möglichkeiten: Was die Organisationsentwicklung von der Science-Fiction lernen kann
Vom 18. bis 20. Mai 2026 fand in Berlin die re:publica statt. Über tausend Sprecherinnen und Sprecher, mehr als zwanzig Bühnen. Unter den Gästen: der kanadische Science-Fiction-Autor und Aktivist Cory Doctorow, mit einem Vortrag über Enshittification.Den Begriff hat Doctorow 2022 geprägt. Er beschreibt den dreistufigen Verfall zweiseitiger Plattformen: Erst werden die Nutzerinnen und Nutzer angelockt und abhängig gemacht, dann die Geschäftskunden geködert, am Ende holt die Plattform den Wert für sich zurück. Höhere Gebühren, Werbebetrug, gezielter Sichtbarkeitsentzug. Am 13. Mai 2026 ist Doctorows gleichnamiges Buch auf Deutsch erschienen.Diese Episode nimmt die Science-Fiction als Werkzeug, um über Organisationen nachzudenken. Das klingt unseriös, ist es aber nicht. Spekulative Literatur darf die Spielregeln verändern, statt sie nur zu optimieren.Doctorow ist Diagnostiker und Romanautor zugleich. Sein Roman „Walkaway" entwirft Gemeinschaften, die Open-Source-Prinzipien auf alle Lebensbereiche anwenden — nicht in der Idylle, sondern in dauerhafter Reibung mit dem Rest der Welt.Drumherum eine Tour durch die Tonarten des Genres. Den Klamauk vertritt Douglas Adams, dessen Vogonen die Erde für eine Hyperraum-Umgehungsstraße sprengen und die formale Korrektheit gleich mitliefern. Die Dystopie kommt von George Orwell, Dave Eggers und Ida Auken — drei Texte, ein Muster: Überwachung wird zu Anerkennung, Eigentum zur Belastung, ständige Erreichbarkeit zur Wertschätzung. Die Verschiebung passiert im Vokabular. Eine hoffnungsvollere Linie zeichnen Solarpunk und der Afrofuturismus von Nnedi Okorafor und N. K. Jemisin, die kollektive Entscheidungsfindung und traditionelle Wissensformen mit Technologie verbinden — und damit sichtbar machen, dass Effizienz, Hierarchie und Rationalität kulturell geprägt sind, nicht universell.Am stärksten beschäftigt diese Episode Liu Cixins „Drei-Sonnen-Trilogie". Sie denkt menschliche Organisationen über vierhundert Jahre — den Maßstab, den Probleme wie der Klimakollaps tatsächlich verlangen. Liu Cixin erfindet dafür institutionelle Mechanismen: das Wandschauer-Projekt, das einzelnen Personen geheime Vollmacht ohne Rechenschaft gibt; den Tiefschlaf, der Wissen über Lebenszeiten hinweg verfügbar hält; den Schwertträger, der allein über eine letzte Drohung wacht. Lauter Werkzeuge für extreme Langfristigkeit — und zugleich Karikaturen von Mustern, die in heutigen Organisationen längst wirken.Dass solche Langzeit-Organisationen nicht nur in Romanen existieren, zeigt Stewart Brand. Seine 1996 mitgegründete Long Now Foundation baut eine mechanische Uhr, die zehntausend Jahre laufen soll, und archiviert in ihrem Rosetta-Projekt mehr als tausend Sprachen für eine ferne Zukunft.Die Lehre der Science-Fiction für das Nachdenken über Organisationen ist keine Rezeptsammlung. Sie macht sichtbar, dass unsere Organisationsformen eine Wahl sind, kein Naturgesetz. Dass Technologie Machtverhältnisse nicht auflöst, sondern verschiebt. Und dass die entscheidenden Fragen politisch sind, nicht technisch. Doctorows Pointe im Gespräch mit der Ökonomin Francesca Bria auf der re:publica: Echte Veränderung gibt es nicht durch technische Korrekturen, sondern erst durch einen Angriff auf die Konzernmacht selbst.Erwähnte Personen: Cory Doctorow, Douglas Adams, George Orwell, Dave Eggers, Ida Auken, Nnedi Okorafor, N. K. Jemisin, Liu Cixin, Stewart Brand, Francesca BriaSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 20 - Kontrolle und die Kontrolle der Kontrolleure: Wie erhalten wir Einblicke in unsere Organisationen?
Am 5. Mai 2026 veröffentlicht das Recherchezentrum CORRECTIV gemeinsam mit dem griechischen Magazin Solomon und der britischen Computer Weekly eine Geschichte über Europol, die Polizeibehörde der Europäischen Union. Also über eine Organisation, deren Auftrag darin besteht, andere zu überwachen.Der Befund: Europol betrieb über Jahre geheime Analyseplattformen außerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Datenschutzregeln. Auf einer dieser Plattformen ließen sich Telefonverbindungen, Ausweisdokumente, Finanz- und Standortdaten abrufen, auch von Personen ohne jeden Tatverdacht. Zugriffe und Löschungen wurden vielfach nicht protokolliert. Laut einem internen Bericht aus dem Jahr 2019 lagen rund 99 Prozent der operativen Daten in solchen undokumentierten Systemen. Eines trug intern den Namen Pressure Cooker; eine Mail vom Oktober 2022 warnte, der Datenschutzbeauftragte könne von der unregelmäßigen Lage erfahren.Europol überwacht die Bürger Europas. Der Europäische Datenschutzbeauftragte soll Europol überwachen. Bemerkt hat die Schatten-IT keiner der formal Zuständigen, sondern ein Recherchenetzwerk. Das ist die alte Frage nach der Kontrolle der Kontrolleure, und sie ist alles andere als akademisch.Auf dem Papier ist jede Organisation lückenlos überwacht: Unternehmen durch Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer, Vereine durch Kassenprüfer, Behörden durch Datenschutzbeauftragte und Parlamente. Und doch versagen diese Vorkehrungen mit System. Formale Aufsicht blickt nach hinten, sie prüft Vergangenes, während sich das Geschehen in der Gegenwart vollzieht. Und sie wächst linear, während die Komplexität der Organisationen exponentiell zunimmt.Dazu kommt ein grundsätzlicheres Problem. Aufsicht setzt voraus, dass sich etwas zeigt. Die mächtigsten Vorgänge einer Organisation aber entziehen sich der formalen Erfassung: Vertrauen, Loyalität, informelle Absprachen. Was sich messen lässt, ist selten das Entscheidende. Im Europol-Fall wird das zur Karikatur: 99 Prozent dessen, worauf es ankam, lagen außerhalb des Blickfelds des Aufsehers. Eine Schatten-IT ist nichts anderes als die Hinterbühne einer Organisation, übersetzt in Datenbanken.Aufgedeckt hat das nicht eine Behörde, sondern der investigative Journalismus. Erst nach der Veröffentlichung kündigte der Europäische Datenschutzbeauftragte Wojciech Wiewiórowski eine Untersuchung an; erst danach forderten Abgeordnete im Europaparlament mehr Transparenz, bevor das Mandat von Europol erweitert wird. Der Anstoß kam von außen.Doch sofort stellt sich die Frage eine Etage höher: Wer kontrolliert die, die kontrollieren? Auch CORRECTIV ist eine Organisation mit Macht und eigener Agenda. Die vielbeachtete Recherche über das Treffen rechter Akteure in Potsdam hat mehrere Gerichtsverfahren ausgelöst. Das Landgericht Hamburg wies Ende 2025 Klagen gegen die Berichterstattung ab, das Landgericht Berlin erklärte im März 2026 eine bestimmte Formulierung für unzulässig. Beide Urteile sind nicht rechtskräftig. Die Presse kontrolliert die Mächtigen und wird selbst kontrolliert, durch Gerichte und öffentliche Kritik. Die Kette der Kontrolle endet nie.Genau das ist kein Mangel, sondern das gesündeste Merkmal eines Systems ohne letzte, unangreifbare Instanz. Die wirksamste Steuerung entsteht ohnehin von innen: organisationale Selbstreflexion, demokratische Mitbestimmung, eine wache Öffentlichkeit. Gute Kontrolle ist eine Leitplanke, keine Zwangsjacke. Stark genug, um Schaden abzuwenden, beweglich genug, um Entwicklung zuzulassen.Erwähnte Personen: Wojciech WiewiórowskiSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 19 - Was uns der Krankenhaus-Report 2026 über Fortschritt und Regression beibringt
Am 6. Mai 2026 stellt das Wissenschaftliche Institut der AOK in Berlin seinen Krankenhaus-Report 2026 vor. Schwerpunktthema: Reformperspektiven. Die zentrale Zahl ist ernüchternd.Von 15,2 Millionen stationären Krankenhausfällen im Jahr 2024 wären 8,6 Millionen ambulant zu behandeln gewesen oder ganz vermeidbar. Das entspricht 56 Prozent aller Fälle, 42 Prozent der Krankenhaustage und 39 Prozent der Klinikausgaben. In allen sechzehn Bundesländern liegt das Ambulantisierungspotenzial zwischen 53 und 58 Prozent. Carola Reimann, Verbandsvorsitzende der AOK, hält fest: Die laufende Klinikreform greife zu kurz.Diese Zahl steht quer zu dem, was die deutsche Krankenhausreform eigentlich angestoßen hat. Unter Karl Lauterbach hatte das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz im Jahr 2024 Bündelung, Spezialisierung und neue Qualitätskriterien festgeschrieben. Am 6. März 2026 hat der Bundestag eine Anpassung beschlossen, das KHAG. Seitdem dürfen die Länder Leistungsgruppen für drei, in Sonderfällen sechs Jahre auch an Kliniken zuweisen, die die ursprünglich vorgesehenen Qualitätskriterien nicht erfüllen. Begründung: Versorgungssicherheit, vor allem im ländlichen Raum.Drei Bewegungen, drei Zielrichtungen, drei verschiedene Vorstellungen davon, was eigentlich Fortschritt ist.Die Philosophin Rahel Jaeggi argumentiert in ihrem Buch „Fortschritt und Regression" gegen das Bild eines linearen Voranschreitens, das ohne Verluste auskommt. Veränderungen gehen fast immer mit Einbußen einher. Es gibt keinen objektiven Standpunkt, von dem aus sich entscheiden ließe, was im Ganzen Gewinn oder Verlust ist. Was den einen als Modernisierung gilt, ist für die anderen Abbau.Der amerikanische Denker Stewart Brand hat dafür ein zweites nützliches Bild geprägt: das Pace Layering. Sechs Schichten sozialer Wirklichkeit, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit verändern. Oben Mode, darunter Handel, dann Infrastruktur, Staatsform, Kultur und ganz unten Natur. Strategiepapiere wechseln in Wochen. Klinikinfrastrukturen brauchen Jahrzehnte. Kulturelle Erwartungen verschieben sich erst über Generationen. Wer auf der schnellsten Schicht ein neues Modell verkündet, bewegt damit noch nicht die darunterliegenden Strata.In den vergangenen Wochen lässt sich gut beobachten, wie diese Asynchronität diskursiv verarbeitet wird. Wer zögert, abbremst oder Nachbesserungen verlangt, bekommt das Bremser-Etikett. Vom Bayerischen Ministerpräsidenten über einzelne Landesregierungen bis zur SPD — alle wurden so markiert. Jaeggi nennt diese Mechanik eine perverse Logik. Wer aus fachlicher Sorge Einwände erhebt, wird pathologisiert. Wer das Tempo verkündet, gilt als Innovationstreiber, auch wenn die Substanz mager bleibt. Die Markierung produziert dabei oft genau das Verhalten, das sie zu beschreiben behauptet.Die Soziologin Renate Mayntz hat schon 1963 darauf hingewiesen, dass Reformen meist von kleinen Gruppen gewollt und durchgesetzt werden. Die Begründung, warum sie sinnvoll waren, entsteht häufig erst im Nachhinein. Ein Urteil post factum, später sauber verpackt in PowerPoint-Folien mit Begriffen wie strategischer Neuausrichtung oder neuem Versorgungsauftrag.Wandel, der nur die schnellste Schicht erreicht, sieht spektakulär aus, hat aber wenig nachhaltige Wirkung. Wer das nicht erkennt, hält die Trägheit der tieferen Strata für Widerstand und legt damit den Grundstein für eine Lähmung, die sich erst spät zeigt.Erwähnte Personen: Carola Reimann, Karl Lauterbach, Rahel Jaeggi, Stewart Brand, Renate MayntzSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 18 - Konvivialität: Wir sollten kritischer über unsere Werkzeuge sprechen!
Diese Woche, vom 5. bis 7. Mai 2026, läuft in Karlsruhe die New Work Evolution. Eine große Branchenkonferenz zu modernen Arbeitswelten, Office-Design, KI im Alltag. Parallel passiert in Berlin etwas vergleichsweise Stilles. Der Sovereign Tech Fund der Bundesregierung hat in diesem Jahr über 50 Millionen Euro für Open-Source-Infrastruktur freigegeben. Das Zentrum Digitale Souveränität, kurz ZenDiS, betreibt mit openCode eine Plattform, auf der über 10.800 Menschen an mehr als 5.500 digitalen Projekten der öffentlichen Verwaltung mitarbeiten. Behördenübergreifend, in offenem Code. Ein Kriterienkatalog für digitale Souveränität wird gerade in offener Konsultation erarbeitet.Das klingt nach Verwaltungstechnik. Tatsächlich ist es eine Antwort auf eine grundsätzliche Frage: Wem gehören die Werkzeuge, mit denen Organisationen arbeiten? Und wem dienen sie?Konvivialität. Geprägt 1973 vom Kulturkritiker Ivan Illich in seinem Buch „Tools for Conviviality". Konvivial ist ein Werkzeug, das Menschen dient, statt sie zu beherrschen. Eine Schreibmaschine ist konvivial. Eine Buchhaltungssoftware, die Reihenfolge, Felder und Takt vorgibt, ist es nicht — sie zwingt ihre Anwender in ihre Logik. Illichs radikaler Sprung: Werkzeuge sind nicht nur Geräte. Auch Hierarchien, Regeln, Organisationen sind Werkzeuge im selben Sinn.2022, im Zuge der Aufarbeitung der Ahrtal-Flutkatastrophe, geriet die damalige Bundesfamilienministerin Anne Spiegel öffentlich unter Druck. Sie hatte kurz nach der Katastrophe einen vierwöchigen Familienurlaub angetreten. Was zunächst nicht öffentlich war: Ihr Mann hatte 2019 einen Schlaganfall erlitten und befand sich in Rehabilitation. Ihre vier Kinder waren durch die Pandemie erheblich belastet. Spiegel trat zurück.Es geht nicht um Spiegel, ihre Politik oder ihre Partei. Es geht um das Werkzeug, das diese Rolle eigentlich zur Verfügung stellen sollte. Die Konvivialitätsfrage hat hier eine Geschlechterdimension. Hohe politische Ämter, hohe Managementpositionen sind historisch von Männern für Männer entworfen, deren Sorgearbeit zu Hause von einer anderen Person erledigt wurde. Das Werkzeug funktioniert reibungslos, solange jemand im Hintergrund die Kinder versorgt, das kranke Familienmitglied pflegt, das Mittagessen kocht. Eine Frau, deren Mann selbst pflegebedürftig ist, sprengt diese Annahme. Nicht weil das Amt gegen Frauen gerichtet wäre, sondern weil seine Bauweise eine Konstellation voraussetzt, die es so nur noch selten gibt.Dasselbe Muster wirkt überall, nur leiser. In Pflege-Dokumentationssoftware, die Pflichtfelder fordert, die niemand jemals liest. In Bürogebäuden, in denen die Gestaltungsfreiheit mit der Topfpflanze auf dem Schreibtisch endet. In Hierarchien, die Telearbeit verbieten, weil sie sich selbst beweisen müssen. Werkzeuge, die ursprünglich Hilfe sein sollten, beginnen ab einer bestimmten Größe Anforderungen zu produzieren.Die andere Seite zeigt sich auf openCode. Wenn in einer Behörde eine Funktion fehlt, verschiebt sich die Antwort weg vom Warten auf das nächste Update eines Anbieters, hin zur gemeinsamen Lösung im offenen Code. Das ist im Detail unspektakulär. Im Prinzip aber verschiebt es den Ton einer Organisation, weil die Beschäftigten nicht mehr nur Anwender eines fertigen Werkzeugs sind, sondern dessen Mitgestalter.Konvivialität ist keine Eigenschaft, die eine Organisation einmal erlangt. Sie ist eine Frage, die ihre Mitglieder regelmäßig stellen müssen. Dient dieses Werkzeug den Menschen, die mit ihm arbeiten? Oder müssen sie sich an das Werkzeug anpassen? Wer aufhört, sie zu stellen, baut eine Organisation, die sich selbst dient.Erwähnte Personen: Ivan Illich, Anne SpiegelSchreib mir: [email protected] Infos: http://www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 17 - Identitäten und Realitäten: Die Industrie wechselt von Traktormotoren auf Drohnenantriebe
20. April 2026: Telepolis veröffentlicht einen Artikel. Überschrift: "Patriot statt Porsche". Die deutsche verarbeitende Industrie steckt in der längsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Jeden Monat gehen 15.000 Arbeitsplätze verloren. Mercedes-Benz meldete für 2025 einen Gewinnrückgang von 49 Prozent, Volkswagen von 44 Prozent, Porsche sogar von 98 Prozent. VW hat den Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 angekündigt.Die Antwort der Bundesregierung? Rüstung.Quer durch den deutschen Industriegürtel wandeln sich Fertigungslinien zu Produktionsstätten für Rüstungsgüter. Das Bundesverteidigungsministerium finanziert eine Matchmaking-Plattform, die Rüstungslieferketten mit Unternehmen aus anderen Sektoren vernetzt.Beispiel Deutz. Gegründet 1864, 162 Jahre alt. Bislang Motoren für Landwirtschaft, Baumaschinen, Industrieanlagen. Seit 2026: eigene Defense-Sparte. Bauteile für Patriot-Luftabwehrsysteme, Antriebe für unbemannte Systeme, gepanzerte Fahrzeuge. Die Defense-Sparte soll bis 2030 einen Umsatz von 300 Millionen Euro erreichen, eine Verzehnfachung. Deutz verzeichnete im vergangenen Jahr 13 Prozent Umsatzwachstum, keine Massenentlassungen, weil die Beschäftigten auf Rüstungsproduktion umgestellt wurden.Organisationssoziologisch faszinierend. Ein Unternehmen, das 162 Jahre lang Motoren für Traktoren und Bagger gebaut hat, baut jetzt Antriebe für Kampfdrohnen. Die Maschinen sind ähnlich, die Kompetenzen übertragbar. Aber die Identität verändert sich fundamental.Hier bündeln sich alle Themen der letzten sechs Episoden. Ethik: Beschäftigte, die jahrzehntelang Motoren für die Landwirtschaft gebaut haben, produzieren jetzt Komponenten für Waffensysteme. Sie sind nicht dort eingetreten, um Waffen zu bauen. Die moralische Landkarte hat sich unter ihren Füßen verschoben. Kollaboration und Protest: Der Übergang lief geräuschlos. Aber Geräuschlosigkeit bedeutet nicht Einverständnis. 46 Prozent der Beschäftigten scheuen sich, Probleme anzusprechen. Pfadabhängigkeiten: Der alte Automobil-Pfad bricht weg. Was hier passiert, ist ein Pfadwechsel ganzer Sektoren. Resilienz: Ist es Anpassungsfähigkeit oder opportunistische Flucht in den nächsten Boom? Schauseiten: Deutz-Vorstandschef Klaus Rosenfeld sagt, man trage bei, "die Fähigkeit zur Selbstverteidigung zurückzugewinnen". Die Rüstungsproduktion wird als patriotischer Beitrag gerahmt, nicht als ökonomische Notwendigkeit. Profilizität: Deutz hat seit Anfang 2026 fünf eigenständige Divisionen, darunter "Deutz Defense" mit eigenem CEO. Die Börse honoriert den Wandel.Eine Fertigungslinie lässt sich umstellen. Die Identität der Menschen, die daran arbeiten, nicht per Vorstandsbeschluss. Ein Motorenexperte, der seit dreißig Jahren Antriebe für Traktoren entwickelt, hat verkörpertes Wissen, gewachsen über Jahre, gebunden an den konkreten Kontext. Die technischen Kompetenzen mögen übertragbar sein. Die tiefere Verbundenheit mit dem Zweck der Arbeit ist es nicht unbedingt.Organisationen haben nicht eine Identität und nicht eine Realität. Sie haben mehrere, und die stehen oft in Spannung zueinander. Was eine Organisation offiziell ist, was sie tatsächlich tut, was sie nach außen zeigt und was sie digital kuratiert – das sind unterschiedliche Schichten, die sich manchmal decken und häufig nicht.Erwähnte Personen: Klaus RosenfeldSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 16 - Profilizität: Digitale Profile unserer Organisationen und Gedanken zu Corporate-InfluencerInnen
Anfang April 2026: In Berlin findet der Corporate Influencer Day statt. Eine ganztägige Konferenz mit Vorträgen, Workshops und Networking. Ein einziges Thema: wie Unternehmen ihre eigenen Beschäftigten zu Markenbotschaftern auf Social Media machen. Wenige Wochen zuvor wurde in Köln der Corporate Influencer Award verliehen. Es gibt mittlerweile Ausbildungsprogramme, eigene KPIs und Abteilungen.Eine ganze Industrie spezialisiert sich darauf, die private Online-Präsenz von Beschäftigten in ein strategisches Instrument der Unternehmenskommunikation zu verwandeln. Posts von Mitarbeitenden generieren laut Branchenangaben bis zu achtmal mehr Engagement als offizielle Unternehmensbeiträge. Die Logik ist klar: Menschen vertrauen Menschen mehr als Marken. Also sollen die Beschäftigten die Marke verkörpern.Das Konzept dahinter heißt Profilizität. Die Philosophen Hans-Georg Möller und Paul D'Ambrosio beschreiben damit eine Verschiebung: In einer Welt, in der unsere Profile auf LinkedIn oder Instagram oft sichtbarer sind als wir selbst, wird die bewusste Gestaltung dieser Profile zu einer eigenen Form der Identitätsarbeit.Was als freiwilliges Engagement der Beschäftigten dargestellt wird, ist in Wahrheit ein durchstrukturiertes Programm. Leitfäden, Schulungen, Hashtag-Vorgaben, definierte KPIs. Die Organisation nutzt die persönliche Glaubwürdigkeit ihrer Beschäftigten als Kommunikationsressource. Die Posts wirken authentisch, weil sie von echten Menschen kommen. Aber genau diese Authentizität wird strategisch geplant. Eine professionell hergestellte Echtheit.Das Dilemma: Mitarbeitende werden zu unbezahlten Content-Produzenten. Die Grenzen zwischen beruflicher und privater Sphäre verschwimmen. Wem gehört der LinkedIn-Post einer Beschäftigten, die über ihren Arbeitsalltag schreibt? Dem Unternehmen, das das Thema vorgegeben hat? Oder der Beschäftigten, die ihre persönliche Reichweite einbringt?Und dann der merkwürdige Effekt: Je strategischer Organisationen ihre Authentizität planen, desto weniger authentisch wirken sie. Die Spontaneität ist inszeniert. Die Nahbarkeit ist kalkuliert. Bei der Profilizität zählt nicht mehr die Wahrheit hinter der Darstellung, sondern die Qualität der Oberfläche.Erwähnte Personen: Hans-Georg Möller, Paul D'Ambrosio Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 15 - Schauseiten sind nicht nur bei Architekten ein Thema
Als Jugendlicher habe ich in der Gastronomie gearbeitet. Aushilfsjobs, um mir die Ausbildung zu finanzieren. Die Gäste betreten einen gepflegten Gastraum. Dekoration, angenehme Beleuchtung, adrett gekleidete Kellner. Das ist die Schauseite.Was hinter der Schwingtür passiert? In der Küche wird geschrien, geflucht, manchmal handgreiflich gestritten. Ich erinnere mich an eine rohe Kartoffel, die durch die Küche flog. Lebensmittel, die auf den Boden fallen und trotzdem auf dem Teller landen. Zigaretten und Kokain in der Speisekammer. Ich habe Dinge gesehen, über die ich heute kopfschüttelnd nachdenke.Und dann die Kontrollen. Die Kontrolleure kamen an ruhigen Nachmittagen, trafen saubere Küchen an, nette Leute bei den Vorbereitungen. Was am Vorabend los war, konnten sie nicht sehen. Die Schauseite lässt sich für solche Momente herrichten. Die Hinterbühne zeigt sich nur denen, die dauerhaft dort sind.Das Muster ist universell. Im Krankenhaus, in der Behörde, überall gibt's eine Vorderseite für die Kundschaft und eine Rückseite für die Beschäftigten. Schauseiten sind kein Betriebsunfall. Sie sind funktional. Ohne sie könnten Organisationen gar nicht existieren. Das Problem entsteht woanders.Januar 2026: Der Bundesrat beschließt das neue Greenwashing-Verbot. Ab September sind Werbeaussagen wie "klimaneutral" oder "nachhaltig" nur noch erlaubt, wenn sie mit überprüfbaren Nachweisen unterlegt sind. Selbsterfundene Siegel verboten. Klimaneutralität durch bloßen Zukauf von CO2-Zertifikaten darf nicht mehr beworben werden. Bußgelder bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.Was hier passiert, ist bemerkenswert. Der Gesetzgeber reguliert die Distanz zwischen Schauseite und Realität. Er sagt: Ihr müsst belegen, was ihr behauptet. Ein Automobilkonzern, der mit niedrigen Abgaswerten wirbt, sagt zunächst nur etwas über seine Werbestrategie aus. Nicht über seine Fahrzeuge.Schauseiten werden problematisch, wenn sie sich von der Realität entkoppeln. Wenn mehr Energie in die Fassade fließt als in die Substanz. Wenn das Marketingbudget das Budget für Produktentwicklung übersteigt. Dann wird die Schauseite zum Kollaps-Beschleuniger.Das Endstadium: die zynische Organisation. Alle wissen, dass die offiziellen Aussagen nicht stimmen. Und genau dieses Wissen wird zur Kultur. Veränderung wird unmöglich.Erwähnte Personen: Judith Muster, Kai Matthiesen, Peter Laudenbach Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 14 - Resilienz? Das Wort kommt einem schon aus den Ohren!
September 2020: Der erste bundesweite Warntag seit der Wiedervereinigung. Ein Fiasko. Der zentrale Probealarm verzögerte sich wegen Systemüberlastung um eine halbe Stunde. Sirenen blieben stumm. Die Warn-App NINA funktionierte nicht flächendeckend. Ich kann bis heute nicht fassen, dass die Übung selbst schon nicht funktioniert hat.Was danach geschah? Die Behörden haben nachgebessert. Cell Broadcast wurde eingeführt. Technische Systeme schrittweise ertüchtigt. September 2025: 97 Prozent der Befragten über mindestens einen Kanal erreicht. Das ist eine Resilienzgeschichte. Ein System hat versagt, wurde kritisiert, hat gelernt. Nur hat dieser Lernprozess fünf Jahre gedauert. Fünf Jahre für eine zuverlässige Warn-SMS. Wenn Krisen selten fünf Jahre warten, ist das ernüchternd.Hier liegt das Missverständnis. Resilienz wird mit Durchhaltevermögen verwechselt. "Wir müssen jetzt alle zusammenhalten." "Da müssen wir durch." Gut gemeint, aber falsch. Resilienz bedeutet nicht, eine Belastung länger auszuhalten, sondern sich schneller anzupassen. Eine starre Eiche bricht im Sturm. Ein Bambushalm biegt sich und richtet sich wieder auf.Die Corona-Pandemie hat das gezeigt. Manche Organisationen stellten binnen Tagen auf Homeoffice um. Andere kämpften monatelang mit Faxgeräten. Behörden, die keine digitalen Signaturen akzeptierten, obwohl die gesetzliche Grundlage existierte. Schulen, die Arbeitsblätter per Post verschickten. Das Muster: Wer vor der Krise flexible Strukturen hatte, kam besser durch. Wer auf Stabilität und Kontrolle gesetzt hatte, erstarrte.Aber Resilienz wird fast immer als individuelle Eigenschaft behandelt. Achtsamkeitsprogramme, Mental-Health-Apps, Coachings – alles zielt aufs Individuum. Wenn die Fähigkeit als persönliche Sache gilt, müssen Organisationen nichts ändern. Die Verantwortung wird privatisiert, die Strukturen bleiben.Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 120 Millionen Fehltage. Psychische Erkrankungen als Haupttreiber. 147 Milliarden Euro Folgekosten jährlich. Das lässt sich nicht durch individuelles Achtsamkeitstraining erklären. Wenn die Hälfte der Erwerbstätigen über höheren Zeitdruck klagt und 18 Prozent der 31- bis 40-Jährigen sich als Burnout-gefährdet einschätzen, liegt das nicht daran, dass all diese Menschen zu wenig Yoga machen. Es liegt an Arbeitsverdichtung, Fachkräftemangel und Organisationen, die ihre Beschäftigten als austauschbare Ressourcen behandeln.Resilienz ist in erster Linie eine strukturelle Eigenschaft. Und sie entsteht in guten Zeiten, nicht in der Krise. Wer Redundanzen, Puffer und Experimentierräume als Verschwendung streicht, bezahlt dafür, wenn es darauf ankommt.Erwähnte Personen: Martin Voss, Hartmut Rosa Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 13 - Über Pfadabhängigkeiten und Zielkonflikte
In dieser Episode geht es um Pfadabhängigkeit. Konkreter: Warum Organisationen so schwer aus eingefahrenen Mustern herauskommen. Und warum der Ausstieg teurer wird, je länger man wartet.1. März 2026: Die Deutsche Bahn legt ihre Bilanz vor. Verlust: 2,3 Milliarden Euro. Pünktlichkeit im Fernverkehr: unter 60 Prozent. Sanierungsrückstau im Schienennetz: 130 Milliarden Euro. Das ist keine Zahl, die durch ein schlechtes Jahr entsteht. Das ist das Ergebnis von Jahrzehnten.Seit der Bahnreform 1994 wurde das Netz unter laufendem Betrieb geflickt. Jede Sperrung kostet Fahrgäste, Einnahmen, politisches Kapital. Also lieber tausende kleine Baustellen als große Einschnitte. Das war nicht irrational. Aber es hat das Netz immer störanfälliger gemacht – und die Kosten der unvermeidlichen Sanierung immer weiter aufgestaut.Das ist Pfadabhängigkeit. Vergangene Entscheidungen schränken die Handlungsmöglichkeiten der Gegenwart ein. Je länger ein Pfad beschritten wird, desto teurer wird der Ausstieg. 130 Milliarden Euro Sanierungsrückstau – das ist Lock-in.Jetzt versucht die Bahn den Kurswechsel. Generalsanierungen statt Flickwerk. Vollsperrungen statt Baustellen unter laufendem Betrieb. Die Strecke Hamburg - Berlin ist seit August 2025 komplett gesperrt. 45 Minuten längere Fahrzeit auf Umleitungsstrecken. Bahnchefin Palla spricht von mindestens zehn Jahren, bis das Netz wieder in einem guten Zustand ist. Der Pfadwechsel kostet, bevor er sich auszahlt.Und gleichzeitig muss die Bahn sanieren, den Betrieb aufrechterhalten und wirtschaftlich werden. Das ist der Zielkonflikt. Nicht als Fehler im System, sondern als eingebaute Spannung seit 1994.Renate Mayntz hat das bereits in den 1960ern beschrieben. Und sie hatte auch eine optimistische Beobachtung: Zielkonflikte können produktiv sein. Reibung ist nicht das Problem. Sie ist der Motor.Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 12 - Kollaboration, Kompromiss und Protest
Die Tarifrunde 2026 liefert gerade in Echtzeit das gesamte Spektrum. Kollaboration, Kompromiss und Protest. Gleichzeitig. In derselben Woche. Teils in derselben Branche.1. März 2026: Die GDL schließt mit der Deutschen Bahn einen neuen Tarifvertrag. Ohne Streik. Bewusst. "Friedenszeit" nennen sie das. Das Ergebnis: 24 Monate Laufzeit, die ersten sieben Monate keine Lohnerhöhung. Die GDL hatte vorher selbst erklärt: 13 Prozent Reallohnverlust durch Inflation. Die Forderung lag bei 8 Prozent. Die Bahn spricht von "intelligentem Kompromiss". Man kann das als pragmatische Einigung lesen. Oder als Kapitulation. Oder als strategische Neuausrichtung unter neuer Führung.Derselbe Tag: ver.di ruft erneut zu Warnstreiks auf. Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hamburg, Sachsen-Anhalt – keine Busse, keine Bahnen. In Sachsen-Anhalt vier Tage lang. Der dritte großflächig koordinierte Arbeitskampf in dieser Runde. Aber: In Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gab es bereits Einigungen. In Hessen wurde ein Ergebnis erzielt, über das die Mitglieder abstimmen sollten. Brandenburg verzichtete auf Streik, setzte auf Weiterverhandlung.Das heißt: Kollaboration, Kompromiss und Protest fanden in derselben Tarifrunde, in derselben Woche, in derselben Branche statt. Nur eben in verschiedenen Regionen. Von außen wirkt das chaotisch. Aber es zeigt: Verschiedene Akteure reagieren auf verschiedene lokale Bedingungen mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen.1. März: ver.di ruft die rund 800 Beschäftigten der Deutschen Presse-Agentur zum ganztägigen Streik auf. Der erste vollständige Streik in der Geschichte der dpa. Die Ausgangslage: 2,3 Prozent Erhöhung oder 110 Euro. Die Forderung: 250 Euro. In vier Runden hatte sich die Gegenseite nicht bewegt. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem nicht mehr verhandelt wird, sondern gemauert.Jeder Kompromiss spiegelt die Machtverhältnisse wider, unter denen er zustande kam. Die GDL hatte sich vorab auf Friedenszeit festgelegt – und damit ihr stärkstes Druckmittel aus der Hand gegeben. Ver.di eskaliert regional unterschiedlich, je nach Fortschritt der Verhandlungen. Die dpa-Beschäftigten greifen zum härtesten Mittel, weil vier Runden zu nichts geführt haben.Protest ist nicht das Gegenteil von Zusammenarbeit. Er ist eine Eskalationsstufe innerhalb eines Aushandlungsprozesses. Und Reibung ist nicht das Problem. Sie ist der Motor.Erwähnte Personen: - Schreib mir: [email protected] Mehr Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 11 - Prinzipien: Über Ethik und Moral in Organisationen
Februar 2026. Das US-KI-Unternehmen Anthropic hatte einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Pentagon. Zwei rote Linien waren gesetzt: Keine Massenüberwachung von US-Bürgern, keine vollautonomen Waffensysteme. Das Pentagon verlangte, diese Einschränkungen aufzugeben. Anthropic weigerte sich. Die Reaktion? Verteidigungsminister Hegseth kündigte den Vertrag. Trump ordnete an, alle Bundesbehörden sollen Anthropic-Produkte sofort nicht mehr verwenden. Das Pentagon stufte das Unternehmen als "Lieferkettenrisiko" ein.Was dann passierte, ist aufschlussreich: Anthropic-Mitarbeitende äußerten öffentlich ihre Unterstützung. Aber es ging weiter. Auch Beschäftigte von Google, OpenAI, Amazon und Microsoft verfassten einen offenen Brief – sie forderten ihre eigenen Unternehmen auf, sich anzuschließen. OpenAI? Sprang sofort ein, schloss einen eigenen Vertrag, Stunden nachdem Anthropics aufgelöst wurde.Erinnern wir uns: Google 2018, Project Maven. KI zur Analyse von Drohnenaufnahmen. Mitarbeitende protestierten massiv, Google zog sich zurück, versprach öffentlich, KI nicht für Waffen einzusetzen. Acht Jahre später hat Google dieses Versprechen stillschweigend zurückgenommen. Die Schauseite hielt, solange der wirtschaftliche Druck überschaubar war.Das Muster: Organisationale Ethik ist kein stabiler Zustand, sondern ein permanentes Kräftemessen. Zwischen Überzeugungen der Mitglieder und wirtschaftlichen Zwängen. Zwischen Leitbild und Marktdruck. Zwischen dem Wunsch, das Richtige zu tun, und der Angst vor Konsequenzen.Aber viel interessanter ist der Alltag. Stefan Kühl nennt es brauchbare Illegalität: Das Pflegeteam, das Dokumentationszeiten kürzt für mehr Betreuung. Die Verwaltung, die bürokratische Schlupflöcher findet, um Härten abzumildern. Ohne diese alltäglichen Regelbrüche würden viele Organisationen nicht funktionieren. Die Moral versteckt sich in der Lücke zwischen Vorschrift und Wirklichkeit.Das Problem: Sich Ethik leisten zu können ist selbst schon ein Privileg. Anthropic hatte andere Einnahmequellen, massive öffentliche Unterstützung. Der Pfleger, die Sachbearbeiterin, der Verein? Haben diesen Luxus nicht.Ethik in Organisationen ist keine Frage individuellen Muts. Es ist eine Frage der Strukturen.Erwähnte Personen: Stefan Kühl Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 10 - Der organisationale Alltag zwischen Leitbild und Wirklichkeit
Diese Woche war ich in Augsburg bei einer Veranstaltung zum nachhaltigen Wirtschaften. Organisiert von der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH – in einem Autohaus. Eine Nachhaltigkeitsveranstaltung zwischen glänzenden Neuwagen. Ich liebe solche Widersprüche, denn sie erzählen mehr über den Zustand unserer Organisationen als jede Keynote.Von BMW über Behörden bis zu regionalen Mittelständlern – die Bandbreite war enorm. Und das Beste: Viele haben nicht die üblichen Erfolgsgeschichten erzählt. Sie haben von Widerständen berichtet, von gescheiterten Versuchen, von der Kluft zwischen dem, was die Organisation nach außen kommuniziert, und dem, was intern tatsächlich passiert.Zwischen dem, was auf so einer Veranstaltung besprochen wird, und dem, was am Montagmorgen passiert, liegt ein Graben. Da sitzt man bei einem Vortrag über CO₂-Reduktion, nickt zustimmend, nimmt sich drei Maßnahmen vor – und am Montagmorgen liegen dreißig Mails im Postfach, der Abteilungsleiter will die Quartalszahlen, und das Nachhaltigkeitskonzept wandert in die Schublade. Nicht aus Boshaftigkeit. Weil der Alltag seine eigene Schwerkraft hat.Ein IT-Leiter berichtete: Sein Projektportfolio wächst stetig. Mehr Budget, mehr Gerätschaft, mehr Systeme. Abgekündigt wird selten. Ein Zusammenlegen der IT-Infrastruktur mit anderen Organisationen würde Sinn ergeben – aber die Logik des Wachstums und der Abgrenzung ist stärker als die Logik der Nachhaltigkeit. Rebound-Effekte überall: Ressourcen werden an einer Stelle eingespart, an anderer wieder angeschafft. Die Einsparung ist dahin.Und dann die Mikropolitik. Mehrere Entscheider fragten sich offen: Macht ein veganes Kantinenangebot die Organisation attraktiver – oder vergrault es bestehende Mitglieder? Ist ein Mobilitätskonzept, das Parkplätze reduziert, ein Fortschritt oder eine Zumutung? Die Fragen klingen banal, aber sie sind es nicht. Selbst das Mittagessen ist politisch. Jede Veränderung sendet ein Signal – über Werte, über Richtung, über das, wofür man steht.Greenwashing ist keine böse Absicht. Es ist eine strukturelle Versuchung. Die Organisationen, die am lautesten über Nachhaltigkeit reden, sind nicht unbedingt die, die am meisten tun. Wer eine große Nachhaltigkeitsabteilung hat, hat vor allem eine große Nachhaltigkeitsabteilung – nicht unbedingt nachhaltige Prozesse.Der Ausweg? Informelle Netzwerke. Die ehrlichen Pausengespräche, der Austausch unter vier Augen. Das Gegenteil von Schauseite.Erwähnte Personen: Anton Jäger Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 9 - Kollektive Fiktionen – Was die Kommunalwahl über organisationale Ziele verrät
Am achten März wird hier in Utting am Ammersee gewählt. Ein 4.000-Einwohner-Ort südwestlich von München. Was dort passiert, zeigt etwas Faszinierendes über organisationale Identität: Selbst Nicht-Organisationen müssen so tun, als wären sie Organisationen, um erfolgreich zu sein.Da ist die "Liste für Utting" – 16 Menschen, unterschiedlicher geht's nicht. Ein 72-jähriger Kunstkurator neben einem 20-jährigen Handwerker. Eine Zahnarzthelferin neben einem Bankkaufmann. Das Paradox: Die LFU ist wahrscheinlich gar keine echte Organisation. Ein lockerer Zusammenschluss. Aber sie sehen aus wie eine Partei. Professionelle Website, einheitliches Branding, geschliffene Kampagne. Sie müssen wie eine Organisation auftreten, um gegen CSU und Grüne anzukommen.Und ihre Ziele? Völlig widersprüchlich. Naturschutz UND Entwicklung. Bezahlbarer Wohnraum OHNE das Dorfgesicht zu zerstören. Mehr Mittel für Kultur UND für Wirtschaft. Aber genau diese Widersprüchlichkeit könnte ihr Erfolgsgeheimnis sein. Alle 16 können ihre eigene Interpretation hineinlesen.Dann die CSU mit Bürgermeister Florian Hoffmann. Ihr Argument: "Es läuft doch." Das ist die konservative Fiktion – der bewährte Verwalter. Sie suggeriert: Politik ist Verwaltung, Regieren ist Problemlösung, Macht ist Kompetenz. Eine zutiefst entpolitisierende Erzählung, die Ideologie als Sachzwang tarnt. Aber wer profitiert vom Status quo? Für wen hat sich was bewährt?Die Grünen funktionieren nach dem Prinzip der Antizipation. Sie identifizieren zukünftige Probleme, bevor die Krise akut wird. Aber ihre Plakate verschwinden regelmäßig. Nicht durch Wind oder Wetter – sie werden abgerissen, zerstört. Die der Linken auch. CSU-Plakate bleiben unbeschädigt. Warum? Haben Menschen Angst vor bestimmten Botschaften? Stört die Konfrontation mit Klimawandel-Thematik?Was lehrt uns das? Politische Ziele sind kollektive Fiktionen und Machtinstrumente. Nie neutral, immer interessengeleitet. Sie spiegeln tieferliegende Ängste wider. Die CSU fürchtet Chaos. Die Grünen fürchten Umweltzerstörung. Die LFU fürchtet Parteipolitik – und muss deshalb selbst wie eine Partei werden.Der reifste Umgang damit? Ironische Distanz. Sie ernst nehmen, ohne ihnen zu verfallen. Als nützliche Werkzeuge verstehen, nicht als heilige Wahrheiten.Und zum Schluss noch ein Link zu meinem Buch Hinter der Schauseite. Viel Spaß beim Lesen! Erwähnte Personen: Florian Hoffmann Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 8 - Identitäten & Realitäten: Wer formt wen?
Wer formt eigentlich wen? Formen Menschen ihre Organisationen – oder formen Organisationen ihre Menschen? Die Antwort ist: beides gleichzeitig. Ein ständiges Wechselspiel, ein Tanz zwischen individuellen Entscheidungen und organisationalen Strukturen.Ich kenne eine Frau – nennen wir sie Sori. Vor zehn Jahren in ein IT-Unternehmen eingestiegen, eigentlich nur für ein Jahr. Heute leitet sie eine Abteilung und das Unternehmen ist völlig anders. Sori hat es verändert. Nicht durch große Reden, sondern durch hunderte kleine Entscheidungen. Andere Kommunikation – direkter, ehrlicher. Andere Leute eingestellt. Andere Prioritäten gesetzt. Personen formen Organisationen. Jeden Tag, mit jeder Entscheidung.Aber die Geschichte geht weiter. Sori hat ihr Unternehmen verändert – und das Unternehmen hat sie verändert. Heute redet sie anders. Andere Kleidung, andere Freunde, andere Gedanken über Erfolg und Verantwortung. Organisationen formen ihre Mitglieder. Systematisch, tiefgreifend, oft ohne dass wir es merken. Der Tagesablauf. Die Sprache. Die Werte. Wer jeden Tag einen Anzug trägt, bewegt sich anders als jemand in Jeans und T-Shirt. Ein Unternehmen, das ständig von Effizienz redet, macht seine Mitarbeiter effizienzfokussiert.Und beide – Sori und ihr Unternehmen – wirken auf die Gesellschaft. Organisationen sind nicht neutral. Sie transportieren Weltanschauungen, normalisieren Verhaltensweisen. Wenn die meisten Unternehmen einer Stadt hierarchisch organisiert sind, wird Hierarchie normal. Wenn Organisationen diverser werden, normalisiert das Vielfalt.Dann wirkt die Gesellschaft zurück. Junge Bewerberinnen stellen andere Fragen. Kunden boykottieren Unternehmen, die ihren Werten widersprechen. Die Politik setzt neue Regeln. Diese Rückwirkung wird stärker, schneller, unausweichlicher.Organisationale Identität ist kein fester Zustand – sie ist ein ständiger Prozess. Ein Zusammenspiel von formalen Strukturen, informalen Netzwerken und Schauseiten. Nicht planbar, nicht kontrollierbar. Emergent.Und zum Schluss noch ein Link zu meinem Buch Hinter der Schauseite. Viel Spaß beim Lesen! Erwähnte Personen: - Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 7 - Hierarchie: Eine Kritik an der Standardlösung für Koordinationsprobleme
Warum gibt es überhaupt Hierarchie? Die Antwort ist einfach und frustrierend zugleich: weil Koordination ohne sie nahezu unmöglich wird. Hundert Menschen, alle mit unterschiedlichen Ideen, Prioritäten und Ressourcenwünschen. Ohne Entscheidungsstruktur würde jede Kleinigkeit ausgehandelt. Nichts würde je beschlossen. Die Organisation lähmt sich selbst.Aber Hierarchie verspricht mehr als nur Entscheidungen. Sie verspricht Überblick. Hier oben sitzt jemand, der das Ganze im Blick hat – während alle anderen im Kleinen stecken. Das ist ein verlockendes Versprechen. Und es ist fast immer gelogen.In meiner Beratungsarbeit führe ich viele Interviews. Ich frage nach Lösungen. Und ich höre fast nie: Das wäre besser für uns alle. Ich höre: Dadurch würde sich für mich... – Das wäre gut für meinen Bereich. Menschen, die aufrichtig glauben, holistisch zu denken – und dabei nur ihre eigene Position offenbaren. Nicht weil sie bösartig wären. Sondern weil jede Position in einer Hierarchie ein begrenztes Sichtfeld erzeugt. Hierarchie verkauft Machtpositionen als Erkenntnispositionen. Das ist ihre fundamentale Lüge.Dazu kommt: Hierarchie existiert immer auf zwei Ebenen. Die formale steht im Organigramm. Die informale entsteht aus Expertise, Netzwerken und persönlichem Einfluss. Die Assistentin, die seit zwanzig Jahren jeden kennt, hat oft mehr Macht als ihr Titel zeigt. Organisationen ohne formale Hierarchie haben meist einfach nur eine unsichtbare.Und dann die Folgeprobleme: Machtmissbrauch, weil konzentrierte Macht dazu einlädt. Verzerrter Informationsfluss, weil schlechte Nachrichten nach oben gefiltert werden – und nach unten oft gar nichts ankommt. Demotivation, weil die meisten Menschen merken, dass ihre Stimme weniger zählt.Aber hier liegt ein entscheidender Denkfehler: Hierarchie und Entscheidungsstruktur sind nicht dasselbe. Mehrheitsentscheid, Konsent, Delegation an Fachleute, Betroffenenprinzip – diese Mechanismen existieren bereits, meist ohne explizit so benannt zu werden. Die Frage ist nicht: Hierarchie oder keine Hierarchie. Die Frage ist: Welcher Mechanismus für welche Entscheidung?Erwähnte Personen: David Graeber Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 6 - Was motiviert Menschen Organisationen beizutreten und in ihnen zu bleiben?
Wer gehört eigentlich zu einer Organisation – und warum? Die Antwort scheint klar: Man hat einen Vertrag und steht auf der Mitgliederliste, oder eben nicht. Aber sobald wir genauer hinschauen, wird aus dieser scheinbaren Eindeutigkeit ein komplexes Geflecht aus Erwartungen, Motiven und Macht.Organisationen stehen vor einem Paradox. Sie müssen Menschen gewinnen, sie davon abhalten zu gehen – und sie gleichzeitig dazu bringen, ihre Rolle tatsächlich zu erfüllen. Rekrutieren, binden, motivieren. Drei Aufgaben, die nie endgültig gelöst sind. Denn anders als Organisationen brauchen Menschen Organisationen nicht zwingend. Es gibt immer Alternativen. Die eigentliche Frage lautet also: Warum investieren Menschen trotzdem Zeit, Energie und Loyalität?Mitgliedschaft hat viele Gesichter. Da ist der Vereinsenthusiast, der mehr Zeit im Club verbringt als zuhause. Die engagierten Eltern, die faktisch unverzichtbar sind, ohne formale Mitglieder zu sein. Die langjährige Angestellte, deren Identität mit der Organisation verwoben ist – obwohl die Beziehung auf einem kündbaren Vertrag basiert. Der Berater, technisch extern, funktional intern. Die Freiwillige, die projektbasiert unterstützt, aber keine Stimmrechte hat. Das Parteimitglied, formal gleichberechtigt – praktisch oft passiv. Und schließlich das Geistermitglied: offiziell dabei, real abwesend.All diese Formen erzeugen unterschiedliche Beziehungen zur Organisation. Unterschiedliche Rechte, unterschiedliche Pflichten, unterschiedliche Grade der Bindung. Mitgliedschaft ist kein Ja-oder-Nein-Zustand. Sie ist ein Spektrum.Und genau darin liegt die Herausforderung. Wie koordiniert man Menschen, die sich fundamental unterschiedlich zur Organisation verhalten? Unterschiedliche Zeitbudgets, unterschiedliche Motivationen, unterschiedliche Macht. Organisationen antworten klassisch: mit Hierarchie. Jemand muss entscheiden, wenn Interessen kollidieren. Jemand muss koordinieren, wenn Vielfalt in Chaos kippt.Hinzu kommt eine Spannung, die selten offen benannt wird: Formale Gleichheit trifft auf praktische Ungleichheit. Auf dem Papier haben alle die gleichen Rechte. In der Realität ist Einfluss ungleich verteilt. Manche tragen mehr bei. Manche werden stärker gehört. Manche konkurrieren um Projekte, Budgets, Anerkennung. Wettbewerb ist kein Betriebsunfall – er ist Teil des organisationalen Alltags.Und trotzdem bleiben Menschen. Nicht nur wegen Geld. Sondern wegen Sinn, Zugehörigkeit, Entwicklung. Wegen investierter Zeit, die man nicht einfach aufgeben will. Weil Identität und Organisation sich ineinander verschränken. Organisationen funktionieren nicht wegen perfekter Strukturen – sondern weil für genug Menschen die Gleichung aus Anreiz, Erwartung und persönlicher Motivation aufgeht.Mitgliedschaft ist damit kein administrativer Akt. Sie ist eine Beziehung. Fragil, widersprüchlich, produktiv.In der nächsten Episode geht es um Hierarchie. Wir haben sie hier bereits gestreift – als Koordinationsmechanismus für heterogene Mitgliedschaft. Aber wie funktioniert Hierarchie tatsächlich? Was leistet sie, wo scheitert sie – und gibt es realistische Alternativen?Erwähnte Personen: Stefan KühlSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 5 - Die Unterschiede zwischen Organisationen und anderen sozialen Systemen
Was unterscheidet einen Verein von einem Freundeskreis? Ein Unternehmen von einer Familie? Die Frage klingt simpel, aber die Antwort ist kompliziert. Grenzen zwischen verschiedenen sozialen Gebilden sind keine Mauern – es sind durchlässige Membranen, an denen verschiedene Logiken kollidieren.Es beginnt harmlos. Eine Gruppe trifft sich zum Spielen. Pen & Paper, Brettspiele. Anfangs zuhause, dann wird's eng. Jemand schlägt vor, einen Raum zu mieten. Plötzlich braucht es einen Mietvertrag, ein Bankkonto, jemanden der Beiträge einsammelt. Und wenn man schon dabei ist – warum nicht als Verein? Eine Satzung wird entworfen, ein Vorstand gewählt. Was gerade passiert ist? Eine unsichtbare Linie wurde überschritten. Was als spontanes Treffen unter Freunden begann, ist eine Organisation geworden. Der Formalisierungsprozess – niemand plant ihn so, er passiert einfach. Jeder kleine Schritt erscheint vernünftig. Aber kumulativ transformieren diese Schritte die fundamentale Natur dessen, was gemeinsam getan wird.Dann das Familienunternehmen. Formal gibt es Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Aber wo werden Entscheidungen getroffen? Am Esstisch beim Sonntagskaffee. Die Geschäftslogik sagt: Stell die beste Person ein. Die Familienlogik sagt: Der Neffe braucht einen Job. Du kannst deine Schwester nicht feuern – sie ist deine Schwester. Aber das Geschäft braucht kompetente Führung. Zwei Logiken, die sich widersprechen. Keine kann gewinnen. Beide müssen täglich navigiert werden.Der Unterschied liegt in der Mitgliedschaft. In einem Unternehmen: Du hast einen Arbeitsvertrag oder nicht. Binär, eindeutig. In einer Familie? Viel Glück beim Ziehen der Grenzen. Organisationen schaffen künstliche Klarheit. Andere soziale Strukturen leben mit produktiver Ambiguität.Und dann die Exit-Option. Wenn der Job nicht gefällt, kannst du kündigen. Aus einer Familie kannst du nicht austreten. Das verändert alles. "Wir sind wie eine Familie" – eine gefährliche Phrase in Organisationen. Sie übernimmt das Gefühl von Familie ohne die tatsächlichen Verpflichtungen. Die Verwundbarkeit einer Familienbeziehung mit ihrer Loyalität, aber nicht den Schutz. Die Organisation kann dich jederzeit feuern. Eine Familie nicht.Erwähnte Personen: - Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 4 - Was alle Organisationen verbindet
Was hat ein Schützenverein mit einem DAX-Konzern gemeinsam? Diese Frage klingt seltsam – aber die Antwort ist verblüffend. Mehr als ihre Selbstdarstellung suggeriert! Wir zerlegen Organisationen in ihre Grundbausteine und entdecken: Die gleichen Mechanismen durchziehen alles, vom Handwerksbetrieb bis zur Universität.Zielorientierung – klingt simpel, ist aber politisch. Wer bestimmt, was die Organisation will? Ziele sind Filter, die Komplexität reduzieren. Aber sie entstehen in Machtprozessen.Arbeitsteilung – die löst das Komplexitätsproblem. Der Bäcker backt, die Verkäuferin verkauft. Spezialisierung macht besser. Aber sie schafft auch Abhängigkeit. Fällt der Bäcker aus, gibt's keine Brötchen. Die Entwicklungsabteilung baut tolle Produkte, die keiner verkaufen kann. Arbeitsteilung ist Problem und Lösung zugleich.Hierarchie – das notwendige Übel. Sie ermöglicht Entscheidungen, sonst blockiert man sich selbst. Aber sie ist auch ein Machtinstrument. Wer oben sitzt, verdient mehr, hat mehr Einfluss. Die Frage ist nicht, ob Hierarchien gut oder schlecht sind. Die Frage ist: Wie viel braucht es wirklich?Koordination, Stabilität, Grenzen – jeder Baustein löst ein spezifisches Problem. Und jeder schafft neue. Das ist keine Dysfunktion, das ist die Funktionsweise von Organisationen. Sie sind immer beides: Problemlöser und Problemerzeuger.Stefan Kühl nennt das Kontingenzbewältigung. Organisationen konzentrieren ihre Perspektive auf wenige wichtige Aspekte und blenden alles andere aus. Aus unendlich vielen möglichen Handlungen werden jene ausgewählt, die dem Zweck dienen.Die dialektische Pointe: Ziele schränken ein. Arbeitsteilung erzeugt Abhängigkeit. Hierarchie produziert Ungleichheit. Stabilität führt zur Erstarrung. Aber weil Organisationen menschliche Schöpfungen sind, können sie verstanden, analysiert und verändert werden.Erwähnte Personen: Stefan Kühl Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 3 - Von Sportvereinen und Staatsapparaten
Was hat ein Sportverein mit einem Staatsapparat gemeinsam? Mehr als du denkst. Wir beginnen unsere Reise bei etwas Vertrautem – dem Sportverein um die Ecke. Ein paar Leute, die zusammen kicken, danach ein Bier. Klingt simpel, oder? Aber bereits hier jongliert man zwischen Sport, Wirtschaft, Recht und Politik. Satzungen müssen eingehalten werden, Mitgliedsbeiträge müssen fließen, Hallenzeiten verhandelt werden.Dann wird's handwerklich: Eine Schreinerei mit Meisterin, Gesellen und Azubis. Eine Bäckerei in dritter Generation. Klein, überschaubar? Keineswegs. Hier zeigt sich bereits die ganze organisationale Komplexität. Die Meisterin ist morgens Handwerkerin, mittags Managerin, nachmittags Unternehmerin. Tradition trifft auf Innovation. Generationen prallen aufeinander.Schulen verschärfen das Spiel. Lehrkräfte sollen individuell fördern UND standardisierte Tests bestehen. Pädagogischer Anspruch trifft auf Dokumentationspflicht. Zu wenig Personal, zu große Klassen, marode Gebäude. Widersprüchliche Anforderungen bei knappen Ressourcen.Und dann der Staatsapparat – kein monolithischer Block, sondern ein Ökosystem aus lose gekoppelten Organisationen. Kommunen, Länder, Bund, EU. Jede Ebene mit eigenen Ämtern, Ministerien, Behörden. Alle müssen irgendwie zusammenarbeiten, keiner hat das große Ganze im Blick. Das ist der Preis der losen Kopplung.Die Erkenntnis: Vom Sportverein bis zum Staatsapparat – alle teilen fundamentale Herausforderungen. Alle müssen zwischen verschiedenen Logiken jonglieren, Stabilität und Wandel ausbalancieren, mit knappen Ressourcen wirtschaften. Und alle existieren nicht isoliert. Es gibt keine organisationalen Inseln. Was einem System widerfährt, wirkt sich auf andere aus.Erwähnte Personen: -Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 2 - Spagat! Über Organisationen in einer funktional differenzierten Gesellschaft
Stell dir vor, du sollst gleichzeitig nach Norden UND nach Süden laufen. Unmöglich? Willkommen im Alltag von Organisationen. Sie müssen permanent widersprüchliche Anforderungen erfüllen. Ein Sportverein braucht sportliche Erfolge UND schwarze Zahlen. Eine NGO will politisch wirken UND rechtlich sauber bleiben. Das ist der Spagat.Wir tauchen ein in Niklas Luhmanns Theorie der funktionalen Differenzierung. Seine Beobachtung: Unsere Gesellschaft hat sich in verschiedene Bereiche aufgeteilt – Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft. Jeder entwickelt eigene Logiken. Ein Arzt fragt: "Wird der Patient gesund?" Ein Ökonom: "Ist das profitabel?" Ein Jurist: "Ist das rechtmäßig?" Gleiche Situation, völlig unterschiedliche Welten.Das Problem: Organisationen müssen oft in mehreren dieser Welten gleichzeitig bestehen. Ein Nachtklub jongliert zwischen kultureller Glaubwürdigkeit und wirtschaftlichem Überleben. Jeden Abend dieselbe Frage: Dieser Underground-Act bringt Szene-Cred – aber füllt er den Club? Eine Universität balanciert zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und Drittmittelakquise. Gute Forschung reicht nicht, sie muss sich auch rechnen.Und wer macht den Spagat? Einzelne Menschen. Die Professorin, die morgens wissenschaftlich argumentiert und nachmittags Budgets kalkuliert. Die Lehrerin zwischen individueller Förderung und Dokumentationspflicht. In meiner Beratungspraxis sehe ich das täglich. Dieses Gefühl der Zerrissenheit ist keine persönliche Schwäche – es ist systemische Realität.Die dunkle Seite: Organisationen zerstören manchmal ihre eigenen Grundlagen. Discounter drücken Milchpreise, bis Bauern aufgeben.Die Einsicht: Dieser Spagat lässt sich nicht auflösen. Aber wir können bewusster damit umgehen.Erwähnte Personen: Niklas LuhmannSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 1 - Grundbausteine unserer Organisationen
Zuerst ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn alle Organisationen über Nacht verschwinden würden? Wir würden feststellen, dass wir in einer durch und durch organisierten Welt leben. Doch was sind Organisationen überhaupt? Wie funktionieren sie? Und warum verhalten sie sich manchmal so irrational?Hier kommen die Grundbausteine: Stefan Kühl, einer der wichtigsten Organisationssoziologen im deutschsprachigen Raum, macht drei fundamentale Unterscheidungen: Formalität (was offiziell gilt), Informalität (wie es wirklich läuft) und Schauseite (was nach außen gezeigt wird). In fast allen Organisationen klaffen diese drei weit auseinander – und oft ist genau das funktional. Die offiziellen Regeln sind das eine, die gelebte Praxis etwas ganz anderes.Mit Niklas Luhmann möchte ich eine weitere Perspektive einbringen. Laut ihm bestehen Organisationen nicht aus Menschen, sondern aus Entscheidungen. Jede Entscheidung zieht die nächste nach sich. So entwickeln Organisationen eine Eigendynamik, die niemand gewollt hat. Aus gut gemeinten Ideen entstehen bürokratische Weltenvernichter. Und wie sieht es historisch aus? Unsere aktuell vorherrschenden Organisationsformen haben sich erst in den letzten paar Jahrhunderten herausgebildet. Dabei haben sich Menschen über Jahrtausende hinweg völlig anders organisiert. Nichts an unseren heutigen Formen ist naturgegeben.Die Erkenntnis: Wenn wir die Grundbausteine verstehen, können wir Organisationen auch anders gestalten.Erwähnte Personen: Stefan Kühl, Niklas LuhmannSchreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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OE3000 - Episode 0 - Hinter der Schauseite, ein Podcast stellt sich vor
Ich bin Robin, und das ist Episode 0 von OE3000 – die Einführung in einen Podcast über Organisationen aus kritischer Perspektive. Der Titel ist Programm: Ich zeige dir, was hinter der Schauseite von Organisationen steckt. Aber auch, worum es bei meinem Podcast geht.Seit 15 Jahren arbeite ich als Organisationsentwickler – in Konzernen, NGOs, Verwaltungen, Bildungseinrichtungen. Ich habe gesehen, wie Organisationen Menschen ermächtigen können. Aber auch, wie sie Menschen ausbrennen, frustrieren, kleinhalten. Organisationen sind keine neutralen Werkzeuge. Sie sind Orte, an denen Macht ausgeübt wird, Ressourcen verteilt werden, Konflikte ausgetragen werden.In der deutschsprachigen Medienlandschaft dominiert die betriebswirtschaftliche Perspektive – Organisationen als Maschinen, die optimiert werden müssen. Kritische Analyse? Eher selten.Genau hier setzt OE3000 an. Ich untersuche Organisationen mit den Werkzeugen der Soziologie. Zugänglich, konkret, praxisnah.Das Projekt heißt OE3000, weil ich überzeugt bin: Die Art, wie wir uns organisieren, entscheidet über unsere Zukunft. Klimakrise, soziale Ungleichheit, demokratische Erosion – das sind allesamt auch organisationale Krisen.Die gute Nachricht: Organisationen sind veränderbar, wir können sie entwickeln :)Erwähntes Buch: Robin Taylor: Hinter der Schauseite - Wie unsere Organisationen wirklich funktionieren und welches Potenzial in ihnen steckt, oekom Verlag 2026Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
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ABOUT THIS SHOW
Für wen funktionieren Organisationen? Wie könnten sie morgen aussehen?Ich bin Robin, Autor eines Sachbuchs über unsere Organisationen und Organisationsentwickler mit 15 Jahren Erfahrung. In diesem Podcast untersuche ich Organisationen als komplexe soziale Gebilde, in denen Macht ausgeübt wird, Konflikte ausgetragen werden und Veränderung möglich ist. Kein Management-Blabla, sondern kritische Analyse.Meine These: Organisationen sind veränderbar – wie wir sie gestalten, entscheidet über unsere Zukunft.Schreib mir: [email protected] Infos: www.robin-taylor.de
HOSTED BY
Robin Julian Taylor
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